KarMenu01

26 Oktober 2021

Weserberglandweg (Deutschland, 224 km)

Mein erster Kurztrip auf dem Ith-Hils-Weg (84 km) im September 2021 nach einer 3-monatigen Verletzungspause verlief vollkommen ohne Beschwerden. Vier Wochen später riskierte ich einen neuen Versuch. Diesmal suchte ich mir eine längere Wandertour aus und entschied mich für den

     Weserberglandweg (224 km)

Auch diese Wandertour lag schon lange vorbereitet in der Schublade und wartete auf die Realisierung. Jetzt gab es die Gelegenheit dazu.

Zusätzlich war da noch ein weiterer Aspekt, der die Wandertour so interessant für mich machte. Den Starttermin hatte ich kurzfristig auf den 19.Oktober gelegt. Das ist mitten im Herbst. Mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, evtl. sogar darunter, musste ich tagsüber und in der Nacht rechnen. Das war also ein willkommener Test meiner Ausrüstung in Richtung der 3-Jahreszeiten-Tauglichkeit.

Ich war gespannt, wie das ausgehen würde.
 

23 September 2021

Ith-Hils-Weg (Deutschland, 84 km)

Als ich nach 776 km meine Wandertour Das Grüne Band (Deutschland, 1196 km) verletzungsbedingt beenden musste, war mir nicht klar, wie der Rest des Wanderjahres 2021 verlaufen würde. Ich hatte schlimme Befürchtungen. Eine Wandertour musste ich noch nie abbrechen. Es gab immer mal Probleme. Aber die waren nicht so, dass ich abbrechen musste.
 
Insgesamt drei Monate tat ich sportlich so gut wie nichts. Ganz wenige kurze Wandertouren (max. 5 km) machte ich im Juli und August. Die ließen sich an einer Hand abzählen. Nichts sollte den Genesungsprozess an meinem rechten Knie gefährden.
 
Relativ kurzfristig entschied ich mich dann Anfang September für eine Mehrtageswanderung. Zur Auswahl hatte ich mehrere fertig geplante Wandertouren in der Schublade.

Meine Wahl fiel auf den Ith-Hils-Weg (84 km) im Weserbergland.
 

18 Juni 2021

Das Grüne Band, Teil 1 (Deutschland, 776 km)

Idee
 
Zwei Wandertouren aus meinem Wanderprojekt Deutsche Langstreckenwanderungen (DLW) hatte ich in den letzten zwei Jahren (2019 und 2020) schon realisiert. Jetzt wollte ich die 3.Wandertour des Projekts im Jahr 2021 angehen.
 
Wieder erleichterte mir die aktuelle Corona-Situation die Entscheidung. Bei der Wandertour Das Grüne Band würde ich mich immer in der Nähe meiner Heimatregion aufhalten. Sollte es wegen Corona Schwierigkeiten geben, könnte ich jederzeit abbrechen und ohne großen Aufwand die Heimfahrt antreten.
 
Das war der ausschlaggebende Punkt für Das Grüne Band.
 

02 März 2021

Test geändertes Schlaf-Setup bis -5°C

Plan: Der Test des Schlaf-Setups im ersten Overnighter verlief erfolgreich. 
 
Nun will ich in einem zweiten Overnighter testen, ob ich mit einem leicht veränderten Schlaf-Setup bei Temperaturen bis -5°C einigermaßen schlafen kann. 
 
Dafür will ich die Ausrüstung aus dem ersten Overnighter in zwei Punkten verändern.
 
Statt dem 200er-APEX-Quilt von AsTucas will ich einen 133er-APEX-Quilt (Sommer-Quilt) von AsTucas aus dem Jahre 2016 verwenden. Dieser Quilt ist herstellerseitig mit einer Komforttemperatur von 5°C angegeben. Die Temperaturangabe ist nach meiner persönlichen Erfahrung, analog dem 200er-APEX-Quilt, zu optimistisch angegeben. Der von mir veranschlagte Wert wird bei einer Komforttemperatur von ca. 10°C liegen.
 
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit diesem "Sommer-Quilt" und bei diesen Temperaturen meine 2.Kleidungsschicht (dicke Wollsocken, KuFa-Isolationshose, KuFa-Isolationspullover) aus dem ersten Overnighter einsetzen muss. Aber diese Kleidungsstücke sind bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eh immer in meinem Rucksack.
 
Der andere Punkt, den ich verändern will, ist der VBL-Anzug (Overall). Der wird durch eine VBL-Jacke und VBL-Hose ersetzt. Ich verspreche mir durch die Kombination von VBL-Jacke und VBL-Hose mehr Variabilität, speziell beim nächtlichen Gang ins Gebüsch. Eine VBL-Hose lässt sich dabei wesentlich einfacher handhaben.
 
