In diesem Punkt möchte ich MYOG-Projekte vorstellen, die sich ausschließlich um das Bikepacking drehen.
Erfahrungen, die ich in anderen MYOG-Projekten in den letzten Jahren sammeln konnte, fließen natürlich in diese MYOG-Projekte ein.
Im Inhaltsverzeichnis werden Beiträge, zu denen es Nachträge gibt, zusätzlich mit einem (N) gekennzeichnet. Die Zahl hinter dem Buchstaben gibt die Anzahl der Nachträge an.
Hinweis: Offene MYOG-Projekte, wo meine Beschreibungen noch
ausstehen bzw. die gerade "in Arbeit" sind, werden im nachfolgenden Inhaltsverzeichnis in
dunkelroter
Schrift
dargestellt.
1) November 2024 (N1): Oberrohrtasche (TopTubeBag) mit Magnetverschluss für ein Fahrrad
D1) November 2024: Oberrohrtasche (TopTubeBag) mit Magnetverschluss für ein Fahrrad
Ich weiß nicht mehr genau, was der Auslöser war, aber seit dem Sommer 2024 bin ich jedenfalls wieder öfters mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Es war ungewohnt anstrengend, aber hat unheimlich viel Spaß gemacht. Langsam machte sich bei mir der Gedanke breit, dass ich ja mit meiner UL-Wanderausrüstung auch mehrtägige Bikepacking-Touren unternehmen könnte.
Im UL-Forum ist das Bikepacking eine der Kategorien, die auch von Wanderern gerne betrieben und deshalb dort auch diskutiert werden.
Sofort machte ich mir Gedanken, wie ich meine UL-Wanderausrüstung am Fahrrad unterbringen könnte. Die wohlbekannten und meistens genutzten Gepäckträgertaschen habe ich für mich ausgeschlossen. Auch eine Lenkerrolle oder Taschen an der Vordergabel gefallen mir als ausgemachter Ästhet nicht sonderlich gut. Als mögliche Alternative blieben vorerst nur 3 MYOG-Taschen übrig:
Im UL-Forum ist das Bikepacking eine der Kategorien, die auch von Wanderern gerne betrieben und deshalb dort auch diskutiert werden.
Sofort machte ich mir Gedanken, wie ich meine UL-Wanderausrüstung am Fahrrad unterbringen könnte. Die wohlbekannten und meistens genutzten Gepäckträgertaschen habe ich für mich ausgeschlossen. Auch eine Lenkerrolle oder Taschen an der Vordergabel gefallen mir als ausgemachter Ästhet nicht sonderlich gut. Als mögliche Alternative blieben vorerst nur 3 MYOG-Taschen übrig:
(1) Oberrohrtasche (ORT, TopTubeBag)
(2) Rahmentasche (RTA, FrameBag)
(3) Satteltasche (SAT, SaddleBag)
Ob ich mit diesen 3 Taschenarten meine UL-Ausrüstung auf dem Fahrrad transportieren kann, wird die Zukunft zeigen.
Das erste MYOG-Projekt, sozusagen ein Testballon, sollte deshalb eine Oberrohrtasche (ORT) sein.
Es hat mich schon immer gestört, dass ich wichtige Dinge, wie zB das Handy, auf dem Fahrrad nicht sofort griffbereit hatte. Eine ORT kann ich jederzeit auch auf einem anderen Fahrad befestigen, wenn mein "betagtes" Fahrrad (ca. 25 Jahre alt) einmal den Geist aufgeben sollte.
Schnell war eine Ideenskizze von den Maßen der ORT entstanden. Die Erklärung für die roten Striche kommt etwas später.
Bild 1: Maße und Form der Oberrohrtasche |
Weil ich die ORT hauptsächlich mit 20 mm-Transfer-Klebeband kleben wollte, musste ich mir ein DCF-Material suchen, das die Klebetechnik erlaubt, aber trotzdem eine "annehmbare" äußere Oberfläche besitzt.
Bild 2: Ausgangsmaterial |
Ich entschied mich für das schwarze DCF-Laminat CT5K.18/blkwov4 (102 g/qm). Das DCF-Laminat kaufte ich bei extremtextil. Stand November 2024 wird das DCF-Laminat dort nicht mehr angeboten, deshalb verweist der Link auf eine andere Internetseite.
Bild 3: Aufbau des DCF-Laminats |
Das DCF-Laminat zählt zu den sogenannten HYBRIDs. Das Laminat ist mit einer zusätzlichen Lage 50 Denier starkem Polyestergewebe auf der Außenseite ausgestattet. Damit wird die Abriebfestigkeit deutlich erhöht und es gibt farblich deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Der transparente Film auf der Innenseite sorgt für eine hohe Wasserdichtigkeit und lässt sich gut verarbeiten, d.h. verkleben. Dank der bidirektional dazwischenliegenden Dyneema-Fasern ist das Ergebnis extrem reißfest bei niedrigem Gewicht. Aufgrund einer reduzierten Menge an Dyneema-Fasern ist das Material mit seinen 102g/qm die leichteste HYBRID-Ausführung.
