Idee
Zwei Wandertouren aus meinem Wanderprojekt
Deutsche Langstreckenwanderungen (DLW)
hatte ich in den letzten zwei Jahren (2019 und 2020) schon
realisiert. Jetzt wollte ich die 3.Wandertour des Projekts im Jahr
2021 angehen.
Wieder erleichterte mir die aktuelle Corona-Situation die Entscheidung. Bei
der Wandertour Das Grüne Band würde ich mich immer in der Nähe meiner
Heimatregion aufhalten. Sollte es wegen Corona Schwierigkeiten geben, könnte
ich jederzeit abbrechen und ohne großen Aufwand die Heimfahrt
antreten.
Das war der ausschlaggebende Punkt für Das Grüne Band.
Planung
Mein Wanderprojekt Deutsche Langstreckenwanderungen besteht aus
freigeplanten Wandertouren. Im Menüpunkt
Planung
erläuterte ich genau, was das in meinem Sprachgebrauch bedeutet.
Diesmal konnte ich nicht mit wenigen Fixpunkten, wie bei meiner Wandertour
Quer durch Deutschland, die gesamte Wandertour planen. Der Verlauf der ehemaligen Grenze ist
festgelegt und damit war auch der grobe Verlauf meiner Wandertour
vorgegeben. An diesem Grenzverlauf musste ich mich irgendwie
orientieren.
Als „Das Grüne Band“ wird die ehemalige innerdeutsche „grüne“ Grenze
bezeichnet. Bei der Planung war es mein Ziel mich möglichst in der Nähe der
Grenze aufzuhalten, wenn es die Wegführung erlauben sollte. Im Auge hatte
ich da speziell die ehemaligen Kolonnenwege entlang der Grenze.
Als Kolonnenwege werden zweispurige Fahrwege bezeichnet, auf denen die
Grenzsoldaten der ehemaligen DDR mit Fahrzeugen patrouillierten. Durch diese
Kolonnenwege erreichten sie relativ schnell jeden Punkt der Grenze.
Der rote Pfeil in Bild 2 zeigt sehr schön den Grenzverlauf
(blaue Strich-Punktlinie) zwischen dem Bundesländern Thüringen und Bayern
und meine geplante Wanderroute (pinkfarbene Pfeillinie) der 40.Tagesetappe
auf dem Kolonnenweg. An dieser Stelle ist der Kolonnenweg noch erhalten und
verläuft in geringem Abstand weitestgehend parallel zur Grenze der
Bundesländer.
Der blaue Pfeil in Bild 2 zeigt einen Bereich auf der
Landkarte, wo kein Kolonnenweg mehr vorhanden ist. Bei der Planung musste
ich an solchen Stellen auf Wege und Straßen in der Nähe der Grenze
zurückgreifen. Das war nicht immer leicht zu lösen und stellte mich manchmal
vor gewaltige Probleme. Diese fehlenden Abschnitte der Kolonnenwege musste
ich also „umgehen“.
Im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sind viele Kolonnenwege nicht
mehr vorhanden. Dort wo sie noch existierten, plante ich sie in meine
Tagesetappen ein. Aber nicht um jeden Preis. Der Preis sind die
Verbindungswege zwischen den noch vorhandenen Stücken der Kolonnenwege. Wenn
ich für die Verbindungswege zu große Umwege planen musste, um ein Stück
eines Kolonnenweges in den Wegeverlauf einzuplanen, habe ich mir schwer
überlegt, ob ich das tue. So ließ ich das eine oder andere Stück der
Kolonnenwege einfach weg, weil die Umwege (Verbindungswege) einfach zu
umständlich waren.
Im Bundesland Sachsen-Anhalt war die Situation der Kolonnenwege
schon wesentlich besser und hat die Planung erleichtert.
Im Bundesland Thüringen sind große Teile der Kolonnenwege noch
vorhanden. Dort sind die Kolonnenwege am besten erhalten.
So arbeitete ich mich bei der Planung vom Norden in den Süden durch. Damit
war auch sofort die Laufrichtung, wie ich die Wandertour absolvieren wollte,
vorgegeben.
Die Planung ergab eine Gesamtlänge von 1196 km, aufgeteilt in
43 Tagesetappen unterschiedlicher Länge.
In den letzten Jahren sind einige Wanderführer entstanden, von Wanderern,
die Das Grüne Band, in seiner vollen Länge abgelaufen sind. Bei der
Planung benutzte ich diese Wanderführer nicht. Ich kenne also den
„offiziellen“ Wanderweg nicht.
Ich suchte mir bei der Planung einen eigenen Weg, der sicherlich manchmal
mit dem offiziellen Wanderweg identisch ist, aber das ist dann Zufall.
So war mein ursprünglicher Plan, den ich mir schon Monate vorher
zurechtgelegt hatte. Irgendwann Ende Mai wollte ich mit der Wandertour in
aller Ruhe starten
Anfang Mai tat sich dann ein Problem auf, das ich so nicht auf dem Schirm
hatte. Da ich kein Corona-Leugner bin und auch kein Impfverweigerer, wollte
ich mich im Laufe des Sommers (Juli/August) nach dem großen Ansturm auf die
Impftermine impfen lassen. Ich hatte mir überlegt, dass eine Impfung nach
der Wandertour nicht schlecht wäre. Über das Internet besorgte ich mir bei
einem Impfzentrum dann zwei Termine. Zu dieser Zeit war es aber noch so,
dass die Impftermine äußerst begehrt waren. Da musste man sofort zugreifen,
wenn Impftermine angeboten wurden. Meine Termine waren
der 21.Mai und der
1.Juli 2021.
Zwischen den beiden Terminen lagen genau 40 Tage. Die Wandertour in
den Sommer verschieben war wegen der zu erwartenden Hitze keine gute Idee.
Der zweite Impftermin ließ sich auch nach langer telefonischer Diskussion
nicht verschieben. Dann fing ich an zu rechnen.
1200 km in 40 Tagen, ergibt
30 km pro Tag ohne Ruhetage.
30 km pro Tag bin ich schon auf einigen Wandertouren gelaufen. Bei
einem Ruhetag, zB nach 20 Tagen, musste ich schon etwas mehr
als 30 km pro Tag laufen. Mir schien das trotzdem immer noch machbar. Nach
reiflicher Überlegung fällte ich die Entscheidung die Wandertour doch
zwischen den beiden Impfterminen durchzuführen.
Den Starttermin musste ich dann gezwungenermaßen auf den
22.Mai 2021
legen, einen Tag nach meiner ersten Corona-Impfung.
Aus einer großzügig geplanten Wandertour war eine Wandertour mit vielen
Unwägbarkeiten geworden.
Vorbereitung
Meine letzte Langstreckenwanderung
Quer durch Deutschland
über 802 km konnte ich, nach kleineren Anfangsschwierigkeiten, ohne
Probleme beenden.
Trotzdem machte ich mir nach der Wandertour Gedanken über die aufgetretenen
„Anfangsschwierigkeiten“.
Ist es in meinem Alter und bei meinem Leistungsvermögen möglich eine
Langstreckenwanderung ganz ohne Anfangsprobleme zu bestreiten?
Diese Frage trieb mich um. Dann überlegte ich mir eine Vorgehensweise, wie
ich das überprüfen konnte.
Nach einigen Tagen der Ruhe, begann ich ab
Anfang November 2020 jeden Tag ca. 10 km (oder ca. 2 Stunden) in der
erweiterten Gegend meines Wohnortes ohne Gepäck zu wandern. Mein Tempo war
flott, aber nicht am Limit. Wenn ich eine Prozentzahl nennen müsste, würde
ich 80% sagen.
Dieses Pensum, also ca. 300 km im Monat, hielt ich bis
Ende Mai 2021 durch. Gemessen habe ich die täglichen Distanzen mit
meinem Schrittzähler von Withings (Go-Uhr). Dieser einfache Schrittzähler
misst die Anzahl der Schritte und kann noch die Uhrzeit anzeigen. Mehr kann
die Uhr nicht. Mehr benötige ich aber auch nicht. Die Genauigkeit der
Schrittanzahl ist für meine Bedürfnisse vollkommen ausreichend.
In den fast 7 Monaten (Anfang November 2020 bis Ende Mai 2021) war ich bei
jedem Wetter (Sonne, Regen, Schnee bis 30 cm Höhe, Frost bis -20°C)
unterwegs. In dieser Zeit testete ich zusätzlich auch viele meiner
Ausrüstungsgegenstände auf Herz und Nieren. Dabei gewann ich unglaublich
wertvolle Erkenntnisse, speziell über mein Bekleidungssystem.
