Plan: Mein 200er-APEX-Quilt von AsTucas aus dem Jahr 2015 war mit einer Komforttemperatur von -5°C
angegeben. Das bedeutet nach meinem Kenntnisstand, dass ich als Mann in
Strümpfen, einer Legging und einem Pullover bei einer Temperatur von
-5°C "einigermaßen" schlafen können muss.
Auf meiner Wandertour Quer durch Deutschland im Oktober 2020 über 802 km benutzte ich den Quilt bei Temperaturen um 0°C.
In diesem Temperaturbereich schlief ich mit dem Quilt in den letzten
Jahren noch nie. Erst durch "Aufpimpen" mit zusätzlicher Kleidung konnte
ich bei diesen Temperaturen gut schlafen.
Folgende Kleidung verwendete ich auf einer TaR-Isomatte NeoAir XTherm Small in diesen Nächten:
1.Kleidungsschicht: Wandersocken, Unterhose, Legging, T-Shirt, dünner langärmliger Pullover
2.Kleidungsschicht: Wollsocken (zpacks Brushtail Possum Socks), KuFa-Isolationshose aus 100er-APEX von AsTucas, KuFa-Isolationspullover aus Climalite (eine Art APEX) von Cumulus, Wollmütze
Da
ich sehr kälteverträglich bin, wundert mich diese Angabe der
Komforttemperatur von AsTucas aus dem Jahr 2015. Vielleicht sind die
Komforttemperaturen vor einigen Jahren viel "optimistischer" angegeben
wurden. Dieser Wert deckt sich auf keinen Fall mit den Erfahrungen von meiner letzten Wandertour.
Das
wollte ich bei einer Übernachtung bei Temperaturen um den Gefrierpunkt
einmal genau testen und prüfen, ob meine Beobachtungen von der letzten
Wandertour stimmen.
In den Tagen kurz vor Weihnachten 2020 ist auch mein Schutzanzug (Chemikalien-Schutzanzug "4565" Typ 4/5/6 Cat.III, weiß mit roten Streifen, 187 g) von 3M eingetroffen.
Diesen Schutzanzug wollte ich als VBL-Anzug "missbrauchen". Ergänzt wird der Schutzanzug durch die VBL-Socken von Exped (VBL Socks, 39 g).
Vom VBL-Prinzip (siehe Menüpunkt Fragen/Themen, Punkt B5
) versprach ich mir, dass ich mit einem normalen Quilt bis in tiefe
einstellige Minustemperaturen einigermaßen bequem schlafen kann.
Wenn ich mit dem AsTucas-Quilt und dem VBL-Anzug
den Temperaturbereich von ca. -5°C erreiche, könnte ich meine
Langstreckenwanderungen auch auf Zeiträume ausdehnen, wo Temperaturen um
den Gefrierpunkt herrschen. Das würde meinen zeitlichen
Handlungsspielraum für Wandertouren enorm erweitern.
Zusätzlich
müsste ich mir für kältere Temperaturen keine spezielle Ausrüstung
zulegen. Meine vorhandene Mai-bis-September-Ausrüstung könnte ich weiter
verwenden.
Übernachten werde ich bei diesem Test in einem Tarp (siehe Bild 1) von zpacks (Hexamid Pocket Tarp with Doors) und einem Biwaksack von AsTucas (Millaris Bivy Sack, 198 g).
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Bild 1: Übernachtung im Tarp von zpacks
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Neben dem Quilt und dem VBL-Anzug will ich noch zusätzlich meine Camp-Schuhe
(24 g) für die Nacht testen. Mit Sicherheit muss ich in der Nacht wenigstens
einmal für ein kleines Geschäft das Tarp verlassen. Dabei werde ich die
neuen selbstgefertigten Camp-Schuhe verwenden.
Den Temperaturverlauf in der Nacht will ich mit den beiden Data Loggern von Elitech (RC-5+, 25 g) und BlueMaestro (Tempo Disc, 11 g) aufzeichnen. So kann ich später bei Problemen abgleichen, bei welcher Nachttemperatur die Probleme aufgetreten sind.