Bild 4: Zuschnitt |
Im Bild 4 sind die zugeschnittenen Seitenteile der ORT zu sehen. Die stark glänzende Seite ist die Innenseite des DCF-Laminats, die etwas matt erscheinende Seite die Außenseite.
Bild 5: Innenseite der ORT |
Bild 5 zeigt die Verklebung der Seitenteile mit dem 7 cm breiten Boden der ORT. Für die Verklebung wird immer die Innenseite des DCF-Laminats verwendet. Das Bild 5 zeigt auch eine "kleine" Designänderung der ORT. Die "runden" Ecken aus Bild 1 wurden durch "gerade" Kanten (rote Linien im Bild 1) ersetzt. Der Grund für diese kleine Änderung war das DCF-Laminat und die verwendete Klebetechnik. Das DCF-Laminat ist doch relativ steif und hätte einen enorm hohen Aufwand für die Verklebung der "Rundungen" erfordert. Die "Geraden" lassen sich wesentlich einfacher verkleben. An der Funktionalität der ORT ändert diese kleine Designänderung überhaupt nichts.
Bild 7: Die ORT nimmt Form an |
Dann überlegte ich mir, wie ich Regenwasser während der Fahrt am Eindringen in die ORT hindern könnte. Aber mir fiel keine geeignete Lösung ein. Also legte ich die Enden des Bodens noch um 1 cm um und verklebte den Rand.
Bild 8: Grundkörper des ORT |
Der Grundkörper war jetzt fertig.
Jetzt war der Deckel für die ORT an der Reihe. Weil ich für den Deckel der ORT einen Magnetverschluss verwenden wollte, musste der Deckel eine bestimmte Form haben. Der Magnetverschluss konnte nicht angeklebt werden, also war Nähen angesagt.
Bild 9: Innenseite des Deckels der ORT |
Für das Annähen des Magnetverschlusses verstärkte ich den Deckel an der Innenseite.
Bild 10: Grundkörper und Deckel (Außenseite) der ORT |
Stolz betrachtete ich mein Werk. Links der Grundkörper, rechts der Deckel von außen gesehen.
Ich hatte mir überlegt, dass ich die ORT nicht mit Klettband am Oberrohr befestigen wollte, wie das an vielen anderen ORTn zu sehen war. Der Grund waren die Bowdenzüge an meinem alten Fahrrad, die außen auf dem Oberrohr verlegt waren. Ich hatte die Befürchtung, dass die Reibung mit den Bowdenzügen die ORT mit der Zeit beschädigen könnte. Als Befestigungsvariante wählte ich daher 4 cm -Gurtband aus, das ich in regelmäßigen Abständen an den Grundkörper der ORT annähen wollte. Mit elastischer 3 mm -Kordelschnur wird die ORT dann an das Oberrohr und den Lenkervorbau angebunden.
Bild 11: Grundkörper, Deckel, Gurtband und Nähahle |
Für die Näharbeiten war rotes Nähgarn vorgesehen. Schwarz und rot passt ja farblich gut zusammen.
Das waren so meine Gedanken.
Als ich die Nähutensilien betrachtete wurde mir schlagartig bewusst, dass ich einen schweren Fehler bezüglich der Fertigungsreihenfolge gemacht hatte.
Wie wollte ich das Gurtband an den Grundkörper annähen, wenn es kaum Bewegungsfreiheit im Grundkörper der ORT gab?
Da half auch nicht die Nähahle.
Ähnlich verhielt es sich mit dem Deckel.
Stundenlang überlegte ich, wie ich diesen Fehler in der Fertigungsreihenfolge korrigieren konnte.
Richtig wäre es gewesen, vor der ersten Verklebung die Näharbeiten durchzuführen. Also
(1) Gurtband außen am Boden annähen,
(2) Deckel außen am linken Seitenteil annähen und
(3) Magnetverschluss außen am rechten Seitenteil annähen.
Die Nichtbeachtung dieser Reihenfolge stellte mich vor gewaltige Probleme. Zusätzlich bemerkte ich bei den ersten Nähversuchen, dass das verwendete rote Nähgarn für meine Anforderungen nicht reißfest genug war. Also griff ich auf ein Nähgarn von Amann (Nr. 466, Titan-Sternchenzwirn, 100% Leinen, 2fach) und die gute alte Nähnadel zurück.
Bild 12: Gurtband am Boden der ORT |
Mit unendlicher Geduld😂 und gelegentlichen Verzweiflungsausbrüchen gelang mir die Handnäharbeit.
Jetzt war die Befestigung des Deckels außen am linken Seitenteil an der Reihe. Auch da war ursprünglich das Nähen mit einem roten Nähgarn angesagt. Dann fiel mir eine sehr einfache Lösung ein.