Während dieser 7 Monate hatte ich immer mal kleinere Probleme mit meinen
Knien, rechts mehr als links. Die waren aber nie so, dass sie mich
beunruhigt hätten.
Mit diesen Voraussetzungen wollte ich die Wandertour angehen.
Körperlich fühlte ich mich topfit. So gut vorbereitet bestritt ich noch nie
eine Langstreckenwanderung.
Ich war unglaublich gespannt, wie die anstehende Wandertour, aus
medizinischer Sicht betrachtet, ausgehen würde.
Anreise
Am 22.Mai fuhr ich
-mit dem Bus von Schochwitz nach
Halle (Saale) und
-mit Zügen von Halle (ICE), über
Berlin (ICE), über Hamburg (RE) nach Travemünde.
Ziemlich pünktlich kam ich gegen 14:30 Uhr in Travemünde an.
Nach einem Fußmarsch von 45 Minuten erreichte ich gegen 15:15 Uhr den
Startpunkt meiner Wandertour, einen Gedenkstein in der Ortschaft
Priwall. Zuvor musste ich noch mit der Fähre die Trave überqueren.
Zusätzlich gönnte ich mir auf dem kleinen Fußmarsch zum Startpunkt noch
einen Kaffee und ein Stück Kuchen in einem Supermarkt am Wegesrand.
Meine Wandertour hatte einen erfreulichen Beginn und ich war auf den
weiteren Verlauf gespannt…
Strecke/Wanderung
Am Startpunkt in der Ortschaft Priwall überlegte ich, was ich mit
dem angebrochenen Nachmittag anfange. Um diese Zeit (so gegen 15-16 Uhr)
beende ich normalerweise viele meiner Tagesetappen. Dann sind mindestens 30
km gelaufen und die Suche nach einem Übernachtungsplatz beginnt bzw. ist
bereits beendet.
Aber durch die besonderen Planungsumstände zählt der Anreisetag bereits als
ein Tag von 40 Wandertagen. Und ich war noch keinen einzigen Kilometer, vom
Startpunkt beginnend, gelaufen.
Also begann ich mit meiner ersten Tagesetappe und lief an diesem Nachmittag
noch 17 km. Schon nach der ersten Tagesetappe war ich 13 km im Rückstand zu
meinem geplanten Durchschnitt von 30 km pro Tag. Das fing ja gut an und das
bedeutete im Umkehrschluss, dass ich in den kommenden Tagen mehr als 30 km
laufen musste.
Rückblickend fiel mir auf, dass ich den ganzen Tag keine einzige Markierung
für Das Grüne Band gesehen hatte. Aber das konnte daran liegen, weil
ich meinen Weg selbst plante. Das kann dann dazu führen, dass man nicht
jederzeit auf dem „offiziellen“ Wanderweg unterwegs ist.
Mir war schon bei der Planung klar, dass Das Grüne Band nicht unbedingt
eine „Wanderautobahn“ ist, auf der ich jeden Tag mehrere Wanderer treffen
würde.
Schon auf den ersten Tagesetappen fielen mir die schwer begehbaren
Kolonnenwege auf. Teilweise waren die Kolonnenwege, wenn sie überhaupt
vorhanden waren, total zugewachsen. Mannshohes Gras, Unkraut aller Art
(Disteln, Brennnesseln usw) säumte die Kolonnenwege. Im Mai und Juni stehen
die Gräser und Unkräuter in voller Blüte.
Besonders schlimm waren solche Wegstrecken in den Morgenstunden, wenn die
Gräser und Unkräuter von der Nacht noch feucht waren. Meine Wanderkleidung
war nach der Passage solcher Wegstrecken vollkommen durchnässt. Zusätzlich
klebten Samen und Blütenpollen an meiner Kleidung und der Ausrüstung. Einmal
musste ich sogar die Wasserstelle eines Friedhofs aufsuchen, um meine
Kleidung und meine Ausrüstung von Samen und Blütenpollen zu säubern.
Allerdings hatte ich an diesem Tag auch etwas Glück. Der Friedhof lag an der
Stelle des Ortes, wo mein Feldweg in die Ortschaft führte. Ich musste also
nicht vollkommen „zugestaubt“ die Ortschaft passieren.
Solche Situation erlebte ich noch mehrmals.
Dass es auch anders geht, zeigten die Kolonnenwege im Bereich der
Werra (zB Lindewerra und Umgebung). Dort waren große Bereiche
über viele Kilometer gemäht. Teilweise wurden sogar die Löcher der
„berüchtigten“ Lochplatten mit Beton ausgegossen. In solchen Bereichen traf
ich dann vermehrt auch einige Tageswanderer, die sich auf den Kolonnenwegen,
speziell an den Wochenenden, tummelten.
Die angesprochenen Lochplatten sind eine Geschichte für sich. Der
DDR-Bauingenieur, der die Lochplatten konstruierte, muss offenbar sehr gute
Kenntnisse der menschlichen Anatomie besessen haben. Anders kann ich mir
diese besondere Konstruktion nicht erklären. Ich fand jedenfalls sehr selten
das richtige Schrittmaß für die zügige Begehung der Lochplatten. Entweder
man musste leicht breitbeinig oder mit ungewohnt langen Schritten gehen. Für
mich war das immer eine Tortur, weil ich aufpassen musste, nicht in ein Loch
zu treten. Verletzungen an den Gelenken (Knie oder Knöchel) sind da
vorprogrammiert.
Auffallend war auch, dass auf den Kolonnenwegen relativ wenig Radfahrer
unterwegs waren. Die Radfahrer standen vor ähnlichen Problemen. Wo fahre ich
lang, wenn ich nicht ständig durch ein Loch fahren will.
Mehrmals versperrten elektrische Weidezäune die Kolonnenwege. Bauern hatten
die Kolonnenwege einfach mit eingezäunt. Ich nehme mal an, dass das aus der
Sicht von Grundstücksgrenzen in Ordnung war. Mich stellten die Weidezäune
aber vor gewaltige Probleme. Umkehren und einen Umweg gehen oder über den
Zaun klettern, das waren die beiden möglichen Alternativen.
Am Anfang suchte ich für solche Probleme einen Umweg, den ich auch immer
fand. Aber es gab auch eingezäunte Kolonnenwege, die ich nicht so einfach
umgehen konnte. Dann kletterte ich über den Elektrozaun, in der Hoffnung,
dass mich niemand sehen würde. Der Höhepunkt der Kletterei über einen
Elektrozaun war ein 2 km langer Bereich des Kolonnenweges, der an einem
Waldrand entlang führte. Insgesamt 5 mal kletterte ich über den Elektrozaun.
Rein in die Umzäunung, raus aus der Umzäunung.
Bei der Planung der Wandertour am Computer muss man sich darauf verlassen,
dass Wege und Pfade, die in den Computer-Karten begehbar scheinen, in der
Realität auch begangen werden können. Eine Überprüfung der Wege mit
GoogleMaps ersparte ich mir. Der Aufwand ist einfach zu hoch.
Zweimal führte mich meine Planung über Wasserkanäle. Ich hätte ja
angenommen, dass da kleine Brücken sind. Auf den Computer-Karten war das
nicht genau zu sehen. Aber die Wege führten über die Kanäle. Also musste da
irgendein Übergang sein.
Der erste Kanal war ca. 10 Meter breit und dicht mit mannshohem Schilf
bewachsen (siehe Bild 3). Eine Brücke war weit und breit nicht zu
sehen. Offensichtlich bin ich bei der Planung solcher Passagen etwas
unbedarft an die Sache herangegangen.
Immer wieder überprüfte ich auf meinem Navi, dass ich an der richtigen
Stelle des Kanals war. Ich musste auf die andere Seite. Dort verlief der
Weg. So hatte ich es geplant. Es war Furten angesagt. Meine Schuhe wollte
ich aber nicht nass machen. Also versuchte ich das barfuß. Ich suchte mir
eine Stelle aus, wo größere Tiere (Wildschweine?) schon eine Bresche in das
dichte Schilf geschlagen hatten. Vorsichtig, jeden Schilfstengel mit den
nackten Füßen nach vorne umtretend, bewegte ich mich durch das knietiefe
Wasser. Endlich hatte ich es geschafft. Bis über die Knie waren meine Füße
vollkommen mit Schlamm bedeckt. Erstmal reinigte ich mich gründlich am Kanal
und zog wieder die Schuhe an. Dann suchte ich die Fortsetzung meines Weges.