Bleibt natürlich die Frage, ob ich die Kombination aus VBL-Jacke und VBL-Hose ebenso dampfdicht verschließen kann, wie bei einem Overall. 

Jetzt muss ich nur noch jeden Tag den Wetterbericht beobachten. Ich hoffe, dass sich irgendwann eine Großwetterlage einstellt, die mir Temperaturen um -5°C beschert.

Ich bin gespannt, wie das ausgeht...
 
Erkenntnisse: Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Die Tiefsttemperaturen Mitte Februar 2021 von ca. -20°C waren für meinen Test nicht geeignet. Wintertouren plane ich im Moment nicht. Deshalb freundete ich mich schon mit dem Gedanken an, meinen 2.Overnighter bis in den nächsten Winter zu verschieben. 
 
Trotzdem beobachtete ich die Wettervoraussagen sehr genau. Am Freitag, den 5.März 2021, und das folgende Wochenende waren für die Nacht Minustemperaturen bis -7°C angekündigt. Das würde mir perfekt in den Kram passen.
 
Folgende Kleidung hatte ich für den Test an:
 
1) Kleidungsschicht: Funktionsunterwäsche bestehend
  • aus Polypropylen des Herstellers LIOD (Strümpfe, Legging und ein dünner langärmliger Pullover)
2) Kleidungsschicht: VBL-Kleidung bestehend
  • aus VBL-Strümpfen von Expeed
  • einer MYOG-VBL-Hose und 
  • einer MYOG-VBL-Jacke (für beide MYOG-Kleidungsstücke siehe Menüpunkt MYOG Projekte C14 (VBL-Jacke) und C16 (VBL-Hose))
3) Kleidungsschicht: Isolationskleidung bestehend 
  • aus Wollsocken von zpacks (Brushtail Possum Socks),
  • einer KuFa-Isolationshose von AsTucas (Climashield Apex 100),
  • einem KuFa-Isolationspullover von Cumulus (Climalite Apex 67) und 
  • einer einfachen Wollmütze
Als Seitenschläfer und den Minustemperaturen geschuldet, wollte ich auf einer Isomatte TaR NeoAir XTherm Small schlafen.
 
Mein Quilt war ein 133er-APEX-Quilt (Sommer-Quilt) von AsTucas aus dem Jahre 2016, der mit einer Komforttemperatur von 5°C herstellerseitig angegeben war. Meine Erfahrungen mit dem Quilt besagten aber, dass die Komforttemperatur höchsten 10°C betragen konnte.

Die Datenauswertung eines Temperatur-Loggers am Morgen nach dieser Nacht ergab, dass gegen 4 Uhr eine Temperatur von -10°C herrschte. Also 20 Grad unter der von mir geschätzten Komforttemperatur des Quilts.
 
Meine Überraschung war groß, auch weil ich mit der beschriebenen Ausrüstung nie gefroren habe. Die Füße (mein Frieren-Anzeiger) waren immer mollig warm.

Wenn ich in der Nacht einmal wach wurde, überprüfte ich den Quilt und die Isolationskleidung über der VBL-Kleidung auf Feuchtigkeit. Alles blieb bis zum Schluss total trocken.

Auf der Innenseite des Tarps (zpacks, Hexamid Pocket Tarp with Doors) war die Kondensfeuchtigkeit gefroren. Aber das war bei diesen Temperaturen zu erwarten und daher für mich vollkommen normal.
 
In der Nacht musste ich einmal aufstehen und ein "kleines Geschäft" erledigen. Dabei hat sich die Kombination aus einer VBL-Jacke und einer VBL-Hose bestens bewährt. Die gespeicherte Wärme innerhalb der VBL-Kleidung hatte wenig Chancen zu entweichen. Das war übrigens einer der Gründe für den Wechsel von einem VBL-Anzug zu einer VBL-Jacke und einer VBL-Hose. 
 
Allerdings hat mir dieser Wechsel etwas mehr Gewicht eingebracht. Der VBL-Anzug wiegt 187 g. Die VBL-Jacke (160 g) und die VBL-Hose (120 g) kommen zusammen auf 280 g. Das sind 93 g mehr, als der VBL-Anzug. Entstanden ist dieses Mehrgewicht durch die Anbringung eines Kordelkanals (elastische 3mm-Kordelschnur, Kordelstopper und Tyvek-Klebeband) am Bund der VBL-Jacke und der VBL-Hose. 
 