Bild 13: Befestigung des Deckels am linken Seitenteil mit Kam-Snaps |
Weil ich für das Nähen so auf das rote Nähgarn fixiert war, verwendete ich an dieser Stelle rote Kam-Snaps. Das musste jetzt sein. Bei der Anbringung der Kam-Snap stellte ich mit Überraschung fest, dass das DCF-Laminat eine relativ hohe Durchstichfestigkeit besitzt. Mit Kraftanstrengung bekam ich die Löcher für die Kam-Snaps in das DCF-Laminat.
Bild 15: Magnetverschluss |
Das Bild 15 zeigt den verwendeten Magnetverschluss von extremtextil. Links ist der geschlossene und rechts der geöffnete Verschluss zu sehen. Der untere Teil auf der rechten Seite kann angenäht werden. Wegen des zuvor erwähnten Problems der Fertigungsreihenfolge konnte ich das Teil nicht einfach am rechten Seitenteil annähen. Deshalb nähte ich das Teil vorerst an ein Reststück des DCF-Laminats an und schnitt dann die überstehenden Ränder ab. Dann klebte ich das so präparierte Teil mit Transfer-Klebeband einfach auf das rechte Seitenteil. Tage vorher hatte ich eine Klebeprobe durchgeführt, ob die Innenseite des DCF-Laminats auf der Außenseite des DCF-Laminats überhaupt kleben bleibt. Ich stellte dabei fest, dass das gut hält und nur mit Kraftanstrengung wieder gelöst werden kann. Solche Kräfte wirken aber nicht an dem Magnetverschluss der ORT.
Jetzt musste ich nur noch das Gegenstück des Magnetverschlusses an der richtigen Stelle am Deckel befestigen. Auch da suchte ich lange nach einer praktikablen Lösung.
Bild 17: Gegenstück des Magnetverschlusses am Deckel |
Wichtig war mir der Umstand, dass ich die verwendete elastische 3 mm -Kordelschnur nach Bedarf austauschen konnte. Dafür brachte ich im Deckel der ORT ein Loch für eine Öse an. Auch hier konnte ich wieder die ausgezeichnete Durchstichfestigkeit des DCF-Laminats bewundern. Nur mit äußerster Kraftanstrengung gelang mir mit einem Locheisen und einem Hammer die Anbringung des Lochs. Beim nächsten Versuch mit einer ORT werde ich dazu einen Lötkolben verwenden. Vielleicht geht das wesentlich einfacher.
Dann fädelte ich die elast. Kordelschnur durch den Magnetverschluss und durch die Öse des Deckels. Auf der Innenseite sicherte ich die elast. Kordelschnur mit einem kleinen Kordelstopper. Dieses Konstrukt garantiert mir die Austauschbarkeit der elast. Kordelschnur.
Warum grüne statt rote elast. Kordelschnur?
Weil ich die rote elast. Kordelschnur nicht mehr hatte und die ORT unbedingt fertigstellen wollte. Kann ich ja jederzeit austauschen😀.
Bild 18: Auspolsterung der ORT mit 5 mm -EVA-Matten-Teilen |
Zum Schluss klebte ich mit Transfer-Kleberband vorbereitete 5 mm -EVA-Matten-Teile in die ORT. Davon versprach ich mir einen gewissen Dämpfungseffekt, wenn ich einmal durchs Gelände fahren sollte.
Bild 19: Innenseite der ORT |
Bild 20: Außenseite der ORT |
Das Gesamtgewicht der ORT, ohne Befestigungsschnüre für das Oberrohr des Fahrrads, beträgt
52 g
Bild 21: ORT am Fahrrad |
Bild 23: ORT am Fahrrad (linke Seite) |
Die Aufrüstung meimes Fahrrads für Bikepacking-Touren nimmt langsam Fahrt auf. Die beiden Trinkflaschen sitzen nicht mehr am Rahmen, sondern sind am Lenker befestigt. Dadurch habe ich Platz für eine Rahmentasche gewonnen. Die erste ORT ist fertig und am Fahrrad angebracht. Bei Gelegenheit werde ich eine zweite ORT anfertigen, wobei ich die Fehler des Prototyps vermeiden will. Diese zweite ORT wird dann zusätzlich am Sattelrohr befestigt.
Nachtrag (November 2024): Noch keinen Kilometer mit der neuen Oberrohrtasche (ORT) gefahren und schon gibt es den ersten Nachtrag.
Mich hat als Ästhet die grüne elast. 3 mm -Kordelschnur gestört. Aber weil ich die ORT unbedingt fertigstellen wollte, musste eben die grüne elast. 3 mm -Kordelschnur herhalten. In den letzten Tagen bestellte ich bei extremtextil dann rote elast. 3 mm -Kordelschnur in ausreichender Menge, die innerhalb weniger Tage bei mir ankam.
Bild 24: Außenseite der ORT |
Bild 25: ORT am Fahrrad |
Bild 26: ORT am Fahrrad (rechte Seite mit Magnetverschluss) |
Jetzt steht der ersten Ausfahrt mit der ORT nichts mehr im Weg.
Ich bin gespannt, wie die Handhabung funktioniert...
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