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18 Juni 2021

Das Grüne Band, Teil 1 (Deutschland, 776 km)

Idee
 
Zwei Wandertouren aus meinem Wanderprojekt Deutsche Langstreckenwanderungen (DLW) hatte ich in den letzten zwei Jahren (2019 und 2020) schon realisiert. Jetzt wollte ich die 3.Wandertour des Projekts im Jahr 2021 angehen.
 
Wieder erleichterte mir die aktuelle Corona-Situation die Entscheidung. Bei der Wandertour Das Grüne Band würde ich mich immer in der Nähe meiner Heimatregion aufhalten. Sollte es wegen Corona Schwierigkeiten geben, könnte ich jederzeit abbrechen und ohne großen Aufwand die Heimfahrt antreten.
 
Das war der ausschlaggebende Punkt für Das Grüne Band.
 
Planung
 
Mein Wanderprojekt Deutsche Langstreckenwanderungen besteht aus freigeplanten Wandertouren. Im Menüpunkt Planung erläuterte ich genau, was das in meinem Sprachgebrauch bedeutet.
 
Diesmal konnte ich nicht mit wenigen Fixpunkten, wie bei meiner Wandertour Quer durch Deutschland, die gesamte Wandertour planen. Der Verlauf der ehemaligen Grenze ist festgelegt und damit war auch der grobe Verlauf meiner Wandertour vorgegeben. An diesem Grenzverlauf musste ich mich irgendwie orientieren.
 
Als „Das Grüne Band“ wird die ehemalige innerdeutsche „grüne“ Grenze bezeichnet. Bei der Planung war es mein Ziel mich möglichst in der Nähe der Grenze aufzuhalten, wenn es die Wegführung erlauben sollte. Im Auge hatte ich da speziell die ehemaligen Kolonnenwege entlang der Grenze.
 
Bild 1: Kolonnenweg

Als Kolonnenwege werden zweispurige Fahrwege bezeichnet, auf denen die Grenzsoldaten der ehemaligen DDR mit Fahrzeugen patrouillierten. Durch diese Kolonnenwege erreichten sie relativ schnell jeden Punkt der Grenze.
 
Bild 2: Kolonnenweg 40.Tagesetappe

Der rote Pfeil in Bild 2 zeigt sehr schön den Grenzverlauf (blaue Strich-Punktlinie) zwischen dem Bundesländern Thüringen und Bayern und meine geplante Wanderroute (pinkfarbene Pfeillinie) der 40.Tagesetappe auf dem Kolonnenweg. An dieser Stelle ist der Kolonnenweg noch erhalten und verläuft in geringem Abstand weitestgehend parallel zur Grenze der Bundesländer.
 
Der blaue Pfeil in Bild 2 zeigt einen Bereich auf der Landkarte, wo kein Kolonnenweg mehr vorhanden ist. Bei der Planung musste ich an solchen Stellen auf Wege und Straßen in der Nähe der Grenze zurückgreifen. Das war nicht immer leicht zu lösen und stellte mich manchmal vor gewaltige Probleme. Diese fehlenden Abschnitte der Kolonnenwege musste ich also „umgehen“.
 
Im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sind viele Kolonnenwege nicht mehr vorhanden. Dort wo sie noch existierten, plante ich sie in meine Tagesetappen ein. Aber nicht um jeden Preis. Der Preis sind die Verbindungswege zwischen den noch vorhandenen Stücken der Kolonnenwege. Wenn ich für die Verbindungswege zu große Umwege planen musste, um ein Stück eines Kolonnenweges in den Wegeverlauf einzuplanen, habe ich mir schwer überlegt, ob ich das tue. So ließ ich das eine oder andere Stück der Kolonnenwege einfach weg, weil die Umwege (Verbindungswege) einfach zu umständlich waren.
 
Im Bundesland Sachsen-Anhalt war die Situation der Kolonnenwege schon wesentlich besser und hat die Planung erleichtert.
 
Im Bundesland Thüringen sind große Teile der Kolonnenwege noch vorhanden. Dort sind die Kolonnenwege am besten erhalten.
 
So arbeitete ich mich bei der Planung vom Norden in den Süden durch. Damit war auch sofort die Laufrichtung, wie ich die Wandertour absolvieren wollte, vorgegeben.
 
Die Planung ergab eine Gesamtlänge von 1196 km, aufgeteilt in 43 Tagesetappen unterschiedlicher Länge.
 
In den letzten Jahren sind einige Wanderführer entstanden, von Wanderern, die Das Grüne Band, in seiner vollen Länge abgelaufen sind. Bei der Planung benutzte ich diese Wanderführer nicht. Ich kenne also den „offiziellen“ Wanderweg nicht.
 
Ich suchte mir bei der Planung einen eigenen Weg, der sicherlich manchmal mit dem offiziellen Wanderweg identisch ist, aber das ist dann Zufall.
 
So war mein ursprünglicher Plan, den ich mir schon Monate vorher zurechtgelegt hatte. Irgendwann Ende Mai wollte ich mit der Wandertour in aller Ruhe starten
 
Anfang Mai tat sich dann ein Problem auf, das ich so nicht auf dem Schirm hatte. Da ich kein Corona-Leugner bin und auch kein Impfverweigerer, wollte ich mich im Laufe des Sommers (Juli/August) nach dem großen Ansturm auf die Impftermine impfen lassen. Ich hatte mir überlegt, dass eine Impfung nach der Wandertour nicht schlecht wäre. Über das Internet besorgte ich mir bei einem Impfzentrum dann zwei Termine. Zu dieser Zeit war es aber noch so, dass die Impftermine äußerst begehrt waren. Da musste man sofort zugreifen, wenn Impftermine angeboten wurden. Meine Termine waren
 
     der 21.Mai und der 1.Juli 2021.
 
Zwischen den beiden Terminen lagen genau 40 Tage. Die Wandertour in den Sommer verschieben war wegen der zu erwartenden Hitze keine gute Idee. Der zweite Impftermin ließ sich auch nach langer telefonischer Diskussion nicht verschieben. Dann fing ich an zu rechnen.
 
     1200 km in 40 Tagen, ergibt 30 km pro Tag ohne Ruhetage.
 
30 km pro Tag bin ich schon auf einigen Wandertouren gelaufen. Bei einem Ruhetag, zB nach 20 Tagen, musste ich schon etwas mehr als 30 km pro Tag laufen. Mir schien das trotzdem immer noch machbar. Nach reiflicher Überlegung fällte ich die Entscheidung die Wandertour doch zwischen den beiden Impfterminen durchzuführen.
 
Den Starttermin musste ich dann gezwungenermaßen auf den
 
     22.Mai 2021
 
legen, einen Tag nach meiner ersten Corona-Impfung.
 
Aus einer großzügig geplanten Wandertour war eine Wandertour mit vielen Unwägbarkeiten geworden.
 
Vorbereitung
 
Meine letzte Langstreckenwanderung Quer durch Deutschland über 802 km konnte ich, nach kleineren Anfangsschwierigkeiten, ohne Probleme beenden.
 
Trotzdem machte ich mir nach der Wandertour Gedanken über die aufgetretenen „Anfangsschwierigkeiten“.
 
Ist es in meinem Alter und bei meinem Leistungsvermögen möglich eine Langstreckenwanderung ganz ohne Anfangsprobleme zu bestreiten?
 
Diese Frage trieb mich um. Dann überlegte ich mir eine Vorgehensweise, wie ich das überprüfen konnte.
 
Nach einigen Tagen der Ruhe, begann ich ab Anfang November 2020 jeden Tag ca. 10 km (oder ca. 2 Stunden) in der erweiterten Gegend meines Wohnortes ohne Gepäck zu wandern. Mein Tempo war flott, aber nicht am Limit. Wenn ich eine Prozentzahl nennen müsste, würde ich 80% sagen.
 
Dieses Pensum, also ca. 300 km im Monat, hielt ich bis Ende Mai 2021 durch. Gemessen habe ich die täglichen Distanzen mit meinem Schrittzähler von Withings (Go-Uhr). Dieser einfache Schrittzähler misst die Anzahl der Schritte und kann noch die Uhrzeit anzeigen. Mehr kann die Uhr nicht. Mehr benötige ich aber auch nicht. Die Genauigkeit der Schrittanzahl ist für meine Bedürfnisse vollkommen ausreichend.
 
In den fast 7 Monaten (Anfang November 2020 bis Ende Mai 2021) war ich bei jedem Wetter (Sonne, Regen, Schnee bis 30 cm Höhe, Frost bis -20°C) unterwegs. In dieser Zeit testete ich zusätzlich auch viele meiner Ausrüstungsgegenstände auf Herz und Nieren. Dabei gewann ich unglaublich wertvolle Erkenntnisse, speziell über mein Bekleidungssystem.
 