Aber der Komfort der Jacke-Hose-Kombination macht diesen Gewichtsunterschied mehr als wett.
 
Beim nächtlichen Gang ins Gebüsch testete ich nochmals meine modifizierten Camp-Schuhe (siehe Menüpunkt MYOG Projekt C10). An den Camp-Schuhen ersetzte ich das Tapeband zur Größenverstellung durch eine elastische 3mm-Kordelschnur. Auch diese Änderung hat sich als ein Volltreffer erwiesen.

Gegen 6 Uhr beendete ich diese Testnacht mit einem äußerst positiven Ergebnis.

Die beiden Overnighter zeigten mir, dass ich mit der von mir erstellten VBL-Kleidung in dem angepeilten Zeitraum März bis November wandern und übernachten kann. Auch die eine oder andere Nacht mit Minustemperaturen von -5°C könnte ich ohne größere Probleme überstehen.
 
Bilder zu diesem Overnighter gibt es nicht.
 
Nachtrag (November 2023): Noch eine Bemerkung zu den erwähnten Camp-Schuhen. Im harten "Feldeinsatz" haben sich die mehrmals modifizierten Camp-Schuhe als eine völlige Fehlkonstruktion erwiesen. So deutlich muss ich das leider sagen.

Siehe auch die Nachträge im Menüpunkt MYOG Projekt C10.


09 Januar 2021

Meine Overnighter (ON)

In loser Folge möchte ich in diesem Beitrag über meine Overnighter (Übernachtungen) berichten.

Was bedeuten Overnighter für mich?

Bei einem Overnighter verbringe ich eine Nacht oder mehrere Nächte irgendwo in der Wildnis in der Nähe meines Wohnortes. Dabei geht es nicht so sehr um die zurückgelegten Kilometer der Tour. Vielmehr steht bei meinen Übernachtungen die Ausrüstung im Vordergrund. So kann ich neue Ausrüstungsgegenstände realitätsnah testen und deren Tauglichkeit für kommende Langstreckenwanderungen überprüfen.

Zu jeder Übernachtung wird es einen kurzen Bericht geben, wo ich über die geplanten Tests und meine gewonnenen Erkenntnisse berichte. Die Berichte unterteilen sich in der Regel in zwei Abschnitte:

  • Plan
  • Erkenntnisse

Im Abschnitt "Plan" beschreibe ich, was ich mit denr Übernachtungen bezwecken will. Der Abschnitt "Erkenntnisse" erläutert die erzielten Ergebnisse.

Im Inhaltsverzeichnis werden Beiträge, zu denen es Nachträge gibt, hinter dem Datum zusätzlich mit einem (N) gekennzeichnet. Die Zahl hinter dem Buchstaben gibt die Anzahl der Nachträge an.

Ergänzt wird das Ganze manchmal mit einigen Bildern.
 
Hinweis: Offene oder geplante Overnighter, wo die Beschreibungen der Pläne/Erkenntnisse noch ausstehen, werden im nachfolgenden Inhaltsverzeichnis in dunkelroter Schrift dargestellt.
 
Inhaltsverzeichnis 
 
3)   Februar 2022 (N3): ON 03 - Test Schlaf-Setup bis -5°C über 3 Nächte ==> erledigt seit März 2022 neu geplant
 
2)   März 2021 (N1): ON 02 - Test geändertes Schlaf-Setup bis -5°C ==> erledigt seit März 2021
1)   Januar 2021: ON 01 - Test Schlaf-Setup bis -5°C + Camp-Schuhe ==> erledigt seit Januar 2021

Test Schlaf-Setup bis -5°C + Camp-Schuhe

Plan: Mein 200er-APEX-Quilt von AsTucas aus dem Jahr 2015 war mit einer Komforttemperatur von -5°C angegeben. Das bedeutet nach meinem Kenntnisstand, dass ich als Mann in Strümpfen, einer Legging und einem Pullover bei einer Temperatur von -5°C "einigermaßen" schlafen können muss. 

Auf meiner Wandertour Quer durch Deutschland im Oktober 2020 über 802 km benutzte ich den Quilt bei Temperaturen um 0°C. In diesem Temperaturbereich schlief ich mit dem Quilt in den letzten Jahren noch nie. Erst durch "Aufpimpen" mit zusätzlicher Kleidung konnte ich bei diesen Temperaturen gut schlafen. 