Erkenntnisse: Am Samstag, den 9.Januar 2021, war es endlich soweit. Der Wetterbericht sagte eine Nachttemperatur von ca. -3°C bis -5°C
voraus. Das war genau die Temperatur, die ich mir für einen ersten Test
meines Schlaf-Setups bei Minusgraden vorgestellt hatte. Für den Anfang
wollte ich nicht zu tief in den Minusbereich gehen. "Leichte"
Minusgrade, damit meine ich vor allem einstellige Minusgrade, trifft man
auch in den Jahreszeiten an, in denen ich zukünftig auch wandern
wollte, März bis April und Oktober bis November. Wenn es
mir gelingt ein geeignetes Schlaf-Setup für diese neuen Zeiträume zu
finden, könnte ich meinen Wanderzeitraum im Jahr enorm erweitern.
Das Tarp von zpacks, das Hexamid Pocket Tarp with Doors, war
schnell aufgebaut. Mit dem Tarp benutze ich immer eine passende
Unterlage (Bodenwanne) aus DCF-Material vom gleichen Hersteller. Auf die
Unterlage legte ich einen Biwaksack von AsTucas, den Millaris Bivy Sack, und in den Biwacksack die Isomatte von Therm-a-Rest, die NeoAir XTherm Small
(115 cm). Small deshalb, weil ich als Seitenschläfer immer mit
angewinkelten Beinen schlafe. Ich benötige also nicht die übliche Länge
von Isomatten und kann daher durch die Small-Ausführung etwas Gewicht
einsparen.
Kleidungsmäßig änderte ich auch eine Kleinigkeit in der 1.Kleidungsschicht. Socken, Legging, T-Shirt und Pullover ersetzte ich durch Funktionskleidung der Firma LIOD, die als Hersteller von Kleidung aus Polypropylen
(Kunstfaser) bekannt ist. Kleidung aus diesem Material ist wesentlich
robuster als Kleidung aus Merino-Wolle, die ich bisher verwendete. Die
Socken, die Legging und der Pullover sind auch noch dünner als die
bisher verwendeten Kleidungsstücke.
Über die Funktionskleidung zog ich dann den VBL-Anzug (Chemikalien-Schutzanzug "4565" Typ 4/5/6 Cat.III) und die VBL-Socken von Exped (VBL Socks).
Der VBL-Anzug bietet die Möglichkeit den Reißverschluss zusätzlich
durch eine Abdeckleiste zu verkleben. Das tat ich nicht. Lediglich die
Kapuze des VBL-Anzugs streifte ich über den Kopf. Der Kopf war die
einzige Stelle meines Körpers, die direkten Kontakt mit dem VBL-Anzug
hatte.
So
ausgerüstet startete ich gegen 20 Uhr bei 0°C meine Nachtruhe.
Zusätzliche Kleidung, siehe 2.Kleidungsschicht oben, lag für den
Ernstfall bereit.
Die erste Überraschung erlebte ich beim Anziehen des VBL-Anzugs. Das Tyvek-Laminat,
aus dem der VBL-Anzug besteht, fühlte sich auf der Haut nicht
unangenehm an. Ich könnte mir vorstellen auch ohne Funktionskleidung in
dem VBL-Anzug zu schlafen. Das werde ich auf alle Fälle in einem
weiteren Overnighter zu gegebener Zeit ausprobieren.
Ich konnte auch nicht sofort den "Hitzestau-Effekt"
feststellen, über den im Internet bei der Benutzung von VBL-Anzügen und
-Säcken so oft berichtet wurde. Erst nach einiger Zeit stellte sich ein
leichtes Wärmegefühl ein. Irgendwann bin ich eingeschlafen. Wenn ich
wach wurde, überprüfte ich, ob irgendetwas durch meine Ausdünstungen
feucht geworden ist. Alles war trocken, innen und außen am Quilt und am
Biwaksack, auch an der Innenwand des Tarps. Gegen Mitternacht war immer
noch alles trocken. Lediglich an der Innenseite des Tarps hatte sich
Kondensfeuchtigkeit gebildet. Gegen 5 Uhr in der Frühe hatte ich
Temperaturen von -4°C. Der Quilt und der Biwaksack waren innen und außen
immer noch trocken. Die Kondensfeuchtigkeit an der Innenwand des Tarps
war aber gefroren und ließ sich leicht mit den Fingern abstreifen.