Mindestens eine halbe Stunde suchte ich vergebens nach dem Weg. Er war nicht
zu finden. Der Ausweg, und damit der Umweg, war die erneute Überquerung des
Kanals. Zu meinem Unglück fand ich die Stelle nicht mehr, wo ich
rübergekommen war. Sichtlich verärgert überquerte ich erneut den Kanal durch
das dichte Schilf. Diesmal musste ich mir meinen eigenen Weg bahnen.
Wieder musste ich mich von Schlammresten reinigen. Erstaunlich an den zwei
Überquerungen des Kanals war, dass ich mir keine einzige Schnittwunde an den
scharfen Blättern des Schilfs holte.
Eine Erkenntnis dieser Kanalüberquerungen war, dass ich unbedingt wieder
mit ordentlichen Zweitschuhen auf meine Wandertouren gehen werde.
Die Überquerung des zweiten Kanals brach ich nach der Überprüfung meiner
Möglichkeiten sofort ab. Der Kanal war mindestens einen Meter tief und
wesentlich breiter als der erste Kanal.
Der Umweg für den zweiten Kanal kostete mich 15 zusätzliche
Straßen-Kilometer.
Weil es fast jeden Tag Wegeprobleme gab, bin ich im Laufe der Wandertour
dazu übergegangen, Einheimische nach der Qualität der Kolonnenwege zu
fragen. Erhielt ich übereinstimmende Informationen über die
Nichtbegehbarkeit, plante ich sofort Umwege ein, ohne mich selbst von der
Begehbarkeit der Kolonnenwege zu überzeugen.
Mehrmals bin ich auch „CrossCountry“, also querfeldein, durch das
Gelände gestapft. Meistens folgte ich dann Spuren, die größere Tiere
angelegt hatten. Jägerhochstände in der Nähe solcher
CrossCountry-Passagen sagten mir dann, dass ich mit Fahrspuren rechnen kann.
Jäger fahren gern mit Fahrzeugen bis in die Nähe ihrer Hochstände. Deshalb
hielt ich bei solchen Passagen immer Ausschau nach Hochständen, die es auch
meistens gab.
Erst am 7.Wandertag sah ich die erste Markierung für
Das Grüne Band.
Im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern waren die Wegmarkierungen sehr
selten zu finden. In Sachsen-Anhalt wurde es schon besser. Teilweise
vorbildlich war es in Thüringen.
So warteten jeden Tag Wege-Überraschungen auf mich.
Es gab aber auch sehr positive Überraschungen. Welche Teilabschnitte sind
mir in besonderer Erinnerung geblieben?
Auf dem ersten Platz liegt da der
Weg durch das Eckertal hinauf zur Eckertalsperre.
Fast hätte ich in der Ortschaft Eckertal das Landgasthaus
Eckerkrug verpasst. Aber weil der geplante Weg an der Ortschaft
vorbei gesperrt war, musste ich durch die Ortschaft laufen. Plötzlich stand
ich zu meiner großen Freude vor einer geöffneten Gaststätte, dem Landgasthof
Eckerkrug. Nach einer Stärkung machte ich mich auf dem Weg hinauf zur
Eckertalsperre. Das ist ein wunderschöner Wanderweg (ca. 11 km)
entlang dem kleinen Flüsschen Ecker. Der Wanderweg liegt in seiner
gesamten Länge fast vollständig im Schatten und ist daher auch im Sommer
angenehm zu begehen. Am Ende des Wanderweges wartete noch ein steiler
Aufstieg hoch zur Talsperre. Dort muss man sich dann entscheiden, wie die
Talsperre umrundet werden soll. Ich entschied mich für die Ostseite. Also
ging ich über die Talsperre in Richtung der Rangerstation am
Scharfenstein. Dort übernachtete ich auf einer Bank.
Insgesamt ist die Wanderstrecke vom Landgasthof Eckerkrug in der Ortschaft
Eckertal über die Eckertalsperre bis zur Rangerstation am Scharfenstein ca.
14 km lang.
Am nächsten Tag wanderte ich von der Rangerstation am Scharfenstein bis zum
Eckersprung am Fuße des Brockens. Auch das war eine
wunderschöne Wegstrecke (ca. 5 km). Die Besteigung des Brockens habe ich mir
verkniffen. Dafür waren meine Füße, speziell das rechte Knie, nicht mehr gut
genug.
An diesem Tag war geplant hinter der Stadt Braunlage mein Nachtlager
aufzuschlagen. Aber irgendwie verlangte mein Körper nach einer Pause.
Kurzentschlossen entschied ich mich daher einen Ruhetag in der Stadt
Braunlage einzulegen.
Die Stadt Braunlage, das erkennt man sofort, ist eindeutig auf den
Wintersport ausgerichtet. Um diese Jahreszeit und den corona-bedingten
Beschränkungen hatte ich keine Schwierigkeiten eine Übernachtung für zwei
Tage zu buchen. Hotels und Pensionen gab es reichlich. Irgendwie hat mir
diese Stadt gefallen.
Hinter der Ortschaft Rimbach erreichte ich dann auf sehr gut
gepflegten und damit gut begehbaren Kolonnenwegen auf einer Anhöhe den
Aussichtspunkt Lindewerra-Rundblick. Belohnt wurde ich mit einem
unglaublichen Ausblick auf die im Tal fließende Werra.
Ein Blick auf mein Navi sagte mir, dass ich diesen schönen Rundblick auf
einem steilen Kolonnenweg in Richtung der Ortschaft
Lindewerra verlassen musste. Dieser ca. 1 km lange unglaublich steile
Abstieg auf dem Kolonnenweg in die Ortschaft hat mir körperlich alles
abverlangt. Unten angekommen, konnte ich erstmal meine Beine nicht mehr
richtig bewegen. Mir fiel es unglaublich schwer normale Schritte zu machen,
weil ich den Abstieg aus Sicherheitsgründen mit kleinsten Tippelschritten
bewältigte. Zu meiner Freude gab es in der Ortschaft Lindewerra eine
geöffnete Gaststätte, wo ich mich für den weiteren Weg erholen und stärken
konnte.
In den folgenden Wandertagen hielt ich mich weitestgehend im Gebiet der
Werra auf. Das war oft mit unglaublich steilen Auf- und Abstiegen
verbunden.
In zwei Ortschaften, Obersuhl und Philippsthal, konnte ich
mich in einem Freibad erfrischen. In Philippsthal wollte mich das
Einlass-Personal erstmal nicht in das Freibad lassen, weil ich mich nicht
über das Internet vorangemeldet hatte. Nachdem der Chef gerufen wurde und
ich erklärte, dass ich auf einer längeren Wandertour unterwegs war, machten
sie für mich eine Ausnahme.
Wetter
Für viele Wanderer ist die zu erwartende Groß-Wetterlage eine wichtige
Entscheidungsgrundlage für die Durchführung einer geplanten Wandertour. Bei
mir war das am Anfang meiner Wanderkarriere auch so. Deshalb absolvierte ich
meine Wandertouren in Deutschland hauptsächlich von Mai bis September.
Auf den Jakobswegen in Spanien bin ich erstmalig mit den Zeiträumen Februar
bis März und Oktober bis November in Kontakt gekommen. Ich stellte
überrascht fest, dass das mit der richtigen Kleidung eigentlich kein Problem
ist.
Jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, wo das Wetter für meine
Wandertouren eine relativ untergeordnete Rolle spielt. Ich gehe einfach los,
auch wenn zB für die nächsten 14 Tage Regenwetter angesagt wäre. Das stört
mich nicht.
Für die aktuelle Wandertour musste ich für Ende Mai mit einstelligen
Nachttemperaturen rechnen. Das war tatsächlich so. Es gab Nächte, wo ich in
den Morgenstunden 5°C hatte. In diesen Nächten reizte ich meine Kleiderkiste
voll aus. Trotzdem hatte ich immer noch kleine Reserven. Meine Wanderhose
und meine Regenjacke musste ich nie anziehen.
Ab Anfang Juni wurde das Wetter dann besser. Trotzdem gab es den einen oder
anderen Regentag. Kombiniert mit starken Winden, zB auf den vollkommen offen
liegenden Elbdeichen, war das eine Herausforderung. Ein Radfahrer, der auf
dem Elberadweg Richtung Süden unterwegs war, bezeichnete diesen Wind als
„Segelwind“.
