…so heißt es wohl in einem Sprichwort.
Und das ist durchaus
wörtlich zu nehmen.
Denn meine erste Mehrtageswanderung mit
Übernachtung im Freien unternahm ich im Mai 2015 auf dem Rennsteig.
Mein damaliges Rucksackgewicht war ca. 20 kg. Ich weiß jetzt nicht
mehr genau, ob ich da schon das Wasser und die Nahrung abgezogen habe.
Aber eins weiß ich ganz genau, ich hatte nach einer Wanderpause immer
gewaltige Probleme den Rucksack auf meine Schultern zu „wuchten“. Gleich
am Anfang dieser Tour traf ich einen amerikanischen Wanderfreund, den
Patrick aus Berlin, nach dem Aufstieg aus dem Startort Hörschel bei
Eisenach. Er hat sofort gesehen, dass ich enorme Probleme mit dem Gewicht
hatte. Es hat mich förmlich nach hinten gezogen. Nach der Begrüßung in
perfektem Deutsch hat er mir sofort einen Tipp gegeben. Die Hüfte muss die
meiste Last des Rucksacks tragen. Deshalb muss der Hüftgurt sehr straff
angezogen werden. Die Schultergurte sollen nur verhindern, dass der
Rucksack nicht nach hinten wegkippt. Das beherzigte ich und von da an ging
es etwas besser. Aber noch lange nicht optimal. Als Rucksack benutzte ich
erstmalig auf dieser Tour einen Atmos AG 50 von Osprey. An dem
Rucksack hat mich, wie bei allen Rucksäcken von Osprey, das Tragesystem
überzeugt. Der Rucksack selbst wiegt 1990 g, hat also ein gewaltiges
Eigengewicht.
Die Tour absolvierte ich trotzdem in 5 Tagen.
Irgendwann
gönnte ich mir dann einen zweiten Rucksack von Osprey, den
Kestrel 38 (1420 g). Mit diesem Rucksack führte ich in der
Folgezeit viele Tages- und Mehrtageswanderungen durch. Den benutze ich
übrigens auch heute noch auf Tageswanderungen um meine
Ultraleicht-Rucksäcke zu schonen.
Die erste
Langstreckenwanderung auf dem europäischen Fernwanderweg E9 an der
Ostsee (200 km in 12 Tagen, 10 Wandertage, 2 Zero-Days) mit meiner Frau im
Juli/August 2016 war dann das Schlüsselerlebnis. Natürlich trug ich
auch bestimmte Ausrüstungsgegenstände meiner Frau, dass sie etwas beim
Wandern entlastet wird und nicht gleich die Lust am Wandern verliert. Aber
mir wurde langsam klar, dass ich etwas wegen dem Gewicht der Ausrüstung
machen musste.
Nach der Wanderung stellte ich meinen Rucksack
in einen Raum und habe jeden Ausrüstungsgegenstand, von A bis Z, also von
der Armbanduhr bis zum Zelt, vom Ausweis bis zum Zahnstocher, namentlich
erfasst und mit einer Küchenwaage grammgenau abgewogen. Daraus erstellte
ich dann eine Excel-Datei und ergänzte diese um weitere Informationen, wie
Kategorie, Hersteller, auf der Wanderung benutzt oder nicht benutzt. Als
letzten Punkt bildete ich natürlich die Summen für die einzelnen
Kategorien, wie Kleidung, Kochen, Übernachtung usw. Aus den
Kategoriesummen ergab sich dann die Gesamtsumme. Später zog ich dann von
der Gesamtsumme noch das Gewicht für die Rest-Nahrung ab, die ich noch im
Rucksack hatte, um auf das Basisgewicht zu kommen.
Das Ergebnis
war das Gewicht von 17332 g. Diese Zahl steht noch heute, besonders
markiert und farblich hervorgehoben, in meiner Excel-Datei als
Ausgangspunkt für alle weiteren Gewichtseinsparmaßnahmen.
Ungefähr um diese Zeit recherchierte ich intensiv im Internet
und bin auf Begriffe, wie Ultraleicht-Wandern (Ultralight-Trekking),
Packliste und Basisgewicht gestoßen. Im Menüpunkt
Verschiedenes
erkläre ich diese Begriffe. Ich traf diese Begriffe zwar auch schon vorher
im Internet an den unterschiedlichsten Stellen an, aber gedanklich hatte
mich diese Thematik noch nicht erreicht. Das sollte sich jetzt schlagartig
ändern.