Folgende Kleidung verwendete ich auf einer TaR-Isomatte NeoAir XTherm Small in diesen Nächten: 

1.Kleidungsschicht: Wandersocken, Unterhose, Legging, T-Shirt, dünner langärmliger Pullover

2.Kleidungsschicht: Wollsocken (zpacks Brushtail Possum Socks), KuFa-Isolationshose aus 100er-APEX von AsTucas, KuFa-Isolationspullover aus Climalite (eine Art APEX) von Cumulus, Wollmütze
 
Da ich sehr kälteverträglich bin, wundert mich diese Angabe der Komforttemperatur von AsTucas aus dem Jahr 2015. Vielleicht sind die Komforttemperaturen vor einigen Jahren viel "optimistischer" angegeben wurden. Dieser Wert deckt sich auf keinen Fall mit den Erfahrungen von meiner letzten Wandertour.
 
Das wollte ich bei einer Übernachtung bei Temperaturen um den Gefrierpunkt einmal genau testen und prüfen, ob meine Beobachtungen von der letzten Wandertour stimmen.

In den Tagen kurz vor Weihnachten 2020 ist auch mein Schutzanzug (Chemikalien-Schutzanzug "4565" Typ 4/5/6 Cat.III, weiß mit roten Streifen, 187 g) von 3M eingetroffen. 
 
Diesen Schutzanzug wollte ich als VBL-Anzug "missbrauchen". Ergänzt wird der Schutzanzug durch die VBL-Socken von Exped (VBL Socks, 39 g).  
 
Vom VBL-Prinzip (siehe Menüpunkt Fragen/Themen, Punkt B5 ) versprach ich mir, dass ich mit einem normalen Quilt bis in tiefe einstellige Minustemperaturen einigermaßen bequem schlafen kann.

Wenn ich mit dem AsTucas-Quilt und dem VBL-Anzug den Temperaturbereich von ca. -5°C erreiche, könnte ich meine Langstreckenwanderungen auch auf Zeiträume ausdehnen, wo Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen. Das würde meinen zeitlichen Handlungsspielraum für Wandertouren enorm erweitern.
 
Zusätzlich müsste ich mir für kältere Temperaturen keine spezielle Ausrüstung zulegen. Meine vorhandene Mai-bis-September-Ausrüstung könnte ich weiter verwenden.
 
Übernachten werde ich bei diesem Test in einem Tarp (siehe Bild 1) von zpacks (Hexamid Pocket Tarp with Doors) und einem Biwaksack von AsTucas (Millaris Bivy Sack, 198 g).

Bild 1: Übernachtung im Tarp von zpacks

Neben dem Quilt und dem VBL-Anzug will ich noch zusätzlich meine Camp-Schuhe (24 g) für die Nacht testen. Mit Sicherheit muss ich in der Nacht wenigstens einmal für ein kleines Geschäft das Tarp verlassen. Dabei werde ich die neuen selbstgefertigten Camp-Schuhe verwenden. 
 
Den Temperaturverlauf in der Nacht will ich mit den beiden Data Loggern von Elitech (RC-5+, 25 g) und BlueMaestro (Tempo Disc, 11 g) aufzeichnen. So kann ich später bei Problemen abgleichen, bei welcher Nachttemperatur die Probleme aufgetreten sind.
 
Erkenntnisse: Am Samstag, den 9.Januar 2021, war es endlich soweit. Der Wetterbericht sagte eine Nachttemperatur von ca. -3°C bis -5°C voraus. Das war genau die Temperatur, die ich mir für einen ersten Test meines Schlaf-Setups bei Minusgraden vorgestellt hatte. Für den Anfang wollte ich nicht zu tief in den Minusbereich gehen. "Leichte" Minusgrade, damit meine ich vor allem einstellige Minusgrade, trifft man auch in den Jahreszeiten an, in denen ich zukünftig auch wandern wollte, März bis April und Oktober bis November. Wenn es mir gelingt ein geeignetes Schlaf-Setup für diese neuen Zeiträume zu finden, könnte ich meinen Wanderzeitraum im Jahr enorm erweitern.
 
Das Tarp von zpacks, das Hexamid Pocket Tarp with Doors, war schnell aufgebaut. Mit dem Tarp benutze ich immer eine passende Unterlage (Bodenwanne) aus DCF-Material vom gleichen Hersteller. Auf die Unterlage legte ich einen Biwaksack von AsTucas, den Millaris Bivy Sack, und in den Biwacksack die Isomatte von Therm-a-Rest, die NeoAir XTherm Small (115 cm). Small deshalb, weil ich als Seitenschläfer immer mit angewinkelten Beinen schlafe. Ich benötige also nicht die übliche Länge von Isomatten und kann daher durch die Small-Ausführung etwas Gewicht einsparen.
 