Während dieser 7 Monate hatte ich immer mal kleinere Probleme mit meinen Knien, rechts mehr als links. Die waren aber nie so, dass sie mich beunruhigt hätten.
 
Mit diesen Voraussetzungen wollte ich die Wandertour angehen.
 
Körperlich fühlte ich mich topfit. So gut vorbereitet bestritt ich noch nie eine Langstreckenwanderung. 
 
Ich war unglaublich gespannt, wie die anstehende Wandertour, aus medizinischer Sicht betrachtet, ausgehen würde.
 
Anreise
 
Am 22.Mai fuhr ich
 
     -mit dem Bus von Schochwitz nach Halle (Saale) und
     -mit Zügen von Halle (ICE), über Berlin (ICE), über Hamburg (RE) nach Travemünde.
 
Ziemlich pünktlich kam ich gegen 14:30 Uhr in Travemünde an.
 
Nach einem Fußmarsch von 45 Minuten erreichte ich gegen 15:15 Uhr den Startpunkt meiner Wandertour, einen Gedenkstein in der Ortschaft Priwall. Zuvor musste ich noch mit der Fähre die Trave überqueren. Zusätzlich gönnte ich mir auf dem kleinen Fußmarsch zum Startpunkt noch einen Kaffee und ein Stück Kuchen in einem Supermarkt am Wegesrand.
 
Meine Wandertour hatte einen erfreulichen Beginn und ich war auf den weiteren Verlauf gespannt…
 
Strecke/Wanderung
 
Am Startpunkt in der Ortschaft Priwall überlegte ich, was ich mit dem angebrochenen Nachmittag anfange. Um diese Zeit (so gegen 15-16 Uhr) beende ich normalerweise viele meiner Tagesetappen. Dann sind mindestens 30 km gelaufen und die Suche nach einem Übernachtungsplatz beginnt bzw. ist bereits beendet.
 
Aber durch die besonderen Planungsumstände zählt der Anreisetag bereits als ein Tag von 40 Wandertagen. Und ich war noch keinen einzigen Kilometer, vom Startpunkt beginnend, gelaufen.
 
Also begann ich mit meiner ersten Tagesetappe und lief an diesem Nachmittag noch 17 km. Schon nach der ersten Tagesetappe war ich 13 km im Rückstand zu meinem geplanten Durchschnitt von 30 km pro Tag. Das fing ja gut an und das bedeutete im Umkehrschluss, dass ich in den kommenden Tagen mehr als 30 km laufen musste.
 
Rückblickend fiel mir auf, dass ich den ganzen Tag keine einzige Markierung für Das Grüne Band gesehen hatte. Aber das konnte daran liegen, weil ich meinen Weg selbst plante. Das kann dann dazu führen, dass man nicht jederzeit auf dem „offiziellen“ Wanderweg unterwegs ist.
 
Mir war schon bei der Planung klar, dass Das Grüne Band nicht unbedingt eine „Wanderautobahn“ ist, auf der ich jeden Tag mehrere Wanderer treffen würde.
 
Schon auf den ersten Tagesetappen fielen mir die schwer begehbaren Kolonnenwege auf. Teilweise waren die Kolonnenwege, wenn sie überhaupt vorhanden waren, total zugewachsen. Mannshohes Gras, Unkraut aller Art (Disteln, Brennnesseln usw) säumte die Kolonnenwege. Im Mai und Juni stehen die Gräser und Unkräuter in voller Blüte.
 
Besonders schlimm waren solche Wegstrecken in den Morgenstunden, wenn die Gräser und Unkräuter von der Nacht noch feucht waren. Meine Wanderkleidung war nach der Passage solcher Wegstrecken vollkommen durchnässt. Zusätzlich klebten Samen und Blütenpollen an meiner Kleidung und der Ausrüstung. Einmal musste ich sogar die Wasserstelle eines Friedhofs aufsuchen, um meine Kleidung und meine Ausrüstung von Samen und Blütenpollen zu säubern. Allerdings hatte ich an diesem Tag auch etwas Glück. Der Friedhof lag an der Stelle des Ortes, wo mein Feldweg in die Ortschaft führte. Ich musste also nicht vollkommen „zugestaubt“ die Ortschaft passieren.
 
Solche Situation erlebte ich noch mehrmals.
 
Dass es auch anders geht, zeigten die Kolonnenwege im Bereich der Werra (zB Lindewerra und Umgebung). Dort waren große Bereiche über viele Kilometer gemäht. Teilweise wurden sogar die Löcher der „berüchtigten“ Lochplatten mit Beton ausgegossen. In solchen Bereichen traf ich dann vermehrt auch einige Tageswanderer, die sich auf den Kolonnenwegen, speziell an den Wochenenden, tummelten.
 
Die angesprochenen Lochplatten sind eine Geschichte für sich. Der DDR-Bauingenieur, der die Lochplatten konstruierte, muss offenbar sehr gute Kenntnisse der menschlichen Anatomie besessen haben. Anders kann ich mir diese besondere Konstruktion nicht erklären. Ich fand jedenfalls sehr selten das richtige Schrittmaß für die zügige Begehung der Lochplatten. Entweder man musste leicht breitbeinig oder mit ungewohnt langen Schritten gehen. Für mich war das immer eine Tortur, weil ich aufpassen musste, nicht in ein Loch zu treten. Verletzungen an den Gelenken (Knie oder Knöchel) sind da vorprogrammiert.
 
Auffallend war auch, dass auf den Kolonnenwegen relativ wenig Radfahrer unterwegs waren. Die Radfahrer standen vor ähnlichen Problemen. Wo fahre ich lang, wenn ich nicht ständig durch ein Loch fahren will.  
 
Mehrmals versperrten elektrische Weidezäune die Kolonnenwege. Bauern hatten die Kolonnenwege einfach mit eingezäunt. Ich nehme mal an, dass das aus der Sicht von Grundstücksgrenzen in Ordnung war. Mich stellten die Weidezäune aber vor gewaltige Probleme. Umkehren und einen Umweg gehen oder über den Zaun klettern, das waren die beiden möglichen Alternativen.
 
Am Anfang suchte ich für solche Probleme einen Umweg, den ich auch immer fand. Aber es gab auch eingezäunte Kolonnenwege, die ich nicht so einfach umgehen konnte. Dann kletterte ich über den Elektrozaun, in der Hoffnung, dass mich niemand sehen würde. Der Höhepunkt der Kletterei über einen Elektrozaun war ein 2 km langer Bereich des Kolonnenweges, der an einem Waldrand entlang führte. Insgesamt 5 mal kletterte ich über den Elektrozaun. Rein in die Umzäunung, raus aus der Umzäunung.
 
Bei der Planung der Wandertour am Computer muss man sich darauf verlassen, dass Wege und Pfade, die in den Computer-Karten begehbar scheinen, in der Realität auch begangen werden können. Eine Überprüfung der Wege mit GoogleMaps ersparte ich mir. Der Aufwand ist einfach zu hoch.
 
Zweimal führte mich meine Planung über Wasserkanäle. Ich hätte ja angenommen, dass da kleine Brücken sind. Auf den Computer-Karten war das nicht genau zu sehen. Aber die Wege führten über die Kanäle. Also musste da irgendein Übergang sein.
 
Der erste Kanal war ca. 10 Meter breit und dicht mit mannshohem Schilf bewachsen (siehe Bild 3). Eine Brücke war weit und breit nicht zu sehen. Offensichtlich bin ich bei der Planung solcher Passagen etwas unbedarft an die Sache herangegangen.
 
Bild 3: Kanal mit mannshohem Schilf bewachsen
 
Immer wieder überprüfte ich auf meinem Navi, dass ich an der richtigen Stelle des Kanals war. Ich musste auf die andere Seite. Dort verlief der Weg. So hatte ich es geplant. Es war Furten angesagt. Meine Schuhe wollte ich aber nicht nass machen. Also versuchte ich das barfuß. Ich suchte mir eine Stelle aus, wo größere Tiere (Wildschweine?) schon eine Bresche in das dichte Schilf geschlagen hatten. Vorsichtig, jeden Schilfstengel mit den nackten Füßen nach vorne umtretend, bewegte ich mich durch das knietiefe Wasser. Endlich hatte ich es geschafft. Bis über die Knie waren meine Füße vollkommen mit Schlamm bedeckt. Erstmal reinigte ich mich gründlich am Kanal und zog wieder die Schuhe an. Dann suchte ich die Fortsetzung meines Weges. Mindestens eine halbe Stunde suchte ich vergebens nach dem Weg. Er war nicht zu finden. Der Ausweg, und damit der Umweg, war die erneute Überquerung des Kanals. Zu meinem Unglück fand ich die Stelle nicht mehr, wo ich rübergekommen war. Sichtlich verärgert überquerte ich erneut den Kanal durch das dichte Schilf. Diesmal musste ich mir meinen eigenen Weg bahnen.
 
