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10 Mai 2026

Flusstour 1 (Deutschland, 402 km)

Bikepacking-Touren waren in den letzten Jahren kein Thema für mich. 
 
Das hat sich im Herbst 2024 grundlegend geändert. Ab diesen Zeitpunkt dachte ich vermehrt über Bikepacking-Touren nach. Von anderen Wanderfreunden wusste ich, dass sie neben Wandertouren auch Bikepacking-Touren durchführen. Bei ihren Bikepacking-Touren nutzten sie die Erfahrungen, die sie auf ihren Wandertouren sammeln konnten.
 
Für Bikepacking-Touren benötige ich ein Trekking-Fahrrad. Da erinnerte ich mich an mein 25 Jahre "altes" Trekking-Fahrrad, das mehr oder weniger ungenutzt in der Garage herumstand. 
 
In einem MYOG-Sammelprojekt E1 baute ich das "alte" Trekking-Fahrrad" so um, dass es für Bikepacking-Touren tauglich wurde.

Einer ersten Bikepacking-Tour im Frühjahr 2026 stand also nichts mehr im Wege. 
 
Dann erfuhr ich, dass Freunde eine Radtour mit eBikes von Schochwitz nach Langenwolmsdorf bei Stolpen im Erzgebirge planten. Ihre Strecke sollte in ziemlich gerader Linie von Schochwitz nach Dresden und dann weiter nach Langenwolmsdorf führen. Die Rückfahrt war mit dem Zug geplant. Mir gefiel das nicht besonders gut. 
 
Dann begann ich mit der Planung einer eigenen Bikepacking-Tour nach Langenwolmsdorf und zurück.
 
Eine Tour entlang von Flüssen sollte es sein. 
 
Da kam mir sofort die Saale und die Elbe in den Sinn. An beiden Flüssen verlaufen Radwege. Radwege an Flüssen versprachen für die erste Bikepacking-Tour nicht so viele Höhenmeter. Ich wollte auf einer weniger anspruchsvollen Strecke erstmal testen, ob sich die vielen Änderungen an meinem Trekking-Fahrrad bewähren.
 
Bild 1: Mein modifiziertes Trekking-Fahrrad

Einem Freund, nennen wir ihn Kalli, gefiel das wesentlich besser, so dass er sich meiner Variante anschloss. In Radebeul, nach drei Tagesetappen, würden sich die beiden Gruppen (BioBiker und eBiker) im Hotel treffen. 
 
 
Gerne hätte ich auch die Route der eBiker in einer Karte gezeigt. Aber der Routenplaner und Guide der eBiker hat mir trotz mehrmaliger Nachfrage die Route nicht als GPX-Datei zur Verfügung gestellt. Eine Begründung für sein Verhalten hat er ebenfalls nicht geliefert.

Die Anreise zum Startpunkt war nicht nötig. 

Wir trafen uns am 1.Tag früh um 7 Uhr bei meinem Freund vor der Haustür. Von dort ging es gleich crossmäßig einen „kleinen“ Berg nach oben. Mit der ganzen Ausrüstung fürs Wildcampen war das nicht so einfach. Nach kurzer Anstrengung waren die ersten Meter geschafft und die Straße von Wils zum Fienstedter Bahnhof war erreicht. Dann überquerten wir die Harzhochstraße in Richtung Wettin. Geplant war, dass wir mit der Fähre übersetzen und rechts der Saale entlang fahren.
 
Bild 2a: Saaleradweg 1

Bild 2b: Saaleradweg 2

Aber wir entschieden uns ganz kurzfristig bis zur Saalebrücke in Könnern über Kloschwitz und Friedeburg links an der Saale zu fahren.

Vor Könnern überquerten wir dann die Saale und fuhren nun die von mir geplante Route. Aufgefallen sind mir auf den nächsten Kilometern bis nach Mukrena die vielen neuen Bänke und Rastplätze. Ich war schon mehrfach auf dem Saaleradweg unterwegs, aber das hat mich dann doch überrascht. Bei Mukrena wechselten wir wieder auf die andere Seite der Saale rüber nach Alsleben.

Wer sich jetzt wundert, dass das eine oder andere Foto im Text fehlt, dem muss ich leider sagen, dass es kaum Fotos vom Saaleradweg gibt. Wir hatten für den heutigen Tag ca. 100 km geplant und die müssen mit Muskelkraft erstmal geradelt werden. In der Unterkunft in Steutz an der Elbe wollten wir auch nicht zu spät ankommen. Weil wir nicht wussten, wie es am ersten Tag so läuft, machten wir nur kurze Pausen, ganz selten Fotopausen.
 