Kleidungsmäßig änderte ich auch eine Kleinigkeit in der 1.Kleidungsschicht. Socken, Legging, T-Shirt und Pullover ersetzte ich durch Funktionskleidung der Firma LIOD, die als Hersteller von Kleidung aus Polypropylen (Kunstfaser) bekannt ist. Kleidung aus diesem Material ist wesentlich robuster als Kleidung aus Merino-Wolle, die ich bisher verwendete. Die Socken, die Legging und der Pullover sind auch noch dünner als die bisher verwendeten Kleidungsstücke.
 
Über die Funktionskleidung zog ich dann den VBL-Anzug (Chemikalien-Schutzanzug "4565" Typ 4/5/6 Cat.III) und die VBL-Socken von Exped (VBL Socks). Der VBL-Anzug bietet die Möglichkeit den Reißverschluss zusätzlich durch eine Abdeckleiste zu verkleben. Das tat ich nicht. Lediglich die Kapuze des VBL-Anzugs streifte ich über den Kopf. Der Kopf war die einzige Stelle meines Körpers, die direkten Kontakt mit dem VBL-Anzug hatte. 
 
So ausgerüstet startete ich gegen 20 Uhr bei 0°C meine Nachtruhe. Zusätzliche Kleidung, siehe 2.Kleidungsschicht oben, lag für den Ernstfall bereit.
 
Die erste Überraschung erlebte ich beim Anziehen des VBL-Anzugs. Das Tyvek-Laminat, aus dem der VBL-Anzug besteht, fühlte sich auf der Haut nicht unangenehm an. Ich könnte mir vorstellen auch ohne Funktionskleidung in dem VBL-Anzug zu schlafen. Das werde ich auf alle Fälle in einem weiteren Overnighter zu gegebener Zeit ausprobieren.
 
Ich konnte auch nicht sofort den "Hitzestau-Effekt" feststellen, über den im Internet bei der Benutzung von VBL-Anzügen und -Säcken so oft berichtet wurde. Erst nach einiger Zeit stellte sich ein leichtes Wärmegefühl ein. Irgendwann bin ich eingeschlafen. Wenn ich wach wurde, überprüfte ich, ob irgendetwas durch meine Ausdünstungen feucht geworden ist. Alles war trocken, innen und außen am Quilt und am Biwaksack, auch an der Innenwand des Tarps. Gegen Mitternacht war immer noch alles trocken. Lediglich an der Innenseite des Tarps hatte sich Kondensfeuchtigkeit gebildet. Gegen 5 Uhr in der Frühe hatte ich Temperaturen von -4°C. Der Quilt und der Biwaksack waren innen und außen immer noch trocken. Die Kondensfeuchtigkeit an der Innenwand des Tarps war aber gefroren und ließ sich leicht mit den Fingern abstreifen. 
 
Meine Füße sind der Haupt-Indikator für das Frieren. Wenn die Füße kalt werden, musste ich in der Vergangenheit immer reagieren und mit zusätzlicher Kleidung "aufrüsten". Überrascht stellte ich fest, dass meine Füße noch warm waren. Auch mein Körper fühlte sich warm an. Nicht "wohlig und mollig" warm, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich die 2.Kleidungsschicht benötigen würde. Ohne den VBL-Anzug musste ich bei Temperaturen von 0°C bis 2°C schon die 2.Kleidungsschicht anziehen, um gut schlafen zu können.
 
Auch das "Feuchtigkeitsgefühl" im VBL-Anzug hat sich in Grenzen gehalten. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich im "eigenen Saft" liege. Der VBL-Anzug liegt ja relativ eng am Körper an. Da kann es nicht viel Luft im VBL-Anzug geben, im Gegensatz zu einem VBL-Sack, den manche Wanderer verwenden.

Gegen 6 Uhr und bei -4°C beendete ich die Nachtruhe. Gefroren habe ich nie, obwohl ich nur mit relativ dünner Funktionskleidung und mit einem VBL-Anzug bekleidet war.
 
Beim Ausziehen merkte ich, dass die Funktionskleidung förmlich am Körper klebte. In der Nacht war das aber kein unangenehmes Gefühl.

Der Verschluss der Camp-Schuhe mit Tapeband hat sich als eine völlige Fehlkonstruktion erwiesen. Beim Lösen des Tapebandes blieben Teile des Materials der Camp-Schuhe am Tapeband kleben. Dadurch ließen sich die Camp-Schuhe nicht in der Größe verstellen. Die Verschlüsse der Camp-Schuhe konnten nicht mehr geschlossen werden.