Wieder musste ich mich von Schlammresten reinigen. Erstaunlich an den zwei Überquerungen des Kanals war, dass ich mir keine einzige Schnittwunde an den scharfen Blättern des Schilfs holte.
 
Eine Erkenntnis dieser Kanalüberquerungen war, dass ich unbedingt wieder mit ordentlichen Zweitschuhen auf meine Wandertouren gehen werde.
 
Die Überquerung des zweiten Kanals brach ich nach der Überprüfung meiner Möglichkeiten sofort ab. Der Kanal war mindestens einen Meter tief und wesentlich breiter als der erste Kanal.
 
Der Umweg für den zweiten Kanal kostete mich 15 zusätzliche Straßen-Kilometer.
 
Weil es fast jeden Tag Wegeprobleme gab, bin ich im Laufe der Wandertour dazu übergegangen, Einheimische nach der Qualität der Kolonnenwege zu fragen. Erhielt ich übereinstimmende Informationen über die Nichtbegehbarkeit, plante ich sofort Umwege ein, ohne mich selbst von der Begehbarkeit der Kolonnenwege zu überzeugen.
 
Mehrmals bin ich auch „CrossCountry“, also querfeldein, durch das Gelände gestapft. Meistens folgte ich dann Spuren, die größere Tiere angelegt hatten. Jägerhochstände in der Nähe solcher CrossCountry-Passagen sagten mir dann, dass ich mit Fahrspuren rechnen kann. Jäger fahren gern mit Fahrzeugen bis in die Nähe ihrer Hochstände. Deshalb hielt ich bei solchen Passagen immer Ausschau nach Hochständen, die es auch meistens gab.
 
Erst am 7.Wandertag sah ich die erste Markierung für Das Grüne Band
 
Bild 4: Markierung "Das Grüne Band"
 
Im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern waren die Wegmarkierungen sehr selten zu finden. In Sachsen-Anhalt wurde es schon besser. Teilweise vorbildlich war es in Thüringen.
 
So warteten jeden Tag Wege-Überraschungen auf mich.
 
Es gab aber auch sehr positive Überraschungen. Welche Teilabschnitte sind mir in besonderer Erinnerung geblieben?
 
Auf dem ersten Platz liegt da der
 
     Weg durch das Eckertal hinauf zur Eckertalsperre.
 
Fast hätte ich in der Ortschaft Eckertal das Landgasthaus Eckerkrug verpasst. Aber weil der geplante Weg an der Ortschaft vorbei gesperrt war, musste ich durch die Ortschaft laufen. Plötzlich stand ich zu meiner großen Freude vor einer geöffneten Gaststätte, dem Landgasthof Eckerkrug. Nach einer Stärkung machte ich mich auf dem Weg hinauf zur Eckertalsperre. Das ist ein wunderschöner Wanderweg (ca. 11 km) entlang dem kleinen Flüsschen Ecker. Der Wanderweg liegt in seiner gesamten Länge fast vollständig im Schatten und ist daher auch im Sommer angenehm zu begehen. Am Ende des Wanderweges wartete noch ein steiler Aufstieg hoch zur Talsperre. Dort muss man sich dann entscheiden, wie die Talsperre umrundet werden soll. Ich entschied mich für die Ostseite. Also ging ich über die Talsperre in Richtung der Rangerstation am Scharfenstein. Dort übernachtete ich auf einer Bank.
 
Insgesamt ist die Wanderstrecke vom Landgasthof Eckerkrug in der Ortschaft Eckertal über die Eckertalsperre bis zur Rangerstation am Scharfenstein ca. 14 km lang.
 
Am nächsten Tag wanderte ich von der Rangerstation am Scharfenstein bis zum Eckersprung am Fuße des Brockens. Auch das war eine wunderschöne Wegstrecke (ca. 5 km). Die Besteigung des Brockens habe ich mir verkniffen. Dafür waren meine Füße, speziell das rechte Knie, nicht mehr gut genug.
 
An diesem Tag war geplant hinter der Stadt Braunlage mein Nachtlager aufzuschlagen. Aber irgendwie verlangte mein Körper nach einer Pause. Kurzentschlossen entschied ich mich daher einen Ruhetag in der Stadt Braunlage einzulegen.
 
Die Stadt Braunlage, das erkennt man sofort, ist eindeutig auf den Wintersport ausgerichtet. Um diese Jahreszeit und den corona-bedingten Beschränkungen hatte ich keine Schwierigkeiten eine Übernachtung für zwei Tage zu buchen. Hotels und Pensionen gab es reichlich. Irgendwie hat mir diese Stadt gefallen.
 
Hinter der Ortschaft Rimbach erreichte ich dann auf sehr gut gepflegten und damit gut begehbaren Kolonnenwegen auf einer Anhöhe den Aussichtspunkt Lindewerra-Rundblick. Belohnt wurde ich mit einem unglaublichen Ausblick auf die im Tal fließende Werra.
 
Bild 5: Lindewerra-Rundblick
 
Ein Blick auf mein Navi sagte mir, dass ich diesen schönen Rundblick auf einem steilen Kolonnenweg in Richtung der Ortschaft Lindewerra verlassen musste. Dieser ca. 1 km lange unglaublich steile Abstieg auf dem Kolonnenweg in die Ortschaft hat mir körperlich alles abverlangt. Unten angekommen, konnte ich erstmal meine Beine nicht mehr richtig bewegen. Mir fiel es unglaublich schwer normale Schritte zu machen, weil ich den Abstieg aus Sicherheitsgründen mit kleinsten Tippelschritten bewältigte. Zu meiner Freude gab es in der Ortschaft Lindewerra eine geöffnete Gaststätte, wo ich mich für den weiteren Weg erholen und stärken konnte.
 
In den folgenden Wandertagen hielt ich mich weitestgehend im Gebiet der Werra auf. Das war oft mit unglaublich steilen Auf- und Abstiegen verbunden.
 
In zwei Ortschaften, Obersuhl und Philippsthal, konnte ich mich in einem Freibad erfrischen. In Philippsthal wollte mich das Einlass-Personal erstmal nicht in das Freibad lassen, weil ich mich nicht über das Internet vorangemeldet hatte. Nachdem der Chef gerufen wurde und ich erklärte, dass ich auf einer längeren Wandertour unterwegs war, machten sie für mich eine Ausnahme.
 
Wetter
 
Für viele Wanderer ist die zu erwartende Groß-Wetterlage eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Durchführung einer geplanten Wandertour. Bei mir war das am Anfang meiner Wanderkarriere auch so. Deshalb absolvierte ich meine Wandertouren in Deutschland hauptsächlich von Mai bis September.
 
Auf den Jakobswegen in Spanien bin ich erstmalig mit den Zeiträumen Februar bis März und Oktober bis November in Kontakt gekommen. Ich stellte überrascht fest, dass das mit der richtigen Kleidung eigentlich kein Problem ist.
 
Jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, wo das Wetter für meine Wandertouren eine relativ untergeordnete Rolle spielt. Ich gehe einfach los, auch wenn zB für die nächsten 14 Tage Regenwetter angesagt wäre. Das stört mich nicht. 
 
Für die aktuelle Wandertour musste ich für Ende Mai mit einstelligen Nachttemperaturen rechnen. Das war tatsächlich so. Es gab Nächte, wo ich in den Morgenstunden 5°C hatte. In diesen Nächten reizte ich meine Kleiderkiste voll aus. Trotzdem hatte ich immer noch kleine Reserven. Meine Wanderhose und meine Regenjacke musste ich nie anziehen.
 
Ab Anfang Juni wurde das Wetter dann besser. Trotzdem gab es den einen oder anderen Regentag. Kombiniert mit starken Winden, zB auf den vollkommen offen liegenden Elbdeichen, war das eine Herausforderung. Ein Radfahrer, der auf dem Elberadweg Richtung Süden unterwegs war, bezeichnete diesen Wind als „Segelwind“.
 
Auch sehr heiße Tage mit Temperaturen über 30°C musste ich einige Tage überstehen. Heiße Temperaturen sind für mich aber schlimmer, als kältere Temperaturen.
 
Aus den zuvor genannten Gründen will ich da auch nicht viel über besondere Wetterbedingungen schreiben. Auf Langstreckenwanderungen muss man es nehmen, wie es kommt.
 