Auch sehr heiße Tage mit Temperaturen über 30°C musste ich einige Tage
überstehen. Heiße Temperaturen sind für mich aber schlimmer, als kältere
Temperaturen.
Aus den zuvor genannten Gründen will ich da auch nicht viel über besondere
Wetterbedingungen schreiben. Auf Langstreckenwanderungen muss man es nehmen,
wie es kommt.
Ich kann mir erstmal nicht vorstellen eine Wandertour wegen schlechtem
Wetter abzubrechen.
Ausrüstung
Meine Ausrüstung ist schon seit einigen Wandertouren (seit 2019)
relativ konstant. Jahreszeit- und wetterbedingt ändert sich da hauptsächlich
nur etwas im Kleidungsbereich.
Meine Packliste kann im Blog unter dem Menüpunkt
Ausrüstung
eingesehen werden.
Meine aktuelle Packliste weicht trotzdem in einigen
Ausrüstungsgegenständen von der Blog-Packliste ab, weil ich immer wieder
andere Ausrüstungsgegenstände auf meinen Wandertouren einem Härtetest
unterziehe. Deswegen ändere ich nicht jedesmal meine Blog-Packliste.
Ausrüstungsgegenstände, die ich testen will, sind dann teilweise sogar
mehrfach vorhanden (zB zwei Regenjacken, unterschiedliche Heringe). Nur so
kann ich Ausrüstungsgegenstände realitätsnah testen. Gewichtsmäßig ist das
nicht optimal, aber nur so lassen sich Tests über einen längeren Zeitraum
realisieren. Wenn ein zu testender Ausrüstungsgegenstand total versagen
sollte, hat man ja immer noch den anderen Ausrüstungsgegenstand.
Auf bestimmte Ausrüstungsgegenstände will ich aber etwas näher
eingehen.
Für die Übernachtungen entschied ich mich diesmal für das
Tarp von zpacks (Hexamid Pocket Tarp with Doors,
148 g). Zusätzlich benutze ich das Tarp grundsätzlich nur mit einem
Untergrund von zpacks (Solo-Plus Bathtub-Groundsheet, 99 g).
Weil in den Frühjahrs- und Sommermonaten mit reichlich Ungeziefer zu rechnen
ist, stattete ich das Tarp mit einem Netzvorhang aus. Die Anfertigung
des Netzvorhangs beschrieb ich im Menüpunkt
MYOG
(Projekt C20 - Netzvorhang an ein Tarp von zpacks anbringen).
Erste Tests im häuslichen Umfeld waren vielversprechend. Das Handling war
denkbar einfach. Während der Wandertour hat sich der Netzvorhang
hervorragend bewährt. Mit Ungeziefer hatte ich zu keiner Zeit Probleme.
Trotzdem werde ich einige Nachbesserungen an dem Netzvorhang
vornehmen.
Einmal werde ich den Netzvorhang an den beiden Flügeln der Eingangstür um
ca. 30 cm verlängern. Durch die Verlängerung lässt sich der Netzvorhang im
Bereich der Flügel der Eingangstür besser unter die Bodenwanne schieben.
Durch die Bodenwanne wird der Netzvorhang beschwert und fliegt auch nicht
beim stärksten Regensturm durch die Gegend.
Dann werde ich da, wo der Netzvorhang am Tarp befestigt ist, noch
zusätzliche Kam-Snaps anbringen. Ich halbiere sozusagen die Entfernung
zwischen den bisherigen Kam-Snaps mit neuen Kam-Snaps. Das sorgt für noch
mehr Zugentlastung an den Befestigungsstellen, verdoppelt aber die Anzahl
der Kam-Snaps und erhöht damit auch das Gewicht.
Die Nachbesserungen sind mittlerweile realisiert und warten auf die nächste
Wandertour.
Wenn ich die letzten Wandertouren in Gedanken ablaufen lasse, dann wird
wohl ein Tarp in der nächsten Zeit mein bevorzugter Übernachtungsplatz sein.
Ein Tarp hat alles, was ich so auf meinen Wandertouren brauche. Genügend
Platz für mich und meine Ausrüstung und einen ausreichenden Wetter- und
Ungezieferschutz.
Auch in Zeltheringen steckt ein gehöriges Einsparpotential.
Meine bevorzugten Zeltheringe sind aktuell die MSR Groundhogs (14
g/Stück). Gewichtsbewusste Wanderer testen alles, angefangen von Essstäbchen
aus Holz, über die genannten MSR Groundhogs ua. Bei fast jeder Wandertour
teste ich neue Zeltheringe. Diesmal hatte ich die
Toaks Titanum Nails (9 g/Stück) von Toaksoutdoor, zusätzlich
neben meinen MSR Groundhogs, im Gepäck. Immerhin ist das eine
Gewichtseinsparung gegenüber den MSR Groundhogs von 35 g, wenn ich
mindestens 7 Zeltheringe für meine Tarp benötige. Das folgende
Bild 7 zeigt das Ergebnis nach zwei Nächten.
Die Heringe haben sich bei der Benutzung entweder verbogen oder sind an der
Schwachstelle, dem Loch für die Schnur zum Herausziehen, gebrochen. Für mich
haben diese Zeltheringe komplett versagt. Wenn ich es mir so recht überlege,
frage ich mich, wie andere Wanderer mit Essstäbchen aus Holz klarkommen. Ich
kann mir das aus den bisher gemachten eigenen Erfahrungen einfach nicht
vorstellen.
Meine Suche nach ultra-leichten (<= 5 g/Stück) und gleichzeitig absolut
stabilen Zeltheringen geht also weiter.
Die nächste Zeltheringe, die ich testen werde, sind Zeltheringe aus
Kunststoff, die SwissPiranha (5 g/Stück) der Schweizer Firma
SwissPiranha. Eine Gewichtseinsparung, bei 7 benötigten Zeltheringen,
gegenüber den MSR Groundhogs von 63 g ist nicht schlecht. Einen ersten
kurzen Wochenendeinsatz haben die Zeltheringe schon mit Bravour bestanden.
Auf die Ergebnisse beim nächsten Dauereinsatz bin ich jedenfalls sehr
gespannt.
Mein Rucksack von zpacks (Arc Haul, 660 g)
bewährt sich schon seit Jahren. Es gibt leichtere Rucksäcke, aber er
versieht immer noch fast klaglos seinen Dienst.
Im folgenden Bild 8 ist zu sehen, dass ich diesmal eine kleine
Notreparatur am Tragesystem des Rucksacks durchführen musste.
Eine kleine Schnalle aus Plastik am unteren Ende eines Schulterträgers war
gerissen und nicht mehr benutzbar. Eine Schnur wollte ich nicht verwenden,
weil die Reste der Schnalle überaus scharfe Kanten hatten, so dass ich für
die Notreparatur einen Kabelbinder verwenden musste.
Wenn ich meinen Rucksack für eine Wandertour packe, halte ich immer dieses
kleine Bündel mit einigen Kabelbindern in der Hand. Dann überlege ich
fieberhaft, ob ich die Kabelbinder in den Rucksack packe. Bisher brauchte
ich die Kabelbinder noch nie. Aber immer wieder packe ich die Kabelbinder in
den Rucksack. Man weiß ja nie.
Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, baue ich meinen
Übernachtungsplatz in Unterständen aller Art auf. Im folgenden
Bild 10 ist ein solcher Übernachtungsplatz zu sehen.
Dem aufmerksamen Betrachter des Bildes wird auffallen, dass ich nur eine
Torso-Schaumstoffmatte benutze. Ein großer Teil meines Quilts liegt deshalb
im „Dreck“, weil ich keine geeignete Unterlage in meinem Rucksack hatte. Das
wird mir nicht mehr passieren. Ab sofort gehört immer eine Unterlage aus
Tyvek (1 x 2 m, 79 g) zu meiner Übernachtungsausrüstung. Im Notfall
kann ich die auch unter mein Tarp legen.
Keinen Ausrüstungsgegenstand wechselte ich so oft, wie die
Isomatte. Bei jeder Wandertour war ich mit einer anderen Isomatte am Start. Das war
ein ständiges Wechselspiel zwischen Luftmatratze und Schaumstoffmatte.
Irgendwas gab es immer zu bemängeln.
Bei dieser Wandertour entschied ich mich für die Schaumstoffmatte von
Exped (FlexMat Plus XS, 184 g). Zusätzlich schnitt ich die
Matte von 52 cm Breite auf 45 cm Breite zurecht und entfernte von den 8
Elementen der XS-Matte 2 Elemente. So ergaben sich für die Torsomatte die
Maße von 90 x 45 cm.