Bild 3: Schloss Plötzkau
 
Bei einer kurzen Fotopause vor dem Schloss in Plötzkau verlor Kalli sein Handy. Erst in Gröna, als wir wieder auf die andere Seite der Saale wechselten, vermisste Kalli es. Er wusste sofort, wo er es verloren haben könnte. Das brachte ihm an diesem Tag acht zusätzliche Kilometer ein. Da Handy lag immer noch da, wo er es vermutet hatte. Ende gut, alles gut. 

In Bernburg war die nächste große Pause angesagt. 
 
Bild 4: Bernburg

Wir lagen sehr gut in der Zeit, das war uns bei einem Blick auf das Navigationsgerät sofort klar. In der Folgezeit ließen wir es etwas ruhiger angehen. 

Bei einem Abstecher zum Bäcker nach Calbe gönnten wir uns etwas Gebäck und einen Kaffee. 

Bild 5: Calbe

Hinter Calbe haben wir uns gewaltig verfahren. Kalli war etwas voraus und nach links abgebogen. Wir kamen zu einem kleinen Bahnhof und fanden plötzlich die Schilder für den Saaleradweg nicht mehr. Das machte uns stutzig. 

Jetzt wird sich mancher fragen, ob wir nicht nach einem Navigationsgerät gefahren sind. Sind wir, aber Kalli war an dieser wichtigen Stelle eben mindestens 100 Meter voraus und ich als Navigator bin einfach hinterher. Den Saaleradweg bin ich schon mehrfach gefahren, auch mit Kalli. Die Orientierung nach den Schildern recht eigentlich aus, aber manchmal eben nicht. Mit dem Fahrrad ist man wesentlich schneller unterwegs und kann manchmal ein Schild übersehen, wie in diesem Fall. Solche verzwickten Situationen gibt es fast jeden Tag auf allen Touren, die ich bisher gemacht habe. Schnell war klar, dass wir wieder 200 Meter zurück mussten.

Auf sehr gut befahrbaren Schotterwegen erreichten wir dann gegen 13 Uhr Barby.

Bild 6: Barby

Weil wir unserem Zeitplan weit voraus waren, machten wir noch einen Abstecher in die Stadt.
 
Bild 7: Alte Fahrräder

Auf dem Weg zur Elbefähre hätten wir bei einem Boxenstop noch unsere Fahrräder wechseln können. Nach eingehender Betrachtung der Modelle haben wir davon abgesehen😁.
 
Bild 8: Imbiss an der Elbefähre

An einem Imbissstand an der Elbefähre war die nächste kleine Pause angesagt. 
 
Bild 9: Elbefähre Barby

Mit der Fähre setzten wir dann auf die rechte Seite der Elbe über. Rechte oder linke Seite bezieht sich dabei immer auf die Fließrichtung des betrachteten Flusses.
 
Bild 10: Elberadweg

Dieses Markierungszeichen sollte uns jetzt mehrere Tage begleiten. Die 20 km nach Steutz legten wir auf wenig befahrenen Straßen und in einem herrlichen Wald etwas abseits der Elbe zurück. Der Radweg im Wald bestand aus zwei 50 cm breiten betonierten Streifen, die sich sehr gut befahren ließen.
 
Bild 11: Radweg im Wald

Wir mussten jetzt regelrecht Zeit vertrödeln, weil die Gefahr bestand, dass wir viel zu zeitig vor der Unterkunft ankommen würden.
 
Bild 12: Steutz
 
Natürlich waren wir zu zeitig da. Die Vermieter waren noch unterwegs. Aber für uns war das kein Problem. Wir genossen die Pause vor der Unterkunft. Dann tauchten die Vermieter auf und wir konnten unsere Unterkunft, eine schöne Ferienwohnung auf einem großen Bauernhof, für die erste Nacht beziehen. 

Erstmal unterzogen wir unsere Fahrräder einer Sichtkontrolle, ob noch alles in Ordnung war. Dann wuschen wir unsere Fahrräder, weil wir auf den Schotterpisten durch die eine oder andere Fütze fahren mussten. Erst als die „Technik“ fein gesäubert in einem Schuppen abgestellt war, gönnten wir uns eine Dusche.