Ich kann mir erstmal nicht vorstellen eine Wandertour wegen schlechtem Wetter abzubrechen.  
 
Ausrüstung
 
Meine Ausrüstung ist schon seit einigen Wandertouren (seit 2019) relativ konstant. Jahreszeit- und wetterbedingt ändert sich da hauptsächlich nur etwas im Kleidungsbereich.
 
Meine Packliste kann im Blog unter dem Menüpunkt Ausrüstung eingesehen werden.
 
Meine aktuelle Packliste weicht trotzdem in einigen Ausrüstungsgegenständen von der Blog-Packliste ab, weil ich immer wieder andere Ausrüstungsgegenstände auf meinen Wandertouren einem Härtetest unterziehe. Deswegen ändere ich nicht jedesmal meine Blog-Packliste.

Ausrüstungsgegenstände, die ich testen will, sind dann teilweise sogar mehrfach vorhanden (zB zwei Regenjacken, unterschiedliche Heringe). Nur so kann ich Ausrüstungsgegenstände realitätsnah testen. Gewichtsmäßig ist das nicht optimal, aber nur so lassen sich Tests über einen längeren Zeitraum realisieren. Wenn ein zu testender Ausrüstungsgegenstand total versagen sollte, hat man ja immer noch den anderen Ausrüstungsgegenstand.
  
Auf bestimmte Ausrüstungsgegenstände will ich aber etwas näher eingehen.
 
Für die Übernachtungen entschied ich mich diesmal für das Tarp von zpacks (Hexamid Pocket Tarp with Doors, 148 g). Zusätzlich benutze ich das Tarp grundsätzlich nur mit einem Untergrund von zpacks (Solo-Plus Bathtub-Groundsheet, 99 g). Weil in den Frühjahrs- und Sommermonaten mit reichlich Ungeziefer zu rechnen ist, stattete ich das Tarp mit einem Netzvorhang aus. Die Anfertigung des Netzvorhangs beschrieb ich im Menüpunkt MYOG (Projekt C20 - Netzvorhang an ein Tarp von zpacks anbringen). Erste Tests im häuslichen Umfeld waren vielversprechend. Das Handling war denkbar einfach. Während der Wandertour hat sich der Netzvorhang hervorragend bewährt. Mit Ungeziefer hatte ich zu keiner Zeit Probleme.
 
Bild 6a: Tarp mit Netzvorhang
 
Bild 6b: Tarp mit Innenleben
 
Trotzdem werde ich einige Nachbesserungen an dem Netzvorhang vornehmen. 
 
Einmal werde ich den Netzvorhang an den beiden Flügeln der Eingangstür um ca. 30 cm verlängern. Durch die Verlängerung lässt sich der Netzvorhang im Bereich der Flügel der Eingangstür besser unter die Bodenwanne schieben. Durch die Bodenwanne wird der Netzvorhang beschwert und fliegt auch nicht beim stärksten Regensturm durch die Gegend.
 
Dann werde ich da, wo der Netzvorhang am Tarp befestigt ist, noch zusätzliche Kam-Snaps anbringen. Ich halbiere sozusagen die Entfernung zwischen den bisherigen Kam-Snaps mit neuen Kam-Snaps. Das sorgt für noch mehr Zugentlastung an den Befestigungsstellen, verdoppelt aber die Anzahl der Kam-Snaps und erhöht damit auch das Gewicht.
 
Die Nachbesserungen sind mittlerweile realisiert und warten auf die nächste Wandertour.
 
Wenn ich die letzten Wandertouren in Gedanken ablaufen lasse, dann wird wohl ein Tarp in der nächsten Zeit mein bevorzugter Übernachtungsplatz sein. Ein Tarp hat alles, was ich so auf meinen Wandertouren brauche. Genügend Platz für mich und meine Ausrüstung und einen ausreichenden Wetter- und Ungezieferschutz. 
 
Auch in Zeltheringen steckt ein gehöriges Einsparpotential. Meine bevorzugten Zeltheringe sind aktuell die MSR Groundhogs (14 g/Stück). Gewichtsbewusste Wanderer testen alles, angefangen von Essstäbchen aus Holz, über die genannten MSR Groundhogs ua. Bei fast jeder Wandertour teste ich neue Zeltheringe. Diesmal hatte ich die Toaks Titanum Nails (9 g/Stück) von Toaksoutdoor, zusätzlich neben meinen MSR Groundhogs, im Gepäck. Immerhin ist das eine Gewichtseinsparung gegenüber den MSR Groundhogs von 35 g, wenn ich mindestens 7 Zeltheringe für meine Tarp benötige. Das folgende Bild 7 zeigt das Ergebnis nach zwei Nächten.
 
Bild 7: Zeltheringe nach Benutzung
 
Die Heringe haben sich bei der Benutzung entweder verbogen oder sind an der Schwachstelle, dem Loch für die Schnur zum Herausziehen, gebrochen. Für mich haben diese Zeltheringe komplett versagt. Wenn ich es mir so recht überlege, frage ich mich, wie andere Wanderer mit Essstäbchen aus Holz klarkommen. Ich kann mir das aus den bisher gemachten eigenen Erfahrungen einfach nicht vorstellen.
 
Meine Suche nach ultra-leichten (<= 5 g/Stück) und gleichzeitig absolut stabilen Zeltheringen geht also weiter.
 
Die nächste Zeltheringe, die ich testen werde, sind Zeltheringe aus Kunststoff, die SwissPiranha (5 g/Stück) der Schweizer Firma SwissPiranha. Eine Gewichtseinsparung, bei 7 benötigten Zeltheringen, gegenüber den MSR Groundhogs von 63 g ist nicht schlecht. Einen ersten kurzen Wochenendeinsatz haben die Zeltheringe schon mit Bravour bestanden. Auf die Ergebnisse beim nächsten Dauereinsatz bin ich jedenfalls sehr gespannt.
 
Mein Rucksack von zpacks (Arc Haul, 660 g) bewährt sich schon seit Jahren. Es gibt leichtere Rucksäcke, aber er versieht immer noch fast klaglos seinen Dienst.
 
Im folgenden Bild 8 ist zu sehen, dass ich diesmal eine kleine Notreparatur am Tragesystem des Rucksacks durchführen musste.
 
Bild 8: Rucksack zpacks Arc Haul
 
Eine kleine Schnalle aus Plastik am unteren Ende eines Schulterträgers war gerissen und nicht mehr benutzbar. Eine Schnur wollte ich nicht verwenden, weil die Reste der Schnalle überaus scharfe Kanten hatten, so dass ich für die Notreparatur einen Kabelbinder verwenden musste.
 
Bild 9: Kabelbinder

Wenn ich meinen Rucksack für eine Wandertour packe, halte ich immer dieses kleine Bündel mit einigen Kabelbindern in der Hand. Dann überlege ich fieberhaft, ob ich die Kabelbinder in den Rucksack packe. Bisher brauchte ich die Kabelbinder noch nie. Aber immer wieder packe ich die Kabelbinder in den Rucksack. Man weiß ja nie.
 
Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, baue ich meinen Übernachtungsplatz in Unterständen aller Art auf. Im folgenden Bild 10 ist ein solcher Übernachtungsplatz zu sehen.
 
Bild 10: Übernachtungsplatz in einem Unterstand
 
Dem aufmerksamen Betrachter des Bildes wird auffallen, dass ich nur eine Torso-Schaumstoffmatte benutze. Ein großer Teil meines Quilts liegt deshalb im „Dreck“, weil ich keine geeignete Unterlage in meinem Rucksack hatte. Das wird mir nicht mehr passieren. Ab sofort gehört immer eine Unterlage aus Tyvek (1 x 2 m, 79 g) zu meiner Übernachtungsausrüstung. Im Notfall kann ich die auch unter mein Tarp legen.
 
Keinen Ausrüstungsgegenstand wechselte ich so oft, wie die Isomatte. Bei jeder Wandertour war ich mit einer anderen Isomatte am Start. Das war ein ständiges Wechselspiel zwischen Luftmatratze und Schaumstoffmatte. Irgendwas gab es immer zu bemängeln.
 
Bei dieser Wandertour entschied ich mich für die Schaumstoffmatte von Exped (FlexMat Plus XS, 184 g). Zusätzlich schnitt ich die Matte von 52 cm Breite auf 45 cm Breite zurecht und entfernte von den 8 Elementen der XS-Matte 2 Elemente. So ergaben sich für die Torsomatte die Maße von 90 x 45 cm.
 
