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29 Juni 2026

Test Schlaf-Setup bis -5°C + Camp-Schuhe

Test Schlaf-Setup bis -5°C + Camp-Schuhe
 
Plan: Mein 200er-APEX-Quilt von AsTucas aus dem Jahr 2015 war mit einer Komforttemperatur von -5°C angegeben. Das bedeutet nach meinem Kenntnisstand, dass ich als Mann in Strümpfen, einer Legging und einem Pullover bei einer Temperatur von -5°C "einigermaßen" schlafen können muss. 

Auf meiner Wandertour Quer durch Deutschland im Oktober 2020 über 802 km benutzte ich den Quilt bei Temperaturen um 0°C. In diesem Temperaturbereich schlief ich mit dem Quilt in den letzten Jahren noch nie. Erst durch "Aufpimpen" mit zusätzlicher Kleidung konnte ich bei diesen Temperaturen gut schlafen. 

Folgende Kleidung verwendete ich auf einer TaR-Isomatte NeoAir XTherm Small in diesen Nächten: 

1.Kleidungsschicht: Wandersocken, Unterhose, Legging, T-Shirt, dünner langärmliger Pullover

2.Kleidungsschicht: Wollsocken (zpacks Brushtail Possum Socks), KuFa-Isolationshose aus 100er-APEX von AsTucas, KuFa-Isolationspullover aus Climalite (eine Art APEX) von Cumulus, Wollmütze
 
Da ich sehr kälteverträglich bin, wundert mich diese Angabe der Komforttemperatur von AsTucas aus dem Jahr 2015. Vielleicht sind die Komforttemperaturen vor einigen Jahren viel "optimistischer" angegeben wurden. Dieser Wert deckt sich auf keinen Fall mit den Erfahrungen von meiner letzten Wandertour.
 
Das wollte ich bei einer Übernachtung bei Temperaturen um den Gefrierpunkt einmal genau testen und prüfen, ob meine Beobachtungen von der letzten Wandertour stimmen.

In den Tagen kurz vor Weihnachten 2020 ist auch mein Schutzanzug (Chemikalien-Schutzanzug "4565" Typ 4/5/6 Cat.III, weiß mit roten Streifen, 187 g) von 3M eingetroffen. 
 
Diesen Schutzanzug wollte ich als VBL-Anzug "missbrauchen". Ergänzt wird der Schutzanzug durch die VBL-Socken von Exped (VBL Socks, 39 g).  
 
Vom VBL-Prinzip (siehe Menüpunkt Fragen/Themen, Punkt B5 ) versprach ich mir, dass ich mit einem normalen Quilt bis in tiefe einstellige Minustemperaturen einigermaßen bequem schlafen kann.

Wenn ich mit dem AsTucas-Quilt und dem VBL-Anzug den Temperaturbereich von ca. -5°C erreiche, könnte ich meine Langstreckenwanderungen auch auf Zeiträume ausdehnen, wo Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen. Das würde meinen zeitlichen Handlungsspielraum für Wandertouren enorm erweitern.
 
Zusätzlich müsste ich mir für kältere Temperaturen keine spezielle Ausrüstung zulegen. Meine vorhandene Mai-bis-September-Ausrüstung könnte ich weiter verwenden.
 
Übernachten werde ich bei diesem Test in einem Tarp (siehe Bild 1) von zpacks (Hexamid Pocket Tarp with Doors) und einem Biwaksack von AsTucas (Millaris Bivy Sack, 198 g).

Bild 1: Übernachtung im Tarp von zpacks

Neben dem Quilt und dem VBL-Anzug will ich noch zusätzlich meine Camp-Schuhe (24 g) für die Nacht testen. Mit Sicherheit muss ich in der Nacht wenigstens einmal für ein kleines Geschäft das Tarp verlassen. Dabei werde ich die neuen selbstgefertigten Camp-Schuhe verwenden. 
 
Den Temperaturverlauf in der Nacht will ich mit den beiden Data Loggern von Elitech (RC-5+, 25 g) und BlueMaestro (Tempo Disc, 11 g) aufzeichnen. So kann ich später bei Problemen abgleichen, bei welcher Nachttemperatur die Probleme aufgetreten sind.
 