Unser Tagesziel für den 2.Tag war eine Unterkunft außerhalb von Torgau. Bis Torgau waren es 120 km und dann noch 5 km durch Torgau hindurch bis zur Unterkunft. Vor dieser gewaltigen Strecke hatte ich als „Hobby-Radler“ einen gehörigen Respekt.

Ich war äußerst gespannt, wie es mir am Morgen des zweiten Tages körperlich gehen würde. Muskuläre Probleme hatte ich keine und auch das „Sitzfleisch“ schrie nicht nach „Hilfe“. Alles fühlte sich gut an. Radlerhosen haben ja auf der Innenseite diese Sitzpolster. Die Sitzpolster gibt es in unterschiedliche Größen. In meinen Radlerhosen sind so ziemlich die kleinsten Sitzpolster, trotzdem war alles gut. Mit irgendwelchen Mitteln (Vaseline usw) habe ich mich auch nicht eingerieben.

Wegen der Tagesstrecke starteten wir gegen 6:30 Uhr. Da wir beide Frühaufsteher sind, war das kein Problem für uns. In den Morgenstunden herrschten noch sehr angenehme Temperaturen.

Bei Aken überquerten wir mit der Fähre die Elbe und wechselten auf die linke Seite. In Aken machten wir einen Abstecher in die Innenstadt, was uns schätzungsweise nochmal ca. 5 km kostete, bis wir wieder auf dem Elberadweg zurück waren. Unser Zwischenziel war irgendein Bäcker. Aber offenbar gibt es in Aken keine Bäcker, die vor 7 Uhr geöffnet haben. Angesichts der Strecke, die noch vor uns lag, entschieden wir uns nicht zu warten, sondern weiterzufahren.

Auch Dessau ließen wir „unterhalb“ liegen, fuhren also nördlich an Dessau vorbei. Jetzt brauchten und wollten wir keinen Bäcker mehr, so stur waren wir dann doch.
 
Bild 13: Unter der A9 bei Vockerode

Vor Vockerode unterquerten wir die Autobahn A9. Vockerode war uns zu DDR-Zeiten wegen seines Kraftwerkes durchaus ein Begriff. Die Restbauten waren noch gut zu sehen.
 
Bild 14: Altes Kraftwerk in Vockerode

Unser geplanter Weg sollte uns oberhalb von Wörlitz vorbei zur Fähre bei Coswig führen.
 
Bild 15: Imbiss in Wörlitz

Von meinem letzten Besuch im Wörlitzer Park wusste ich, dass es ca. 200 Meter vom Radweg entfernt, gleich vor einem Stadttor, einen großen Imbiss mit vielen Sitzgelegenheiten gab. Es war kurz vor 11 Uhr und wir hatten Hunger. Kurzentschlossen machten wir diesen kleinen Abstecher. Wir wurden wieder enttäuscht. Ärgerlich setzten wir unsere Fahrt fort. 

Dann erinnerte ich mich, dass es am Rand des Wörlitzer Parks am Palmenhaus noch einen Imbiss gab, nur 100 Meter vom Radweg entfernt. Auch diesen Imbiss steuerten wir an und wurden natürlich enttäuscht. Der war zwar geöffnet, aber steckte noch mitten in den Vorbereitungen für die Mittagszeit. Da wir wieder nicht warten wollten, setzten wir unsere Fahrt bis zur Fähre über die Elbe nach Coswig fort.

Unser Hunger trieb uns jetzt in die Stadt. Auf dem Marktplatz war ein einziger Fleischerstand, der aber kein warmes Essen anbot. In unserer Verzweiflung begnügten wir uns mit einigen Knackern und Brötchen. Die aßen wir mit Genuss auf einem kleinen Parkplatz.

Von Coswig bis Piesteritz schlängelt sich die Elbe durch die Landschaft. Der Radweg folgt dem Flussverlauf in diesem Teilstück nicht. Dort waren wir auf kleinen Nebenstraßen unterwegs, die aber wegen des fehlenden Autoverkehrs trotzdem gut zu befahren waren. 

Noch etwas ist uns beiden unabhängig voneinander auf diesen Nebenstraßen aufgefallen. Die Straßen im Bundesland Sachsen, auch am Rand des Bundeslandes, wo wir gerade unterwegs waren, sind wesentlich intakter als in unserem Bundesland Sachsen-Anhalt.