Überrascht war ich vom Schlafkomfort der Isomatte. Das hatte ich nicht
erwartet. Sie ist wesentlich komfortabler, als die ähnlich aufgebaute
Schaumstoffmatte von Therm-a-Rest (Z-Lite, 167 g).
Gewichtsmäßig gibt es zwischen den beiden zugeschnittenen Schaumstoffmatten
auch keinen großen Unterschied.
Bei Schaumstoffmatten ist das große Problem das Packmaß. Das ist bei der
Exped-Isomatte ebenso. Meine Schaumstoffmatten hängen immer außen (und unten
und quer) in einem selbstgebastelten DCF-Beutel. Dort stört mich die Breite
der Schaumstoffmatte kaum. Dadurch, dass ich die Schaumstoffmatte so
befestige, steht auch mein Rucksack beim Absetzen viel besser auf dem Boden.
Er kann wegen der besseren Auflagefläche nicht umfallen.
Diese Isomatte wird mich also erstmal auch auf den nächsten Wandertouren
begleiten.
Ich bin immer wieder begeistert von meinem Kopfkissen von
HMG (Cuben Stuff Sack Pillow, Large, 42 g).
In dem Kopfkissen verstaue ich alle Sachen, die ich in der Nacht nicht
benötige. Dadurch komme ich immer auf eine Höhe des Kopfkissens, die ich als
Seitenschläfer als angenehm empfinde. Zusätzlich befestige ich das
Kopfkissen mit Knebelknöpfen an zwei kurzen Knopflochgummis, die alle meine
Isomatten besitzen. Durch die feste Verbindung mit der Isomatte kann das
Kopfkissen in der Nacht nicht so einfach wegrutschen.
Tagsüber ist das Kopfkissen die „Kleiderkiste“ für meine Reservesachen,
sozusagen „Multiuse“.
Seit einigen Jahren bin ich ein überzeugter Nutzer von
Trekkingstöcken. Eine Wandertour ohne Trekkingstöcke kann ich mir einfach nicht mehr
vorstellen. Dafür gibt es für die Trekkingstöcke zu viele sinnvolle
Anwendungsfälle (Gehhilfe (3. und 4.Standbein), Tarp-/Zeltaufbau,
Verteidigungswaffen (zB gegen Hunde), Frühwarnsystem, Wärmespender an kalten
Tagen).
Von Anfang an nutzte ich aus Gewichtsgründen nur Faltstöcke, aktuell die
von Leki (Micro Stick Carbon, 2 x 190 g).
Im vorhergehenden Bild 13 sind diese Trekkingstöcke zu sehen. Am
linken Trekkingstock ist gleich unter dem Griff ein Metallstift zu sehen.
Mit diesem Metallstift wird der Trekkingstock gespannt. Nun passiert es
manchmal beim Wandern, dass sich der Metallstift nach innen zieht. Dadurch
fällt der Trekkingstock in sich zusammen und rutscht in den Griff hinein. Je
älter die Trekkingstöcke sind, desto öfters passiert das am Tag. Ich vermute
mal, dass die Feder, die den Metallstift nach außen drückt, nicht mehr genug
Spannung besitzt.
Jedenfalls nervt das ungemein.
Die Lösung für das Problem ist Panzerband, wie es der rote Pfeil am rechten
Trekkingstock anzeigt. In mehreren Lagen um den
gespannten!!! Trekkingstock gewickelt, hält der so präparierte
Trekkingstock allen Belastungen stand. Da ich meine Trekkingstöcke auf den
Wandertouren immer in der Hand trage, stört mich der Umstand nicht, dass die
Trekkingstöcke nicht mehr richtig gefaltet werden können. Lediglich bei der
An- und Abreise zu meinen Wandertouren falte ich meine Trekkingstöcke.
Ansonsten, zB beim Einkauf im Supermarkt, stecken die Trekkingstöcke immer
in voller Länge in einer Trekkingstockhalterung (ala Osprey) unter meinem
linken Arm. Das funktioniert hervorragend.
Ein Langstreckenwanderer mit einem Regenschirm ist sicherlich
ein ungewohntes Bild. Vor Jahren hätte mich das noch zu einem Schmunzeln
veranlasst.
Auf dieser Wandertour probierte ich einen Regenschirm von zpacks (Lotus UL Umbrella, 192 g) aus.
Es hat mehrere Versuche gebraucht und Nerven gekostet, bis ich den
Regenschirm am linken Schultergurt so befestigen konnte, dass die Position
des Regenschirms über dem Kopf meinen Ansprüchen genügte. Vor allem bei
Regen setzte ich den Regenschirm ein. Bei Sonnenschein, verbunden mit
extremer Hitze, verwendete ich den Regenschirm ebenfalls. Davon gab es auch
einige Tage. Damit das Solarpanel in der Sonne ausreichend aufgeladen werden
konnte, musste ich die Nutzung des Regenschirms bei Sonnenschein wohl
dosieren.
Das vorhergehende Bild 14b zeigt auch sehr deutlich das Problem mit
dem Regenschirm (neben dem Beutel mit der Isomatte).
Das ist das „ungewöhnliche“ Packmaß des Regenschirms.
Der Regenschirm ist ein Ausrüstungsgegenstand, den ich bei Nichtgebrauch
irgendwie außen an meinem Rucksack befestigen musste. Am Anfang tat ich das
außen, unten und quer, direkt über dem Beutel mit der Isomatte. Das führte
dazu, dass ich oft aneckte, wenn ich enge Durchgänge (zB in Supermärkten)
passierte.
Dann verstaute ich den Regenschirm in einer Seitentasche neben einer
Trinkflasche. Da ragte er über den Rucksack hinaus und erschwerte das
Aufziehen des Regenschutzes über den Rucksack, wenn ich bei Regen den
Regenschirm nicht verwendete. Dieser Platz war also auch nicht besonders gut
geeignet.
Dann überlegte ich, was ich mit „überlangen“ Ausrüstungsgegenständen mache,
wenn ich sie außen am Rucksack aufbewahren will. Da fiel mein Augenmerk auf
die Trekkingstöcke. Meine langen Trekkingstöcke bringe ich am linken
Schultergurt in einer selbstgebauten Trekkingstockhalterung unter, die ich
mir von den Osprey-Rucksäcken abschaute.
Könnte da noch Platz für einen zusammengerollten Regenschirm sein?
Aus elastischer Kordelschnur und Kordelstoppern (diese
Ersatzteile habe ich immer in kleiner Anzahl in meinem Rucksack) baute ich
mir eine zweite Trekkingstockhalterung an den linken Schultergurt.
Was soll ich sagen, es funktionierte wunderbar. Die Trekkingstöcke und den
Regenschirm trug ich so am linken Schultergurt unter dem linken Arm. Es
störte mich in keiner Weise.
Der Regenschirm löste auch ein Problem, das mich auf vorherigen
Wandertouren maßlos nervte. Das war die Bedienung eines Touchscreen-Navis im
Regen. Mit einem Regenschirm ist das kein Problem mehr.
Trotzdem stört mich das Packmaß des Regenschirms.
Ganz zu schweigen von den verwunderten Blicken, die mir verblüffte Menschen
hinterherwarfen, wenn sie mich sahen. Ein Wanderer mit Rucksack,
Trekkingstöcken und aufgespanntem Regenschirm läuft einem nicht alle Tage
über den Weg.
Auf meinen ersten Langstreckenwanderungen war ich immer mit
Zweitschuhen unterwegs. Ich brauchte die Zweitschuhe für die
Entlastung meiner durch Blasen und Brennen unter den Fußsohlen heimgesuchten
Füße. Sobald ich mein Tagesziel erreichte, zog ich meine Wanderschuhe aus
und meine Zweitschuhe an.
Erst mit der Nutzung der Trailrunner ALTRA LonePeak konnte ich mein
Schuhproblem vollständig lösen. Deshalb verbannte ich die Zweitschuhe aus
dem Rucksack.
Es gab aber immer wieder Situationen (Abends im Camp, Furten von
Flussläufen, nächtlicher Gang ins Gebüsch, Waschräume in
Gemeinschaftsunterkünften usw), wo ich gern Zweitschuhe gehabt hätte.
Deshalb bastelte ich mir aus Resten einer blauen Schaumstoffmatte ganz
leichte Sandalen (24 g), wie sie im nachfolgenden Bild 16 links zu
sehen sind.