Meine
Füße sind der Haupt-Indikator für das Frieren. Wenn die Füße kalt
werden, musste ich in der Vergangenheit immer reagieren und mit
zusätzlicher Kleidung "aufrüsten". Überrascht stellte ich fest, dass
meine Füße noch warm waren. Auch mein Körper fühlte sich warm an. Nicht
"wohlig und mollig" warm, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich die
2.Kleidungsschicht benötigen würde. Ohne den VBL-Anzug musste ich bei
Temperaturen von 0°C bis 2°C schon die 2.Kleidungsschicht anziehen, um
gut schlafen zu können.
Auch
das "Feuchtigkeitsgefühl" im VBL-Anzug hat sich in Grenzen gehalten.
Ich hatte nie das Gefühl, dass ich im "eigenen Saft" liege. Der
VBL-Anzug liegt ja relativ eng am Körper an. Da kann es nicht viel Luft
im VBL-Anzug geben, im Gegensatz zu einem VBL-Sack, den manche Wanderer
verwenden.
Gegen
6 Uhr und bei -4°C beendete ich die Nachtruhe. Gefroren habe ich nie,
obwohl ich nur mit relativ dünner Funktionskleidung und mit einem
VBL-Anzug bekleidet war.
Beim
Ausziehen merkte ich, dass die Funktionskleidung förmlich am Körper
klebte. In der Nacht war das aber kein unangenehmes Gefühl.
Der Verschluss der Camp-Schuhe
mit Tapeband hat sich als eine völlige Fehlkonstruktion erwiesen. Beim
Lösen des Tapebandes blieben Teile des Materials der Camp-Schuhe am
Tapeband kleben. Dadurch ließen sich die Camp-Schuhe nicht in der Größe
verstellen. Die Verschlüsse der Camp-Schuhe konnten nicht mehr
geschlossen werden.
Mittlerweile
ist das Problem behoben. Das Tapeband wurde durch eine elastische
3mm-Kordelschnur an den Verschlüssen ersetzt. Diese neuen Verschlüsse
passen sich durch die elastische Kordelschnur jeder Fußgröße an.
Die beiden Data Logger
für die Temperatur lieferten fast identische Ergebnisse. Bleibt
natürlich die Frage, ob ich bei Langstreckenwanderungen unbedingt einen
Temperatur-Logger benötige. Für die Tag- und Nachtemperaturen in den
Tagebuch-Aufzeichnungen reicht auch eine normale Wetter-App auf meinem
Handy aus.
Der erste Overnighter hat das Ergebnis geliefert, was ich mir erhofft hatte.
Welche Fragen bleiben offen?
Auf alle Fälle werde ich ein leicht verändertes Schlaf-Setup noch bei ähnlichen Temperaturen testen (siehe Overnighter 02).
Zusätzlich will ich mir aus einem falsch bestellten VBL-Anzug (Größe L war zu klein) eine VBL-Jacke anfertigen. Vielleicht reicht es noch zu einer VBL-Hose, wenn ich den VBL-Anzug an einer optimalen Stelle trennen kann.
Durch
die VBL-Jacke verspreche ich mir auch einen Nutzen beim Wandern. Bei
kühlen Temperaturen muss man oft eine Isolationsjacke anziehen. Schwitzt
man dann bei anstrengenden Wegabschnitten, kann es passieren, dass die
Körperausdünstungen in die Isolationsjacke eindringen und dort ähnliche
Probleme verursachen wie bei einem Schlafsack oder Quilt. Um das zu
verhindern, werde ich testen, ob eine VBL-Jacke unter der
Isolationsjacke diesen negativen Effekt verhindern kann.
Der nachfolgende Link verzweigt in ein GoogleDrive-Verzeichnis und zeigt einige Bilder.
Zusätzlich befindet sich auf der rechten Seite meines Blogs im Tourenverzeichnis die Zeichenkette "Bilder", hinter der sich ebenfalls ein Link zu den Bildern dieses Overnighters befindet.