Woran das wohl liegen mag?

Erst hinter Piesteritz rückt der Radweg wieder etwas näher an die Elbe heran.
 
Bild 16: Wittenberg

Von Piesteritz bis nach Lutherstadt Wittenberg ist es nicht mehr weit. Wittenberg durchquerten wir auf ziemlich gerader Linie mitten durch die Stadt.
 
Bild 17: Kaffeepause in Wittenberg
 
Nach einer ausgiebigen Kaffee-Pause, ohne die Besichtigung der weltweit bekannten Kulturstätten, die wir beide ganz genau kennen, setzten wir unsere Fahrt fort.

Bis zum Abzweig nach Torgau fuhren wir jetzt auf Nebenstraßen, gelegentlich auf Radwegen.
 
Bild 18: „Seltsame“ Radwege

Die Radwege hatten eine Besonderheit, die mir arge Probleme bereitete. Auf den Radwegen gab es Teilstücke von unterschiedlicher Länge, die mit ganz grobem Kopfsteinpflaster belegt waren. Da ich meine Reifen wegen der vielen Asphalt-Passagen maximal aufgepumpt hatte, wurde ich auf diesen Teilstücken ordentlich durchgeschüttelt. Mein Freund Kalli bewältigte diese Teilstücke mit seinem Fahrrad und den etwas breiteren Reifen wesentlich besser.
 
Auf diesen Teilstücken verlor ich zweimal mein Handy von der vorderen Oberrohrtasche. Dort ist das Handy mit einem Klettverschluss oben auf dem Deckel befestigt. Das funktioniert eigentlich problemlos, aber auf diesem speziellen Untergrund eben nicht immer zu 100%. Da muss ich mir überlegen, wie ich das besser befestigen kann. Fest genug, dass es nicht abfällt, aber auch variabel, damit ich es bei passender Gelegenheit schnell in die Hand nehmen kann.

Bild 19: Torgau

In Torgau fuhren wir zum Marktplatz, weil wir hofften dort einige Gaststätten zu finden. Dem war auch so und an der erstbesten Gaststätte am Platz gönnten wir uns ein Nudelgericht und einen Radler zur Auffüllung unserer Kohlehydratspeicher.

Jetzt lag nur noch der Weg durch die Stadt zur Unterkunft vor uns. Das passiert auf Straßen und Radwegen dachten wir uns, aber falsch gedacht. Weil ich stur der geplanten Route folgte, führte uns der kürzeste Weg durch einen Wald, wo ein Mountain-Bike angebracht wäre. Aber das konnte uns auch nicht mehr abschrecken. Wir waren beide, trotz der Strecke von 120 km, körperlich immer noch gut drauf.

Dann standen wir vor unserer Unterkunft. Der Code für den Türöffner wurde mir tagsüber per Mail zugeschickt. Mehrere Versuche der Code-Eingabe scheiterten. Da war zwar ein Zahlenfeld, aber das Display hat keine Tastenangabe angezeigt, auch keinen Stern, so wie das allgemein bei Kennwort-Eingaben üblich ist. Lediglich ein ganz leiser Piepton ertönte, der wegen der Umgebungsgeräusche kaum zu hören war. Langsam machte sich Ärger bei mir breit. Dann studierte ich nochmal die Mail und fand eine Support-Telefonnummer. Zu unserer großen Überraschung nahm jemand ab und gemeinsam konnten wird die Code-Eingabe meistern.

Für die Fahrräder gab es keinen separaten Abstellplatz, so dass wir die Fahrräder mit in das Zimmer nahmen. Duschen, Tagebuch schreiben und etwas auf dem Handy „rumdaddeln“ und kurze Zeit später lagen wir im Bett.

Der 3.Tag begann mit Sonnenschein und mit einem zeitigen Start gegen 6:45 Uhr. Natürlich mussten wir erstmal wieder auf die geplante Route kommen. Aber diesmal taten wir das auf Radwegen durch die Stadt.
 
Bild 20: Windmühle am Wegesrand

Nach einigen Kilometern passierten wir Graditz. Das ist immer noch ein Pferdegestüt.

Auf schönen Nebenstraßen und Radwegen, die durch die genannten Kopfsteinpflaster-Passagen „aufgelockert“ wurden, erreichten wir Riesa
 
Bild 21: Riesa - Baumstamm aus Metall
 
Normalerweise wären wir vorbeigefahren, aber irgendwie hatten wir etwas Hunger und Kaffeedurst. Also fuhren wir durch die Stadt bis zur Fußgängerzone, wo wir eine kleine Essens- und Trinkpause machten.