Bild 11: Isomatte
 
Überrascht war ich vom Schlafkomfort der Isomatte. Das hatte ich nicht erwartet. Sie ist wesentlich komfortabler, als die ähnlich aufgebaute Schaumstoffmatte von Therm-a-Rest (Z-Lite, 167 g). Gewichtsmäßig gibt es zwischen den beiden zugeschnittenen Schaumstoffmatten auch keinen großen Unterschied.
 
Bei Schaumstoffmatten ist das große Problem das Packmaß. Das ist bei der Exped-Isomatte ebenso. Meine Schaumstoffmatten hängen immer außen (und unten und quer) in einem selbstgebastelten DCF-Beutel. Dort stört mich die Breite der Schaumstoffmatte kaum. Dadurch, dass ich die Schaumstoffmatte so befestige, steht auch mein Rucksack beim Absetzen viel besser auf dem Boden. Er kann wegen der besseren Auflagefläche nicht umfallen.
 
Diese Isomatte wird mich also erstmal auch auf den nächsten Wandertouren begleiten.
 
Ich bin immer wieder begeistert von meinem Kopfkissen von HMG (Cuben Stuff Sack Pillow, Large, 42 g).
 
Bild 12: Kopfkissen
 
In dem Kopfkissen verstaue ich alle Sachen, die ich in der Nacht nicht benötige. Dadurch komme ich immer auf eine Höhe des Kopfkissens, die ich als Seitenschläfer als angenehm empfinde. Zusätzlich befestige ich das Kopfkissen mit Knebelknöpfen an zwei kurzen Knopflochgummis, die alle meine Isomatten besitzen. Durch die feste Verbindung mit der Isomatte kann das Kopfkissen in der Nacht nicht so einfach wegrutschen.
 
Tagsüber ist das Kopfkissen die „Kleiderkiste“ für meine Reservesachen, sozusagen „Multiuse“.
 
Seit einigen Jahren bin ich ein überzeugter Nutzer von Trekkingstöcken. Eine Wandertour ohne Trekkingstöcke kann ich mir einfach nicht mehr vorstellen. Dafür gibt es für die Trekkingstöcke zu viele sinnvolle Anwendungsfälle (Gehhilfe (3. und 4.Standbein), Tarp-/Zeltaufbau, Verteidigungswaffen (zB gegen Hunde), Frühwarnsystem, Wärmespender an kalten Tagen).
 
Von Anfang an nutzte ich aus Gewichtsgründen nur Faltstöcke, aktuell die von Leki (Micro Stick Carbon, 2 x 190 g).
 
Bild 13 Trekkingstöcke von Leki
 
Im vorhergehenden Bild 13 sind diese Trekkingstöcke zu sehen. Am linken Trekkingstock ist gleich unter dem Griff ein Metallstift zu sehen. Mit diesem Metallstift wird der Trekkingstock gespannt. Nun passiert es manchmal beim Wandern, dass sich der Metallstift nach innen zieht. Dadurch fällt der Trekkingstock in sich zusammen und rutscht in den Griff hinein. Je älter die Trekkingstöcke sind, desto öfters passiert das am Tag. Ich vermute mal, dass die Feder, die den Metallstift nach außen drückt, nicht mehr genug Spannung besitzt.
 
Jedenfalls nervt das ungemein.
 
Die Lösung für das Problem ist Panzerband, wie es der rote Pfeil am rechten Trekkingstock anzeigt. In mehreren Lagen um den gespannten!!! Trekkingstock gewickelt, hält der so präparierte Trekkingstock allen Belastungen stand. Da ich meine Trekkingstöcke auf den Wandertouren immer in der Hand trage, stört mich der Umstand nicht, dass die Trekkingstöcke nicht mehr richtig gefaltet werden können. Lediglich bei der An- und Abreise zu meinen Wandertouren falte ich meine Trekkingstöcke. Ansonsten, zB beim Einkauf im Supermarkt, stecken die Trekkingstöcke immer in voller Länge in einer Trekkingstockhalterung (ala Osprey) unter meinem linken Arm. Das funktioniert hervorragend.
 
Ein Langstreckenwanderer mit einem Regenschirm ist sicherlich ein ungewohntes Bild. Vor Jahren hätte mich das noch zu einem Schmunzeln veranlasst.
 
Auf dieser Wandertour probierte ich einen Regenschirm von zpacks (Lotus UL Umbrella, 192 g) aus.

Bild 14a: Regenschirm im Einsatz
 
Es hat mehrere Versuche gebraucht und Nerven gekostet, bis ich den Regenschirm am linken Schultergurt so befestigen konnte, dass die Position des Regenschirms über dem Kopf meinen Ansprüchen genügte. Vor allem bei Regen setzte ich den Regenschirm ein. Bei Sonnenschein, verbunden mit extremer Hitze, verwendete ich den Regenschirm ebenfalls. Davon gab es auch einige Tage. Damit das Solarpanel in der Sonne ausreichend aufgeladen werden konnte, musste ich die Nutzung des Regenschirms bei Sonnenschein wohl dosieren.
 
Bild 14b: Regenschirm neben Isomatte
 
Das vorhergehende Bild 14b zeigt auch sehr deutlich das Problem mit dem Regenschirm (neben dem Beutel mit der Isomatte).
 
Das ist das „ungewöhnliche“ Packmaß des Regenschirms.
 
Der Regenschirm ist ein Ausrüstungsgegenstand, den ich bei Nichtgebrauch irgendwie außen an meinem Rucksack befestigen musste. Am Anfang tat ich das außen, unten und quer, direkt über dem Beutel mit der Isomatte. Das führte dazu, dass ich oft aneckte, wenn ich enge Durchgänge (zB in Supermärkten) passierte.
 
Dann verstaute ich den Regenschirm in einer Seitentasche neben einer Trinkflasche. Da ragte er über den Rucksack hinaus und erschwerte das Aufziehen des Regenschutzes über den Rucksack, wenn ich bei Regen den Regenschirm nicht verwendete. Dieser Platz war also auch nicht besonders gut geeignet.
 
Dann überlegte ich, was ich mit „überlangen“ Ausrüstungsgegenständen mache, wenn ich sie außen am Rucksack aufbewahren will. Da fiel mein Augenmerk auf die Trekkingstöcke. Meine langen Trekkingstöcke bringe ich am linken Schultergurt in einer selbstgebauten Trekkingstockhalterung unter, die ich mir von den Osprey-Rucksäcken abschaute. 
 
Könnte da noch Platz für einen zusammengerollten Regenschirm sein?
 
Aus elastischer Kordelschnur und Kordelstoppern (diese Ersatzteile habe ich immer in kleiner Anzahl in meinem Rucksack) baute ich mir eine zweite Trekkingstockhalterung an den linken Schultergurt.
 
Bild 15a: elast.Kordelschnur mit Stopper
 
Was soll ich sagen, es funktionierte wunderbar. Die Trekkingstöcke und den Regenschirm trug ich so am linken Schultergurt unter dem linken Arm. Es störte mich in keiner Weise.
 
Bild 15b: Regenschirm am Schultergurt
 
Der Regenschirm löste auch ein Problem, das mich auf vorherigen Wandertouren maßlos nervte. Das war die Bedienung eines Touchscreen-Navis im Regen. Mit einem Regenschirm ist das kein Problem mehr.
 
Trotzdem stört mich das Packmaß des Regenschirms.
 
Ganz zu schweigen von den verwunderten Blicken, die mir verblüffte Menschen hinterherwarfen, wenn sie mich sahen. Ein Wanderer mit Rucksack, Trekkingstöcken und aufgespanntem Regenschirm läuft einem nicht alle Tage über den Weg.
 
Durch Zufall bin ich im Internet auf sogenannte „Kopf-Regenschirme“ gestoßen. Die werden aufgespannt und dann auf den Kopf gesetzt. Wenn diese Art der Regenschirme noch faltbar wären, würde das auch das Problem mit dem Packmaß lösen. Diesen Lösungsansatz werde ich jedenfalls im Auge behalten.
 
Auf meinen ersten Langstreckenwanderungen war ich immer mit Zweitschuhen unterwegs. Ich brauchte die Zweitschuhe für die Entlastung meiner durch Blasen und Brennen unter den Fußsohlen heimgesuchten Füße. Sobald ich mein Tagesziel erreichte, zog ich meine Wanderschuhe aus und meine Zweitschuhe an.
 
Erst mit der Nutzung der Trailrunner ALTRA LonePeak konnte ich mein Schuhproblem vollständig lösen. Deshalb verbannte ich die Zweitschuhe aus dem Rucksack.
 