Mittlerweile ist das Problem behoben. Das Tapeband wurde durch eine elastische 3mm-Kordelschnur an den Verschlüssen ersetzt. Diese neuen Verschlüsse passen sich durch die elastische Kordelschnur jeder Fußgröße an.

Die beiden Data Logger für die Temperatur lieferten fast identische Ergebnisse. Bleibt natürlich die Frage, ob ich bei Langstreckenwanderungen unbedingt einen Temperatur-Logger benötige. Für die Tag- und Nachtemperaturen in den Tagebuch-Aufzeichnungen reicht auch eine normale Wetter-App auf meinem Handy aus.

Der erste Overnighter hat das Ergebnis geliefert, was ich mir erhofft hatte.

Welche Fragen bleiben offen?

Auf alle Fälle werde ich ein leicht verändertes Schlaf-Setup noch bei ähnlichen Temperaturen testen (siehe Overnighter 02). 
 
Zusätzlich will ich mir aus einem falsch bestellten VBL-Anzug (Größe L war zu klein) eine VBL-Jacke anfertigen. Vielleicht reicht es noch zu einer VBL-Hose, wenn ich den VBL-Anzug an einer optimalen Stelle trennen kann.

Durch die VBL-Jacke verspreche ich mir auch einen Nutzen beim Wandern. Bei kühlen Temperaturen muss man oft eine Isolationsjacke anziehen. Schwitzt man dann bei anstrengenden Wegabschnitten, kann es passieren, dass die Körperausdünstungen in die Isolationsjacke eindringen und dort ähnliche Probleme verursachen wie bei einem Schlafsack oder Quilt. Um das zu verhindern, werde ich testen, ob eine VBL-Jacke unter der Isolationsjacke diesen negativen Effekt verhindern kann.

Der nachfolgende Link verzweigt in ein GoogleDrive-Verzeichnis und zeigt einige Bilder.

     Overnighter_01_Bilder

Zusätzlich befindet sich auf der rechten Seite meines Blogs im Tourenverzeichnis die Zeichenkette "Bilder", hinter der sich ebenfalls ein Link zu den Bildern dieses Overnighters befindet.
 

26 Oktober 2020

Quer durch Deutschland (Deutschland, 802 km)

Idee


Die Corona-Pandemie hat den Zeitplan für mein Wanderjahr 2020 gehörig durcheinandergewirbelt. Von den geplanten Wandertouren konnte ich nur wenige realisieren. Dazu musste ich immer kurzfristig entscheiden, was gerade „geopolitisch“ möglich war.


So entschloss ich mich schon im Frühjahr im Jahr 2020 innerhalb von Deutschland zu bleiben. Nach zwei Mehrtageswanderungen im Harz (Von Osterode nach Schochwitz (Ende Juni) und dem Karstwanderweg (Ende Juli)) entschied ich ganz kurzfristig eine weitere Strecke meines Wanderprojekts Deutsche Langstreckenwanderungen zu realisieren. Zur Auswahl standen dabei einmal Das grüne Band und Quer durch Deutschland. Beide Wandertouren lagen schon seit einiger Zeit fertig geplant in meiner Schublade.


Nach einigen privaten Terminen verschob sich der mögliche Starttermin immer mehr in Richtung Ende September, so dass ich mich letztendlich wegen der kürzeren Gesamtstrecke für die Wandertour Quer durch Deutschland entschied. So richtig hat mir der späte Starttermin nicht gefallen, weil ich im Oktober wettermäßig durchaus ein Desaster hätte erleben können. 
 
Aber auf der anderen Seite war die Wandertour zu diesem Zeitpunkt eine gute Möglichkeit meine Ausrüstung in Richtung 3-Jahreszeiten-Tauglichkeit zu testen. Dabei gewann ich einige wichtige Erkenntnisse, die ich später noch ausführlich darlegen werde.
 

26 Juli 2020

Karstwanderweg (Deutschland, 203 km)

Bei der Planung von Wandertouren im Harz bin ich oft über den Karstwanderweg (KWW) gestolpert. Aus unbestimmten Gründen interessierte ich mich aber nie so richtig für den Wanderweg. Für die Gründe kann ich allerdings keine plausible Erklärung abgeben.

Nach meiner letzten Wandertour im Harz (Von Osterode nach Schochwitz, 139 km, Ende Juni 2020) suchte ich nach einer weiteren Wandertour über mehrere Tage im Harz. Meistens wähle ich mir die Wandertouren im Harz so aus, dass ich in eine leicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahn) zu erreichende Stadt am westlichen Rand des Harzes (Goslar, Seesen oder Osterode) fahre und von dort in Richtung Heimat laufe. Die genaue Wanderroute bestimmt meine Routenplanungssoftware BaseCamp, wo ich nur den Start- und Zielort eingeben muss.