Mein Freund Kalli hatte Kontakt mit der eBiker-Gruppe aufgenommen. Sie vereinbarten, dass wir uns in Meißen in der Nähe der ersten Elbe-Brücke treffen könnten.
 
Bild 22: Meißen

Aber wie das so ist, wir verpassten uns. Wir warteten an der besagten Brücke. Nach 15 Minuten Wartezeit setzten wir unsere Fahrt fort. 

Wegen einem Fotomotiv in der Gegend von Radebeul hielt Kalli an. Für mich waren solche Fotostops auch immer eine Gelegenheit einen Blick auf meine Navi-App im Handy zu werfen. 

Sind wir noch richtig unterwegs?

Ich navigiere auf dem Fahrrad zwar mit der Fahrrad-App beeline und dem dazugehörenden Fahrrad-Computer velo 2. Aber aus Sicherheitsgründen habe ich meine Fahrrad-Routen auch immer in der Wander-App Topo GPS abgelegt. Genau auf dieser Wander-App überprüfte ich unsere aktuelle Position. Mit Überraschung stellte ich fest, dass wir die Abfahrt zur Unterkunft in Radebeul verpasst hatten. 

Schnell berechnete ich die neue Route mit der Wander-App. Die kenne ich sehr gut. Die Fahrrad-App hat eine Benutzeroberfläche mit der ich als ehemaliger Software-Entwickler so meine Probleme habe. Trotz einem intensiven Austausch mit den Entwicklern von beeline, reißt mich die Fahrrad-App nicht vom Hocker. Das Überraschende ist, dass der Fahrrad-Computer mit den Routen der Fahrrad-App ausgezeichnet navigiert. Da bin ich begeistert. Trotzdem entspricht die Benutzeroberfläche der Fahrrad-App nicht dem üblichen Standard. Ich habe den Eindruck, dass da fahrradbegeisterte Laien mit KI eine Software entwickelt haben, die gewöhnungsbedürftig ist, aber trotzdem sehr gut navigiert. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls mussten wir nicht umkehren und konnten kurze Zeit später auf einer anderen Straße nach Radebeul abbiegen. Dann passierte es. Mit einem Schlag war die Luft von Kallis Vorderreifen entwichen. Das ist eigentlich kein Problem. Aber es gelang uns nicht den neuen Schlauch aufzupumpen. Kallis Pumpe funktionierte einfach nicht. Meine Pumpe war auch nicht zu gebrauchen, weil ich auf Click Valve-Ventile umgestiegen bin und der Adapter nicht passt. Also mussten wir die restlichen zwei Kilometer bis zur Unterkunft zu Fuß zurücklegen. Ich will mir nicht ausmalen, wenn dass mitten auf der Strecke passiert wäre, weit von der Unterkunft entfernt
 
Bild 23: Unterkunft in Radebeul
 
Vor der Unterkunft trafen wir dann die eBike-Gruppe. In der eBike-Gruppe gab es einen Autoschlosser und einen Mitarbeiter einer Reifen-Werkstatt. Die beiden reparierten den kaputten Reifen fachmännisch. Dabei wunderten sich die beiden, dass der Reifen solange gehalten hatte. Die Panne hätte schon viel früher passieren können. 

Am Abend gönnten wir uns noch das deutsche Pokalendspiel Bayern München gegen den VfB Stuttgart, das Bayern gewann. Dann war die Nachtruhe angesagt.

Der 4.Tag war wieder ein Sonnentag, insgesamt der vierte Sonnentag hintereinander. Wettermäßig war bisher alles super, besser konnte es nicht laufen

An diesem Tag schlossen wir uns der eBike-Gruppe an. Da ich von den drei BioBikern sportlich gesehen den schlechtesten Fitnesszustand hatte, stellte sich die ganze Fahrrad-Gruppe auf mein Tempo ein. So radelten wir in Richtung Dresden.
 
Bild 24: Dresden
 
In Dresden machten wir auf der Elbwiese vor den historischen Gebäuden eine Pause mitten in der prallen Sonne. Natürlich wurde diese Pause für ausgiebige Fotos genutzt.