Es gab aber immer wieder Situationen (Abends im Camp, Furten von Flussläufen, nächtlicher Gang ins Gebüsch, Waschräume in Gemeinschaftsunterkünften usw), wo ich gern Zweitschuhe gehabt hätte. Deshalb bastelte ich mir aus Resten einer blauen Schaumstoffmatte ganz leichte Sandalen (24 g), wie sie im nachfolgenden Bild 16 links zu sehen sind.
 
Bild 16: MYOG-Sandalen und Z-Trail von XERO
 
Auf dieser Wandertour testete ich die Sandalen ausgiebig. Es stellte sich heraus, dass die Sandalen nur für den nächtlichen Gang ins Gebüsch zu gebrauchen waren. Selbst danach reparierte ich gelegentlich die Sandalen mit Panzerband.
 
Für die nächste Wandertour packe ich wieder ordentliche Zweitschuhe in den Rucksack. Entschieden habe ich mich für die Sandalen von XERO (Z-Trail, 306 g), rechts im Bild 16. Mit diesen Sandalen kann ich notfalls auch die eine oder andere Tagesetappe zurücklegen, wenn es Probleme mit meinen Wanderschuhen geben sollte. Alle anderen zuvor erwähnten Anwendungsfälle sind mit den Sandalen ebenfalls realisierbar.
 
Schon seit Jahren führe ich auf meinen Wandertouren ein Tagebuch. Das ist ein kleines Buch im A6-Format. Eine Seite muss für eine Tagesetappe reichen. Da haben meistens nur statische Angaben zur Tagesetappe Platz, dann ist die Seite voll. Deshalb überlegte ich mir, wie ich nebenbei wichtige Informationen erfassen kann, die evtl. später in meinen Tourbericht einfließen könnten. Mein Bericht erscheint teilweise erst einige Monate später in meinem Blog, so dass nicht mehr alle Einzelheiten der Wandertour im Gedächtnis haften geblieben sind.
 
Für diese Detailinformationen zu den einzelnen Tagesetappen legte ich mir deshalb ein Diktiergerät (Olympus, 73 g) zu.
 
Bild 17: Diktiergerät
 
In einer Schultergurttasche verstaut, war es sofort einsatzbereit.
 
Das Tagebuch-Prinzip bewährt sich immer noch bestens. Das will ich unbedingt beibehalten. Kurz und knapp dokumentiere ich dort statistische Daten von den Tagesetappen. Andere Detailinformationen kommen da manchmal zu kurz. Das Diktiergerät war mir daher eine wertvolle Hilfe bei der Formulierung von speziellen Eindrücken von den Tagesetappen.
 
Alle anderen, nicht speziell erwähnten, Ausrüstungsgegenstände versahen klaglos ihren Dienst. Manche benutze ich schon unverändert über mehrere Jahre.
 
Bis auf ganz wenige Ausrüstungsgegenstände (zB Isomatte), wo ich immer noch in der Findungsphase bin, steht meine Ausrüstung schon seit einiger Zeit fest.
 
Trotzdem teste ich immer wieder neue Ausrüstungsgegenstände.
 
Versorgung
 
Bei der Entscheidung für Das Grüne Band war mir sofort klar, dass ich nicht jeden Tag durch eine Ortschaft kommen würde, wenn ich stur allen Kolonnenwegen folge. Das bedeutete im Umkehrschluss, dass ich für die Versorgung den Trail gelegentlich verlassen musste.
 
Bei der Planung der Wandertour fügte ich wegen fehlender Kolonnenwege Umwege in den  Wegeverlauf ein. Das tat ich bei fast jeder Tagesetappe. Die Umwege führten mich oft über kleine oder große Ortschaften. So war die Versorgung, entgegen meiner ursprünglichen Annahme und Befürchtung, kein großes Problem.
 
Fast jeden Tag ergatterte ich so einen Kaffee. Manchmal sogar passend zum Frühstück und am Nachmittag.
 
Diese Wandertour hat mir wieder gezeigt, dass Wandern in Deutschland versorgungstechnisch vollkommen problemlos ist.
 
Übernachtungen
 
Für die Übernachtungen im Freien verwendete ich diesmal das Tarp von zpacks (Pocket Tarp with Doors). Zusätzlich präparierte ich das Tarp mit einem Netzvorhang (siehe Menüpunkt MYOG, Projekt C20 - Netzvorhang an ein Tarp von zpacks anbringen). Der Netzvorhang erwies sich als ein Volltreffer. Mit Ungeziefer, egal welcher Art, hatte ich nie Probleme. Der Netzvorhang an den beiden Türen des Tarps war allerdings etwas zu kurz. Bei der nächsten Gelegenheit werde ich den Netzvorhang an den beiden Türen des Tarps verlängern. Dadurch lässt sich der Netzvorhang auch im Türbereich besser unter die Bodenwanne schieben und dichtet dort noch besser ab.
 
Meine nächsten Wandertouren werde ich erstmal im Tarp absolvieren.
 
Wenn es sich anbietet, übernachte ich auch gerne in Unterständen oder Schutzhütten. Gibt es dort Bänke (oder Tische), die breit genug sind, übernachte ich auf den Bänken (oder Tischen). Probleme gab es immer, wenn ich auf dem Boden übernachtete. Ich hatte für solche Übernachtungen keine Unterlage dabei auf die ich meine Isomatte und meinen Quilt legen konnte. Deshalb säuberte ich vorher meinen Schlafbereich auf dem Boden sehr akribisch. Trotzdem ließ es sich nicht vermeiden, dass mein Quilt bei solchen Übernachtungen relativ schmutzig (zB Staub) wurde.
 
Für meine nächsten Wandertouren werde ich für solche Übernachtungen eine Tyvek-Unterlage (1 x 2 Meter) in den Rucksack packen. Für den äußersten Notfall kann ich diese Unterlage auch unter die Bodenwanne des Tarps legen.
 
Alle anderen Übernachtungen waren unproblematisch und manchmal auch dem Zufall geschuldet (zB Pilgerherberge, Tier-Beobachtungsturm, Aussichtsplattform).
 
Verletzungen
 
Eine geplante Wandertour musste ich noch nie abbrechen.
 
Ich stand zwar schon einmal kurz davor, aber durch einen Zufall erhielt ich unterwegs Hilfe und beendete die Wandertour erfolgreich.
 
Wegen dieser Erfahrungen spielt die körperliche Vorbereitung einer Wandertour eine große Rolle. Ich experimentierte in den letzten Jahren mit ganz unterschiedlichen Vorgehensweisen.
 
Ich habe am Anfang Wandertouren ohne jegliche körperliche Vorbereitung bestritten. Bis auf Anfangsschwierigkeiten hatte ich keinerlei Probleme und konnte diese Wandertouren immer beenden.
 
Dann fing ich an 14 Tage vorher intensiv zu trainieren. Bis auf die bekannten 
Anfangsschwierigkeiten beendete ich auch diese Wandertouren erfolgreich.
 
Vor dieser Wandertour trainierte ich mehrere Monate (November 2020 bis Mai 2021) intensiv. Jeden Tag absolvierte ich Tagesstrecken von ca. 10 km. Und das bei jedem nur erdenklichen Wetter.
 
Und was war das Ergebnis?
 
Nach 28 Tagen musste ich die Wandertour wegen Knieproblemen beenden.
 
Jetzt bin ich etwas ratlos und suche nach der Fehlerursache. Ich denke mal, dass es eine Kombination von vielen Ursachen sein wird, die mich zum Abbruch zwangen.
 
Aktuell tendiere ich wieder zu dem Ansatz Wandertouren relativ unvorbereitet zu beginnen. Der Gedanke dahinter ist, dass so im Vorfeld einer großen Wandertour die problematischen Beinstrukturen (zB Knie) nicht so stark belastet werden. Kombinieren werde ich das mit physiotherapeutischen Maßnahmen (zB Dehnungsübungen), die ich unterwegs (zB mittags oder abends) überall durchführen kann. Zusätzlich werde ich mir von einem Physiotherapeuten zeigen lassen, wie Tape-Verbände selbstständig angelegt werden können.
 
Das wird das Gewicht der Kategorie „Medizin“ in meiner Packliste gehörig aufblähen. Aber was nützt mir eine „superleichte“ Packliste, wenn ich mir unterwegs nicht richtig helfen kann.
 
Menschen
 
Auf einer Langstreckenwanderung trifft man doch den einen oder anderen Menschen…
 
Am 2.Wandertag traf ich eine Wanderin aus Leipzig, die in nördlicher Richtung unterwegs war. Sie startete ihre Wanderung in Wernigerode im Harz. Nach einer kurzen Begrüßung und dem Wohin und Woher, staunte sie über meinen „kleinen Rucksack“. Um gleich im nächsten Satz entschuldigend hinzuzufügen, dass sie alles aus ihrem riesengroßen Rucksack gebraucht hat.
 
