Plan: Der Test des Schlaf-Setups im ersten Overnighter verlief erfolgreich.
Nun will ich in einem zweiten Overnighter testen, ob ich mit einem leicht veränderten Schlaf-Setup bei Temperaturen bis -5°C einigermaßen schlafen kann.
Dafür will ich die Ausrüstung aus dem ersten Overnighter in zwei Punkten verändern.
Statt dem 200er-APEX-Quilt von AsTucas will ich einen 133er-APEX-Quilt (Sommer-Quilt) von AsTucas aus dem Jahre 2016 verwenden. Dieser Quilt ist herstellerseitig mit einer Komforttemperatur von 5°C
angegeben. Die Temperaturangabe ist nach meiner persönlichen Erfahrung,
analog dem 200er-APEX-Quilt, zu optimistisch angegeben. Der von mir
veranschlagte Wert wird bei einer Komforttemperatur von ca. 10°C liegen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit diesem "Sommer-Quilt" und bei diesen Temperaturen meine 2.Kleidungsschicht
(dicke Wollsocken, KuFa-Isolationshose, KuFa-Isolationspullover) aus
dem ersten Overnighter einsetzen muss. Aber diese Kleidungsstücke sind
bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eh immer in meinem Rucksack.
Der andere Punkt, den ich verändern will, ist der VBL-Anzug (Overall). Der wird durch eine VBL-Jacke und VBL-Hose
ersetzt. Ich verspreche mir durch die Kombination von VBL-Jacke und
VBL-Hose mehr Variabilität, speziell beim nächtlichen Gang ins Gebüsch.
Eine VBL-Hose lässt sich dabei wesentlich einfacher handhaben.
Bleibt
natürlich die Frage, ob ich die Kombination aus VBL-Jacke und VBL-Hose
ebenso dampfdicht verschließen kann, wie bei einem Overall.
Jetzt
muss ich nur noch jeden Tag den Wetterbericht beobachten. Ich hoffe,
dass sich irgendwann eine Großwetterlage einstellt, die mir Temperaturen
um -5°C beschert.
Ich bin gespannt, wie das ausgeht...
Erkenntnisse: Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Die Tiefsttemperaturen Mitte Februar 2021 von ca. -20°C
waren für meinen Test nicht geeignet. Wintertouren plane ich im Moment
nicht. Deshalb freundete ich mich schon mit dem Gedanken an, meinen
2.Overnighter bis in den nächsten Winter zu verschieben.
Trotzdem beobachtete ich die Wettervoraussagen sehr genau. Am Freitag, den 5.März 2021, und das folgende Wochenende waren für die Nacht Minustemperaturen bis -7°C angekündigt. Das würde mir perfekt in den Kram passen.
Folgende Kleidung hatte ich für den Test an:
1) Kleidungsschicht: Funktionsunterwäsche bestehend
- aus Polypropylen des Herstellers LIOD (Strümpfe, Legging und ein dünner langärmliger Pullover)
2) Kleidungsschicht: VBL-Kleidung bestehend
- aus VBL-Strümpfen von Expeed,
- einer MYOG-VBL-Hose und
- einer MYOG-VBL-Jacke (für beide MYOG-Kleidungsstücke siehe Menüpunkt MYOG Projekte C14 (VBL-Jacke) und C16 (VBL-Hose))
3) Kleidungsschicht: Isolationskleidung bestehend
- aus Wollsocken von zpacks (Brushtail Possum Socks),
- einer KuFa-Isolationshose von AsTucas (Climashield Apex 100),
- einem KuFa-Isolationspullover von Cumulus (Climalite Apex 67) und
- einer einfachen Wollmütze
Als Seitenschläfer und den Minustemperaturen geschuldet, wollte ich auf einer Isomatte TaR NeoAir XTherm Small schlafen.
Mein Quilt war ein 133er-APEX-Quilt (Sommer-Quilt) von AsTucas aus dem Jahre 2016, der mit einer Komforttemperatur von 5°C herstellerseitig angegeben war. Meine Erfahrungen mit dem Quilt besagten aber, dass die Komforttemperatur höchsten 10°C betragen konnte.
Die Datenauswertung eines Temperatur-Loggers am Morgen nach dieser Nacht ergab, dass gegen 4 Uhr eine Temperatur von -10°C herrschte. Also 20 Grad unter der von mir geschätzten Komforttemperatur des Quilts.
Meine
Überraschung war groß, auch weil ich mit der beschriebenen Ausrüstung
nie gefroren habe. Die Füße (mein Frieren-Anzeiger) waren immer mollig
warm.
Wenn
ich in der Nacht einmal wach wurde, überprüfte ich den Quilt und die
Isolationskleidung über der VBL-Kleidung auf Feuchtigkeit. Alles blieb
bis zum Schluss total trocken.
Auf der Innenseite des Tarps (zpacks,
Hexamid Pocket Tarp with Doors) war die Kondensfeuchtigkeit gefroren.
Aber das war bei diesen Temperaturen zu erwarten und daher für mich
vollkommen normal.
In
der Nacht musste ich einmal aufstehen und ein "kleines Geschäft"
erledigen. Dabei hat sich die Kombination aus einer VBL-Jacke und einer
VBL-Hose bestens bewährt. Die gespeicherte Wärme innerhalb der
VBL-Kleidung hatte wenig Chancen zu entweichen. Das war übrigens einer
der Gründe für den Wechsel von einem VBL-Anzug zu einer VBL-Jacke und
einer VBL-Hose.
Allerdings
hat mir dieser Wechsel etwas mehr Gewicht eingebracht. Der VBL-Anzug
wiegt 187 g. Die VBL-Jacke (160 g) und die VBL-Hose (120 g) kommen
zusammen auf 280 g. Das sind 93 g mehr, als der VBL-Anzug. Entstanden
ist dieses Mehrgewicht durch die Anbringung eines Kordelkanals
(elastische 3mm-Kordelschnur, Kordelstopper und Tyvek-Klebeband) am Bund
der VBL-Jacke und der VBL-Hose.
Aber der Komfort der Jacke-Hose-Kombination macht diesen Gewichtsunterschied mehr als wett.
Beim nächtlichen Gang ins Gebüsch testete ich nochmals meine modifizierten Camp-Schuhe (siehe Menüpunkt MYOG Projekt C10).
An den Camp-Schuhen ersetzte ich das Tapeband zur Größenverstellung
durch eine elastische 3mm-Kordelschnur. Auch diese Änderung hat sich als
ein Volltreffer erwiesen.
Gegen 6 Uhr beendete ich diese Testnacht mit einem äußerst positiven Ergebnis.
Die beiden Overnighter zeigten mir, dass ich mit der von mir erstellten VBL-Kleidung in dem angepeilten Zeitraum März bis November
wandern und übernachten kann. Auch die eine oder andere Nacht mit
Minustemperaturen von -5°C könnte ich ohne größere Probleme überstehen.
Bilder zu diesem Overnighter gibt es nicht.
Nachtrag (November 2023): Noch eine Bemerkung zu den erwähnten Camp-Schuhen.
Im harten "Feldeinsatz" haben sich die mehrmals modifizierten
Camp-Schuhe als eine völlige Fehlkonstruktion erwiesen. So deutlich muss
ich das leider sagen.
Siehe auch die Nachträge im Menüpunkt MYOG Projekt C10.