Erkenntnisse: Am Samstag, den 9.Januar 2021, war es endlich soweit. Der Wetterbericht sagte eine Nachttemperatur von ca. -3°C bis -5°C voraus. Das war genau die Temperatur, die ich mir für einen ersten Test meines Schlaf-Setups bei Minusgraden vorgestellt hatte. Für den Anfang wollte ich nicht zu tief in den Minusbereich gehen. "Leichte" Minusgrade, damit meine ich vor allem einstellige Minusgrade, trifft man auch in den Jahreszeiten an, in denen ich zukünftig auch wandern wollte, März bis April und Oktober bis November. Wenn es mir gelingt ein geeignetes Schlaf-Setup für diese neuen Zeiträume zu finden, könnte ich meinen Wanderzeitraum im Jahr enorm erweitern.
 
Das Tarp von zpacks, das Hexamid Pocket Tarp with Doors, war schnell aufgebaut. Mit dem Tarp benutze ich immer eine passende Unterlage (Bodenwanne) aus DCF-Material vom gleichen Hersteller. Auf die Unterlage legte ich einen Biwaksack von AsTucas, den Millaris Bivy Sack, und in den Biwacksack die Isomatte von Therm-a-Rest, die NeoAir XTherm Small (115 cm). Small deshalb, weil ich als Seitenschläfer immer mit angewinkelten Beinen schlafe. Ich benötige also nicht die übliche Länge von Isomatten und kann daher durch die Small-Ausführung etwas Gewicht einsparen.
 
Kleidungsmäßig änderte ich auch eine Kleinigkeit in der 1.Kleidungsschicht. Socken, Legging, T-Shirt und Pullover ersetzte ich durch Funktionskleidung der Firma LIOD, die als Hersteller von Kleidung aus Polypropylen (Kunstfaser) bekannt ist. Kleidung aus diesem Material ist wesentlich robuster als Kleidung aus Merino-Wolle, die ich bisher verwendete. Die Socken, die Legging und der Pullover sind auch noch dünner als die bisher verwendeten Kleidungsstücke.
 
Über die Funktionskleidung zog ich dann den VBL-Anzug (Chemikalien-Schutzanzug "4565" Typ 4/5/6 Cat.III) und die VBL-Socken von Exped (VBL Socks). Der VBL-Anzug bietet die Möglichkeit den Reißverschluss zusätzlich durch eine Abdeckleiste zu verkleben. Das tat ich nicht. Lediglich die Kapuze des VBL-Anzugs streifte ich über den Kopf. Der Kopf war die einzige Stelle meines Körpers, die direkten Kontakt mit dem VBL-Anzug hatte. 
 
So ausgerüstet startete ich gegen 20 Uhr bei 0°C meine Nachtruhe. Zusätzliche Kleidung, siehe 2.Kleidungsschicht oben, lag für den Ernstfall bereit.
 
Die erste Überraschung erlebte ich beim Anziehen des VBL-Anzugs. Das Tyvek-Laminat, aus dem der VBL-Anzug besteht, fühlte sich auf der Haut nicht unangenehm an. Ich könnte mir vorstellen auch ohne Funktionskleidung in dem VBL-Anzug zu schlafen. Das werde ich auf alle Fälle in einem weiteren Overnighter zu gegebener Zeit ausprobieren.
 
Ich konnte auch nicht sofort den "Hitzestau-Effekt" feststellen, über den im Internet bei der Benutzung von VBL-Anzügen und -Säcken so oft berichtet wurde. Erst nach einiger Zeit stellte sich ein leichtes Wärmegefühl ein. Irgendwann bin ich eingeschlafen. Wenn ich wach wurde, überprüfte ich, ob irgendetwas durch meine Ausdünstungen feucht geworden ist. Alles war trocken, innen und außen am Quilt und am Biwaksack, auch an der Innenwand des Tarps. Gegen Mitternacht war immer noch alles trocken. Lediglich an der Innenseite des Tarps hatte sich Kondensfeuchtigkeit gebildet. Gegen 5 Uhr in der Frühe hatte ich Temperaturen von -4°C. Der Quilt und der Biwaksack waren innen und außen immer noch trocken. Die Kondensfeuchtigkeit an der Innenwand des Tarps war aber gefroren und ließ sich leicht mit den Fingern abstreifen. 
 