Auf dieser Wandertour testete ich die Sandalen ausgiebig. Es stellte sich
heraus, dass die Sandalen nur für den nächtlichen Gang ins Gebüsch zu
gebrauchen waren. Selbst danach reparierte ich gelegentlich die Sandalen mit
Panzerband.
Für die nächste Wandertour packe ich wieder ordentliche Zweitschuhe in den
Rucksack. Entschieden habe ich mich für die Sandalen von
XERO (Z-Trail, 306 g), rechts im Bild 16. Mit diesen
Sandalen kann ich notfalls auch die eine oder andere Tagesetappe
zurücklegen, wenn es Probleme mit meinen Wanderschuhen geben sollte. Alle
anderen zuvor erwähnten Anwendungsfälle sind mit den Sandalen ebenfalls
realisierbar.
Schon seit Jahren führe ich auf meinen Wandertouren ein
Tagebuch. Das ist ein kleines Buch im A6-Format. Eine Seite muss für eine
Tagesetappe reichen. Da haben meistens nur statische Angaben zur Tagesetappe
Platz, dann ist die Seite voll. Deshalb überlegte ich mir, wie ich nebenbei
wichtige Informationen erfassen kann, die evtl. später in meinen Tourbericht
einfließen könnten. Mein Bericht erscheint teilweise erst einige Monate
später in meinem Blog, so dass nicht mehr alle Einzelheiten der Wandertour
im Gedächtnis haften geblieben sind.
Für diese Detailinformationen zu den einzelnen Tagesetappen legte ich mir
deshalb ein Diktiergerät (Olympus, 73 g) zu.
In einer Schultergurttasche verstaut, war es sofort einsatzbereit.
Das Tagebuch-Prinzip bewährt sich immer noch bestens. Das will ich
unbedingt beibehalten. Kurz und knapp dokumentiere ich dort statistische
Daten von den Tagesetappen. Andere Detailinformationen kommen da manchmal zu
kurz. Das Diktiergerät war mir daher eine wertvolle Hilfe bei der
Formulierung von speziellen Eindrücken von den Tagesetappen.
Alle anderen, nicht speziell erwähnten, Ausrüstungsgegenstände versahen
klaglos ihren Dienst. Manche benutze ich schon unverändert über mehrere
Jahre.
Bis auf ganz wenige Ausrüstungsgegenstände (zB Isomatte), wo ich immer noch
in der Findungsphase bin, steht meine Ausrüstung schon seit einiger Zeit
fest.
Trotzdem teste ich immer wieder neue Ausrüstungsgegenstände.
Versorgung
Bei der Entscheidung für Das Grüne Band war mir sofort klar, dass
ich nicht jeden Tag durch eine Ortschaft kommen würde, wenn ich stur allen
Kolonnenwegen folge. Das bedeutete im Umkehrschluss, dass ich für die
Versorgung den Trail gelegentlich verlassen musste.
Bei der Planung der Wandertour fügte ich wegen fehlender Kolonnenwege
Umwege in den Wegeverlauf ein. Das tat ich bei fast jeder Tagesetappe.
Die Umwege führten mich oft über kleine oder große Ortschaften. So war die
Versorgung, entgegen meiner ursprünglichen Annahme und Befürchtung, kein
großes Problem.
Fast jeden Tag ergatterte ich so einen Kaffee. Manchmal sogar passend zum
Frühstück und am Nachmittag.
Diese Wandertour hat mir wieder gezeigt, dass
Wandern in Deutschland versorgungstechnisch vollkommen problemlos
ist.
Übernachtungen
Für die Übernachtungen im Freien verwendete ich diesmal das
Tarp von zpacks (Pocket Tarp with Doors).
Zusätzlich präparierte ich das Tarp mit einem Netzvorhang (siehe Menüpunkt
MYOG, Projekt C20 -
Netzvorhang an ein Tarp von zpacks anbringen). Der Netzvorhang erwies
sich als ein Volltreffer. Mit Ungeziefer, egal welcher Art, hatte ich nie
Probleme. Der Netzvorhang an den beiden Türen des Tarps war allerdings etwas
zu kurz. Bei der nächsten Gelegenheit werde ich den Netzvorhang an den
beiden Türen des Tarps verlängern. Dadurch lässt sich der Netzvorhang auch
im Türbereich besser unter die Bodenwanne schieben und dichtet dort noch
besser ab.
Meine nächsten Wandertouren werde ich erstmal im Tarp absolvieren.
Wenn es sich anbietet, übernachte ich auch gerne in
Unterständen oder Schutzhütten. Gibt es dort Bänke (oder Tische), die breit genug sind, übernachte ich
auf den Bänken (oder Tischen). Probleme gab es immer, wenn ich auf dem Boden
übernachtete. Ich hatte für solche Übernachtungen keine Unterlage dabei auf
die ich meine Isomatte und meinen Quilt legen konnte. Deshalb säuberte ich
vorher meinen Schlafbereich auf dem Boden sehr akribisch. Trotzdem ließ es
sich nicht vermeiden, dass mein Quilt bei solchen Übernachtungen relativ
schmutzig (zB Staub) wurde.
Für meine nächsten Wandertouren werde ich für solche Übernachtungen eine
Tyvek-Unterlage (1 x 2 Meter) in den Rucksack packen. Für den
äußersten Notfall kann ich diese Unterlage auch unter die Bodenwanne des
Tarps legen.
Alle anderen Übernachtungen waren unproblematisch und manchmal auch dem
Zufall geschuldet (zB Pilgerherberge, Tier-Beobachtungsturm,
Aussichtsplattform).
Verletzungen
Eine geplante Wandertour musste ich noch nie abbrechen.
Ich stand zwar schon einmal kurz davor, aber durch einen Zufall erhielt ich
unterwegs Hilfe und beendete die Wandertour erfolgreich.
Wegen dieser Erfahrungen spielt die körperliche Vorbereitung einer
Wandertour eine große Rolle. Ich experimentierte in den letzten Jahren mit
ganz unterschiedlichen Vorgehensweisen.
Ich habe am Anfang Wandertouren ohne jegliche körperliche Vorbereitung
bestritten. Bis auf Anfangsschwierigkeiten hatte ich keinerlei Probleme und
konnte diese Wandertouren immer beenden.
Dann fing ich an 14 Tage vorher intensiv zu trainieren. Bis auf die
bekannten
Anfangsschwierigkeiten beendete ich auch diese Wandertouren
erfolgreich.
Vor dieser Wandertour trainierte ich mehrere Monate (November 2020 bis Mai
2021) intensiv. Jeden Tag absolvierte ich Tagesstrecken von ca. 10 km. Und
das bei jedem nur erdenklichen Wetter.
Und was war das Ergebnis?
Nach 28 Tagen musste ich die Wandertour wegen Knieproblemen beenden.
Jetzt bin ich etwas ratlos und suche nach der Fehlerursache. Ich denke mal,
dass es eine Kombination von vielen Ursachen sein wird, die mich zum Abbruch
zwangen.
Aktuell tendiere ich wieder zu dem Ansatz Wandertouren relativ
unvorbereitet zu beginnen. Der Gedanke dahinter ist, dass so im Vorfeld
einer großen Wandertour die problematischen Beinstrukturen (zB Knie) nicht
so stark belastet werden. Kombinieren werde ich das mit
physiotherapeutischen Maßnahmen (zB Dehnungsübungen), die ich unterwegs (zB
mittags oder abends) überall durchführen kann. Zusätzlich werde ich mir von
einem Physiotherapeuten zeigen lassen, wie Tape-Verbände selbstständig
angelegt werden können.
Das wird das Gewicht der Kategorie „Medizin“ in meiner Packliste gehörig
aufblähen. Aber was nützt mir eine „superleichte“ Packliste, wenn ich mir
unterwegs nicht richtig helfen kann.
Menschen
Auf einer Langstreckenwanderung trifft man doch den einen oder anderen
Menschen…
Am 2.Wandertag traf ich eine Wanderin aus Leipzig, die in nördlicher
Richtung unterwegs war. Sie startete ihre Wanderung in Wernigerode im Harz.
Nach einer kurzen Begrüßung und dem Wohin und Woher, staunte sie über meinen
„kleinen Rucksack“. Um gleich im nächsten Satz entschuldigend hinzuzufügen,
dass sie alles aus ihrem riesengroßen Rucksack gebraucht hat.