Ehrlich gesagt, mir ist es egal mit welchen Rucksäcken andere Wanderer ihre Wandertouren bestreiten. Das muss jeder selber wissen und vor allem ausprobieren. Mit Kommentaren halte ich mich da sehr zurück. Erst wenn ich genauer nach meiner Ausrüstung gefragt werde, gebe ich bereitwillig Auskunft und verteile dann meine Visitenkarte, mit der Bemerkung, dass alles zu meiner Ausrüstung in meinem Blog nachgelesen werden kann. Ob die interessierten Wanderer das dann wirklich tun, entzieht sich meistens meiner Kenntnis.
 
Das Gesprächsthema „kleiner Rucksack“ kam fast bei jedem Gespräch mit einem Wanderer oder Radfahrer zur Sprache.
 
Im Bereich der Elbdeiche traf ich einen Radfahrer, der in Richtung Süden fuhr. Schmunzelnd meinte er, ich könne ja den „Segelwind“ aus nordwestlicher Richtung für ein höheres Tempo nutzen. Nach wenigen Minuten war er auf den weit einsichtbaren Deichen nicht mehr zu sehen. Irgendwie beneidete ich in diesem Augenblick die Radfahrer, während ich mich mit den teilweise stürmischen Winden abquälen musste.
 
In der Ortschaft Dähre passierte ich einen geöffneten Frisörladen. Nach einer kurzen Unterhaltung mit der Chefin des Ladens (ich hatte keinen Termin!), nahm sie kurzfristig selber die Geräte und die Schere in die Hand (alle anderen Frisösen waren beschäftigt) und verpasste mir einen „Wanderhaarschnitt“. Vorher hatte ich gefragt, ob sie mir so im „Vorbeigehen“ mit der Maschine einen 10 mm-Haarschnitt machen könnte. Sie fragte mehrmals nach, ob sie das tatsächlich mit der Maschine machen soll. Ich bestätigte immer wieder, dass sie das mit der Maschine machen kann. Wenige Minuten später war die Angelegenheit erledigt. Krönender Abschluss des Haarschnitts war die Massage meiner Kopfhaut mit einem Haarpflegemittel. Einfach nur herrlich…
 
Bei Ohrsleben traf ich eine größere Frauengruppe mit Fahrrädern. Diese Gruppe machte auf ihrem wöchentlichen Freitagsausflug bei Kaffee und Kuchen gerade eine kleine Pause an einem Bach in der Nähe des Kolonnenweges. Sie sprachen mich an und wollten wissen, was ich mit dem Rucksack so vorhabe. Nachdem ich ihnen erklärte, was mein Ziel war, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie bewirteten mich fürstlich mit Kaffee und Kuchen und fragten mir wegen meiner Ausrüstung regelrecht Löcher in den Bauch. Meine Ausrüstung wurde zudem von allen Seiten fotografiert. Danach kam ich mir so vollgestopft vor, dass ich beschloss an dem Bach mein Nachtlager aufzuschlagen. Ich wollte keinen Schritt mehr gehen.
 
Der nächste Tag war ein absoluter Horror-Tag, so dass ich unterwegs ganz kurzfristig beschloss, mir am Tagesende eine Pension in der Ortschaft Hornburg zu gönnen. An diesem Tag lief ich gewaltige Umwege auf Straßen, weil die geplanten Kolonnenwege unpassierbar bzw. durch sehr breite Abwasserkanäle versperrt waren. Zusätzlich schüttete es am Nachmittag wie aus Kübeln, es blitzte und donnerte heftig über mir und ich war gerade auf offenem Gelände unterwegs.
 
An diesem Tag lief ich wegen der Umwege 45 km, statt der geplanten 30 km. 4 km vor der Ortschaft Hornburg fragte mich ein Radfahrer nach einer Unterkunft. Ich sagte ihm, wo ich übernachten würde. In der Pension traf ich dann den Radfahrer und noch eine Wanderin, die ebenfalls Das Grüne Band laufen wollte. Gemeinsam gingen wir dann etwas essen. Dabei unterhielten wir uns angeregt über Das Grüne Band und unsere weiteren Ziele.
 
Nach ungefähr der Hälfte der Wegstrecke (ca. 636 km) traf ich in der Ortschaft Wahlhausen doch tatsächlich einen User (mit seiner Partnerin) des ULTF-Forums. Aus dem Forum wusste ich, dass er ebenfalls am 22.Mai starten würde, allerdings in der entgegengesetzten Richtung von Süden nach Norden. Das Treffen war ein großer Zufall, denn 5 Minuten später wäre ich auf den 200 Meter entfernten Campingplatz abgebogen und wir hätten uns verpasst. Wir unterhielten uns angeregt, wie es uns in den letzten Wochen ergangen ist. Überrascht war ich von der Laufleistung des Paares. Ich schätze den südlichen Teil des Grünen Bandes im Bereich des Thüringer Waldes schwieriger ein, als den nördlichen Teil des Grünen Bandes in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.
 
Ich war mal wieder auf sehr steilen Auf- und Abstiegen des Kolonnenweges in der Nähe der Ortschaft Asbach unterwegs. Meine Gedanken kreisten um einen Kaffee und etwas zu essen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass in der kleinen Ortschaft an einem Sonntag gegen 9 Uhr in der Frühe eine Gaststätte geöffnet hat. In einer kleinen Nebenstraße der Ortschaft sah ich plötzlich vier Männer an einem Tisch sitzen und essen. Sofort war ich elektrisiert.
 
Sollte da eine Gaststätte sein?
 
Tatsächlich, der Wirt der Gaststätte „Zur Schmiede“ servierte gerade ein üppiges Frühstück für die fröhliche Herrenrunde. Meine Frage nach einem Frühstück beantwortete er mit einem ja. Der Wirt fuhr auch für mich alles auf, was die Küche hergeben wollte. So frühstückte ich über eine Stunde und unterhielt mich dabei mit dem Wirt, der sich an meinem Tisch gesetzt hatte.
 
Aber dieser Tag hielt noch eine weitere Überraschung für mich bereit. Kurz vor der Ortschaft Großtöpfer traf ich ein Ehepaar. Sie sprachen mich an und so kamen wir ins Gespräch. Sie sagten mir, dass in der Ortschaft die Kirchengemeinde auf dem Kirchengelände Kaffee und Kuchen für kleines Geld anbietet. Ich überlegte lange, ob ich den Abstecher in der Ortschaft machen soll. Immerhin war das mindestens ein Kilometer zusätzlich. An diesem Tag hatte ich schon ein üppiges Frühstück genossen und war deshalb bis gegen 15 Uhr nur 23 km gelaufen.
 
Aber dann siegte mein Kaffeedurst und ich ging in die Ortschaft.
 
Von der Kirchengemeinde wurde ich mit köstlichem Kuchen und heißem Kaffee bewirtet. Zufälligerweise kam ich auch mit dem örtlichen Pfarrer ins Gespräch. Dabei stellte sich heraus, dass er eine Pilgerwohnung zu vermieten hätte. Kurz nachgefragt und ich hatte die Pilgerwohnung für eine Übernachtung.
 
Meine Tagesetappe hatte ein überraschendes und schönes Ende gefunden.
 
Irgendwann wollte ich noch eine „kleine“ Ruhepause einlegen. Genauer gesagt waren das zwei halbe Wandertage, die ich mir freinehmen würde. Ein Nachmittag und ein Vormittag am nächsten Tag. Es war geplant, dass mich an diesem Tag meine Frau und meine Nachbarn mit dem Auto besuchen würden.
 
Für diesen speziellen Tag benötigte ich also eine Übernachtung für 4 Personen. Das war aber kurzfristig nicht so einfach zu organisieren. Abhängig war das von dem Ort, wo ich gegen Mittag sein würde. Und das war eben die Ortschaft Großburschla. Zum Glück konnte uns eine Facebook-Userin, die Diana, bei der Suche nach einer Ferienwohnung behilflich sein. Schon einige Tage vorher nahm Diana über Facebook Kontakt mit mir auf. Sie bot mir an bei ihr zu übernachten. Bei dieser Gelegenheit wollten wir uns über das Wandern und unsere Ausrüstung unterhalten. Aber mein enger Zeitplan und eine aufkommende Knieverletzung verhinderten, dass ich zu einem bestimmten Tag in der Nähe ihrer Ortschaft war. Trotzdem beschaffte sie mir über das Internet eine Ferienwohnung in der Ortschaft Wanfried und bezahlte sie gleich. Das war überaus großzügig und hat uns sehr geholfen.
 