Die Fahrrad-Gruppe wollte bis nach Bad Schandau an der Elbe entlangfahren. Mir war sofort klar, dass es von Bad Schandau in Richtung Stolpen nur steil bergauf gehen konnte. In Bad Schandau ist man schon mitten im Elbsandsteingebirge

Deshalb hatte ich geplant vor Pirna in Richtung Stolpen abzubiegen. Tatsächlich habe ich diese Abfahrt wieder verpasst, zwar nur um wenige hundert Meter, aber trotzdem musste ich einen kleinen Umweg fahren. Jetzt ging es entlang dem Fluss Wesenitz leicht berghoch.
 
Bild 25: Fluss Wesenitz
 
Vor Stolpen ging es rechts weg in Richtung Langenwolmsdorf. Obwohl es nicht sehr steil nach oben ging, musste ich mich bis zum Tagesziel quälen. Die letzten Tage haben ihre Spuren bei mir hinterlassen.
 
Im Schnitt sind wir vier Tage lang jeden Tag ca. 100 km gefahren.  
 
Bild 26: Unterkunft in Langenwolmsdorf

Die Unterkunft hat mir sehr gut gefallen. Für mich ist das eine Unterkunft, die ich mir für die Zukunft merken werde.
 
Bild 27: Unser Tisch für den Abend

Am Abend saßen wir noch in gemütlicher Runde zusammen und ließen den Tag und die Radtour ausklingen.

Mein Freund Kalli hat sich mit einem anderen BioBiker am nächsten Morgen mit dem Auto abholen lassen. Das war so geplant. Die anderen eBiker planten die Rückfahrt mit dem Zug. 

Meine Rückfahrt war ursprünglich mit dem Fahrrad geplant. 

So war der Plan: Am Montag ca. 100 km bis Torgau fahren und dort irgendwo wildcampen. Von Torgau nach Schochwitz über zwei unterschiedliche Routen ca. 100 km querfeldein. Das an zwei Tagen zu schaffen, würde schon hart werden. Der Mittwoch war als Reservetag vorgesehen. Bei dem Vorhaben durfte nichts schiefgehen. Am Donnerstag hatte sich mein Enkelsohn angesagt. Mit dem plante ich in den Pfingstferien ab Freitag eine Wandertour längs durch den Harz über 140 km von Schochwitz nach Seesen. Zeitlich war das alles sehr knapp abgestimmt. Den Ausschlag, warum ich dann doch mit den eBikern die Rückreise mit dem Zug antrat, war die Wettervorhersage für die nächsten Tage. Temperaturen bis 32°C waren angesagt. Das brauchte ich auf keinen Fall.

Um die Rückfahrt zu erleichtern, gaben die Fahrrad-Fahrer alle ihre Außentaschen einem Auto mit. Das hat sich auf der Zugfahrt als ein Glücksgriff erwiesen.  

Die Rückfahrt mit dem Zug sollte auf dem Bahnhof in Langenwolmsdorf beginnen. Ein normales Fahrrad und zehn eBikes, eins davon mit Fahrradanhänger und großem Schäferhund.

Bild 28: Bahnhof Langenwolmsdorf

Ob das gut geht?

Auf dem Bahnhof in Langenwolmsdorf erlebten wir eine böse Überraschung. Ein Freund bemerkte beim Blick auf die Gleise, dass da lange kein Zug gefahren sein muss. Der Rost auf den Gleisen und das viele Unkraut zwischen den Gleisen waren dafür ein untrügliches Zeichen. Aus einem nahen Wohnhaus kam ein Mann heraus, der uns auf dem Bahnhof gesehen hatte. Der bestätigte uns, dass hier schon seit Wochen wegen Reparaturarbeiten an der Bahnstrecke nur ein Schienenersatzverkehr unterwegs ist. Also begaben wir uns zur nächsten Bushaltestelle.

Auch da hatte ich meine Zweifel. Mit einem Bus würden nie alle Fahrräder mitkommen. Da passen maximal nur zwei  Fahrräder rein, wenn überhaupt. Das geht nur mit einem zusätzlichen Anhänger für den Fahrradtransport. Solche Busse habe ich noch nie gesehen. Dann kam der Bus und es bestätigte sich, was ich vermutet hatte. Es passte nur noch ein Fahrrad in den Bus. Die Gruppe beschloss, dass ich mitfahren sollte. Die eBiker wollten sich auf dem schnellsten Weg zum Bahnhof in Pirna aufmachen. Da wäre ein BioBiker nur hinderlich gewesen.