Meine Füße sind der Haupt-Indikator für das Frieren. Wenn die Füße kalt werden, musste ich in der Vergangenheit immer reagieren und mit zusätzlicher Kleidung "aufrüsten". Überrascht stellte ich fest, dass meine Füße noch warm waren. Auch mein Körper fühlte sich warm an. Nicht "wohlig und mollig" warm, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich die 2.Kleidungsschicht benötigen würde. Ohne den VBL-Anzug musste ich bei Temperaturen von 0°C bis 2°C schon die 2.Kleidungsschicht anziehen, um gut schlafen zu können.
 
Auch das "Feuchtigkeitsgefühl" im VBL-Anzug hat sich in Grenzen gehalten. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich im "eigenen Saft" liege. Der VBL-Anzug liegt ja relativ eng am Körper an. Da kann es nicht viel Luft im VBL-Anzug geben, im Gegensatz zu einem VBL-Sack, den manche Wanderer verwenden.

Gegen 6 Uhr und bei -4°C beendete ich die Nachtruhe. Gefroren habe ich nie, obwohl ich nur mit relativ dünner Funktionskleidung und mit einem VBL-Anzug bekleidet war.
 
Beim Ausziehen merkte ich, dass die Funktionskleidung förmlich am Körper klebte. In der Nacht war das aber kein unangenehmes Gefühl.

Der Verschluss der Camp-Schuhe mit Tapeband hat sich als eine völlige Fehlkonstruktion erwiesen. Beim Lösen des Tapebandes blieben Teile des Materials der Camp-Schuhe am Tapeband kleben. Dadurch ließen sich die Camp-Schuhe nicht in der Größe verstellen. Die Verschlüsse der Camp-Schuhe konnten nicht mehr geschlossen werden.

Mittlerweile ist das Problem behoben. Das Tapeband wurde durch eine elastische 3mm-Kordelschnur an den Verschlüssen ersetzt. Diese neuen Verschlüsse passen sich durch die elastische Kordelschnur jeder Fußgröße an.

Die beiden Data Logger für die Temperatur lieferten fast identische Ergebnisse. Bleibt natürlich die Frage, ob ich bei Langstreckenwanderungen unbedingt einen Temperatur-Logger benötige. Für die Tag- und Nachtemperaturen in den Tagebuch-Aufzeichnungen reicht auch eine normale Wetter-App auf meinem Handy aus.

Der erste Overnighter hat das Ergebnis geliefert, was ich mir erhofft hatte.

Welche Fragen bleiben offen?

Auf alle Fälle werde ich ein leicht verändertes Schlaf-Setup noch bei ähnlichen Temperaturen testen (siehe Overnighter 02). 
 
Zusätzlich will ich mir aus einem falsch bestellten VBL-Anzug (Größe L war zu klein) eine VBL-Jacke anfertigen. Vielleicht reicht es noch zu einer VBL-Hose, wenn ich den VBL-Anzug an einer optimalen Stelle trennen kann.

Durch die VBL-Jacke verspreche ich mir auch einen Nutzen beim Wandern. Bei kühlen Temperaturen muss man oft eine Isolationsjacke anziehen. Schwitzt man dann bei anstrengenden Wegabschnitten, kann es passieren, dass die Körperausdünstungen in die Isolationsjacke eindringen und dort ähnliche Probleme verursachen wie bei einem Schlafsack oder Quilt. Um das zu verhindern, werde ich testen, ob eine VBL-Jacke unter der Isolationsjacke diesen negativen Effekt verhindern kann.

Der nachfolgende Link verzweigt in ein GoogleDrive-Verzeichnis und zeigt einige Bilder.

     Overnighter_01_Bilder

Zusätzlich befindet sich auf der rechten Seite meines Blogs im Tourenverzeichnis die Zeichenkette "Bilder", hinter der sich ebenfalls ein Link zu den Bildern dieses Overnighters befindet.
 

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