Ehrlich gesagt, mir ist es egal mit welchen Rucksäcken andere Wanderer ihre
Wandertouren bestreiten. Das muss jeder selber wissen und vor allem
ausprobieren. Mit Kommentaren halte ich mich da sehr zurück. Erst wenn ich
genauer nach meiner Ausrüstung gefragt werde, gebe ich bereitwillig Auskunft
und verteile dann meine Visitenkarte, mit der Bemerkung, dass alles zu
meiner Ausrüstung in meinem Blog nachgelesen werden kann. Ob die
interessierten Wanderer das dann wirklich tun, entzieht sich meistens meiner
Kenntnis.
Das Gesprächsthema „kleiner Rucksack“ kam fast bei jedem Gespräch
mit einem Wanderer oder Radfahrer zur Sprache.
Im Bereich der Elbdeiche traf ich einen Radfahrer, der in Richtung
Süden fuhr. Schmunzelnd meinte er, ich könne ja den „Segelwind“ aus
nordwestlicher Richtung für ein höheres Tempo nutzen. Nach wenigen Minuten
war er auf den weit einsichtbaren Deichen nicht mehr zu sehen. Irgendwie
beneidete ich in diesem Augenblick die Radfahrer, während ich mich mit den
teilweise stürmischen Winden abquälen musste.
In der Ortschaft Dähre passierte ich einen geöffneten
Frisörladen. Nach einer kurzen Unterhaltung mit der Chefin des Ladens
(ich hatte keinen Termin!), nahm sie kurzfristig selber die Geräte und die
Schere in die Hand (alle anderen Frisösen waren beschäftigt) und verpasste
mir einen „Wanderhaarschnitt“. Vorher hatte ich gefragt, ob sie mir so im
„Vorbeigehen“ mit der Maschine einen 10 mm-Haarschnitt machen könnte. Sie
fragte mehrmals nach, ob sie das tatsächlich mit der Maschine machen soll.
Ich bestätigte immer wieder, dass sie das mit der Maschine machen kann.
Wenige Minuten später war die Angelegenheit erledigt. Krönender Abschluss
des Haarschnitts war die Massage meiner Kopfhaut mit einem Haarpflegemittel.
Einfach nur herrlich…
Bei Ohrsleben traf ich eine größere Frauengruppe mit
Fahrrädern. Diese Gruppe machte auf ihrem wöchentlichen Freitagsausflug bei
Kaffee und Kuchen gerade eine kleine Pause an einem Bach in der Nähe des
Kolonnenweges. Sie sprachen mich an und wollten wissen, was ich mit dem
Rucksack so vorhabe. Nachdem ich ihnen erklärte, was mein Ziel war, kamen
sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie bewirteten mich fürstlich mit
Kaffee und Kuchen und fragten mir wegen meiner Ausrüstung regelrecht Löcher
in den Bauch. Meine Ausrüstung wurde zudem von allen Seiten fotografiert.
Danach kam ich mir so vollgestopft vor, dass ich beschloss an dem Bach mein
Nachtlager aufzuschlagen. Ich wollte keinen Schritt mehr gehen.
Der nächste Tag war ein absoluter Horror-Tag, so dass ich unterwegs ganz
kurzfristig beschloss, mir am Tagesende eine Pension in der Ortschaft
Hornburg zu gönnen. An diesem Tag lief ich gewaltige Umwege auf
Straßen, weil die geplanten Kolonnenwege unpassierbar bzw. durch sehr breite
Abwasserkanäle versperrt waren. Zusätzlich schüttete es am Nachmittag wie
aus Kübeln, es blitzte und donnerte heftig über mir und ich war gerade auf
offenem Gelände unterwegs.
An diesem Tag lief ich wegen der Umwege 45 km, statt der geplanten 30 km. 4
km vor der Ortschaft Hornburg fragte mich ein Radfahrer nach einer
Unterkunft. Ich sagte ihm, wo ich übernachten würde. In der Pension traf ich
dann den Radfahrer und noch eine Wanderin, die ebenfalls
Das Grüne Band laufen wollte. Gemeinsam gingen wir dann etwas essen.
Dabei unterhielten wir uns angeregt über Das Grüne Band und unsere
weiteren Ziele.
Nach ungefähr der Hälfte der Wegstrecke (ca. 636 km) traf ich in der
Ortschaft Wahlhausen doch tatsächlich einen User (mit seiner
Partnerin) des
ULTF-Forums. Aus dem Forum wusste ich, dass er ebenfalls am 22.Mai starten
würde, allerdings in der entgegengesetzten Richtung von Süden nach Norden.
Das Treffen war ein großer Zufall, denn 5 Minuten später wäre ich auf den
200 Meter entfernten Campingplatz abgebogen und wir hätten uns verpasst. Wir
unterhielten uns angeregt, wie es uns in den letzten Wochen ergangen ist.
Überrascht war ich von der Laufleistung des Paares. Ich schätze den
südlichen Teil des Grünen Bandes im Bereich des Thüringer Waldes schwieriger
ein, als den nördlichen Teil des Grünen Bandes in den Bundesländern
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.
Ich war mal wieder auf sehr steilen Auf- und Abstiegen des Kolonnenweges in
der Nähe der Ortschaft Asbach unterwegs. Meine Gedanken kreisten um
einen Kaffee und etwas zu essen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen,
dass in der kleinen Ortschaft an einem Sonntag gegen 9 Uhr in der Frühe eine
Gaststätte geöffnet hat. In einer kleinen Nebenstraße der Ortschaft sah ich
plötzlich vier Männer an einem Tisch sitzen und essen. Sofort war ich
elektrisiert.
Sollte da eine Gaststätte sein?
Tatsächlich, der Wirt der Gaststätte „Zur Schmiede“ servierte
gerade ein üppiges Frühstück für die fröhliche Herrenrunde. Meine Frage nach
einem Frühstück beantwortete er mit einem ja. Der Wirt fuhr auch für mich
alles auf, was die Küche hergeben wollte. So frühstückte ich über eine
Stunde und unterhielt mich dabei mit dem Wirt, der sich an meinem Tisch
gesetzt hatte.
Aber dieser Tag hielt noch eine weitere Überraschung für mich bereit. Kurz
vor der Ortschaft Großtöpfer traf ich ein Ehepaar. Sie sprachen mich
an und so kamen wir ins Gespräch. Sie sagten mir, dass in der Ortschaft die
Kirchengemeinde auf dem Kirchengelände Kaffee und Kuchen für kleines Geld
anbietet. Ich überlegte lange, ob ich den Abstecher in der Ortschaft machen
soll. Immerhin war das mindestens ein Kilometer zusätzlich. An diesem Tag
hatte ich schon ein üppiges Frühstück genossen und war deshalb bis gegen 15
Uhr nur 23 km gelaufen.
Aber dann siegte mein Kaffeedurst und ich ging in die Ortschaft.
Von der Kirchengemeinde wurde ich mit köstlichem Kuchen und heißem Kaffee
bewirtet. Zufälligerweise kam ich auch mit dem örtlichen Pfarrer ins
Gespräch. Dabei stellte sich heraus, dass er eine Pilgerwohnung zu vermieten
hätte. Kurz nachgefragt und ich hatte die Pilgerwohnung für eine
Übernachtung.
Meine Tagesetappe hatte ein überraschendes und schönes Ende gefunden.
Irgendwann wollte ich noch eine „kleine“ Ruhepause einlegen. Genauer gesagt
waren das zwei halbe Wandertage, die ich mir freinehmen würde. Ein
Nachmittag und ein Vormittag am nächsten Tag. Es war geplant, dass mich an
diesem Tag meine Frau und meine Nachbarn mit dem Auto besuchen
würden.
Für diesen speziellen Tag benötigte ich also eine Übernachtung für 4
Personen. Das war aber kurzfristig nicht so einfach zu organisieren.
Abhängig war das von dem Ort, wo ich gegen Mittag sein würde. Und das war
eben die Ortschaft Großburschla. Zum Glück konnte uns eine
Facebook-Userin, die Diana, bei der Suche nach einer
Ferienwohnung behilflich sein. Schon einige Tage vorher nahm Diana über
Facebook Kontakt mit mir auf. Sie bot mir an bei ihr zu übernachten. Bei
dieser Gelegenheit wollten wir uns über das Wandern und unsere Ausrüstung
unterhalten. Aber mein enger Zeitplan und eine aufkommende Knieverletzung
verhinderten, dass ich zu einem bestimmten Tag in der Nähe ihrer Ortschaft
war. Trotzdem beschaffte sie mir über das Internet eine Ferienwohnung in der
Ortschaft Wanfried und bezahlte sie gleich. Das war überaus großzügig
und hat uns sehr geholfen.