In der Ortschaft Pferdsdorf schlug ich mein Nachtlager am Rande des Dorfes auf. Die nächsten Häuser waren nur 20 Meter entfernt. Mein Nachtlager war ein schön gemähter Platz in der Nähe der Werra. Auf dem Platz stand ein Kiosk, der allerdings nicht in Betrieb war. Nach einem Bad in der Werra war ich erfrischt und harrte der Dinge, die da kommen sollten.
 
Bild 18: Am Rande eines Dorfes
 
Natürlich wurde mein Tarp von den Einwohnern bemerkt, die in der Nähe wohnten. Notfalls hätte ich mein Tarp wieder abbauen müssen. Es dauerte nicht lange und der erste Bewohner eines Hauses öffnete sein Fenster. Ich war auf alles gefasst, aber nicht auf diese Reaktion. Er fragte mich, ob ich Lust auf ein Bier hätte und ob ich Fußball schauen möchte. Vollkommen überrascht sagte ich zu. Nach einigen Bier und dem EM-Fußballspiel ging ich dann wieder zu meinem Tarp. An meinem Tarp erwartete mich ein Mann. Ich rechnete wieder mit dem Schlimmsten. Der Mann war der Ortsvorsteher. Offensichtlich wurde er von Dorfbewohnern informiert, dass da ein „Wegelagerer“ am Rande des Dorfes haust.
 
Wir haben uns über eine Stunde angeregt unterhalten. Es stellte sich heraus, dass er keine Probleme mit der Wahl meines Übernachtungsplatzes hatte (es war Gemeindeland). Seine einzige Bedingung war, dass ich den Platz sauber verlassen soll. Aber für mich ist das eine Selbstverständlichkeit.
 
Tiere
 
Die ehemalige grüne Grenze ist in den 40 Jahren ihrer Existenz kaum betreten worden. Deshalb entwickelte sich im Grenzbereich ungestört eine einzigartige Tierwelt.
 
Davon sah ich leider sehr wenig. Vielleicht liegt das an meinen Trekkingstöcken, deren Stahlspitzen beim Einsatz schon gehörig Krach machen. Mir ist es aber lieber, wenn mich Wildtiere schon von weitem hören und entsprechend reagieren können.
 
Lediglich einmal begleitete mich im Abstand von ca. 50 Metern parallel zum Kolonnenweg eine Wildschweinrotte über ca. 200 Meter. Zuerst konnte ich die Geräusche im Wald nicht deuten. Etwas später erhaschte ich einen Blick durch die Bäume und mir wurde schlagartig klar, wer da neben mir läuft. Ganz egal war mir das nicht, zumal da Jungtiere dabei waren. Gerade das versetzt Elterntiere bei Stresssituationen in ein aggressives Verteidigungsverhalten. Deshalb schielte ich mit dem rechten Auge immer nach Fluchtmöglichkeiten. Dafür eigneten sich in diesem Bereich des Kolonnenweges Kiefern, die schon im unteren Bereich des Stammes starke Äste hatten. Bei einer Flucht wären diese Kiefern selbst mit einem Rucksack leicht zu besteigen. Erst als die Wildschweine tiefer im Wald verschwanden, atmete ich auf. Trotzdem blieb ich noch die nächsten Kilometer sehr aufmerksam.
 
Abreise
 
Die Entscheidung die Wandertour abzubrechen traf ich relativ kurzfristig. Am Point Alpha (bei Geisa), wo es eine Ausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze gibt, befindet sich auch eine Bushaltestelle.
 
Über die Stationen
 
     -Eisenach (von Point Alpha (bei Geisa) mit dem Bus)
     -Erfurt (von Eisenach mit der ICE-Bahn),
     -Halle (Saale) (von Erfurt mit der ICE-Bahn) und
     -Schochwitz (von Halle (Saale) mit dem Bus)
 
bin ich relativ schnell in meinem Heimatdorf angekommen. Und das fast ohne Verspätung.
 
Wenn das doch immer so pünktlich klappen würde.
 
Statistik
 
Die Planung dieser Wandertour hat insgesamt 43 Tagesetappen unterschiedlicher Länge ergeben. Durch den engen zeitlichen Rahmen zwischen den zwei Corona-Impfterminen am 21.Mai und 1.Juli schrumpfte der geplante Zeitraum von 43 Tagen auf 40 Tage zusammen.
 
Was daraus wurde, kann auch an den nachfolgenden statistischen Daten abgelesen werden.
 
Streckenlänge…
…Grobplanung                                     1000 km
…Feinplanung                                      1196 km
tatsächlich gelaufen, Teil1               776 km
…Rest, Teil 2                                          420 km
 
Anreise- und Starttag                            22.Mai 2021
Letzter Tag und Abreisetag                  18.Juni 2021  
 
Tage gesamt Teil 1…                               28
…davon Wandertage                              27
…davon Ruhetage (Zero-Days)                1
 
Tagesetappen gesamt…                         27
…davon <   15        km (Nero-Days)         2 (Tag vor dem Ruhetag und Abreisetag)
…davon      15 - 19 km                             3
…davon      20 - 29 km                             2
…davon      30 - 39 km                           19
…davon >= 40        km                             1
 
Längste Tagesetappe….                         45 km
Kürzeste Tagesetappe…                         11 km (Abreisetag)
 
Tagesdurchschnitt…
…mit    Ruhetagen                                  27,71 km/Tag
…ohne Ruhetage                                    28,74 km/Tag
 
Übernachtungen gesamt…                     27
…davon im Tarp                                      15
…davon im Unterstand                             2
…davon in Schutzhütte                            2
…davon auf Tier-Beobachtungsturm       1
…davon in Pension                                  1
…davon in Hotel                                       4
…davon in Ferienwohnung                      1   
…davon in Pilgerherberge                       1
 
Wetter gesamt….                                   28
…davon Sonnentage                             19
…davon bedeckte Tage                           6
…davon Regentage                                 3    
 
Tracks, Wegpunkte und Bilder
 
Wie immer gibt es am Ende des Berichts noch einen Hinweis auf wichtige Daten meiner Wandertour. Das sind vor allem meine eigenen Tracks und Wegpunkte, die ich zur Navigation verwendete.
 
Auf der rechten Seite meines Blogs befindet sich das Tourenverzeichnis. Hinter der Zeichenkette „GPX“ versteckt sich in den meisten Fällen ein Link, der in ein GoogleDrive-Verzeichnis verzweigt. In diesem Verzeichnis ist eine Datei zu finden. Diese Datei enthält die Tracks und Wegpunkte der Wandertour.
 
Bei dieser Gelegenheit möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass die in dem Link veröffentlichten Tracks meine eigenen Tracks sind. Die Original-Tracks des „Grünen Bandes“, die in dem einen oder anderen Wanderführer hinterlegt sind, kenne ich nicht. Deshalb werden meine Tracks öfters von den Original-Tracks abweichen.
 
 
Bilder von meiner Wandertour stelle ich sehr gerne zur Verfügung. Der Link verzweigt in ein GoogleDrive-Verzeichnis.
     
 
Zusätzlich befindet sich auf der rechten Seite meines Blogs im Tourenverzeichnis die Zeichenkette „Bilder“, hinter der sich ebenfalls ein Link zu den Bildern der Wandertour befindet.
 
Fazit
 
Bei der Planung der Wandertour ahnte ich bereits, dass ich auf einige Schwierigkeiten treffen würde, was die Streckenführung angeht. Aber meine Befürchtungen sollten noch weit übertroffen werden. Auf manchen Tagesetappen türmten sich gewaltige Wegeprobleme vor mir auf. Damit hatte ich nicht gerechnet. Diese Probleme ließen sich immer lösen, waren aber oft mit großen Umwegen verbunden.
 
Trotzdem war das eine sehr interessante Wandertour. Ich erfuhr viel über die deutsche Geschichte.
 
Ich traf auch viele Menschen. Überraschenderweise mehr als auf anderen Wandertouren. Auch damit hatte ich nicht gerechnet. Ich nahm im Vorfeld an, dass ich mich im „Niemandsland“ bewegen würde. Aber dem war nicht so. In vielen Gebieten ist überhaupt nicht mehr zu sehen, dass es da mal eine unüberwindbare Grenze mitten in Deutschland gegeben hat.
 
Ausblick
 
Den 2.Teil der Wandertour (420 km) werde ich auf jeden Fall noch absolvieren. Diese Wandertour wird erst zu den Akten gelegt, wenn sie vollständig realisiert ist.
 
Nachtrag (Mai 2023) 
 
Im Mai 2023 holte ich den 2.Teil des Grünen Bandes nach. 
 

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