Diesmal wollte ich das nicht so machen und bei der Planung auf einen „vorhandenen“ Wanderweg zurückgreifen. Der Hauptgrund für diese Vorgehensweise war die sehr kurzfristige Entscheidung für eine nochmalige Wandertour im Harz. Bei der Auswahl einer Wandertour hätte ich leicht aus meinem großen Vorrat an Wandertouren im Harz auswählen können. Aber alle vorhandenen Mehrtageswanderungen bin ich schon gegangen. Doppelte Wandertouren will ich möglichst vermeiden. Wegen der fehlenden Zeit für die Planung einer neuen Mehrtageswanderung im Harz ist der Karstwanderweg endlich in meinen Fokus gerückt.
 

03 Juli 2020

Von Osterode nach Schochwitz (Deutschland, 139 km)

Das Wanderjahr 2020 sollte vollkommen anders „verlaufen“. So hatte ich es jedenfalls im Herbst 2019 geplant.

Im Februar/März 2020 wollte ich nach Spanien auf den Jakobsweg Ruta de la Lana. Im Mai/Juni 2020 war eine längere Wandertour in Deutschland (Grünes Band oder Quer durch Deutschland von Osten nach Westen) geplant. Die Pläne für den Herbst 2020 waren noch nicht vollständig geklärt.

Alle geplanten Wandertouren wurden durch Corona und kurzfristige private Termine (umfangreiche Hausrenovierung) über den Haufen geworfen.

So musste ich „kleine Brötchen“ backen und mich mit kürzeren Wandertouren (Mehrtageswanderungen) begnügen, die ich sonst nur zur Einstimmung auf längere Wandertouren gegangen wäre.
 
Für meine erste Wandertour im Jahr 2020 hatte ich mir eine Harzdurchquerung von Osterode nach Schochwitz über 139 km ausgesucht. Dafür hatte ich 4 Tagesetappen geplant. Also ca. 35 km pro Tag. Es sollte sich herausstellen, dass das für den Anfang äußerst sportliche Tagesziele waren.

19 November 2019

Camino de Levante (Spanien, 1212 km)

Idee

In meinem Wanderprojekt SJW Spanische Jakobswege, das ich im August 2019 in meinen Projekten vorstellte, spielt auch der Jakobsweg Camino de Levante eine Rolle. Dieser Jakobsweg ist einer der weniger bekannten Jakobswege. In vielen Veröffentlichungen zu spanischen Jakobswegen wird er oft nicht erwähnt. Statistische Daten, wie die Anzahl der Wanderer, die diesen Jakobsweg in Angriff nehmen, sind schwer zu finden. Ich glaube gelesen zu haben, dass 200-300 Wanderer diesen Jakobsweg jedes Jahr gehen. Auf dem bekanntesten Jakobsweg, dem Camino Frances, sind jedes Jahr ca. 200000 Wanderer unterwegs. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Genau dieser Unterschied hat den Jakobsweg für mich so interessant gemacht.

Zusätzlich entschied ich mich wieder für den Zeitraum Oktober/November. In diesem Zeitraum sind wegen der Jahreszeit und der zu erwartenden Wetterbedingungen weitaus weniger Wanderer anzutreffen.

28 Juni 2019

Deutscher Küstenweg (Deutschland, 1189 km)

Idee

Anfang Mai 2019 veröffentlichte ich mein Wanderprojekt Deutsche Langstreckenwanderungen (DLW) in meinem Blog. Das Wanderprojekt besteht aktuell aus 5 unterschiedlich langen Wandertouren. Zusätzlich gibt es noch 2 weitere Wandertouren-Vorschläge auf der Warteliste, die User des Forums www.ultraleicht-trekking.com machten. Da gibt es also einige Kilometer zu bewältigen, wenn ich all diese Wandertouren hinter mich bringen will.

Alle Wandertouren sollen frei geplante Wandertouren sein. Das bedeutet, dass ich mir bei der Planung der Wandertouren meinen Weg selbst suchen muss. Vorhandene Tracks, die es vielleicht gibt, verwende ich nicht.

Eine Wandertour des Wanderprojekts ist der Deutsche Küstenweg (DKW). Es hat mich schon immer gereizt an der Ost- und Nordseeküste zu wandern. Mein Plan war es diese Wandertour als ThruHike zu schaffen, d.h. die ganze Strecke in einem Stück zu wandern.