In der Ortschaft Pferdsdorf schlug ich mein Nachtlager am Rande des
Dorfes auf. Die nächsten Häuser waren nur 20 Meter entfernt. Mein Nachtlager
war ein schön gemähter Platz in der Nähe der Werra. Auf dem Platz stand ein
Kiosk, der allerdings nicht in Betrieb war. Nach einem Bad in der Werra war
ich erfrischt und harrte der Dinge, die da kommen sollten.
Natürlich wurde mein Tarp von den Einwohnern bemerkt, die in der Nähe
wohnten. Notfalls hätte ich mein Tarp wieder abbauen müssen. Es dauerte
nicht lange und der erste Bewohner eines Hauses öffnete sein Fenster.
Ich war auf alles gefasst, aber nicht auf diese Reaktion. Er fragte mich, ob
ich Lust auf ein Bier hätte und ob ich Fußball schauen möchte. Vollkommen
überrascht sagte ich zu. Nach einigen Bier und dem EM-Fußballspiel ging ich
dann wieder zu meinem Tarp. An meinem Tarp erwartete mich ein Mann. Ich
rechnete wieder mit dem Schlimmsten. Der Mann war der Ortsvorsteher.
Offensichtlich wurde er von Dorfbewohnern informiert, dass da ein
„Wegelagerer“ am Rande des Dorfes haust.
Wir haben uns über eine Stunde angeregt unterhalten. Es stellte sich
heraus, dass er keine Probleme mit der Wahl meines Übernachtungsplatzes
hatte (es war Gemeindeland). Seine einzige Bedingung war, dass ich den Platz
sauber verlassen soll. Aber für mich ist das eine
Selbstverständlichkeit.
Tiere
Die ehemalige grüne Grenze ist in den 40 Jahren ihrer Existenz kaum
betreten worden. Deshalb entwickelte sich im Grenzbereich ungestört eine
einzigartige Tierwelt.
Davon sah ich leider sehr wenig. Vielleicht liegt das an meinen
Trekkingstöcken, deren Stahlspitzen beim Einsatz schon gehörig Krach machen.
Mir ist es aber lieber, wenn mich Wildtiere schon von weitem hören und
entsprechend reagieren können.
Lediglich einmal begleitete mich im Abstand von ca. 50 Metern parallel zum
Kolonnenweg eine Wildschweinrotte über ca. 200 Meter. Zuerst konnte
ich die Geräusche im Wald nicht deuten. Etwas später erhaschte ich einen
Blick durch die Bäume und mir wurde schlagartig klar, wer da neben mir
läuft. Ganz egal war mir das nicht, zumal da Jungtiere dabei waren. Gerade
das versetzt Elterntiere bei Stresssituationen in ein aggressives
Verteidigungsverhalten. Deshalb schielte ich mit dem rechten Auge immer nach
Fluchtmöglichkeiten. Dafür eigneten sich in diesem Bereich des Kolonnenweges
Kiefern, die schon im unteren Bereich des Stammes starke Äste hatten. Bei
einer Flucht wären diese Kiefern selbst mit einem Rucksack leicht zu
besteigen. Erst als die Wildschweine tiefer im Wald verschwanden, atmete ich
auf. Trotzdem blieb ich noch die nächsten Kilometer sehr aufmerksam.
Abreise
Die Entscheidung die Wandertour abzubrechen traf ich relativ kurzfristig.
Am Point Alpha (bei Geisa), wo es eine Ausstellung über die ehemalige
innerdeutsche Grenze gibt, befindet sich auch eine Bushaltestelle.
Über die Stationen
-Eisenach (von Point Alpha (bei
Geisa) mit dem Bus)
-Erfurt (von Eisenach mit der
ICE-Bahn),
-Halle (Saale) (von Erfurt mit der
ICE-Bahn) und
-Schochwitz (von Halle (Saale) mit
dem Bus)
bin ich relativ schnell in meinem Heimatdorf angekommen. Und das fast ohne
Verspätung.
Wenn das doch immer so pünktlich klappen würde.
Statistik
Die Planung dieser Wandertour hat insgesamt
43 Tagesetappen unterschiedlicher Länge ergeben. Durch den engen
zeitlichen Rahmen zwischen den zwei Corona-Impfterminen am 21.Mai und
1.Juli schrumpfte der geplante Zeitraum von 43 Tagen auf 40 Tage
zusammen.
Was daraus wurde, kann auch an den nachfolgenden statistischen Daten
abgelesen werden.
Streckenlänge…
…Grobplanung
1000 km
…Feinplanung
1196 km
…tatsächlich gelaufen, Teil1
776 km
…Rest, Teil
2
420 km
Anreise- und Starttag
22.Mai 2021
Letzter Tag und Abreisetag
18.Juni 2021
Tage gesamt Teil
1…
28
…davon
Wandertage
27
…davon Ruhetage
(Zero-Days)
1
Tagesetappen
gesamt…
27
…davon < 15 km
(Nero-Days) 2 (Tag vor dem
Ruhetag und Abreisetag)
…davon 15 - 19
km
3
…davon 20 - 29
km
2
…davon 30 - 39
km
19
…davon >= 40
km
1
Längste
Tagesetappe….
45 km
Kürzeste
Tagesetappe…
11 km (Abreisetag)
Tagesdurchschnitt…
…mit
Ruhetagen
27,71 km/Tag
…ohne
Ruhetage
28,74 km/Tag
Übernachtungen
gesamt…
27
…davon im
Tarp
15
…davon im
Unterstand
2
…davon in
Schutzhütte
2
…davon auf Tier-Beobachtungsturm
1
…davon in
Pension
1
…davon in
Hotel
4
…davon in
Ferienwohnung
1
…davon in
Pilgerherberge
1
Wetter
gesamt….
28
…davon
Sonnentage
19
…davon bedeckte
Tage
6
…davon
Regentage
3
Tracks, Wegpunkte und Bilder
Wie immer gibt es am Ende des Berichts noch einen Hinweis auf wichtige
Daten meiner Wandertour. Das sind vor allem meine eigenen Tracks und
Wegpunkte, die ich zur Navigation verwendete.
Auf der rechten Seite meines Blogs befindet sich das Tourenverzeichnis.
Hinter der Zeichenkette „GPX“ versteckt sich in den meisten Fällen
ein Link, der in ein GoogleDrive-Verzeichnis verzweigt. In diesem
Verzeichnis ist eine Datei zu finden. Diese Datei enthält die Tracks und
Wegpunkte der Wandertour.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass die in
dem Link veröffentlichten Tracks meine eigenen Tracks sind. Die
Original-Tracks des „Grünen Bandes“, die in dem einen oder anderen
Wanderführer hinterlegt sind, kenne ich nicht. Deshalb werden meine Tracks
öfters von den Original-Tracks abweichen.
Bilder von meiner Wandertour stelle ich sehr gerne zur Verfügung. Der Link
verzweigt in ein GoogleDrive-Verzeichnis.
Zusätzlich befindet sich auf der rechten Seite meines Blogs im
Tourenverzeichnis die Zeichenkette „Bilder“, hinter der sich
ebenfalls ein Link zu den Bildern der Wandertour befindet.
Fazit
Bei der Planung der Wandertour ahnte ich bereits, dass ich auf einige
Schwierigkeiten treffen würde, was die Streckenführung angeht. Aber meine
Befürchtungen sollten noch weit übertroffen werden. Auf manchen Tagesetappen
türmten sich gewaltige Wegeprobleme vor mir auf. Damit hatte ich nicht
gerechnet. Diese Probleme ließen sich immer lösen, waren aber oft mit großen
Umwegen verbunden.
Trotzdem war das eine sehr interessante Wandertour. Ich erfuhr viel über
die deutsche Geschichte.
Ich traf auch viele Menschen. Überraschenderweise mehr als auf anderen
Wandertouren. Auch damit hatte ich nicht gerechnet. Ich nahm im Vorfeld an,
dass ich mich im „Niemandsland“ bewegen würde. Aber dem war nicht so. In
vielen Gebieten ist überhaupt nicht mehr zu sehen, dass es da mal eine
unüberwindbare Grenze mitten in Deutschland gegeben hat.
Ausblick
Den 2.Teil der Wandertour (420 km) werde ich auf jeden Fall noch
absolvieren. Diese Wandertour wird erst zu den Akten gelegt, wenn sie
vollständig realisiert ist.
Nachtrag (Mai 2023)
Im Mai 2023 holte ich den 2.Teil des
Grünen Bandes
nach.
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