Auf dem Bahnhof in Pirna wartete ich auf die eBiker. Irgendwann konnten wir in einen Zug einsteigen. Dabei waren wir nicht die einzigen Radfahrer, die mit dem Zug mitwollten. In den Fahrradabteilen ging es ganz schön eng zu. Ich habe mir dann immer vorgestellt, wie es zugehen würde, wenn alle noch ihre Seitentaschen an den Fahrrädern hätten. Chaos wäre vorprogrammiert gewesen.

Zum Schluss sind wir nach mehrmaligen Umstiegen alle gut in Halle-Nietleben angekommen. Ich habe mich mit dem Auto abholen lassen, die eBiker sind mit ihren Fahrrädern nach Hause gefahren.

Es war eine schöne Fahrradtour, die mir viele wertvolle Erkenntnisse geliefert hat.

Alle Änderungen an meinem Trekking-Fahrrad haben sich bewährt.

Speziell die selbstgebastelten Taschen (zwei Oberrohrtaschen, die Rahmentasche und die Lenkerrolle, siehe MYOG-Sammelprojekt E1) haben ihren Zweck erfüllt.

Es gibt zwei Ausrüstungsgegenstände, die ich nie an meinem Fahrrad haben wollte.

Das ist einmal ein Fahrradständer. Aber an der Saale und der Elbe habe ich gemerkt, wie vorteilhaft ein Fahrradständer sein kann. Mein Freund Kalli konnte sein Fahrrad überall abstellen. Ich musste mir immer einen Platz zum Abstellen suchen, was auf den Radwegen nicht leicht war. Da ich auch im hohen Alter noch lernfähig bin, wird demnächst ein Fahrradständer an das Fahrrad gebaut.

Dann sind da die Gepäckträger-Seitentaschen. Ich sehe, dass in Gepäckträger-Seitentaschen unheimlich viel Ausrüstung verstaut werden kann. Aber meine UL-Wanderausrüstung für Touren mit Übernachtung in der Natur wiegt ohne Nahrung und Wasser etwas über 4 kg. Diese ultraleichte Ausrüstung kriege ich in meinen Fahrrad-Taschen problemlos unter.  Mein cw-Wert (Kennzahl, die den Luftwiderstand eines Körpers beschreibt) auf dem Fahrrad bleibt dadurch in einem erträglichen Bereich😁. 

Bei Zugreisen sind die Gepäckträger-Seitentaschen regelrechte „Platzfresser“. Ich sehe das immer wieder, wenn Fahrräder mit solchen Taschen in den Zügen mitfahren.

Die Befestigung des Handys mit einem Klettverschluss auf der Oberrohrtasche muss ich noch überdenken. Da muss ich noch etwas Gehirnschmalz investieren. Aber das Prinzip funktioniert.

Mein Fahrrad-Navi von beeline mit dem velo 2 funktioniert sehr gut. Das konnte ich auf dieser Fahrradtour ausgiebig testen. Einzig die Navi-App, die das velo 2 ansteuert, ist etwas „gewöhnungsbedürftig“. 

Die Reifenpanne meines Freundes Kalli hat mir gezeigt, dass ich mein Reifenreparatur-Set noch einmal genau prüfen muss. 

Funktioniert die kleine elektrische Pumpe mit den neuen Click Valve-Ventilen?
Kann ich damit einen Schlauch mehrmals bis zu einem bestimmten Druck aufpumpen?

Auch über das Kettenblatt vorne muss ich mir noch Gedanken machen. An sehr steilen Bergen würde ich gerne ein wesentlich kleineres Kettenblatt zur Auswahl haben. 

Wie fällt mein Fazit für die erste längere Bikepacking-Tour mit dem umgebauten Fahrrad aus?

Beim Wandern spricht man von einem ThruHike (siehe auch die Begriffserklärungen),  wenn die gesamte geplante Wanderstrecke an einem Stück gelaufen wurde. Läuft man nur Teilstücke der Gesamtstrecke, ist das ein SectionHike.

Bei Radtouren handhabe ich das analog. Weil ich nicht die ganze geplante Tour von 630 km (Hin- und Rückfahrt), sondern nur die Hinfahrt von 402 km gefahren bin, zählt das bei mir nur als ein SectionBike (siehe dazu auch meine Tourenliste)

Körperlich hätte ich mit mehr Problemen gerechnet, speziell nach dem ersten Tag. Muskuläre Probleme hatte ich so gut wie nicht. Auch das „Sitzfleisch“ hat die Tour problemlos überstanden. An keinem Tag musste ich mit irgendwelchen medizinischen Hilfsmitteln korrigierend eingreifen.  