12 November 2018

Via de la Plata, Teil 2 (Spanien, 485 km)

Vorbemerkungen zum 2.Teil des Berichts

Der Bericht gliedert sich in 2 Teile, weil ich die Wandertour auf der 19.Tagesetappe auf dem Weg nach Morille, was eine Tagesetappe vor Salamanca liegt, abgebrochen habe. Bis dahin bin ich ca. 516 km gelaufen, was ziemlich genau der Hälfte der Wandertour entspricht. Ich hatte die telefonische Nachricht erhalten, dass meine Frau schwer erkrankt war. Da zögerte ich nicht lange und beendete die Wandertour. 


Teil 2: Oktober/November 2018 (von Salamanca bis Santiago de Compostela)

Idee

Nach dem 1.Teil der Wandertour dachte ich darüber nach, wann ein günstiger Zeitpunkt für den Rest der Wandertour wäre. Ich stellte mir auch die Frage, ob ich die Wandertour überhaupt beenden sollte. Aber ich überlegte nicht lange. Ich wollte die Wandertour unbedingt abschließen und das noch im Jahr 2018.
 

Im Oktober/November 2018 hat sich dann kurzfristig die Gelegenheit ergeben den 2.Teil der Wandertour durchzuführen.

17 Juni 2018

Ostdeutsche Mittelgebirgstour (Deutschland, 608 km)

Idee

Schon lange stand der Kammweg im Erzgebirge auf meiner Wander-Wunschliste ganz oben. Der Wanderweg beginnt in Geising im Osterzgebirge und endet in Blankenstein im Thüringer Wald. In Blankenstein treffen sich 3 Wanderwege, der Kammweg, der Frankenweg und der Rennsteig. Im Mai 2015 war ich bereits auf dem Rennsteig von Hörschel in Richtung Blankenstein unterwegs. So war schnell die Idee geboren den Kammweg von Geising nach Blankenstein zu absolvieren und gleich anschließend den Rennsteig in der umgekehrten Richtung von Blankenstein nach Hörschel anzuhängen. 

Aber dann kam schnell eine Frage auf. Wie sollte ich von Hörschel bei Eisenach nach Schochwitz bei Halle gelangen? Der erste Gedanke war die Heimreise mit dem Zug. Der zweite und bessere Gedanke war der Heimweg zu Fuß. Aber für den Heimweg gab es keinen „richtigen“ Wanderweg. Da blieb nur eine Wanderung „querfeldein“ oder wie die Experten sagen „Cross Country“ übrig. 

Meine Wandertour sollte also aus drei Teilstücken bestehen, 2 markierten Wanderwegen (Kammweg, Rennsteig) und einer frei geplanten Wandertour von Hörschel nach Schochwitz. Insgesamt waren das 608 km (Kammweg 277 km, Rennsteig 168 km, Heimweg von Hörschel nach Schochwitz 163 km).

06 März 2018

Via de la Plata, Teil 1 (Spanien, 516 km)

Vorbemerkungen zum 1.Teil des Berichts

Der Bericht gliedert sich in 2 Teile, weil ich die Wandertour auf der 19.Tagesetappe auf dem Weg nach Morille, was eine Tagesetappe vor Salamanca liegt, abgebrochen habe. Bis dahin bin ich ca. 516 km gelaufen, was ziemlich genau der Hälfte der Wandertour entspricht. Ich hatte die telefonische Nachricht erhalten, dass meine Frau schwer erkrankt war. Da überlegte ich nicht lange und beendete die Wandertour. Zu einem geeigneten Zeitpunkt werde ich den 2.Teil der Wandertour nachholen. Im Bericht werde ich dann an den entsprechenden Stellen auf diesen Umstand verweisen.


Die Bezeichnung für den Bericht ist nicht ganz korrekt. Die Wandertour besteht aus den beiden Jakobswegen Via de la Plata und Camino Sanabres. Da aber der Jakobsweg Via de la Plata den Löwenanteil zur Gesamtlänge der Wandertour beisteuert, erhält der Bericht diese Bezeichnung.

30 Juli 2017

Olavsweg (Norwegen, 643 km)

Idee 

Im Sommer 2017 wollte ich meine erste Solo-Langstreckenwanderung absolvieren.

Wo könnte mich meine Wanderlust hinführen?
Das waren so meine Gedanken…

Da gab es kein langes Überlegen. Norwegen sollte es sein. Mein Lieblings-Urlaubsland. Außerdem wollte ich auf einem markierten Wanderweg unterwegs sein, der dazu noch relativ „zivisilationsnah“ verlaufen sollte. Da blieben nicht mehr viele Wanderwege übrig und die Wahl fiel auf den Olavsweg.