Meine selbstgebauten Taschen haben wunderbar funktioniert. Alles, was ich schnell im Zugriff haben wollte, wie das Handy, war sofort griffbereit.

Das Navi hat uns immer ohne Fehler zum Ziel gebracht.

Bei Wandertouren bin ich bei der An- und Abreise gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Bei Bikepacking-Touren kann es da zu Problemen kommen. 
Da bleibt mit dem Fahrrad eigentlich nur der Zug. Wie ich das zufriedenstellend lösen kann, darüber denke ich im Moment nach.  

Kurz vor dem Ende des Berichts gibt es noch etwas Statistik in Form einer Liste der interessantesten Wegpunkte (POIs, wie Unterkünfte, Bäcker, Supermärkte, Fähren usw). Jede Zeile der Liste enthält eine "geschätzte" Kilometerangabe und eine Beschreibung des Wegpunktes. Die Kilometerzählung orientiert sich dabei an der Fahrtrichtung. 

     POI-LIste als Tabelle ==> Kommt noch …
 
Zusätzlich ist über den nachfolgenden Link ein Download der POI-Liste als PDF-Datei möglich.

     
RT001_DE_Flusstour_1_POI.pdf ==> Kommt noch …   
 
Auf der rechten Seite meines Blogs befindet sich das Tourenverzeichnis. Hinter der Zeichenkette "POI" versteckt sich ebenfalls der Link zur POI-Liste
 
Zum Abschluss gibt es noch den Link zu meinen Tracks.
     


Beschreibung der Tracks (Farbe siehe Karte am Anfang des Berichts):
 
(1)   RT001 DE s10 Schochwitz ==> Barby (Farbe: magenta, 80 km)
(2)   RT001 DE s20 Barby ==> Pirna (Farbe: ocker, 265 km)
(3)   RT001 DE s30 Pirna ==> Hotel Stolpen (Farbe: grün, 24 km) 
(4)   RT001 DE s40 Hotel Stolpen ==> Pirna (Farbe: grün, 24 km)
(5)   RT001 DE s50 Pirna ==> Torgau (Farbe: gelb, 117 km)
(6)   RT001 DE s60 1Torgau ==> Schochwitz (Farbe: blau, 108 km)
(7)   RT001 DE s60 2Torgau ==> Schochwitz (Farbe: blaugrün, 105 km)
 
(8)   RT001 DE z20 1Zuweg Elbe-Radweg ==> Hotel Torgau (4,4 km) 
(9)   RT001 DE z20 2Zuweg Elbe-Radweg ==> Hotel Radebeul (2,5 km)
(10) RT001 DE z20 3Zuweg Hotel Radebeul ==> Elbe-Radweg (2,3 km)
 
Die Tracks (6) und (7) sind die beiden Varianten auf der Rückfahrt von Torgau nach Schochwitz.
 
Die Tracks (8), (9) und (10) sind Zuwege zu Hotels in Torgau und Radebeul und zur Elbe.
 
Auf der rechten Seite meines Blogs befindet sich das Tourenverzeichnis. Hinter der Zeichenkette "GPX" versteckt sich ebenfalls der Link zu meinen Tracks.
  
Zu der ganzen Bikepacking-Tour gibt es natürlich wesentlich mehr Bilder. Wer will, kann sich die Bilder in dem folgenden Link, der in ein GoogleDrive-Verzeichnis verzweigt, komplett anzeigen lassen.
 
     
RT001_DE_Flusstour_1_Bilder

Zusätzlich befindet sich auf der rechten Seite meines Blogs im Tourenverzeichnis die Zeichenkette "Bilder", hinter der sich ebenfalls ein Link zu den Bildern dieser Bikepacking-Tour befindet.

Ganz zum Schluss gibt es noch einen Ausblick auf meine nächste Bikepacking-Tour.

Das wird wieder eine Flusstour sein. Die Planung ist fast abgeschlossen. Jetzt fehlt nur noch ein geeigneter Termin. Auf dieser Radtour will ich Solo unterwegs sein und im Tarp auf Campingplätzen übernachten oder wildcampen.

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