Ich beschäftigte mich mit folgenden Fragen:
1)
Wie machen das andere Wanderer mit ihren Packlisten?
2) Welche
Ausrüstungsgegenstände benutzen sie?
3) Wie reduzieren sie ihr
Basisgewicht?
4) Was kostet Ultraleicht-Ausrüstung?
5)
In welchen Shops kann man diese Ausrüstung beziehen?
6) Wie
weit kann man gehen, um den Komfort und die Sicherheit nicht ganz außen
vor zu lassen?
Von diesem Zeitpunkt an war ich mitlesender
Dauergast in Foren und Blogs. Ich verfolgte die spannenden Diskussionen um
die Packlisten und mir wurde klar, dass ich da etwas unternehmen
musste.
Dann sah ich sie, diese ominöse Zahl. Die
Ultraleicht-Experten gehen mit ca. 4-5 kg Basisgewicht, je nach
Jahreszeit, auf eine Langstreckenwanderung. Erst dachte ich, dass das ein
Schreibfehler ist. Aber immer öfter tanzte diese Zahl vor meinen Augen
herum. Es musste wahr sein.
Wie zum Teufel, bitte entschuldigt
diesen Ausdruck, soll ich von aktuell 17,3 kg Basisgewicht auf
4,3 kg Basisgewicht kommen, um als Ultraleicht-Wanderer
(Basisgewicht weniger als 10 lbs (amerikanische Pfund) = 4,536 kg) zu
gelten?
Wie soll ich ca. 13 kg „abspecken“, ohne dass ich zu viel an
Komfort und Sicherheit verliere?
Für mich war das am Anfang
unvorstellbar. Schnell kristallisierten sich vier Punkte heraus, die ich
überprüfen musste.
1) Überflüssige Ausrüstung muss
weg
2) Leichtere Ausrüstung muss her
3) Die
Mehrfachnutzung von Ausrüstung muss geprüft werden
4) Der
Selbstbau von Ausrüstung muss ebenfalls geprüft werden
Die
vier Punkte arbeitete ich nicht der Reihe nach ab, sondern so wie es sich
angeboten hat. Den Selbstbau von Ausrüstung (Punkt 4, MYOG, Make Your Own
Gear) probierte ich z.B. an einem Dosenkocher, bestehend aus zwei
Getränkedosen, aus. Das hat gut funktioniert und der Kocher wog nur 5 g
und war voll funktionsfähig. Aber seit Herbst 2016 gehöre ich der
NoCooking-Fraktion (Ich koche nicht) an.
Ratet mal, was der Grund war?
Natürlich Gewichtsgründe. Für die vier Punkte durchforstete ich meine
Excel-Packliste von oben nach unten und von links nach rechts nach
Einsparpotential. Fast jeden Tag dachte ich darüber nach, was ich
weglassen bzw. verändern kann.
Vor meiner Langstreckenwanderung
in Norwegen im Juli 2017 auf dem Olavsweg (643 km in 26 Tagen)
stand ich mit meiner Packliste bei ungefähr 11,5 kg. Ganz genau
kann ich das nicht mehr beziffern, weil sich meine Packliste fast täglich
geändert hat.
Nach meiner Wanderung in Norwegen durchlief ich
mit meiner Ausrüstung nochmals die gleiche Prozedur. Alles auf das Gramm
genau gewogen, festgestellt, was benutzt wurde und was nicht. Im Internet
geprüft, ob es leichtere Ausrüstung gibt.
Zu
Langstreckenwanderungen in den 3 Jahreszeiten (Frühjahr, Sommer, Herbst)
trete ich aktuell mit einem Basisgewicht von 4286 g an. Ich sparte
also gegenüber dem Startwert von 17332 g etwas mehr als
13 kg ein. Das ist schon nicht schlecht. Aber das reicht mir noch
nicht ganz. Mein Ziel ist ein Basisgewicht von unter 4 kg. Ich will
unbedingt die 4-kg-Grenze knacken. Natürlich kenne ich meine aktuellen
„Gewichtsbringer“, wie zB die Hygiene-, Kleidungs- oder Medizin-Kategorie.
Dort steckt noch etwas Einsparpotential drin.
Jetzt wird sich mancher fragen, warum ich nicht gleich auf den
Ultraleicht-Zug aufgesprungen bin. Schließlich kann das alles im Internet,
in Büchern, in Foren und in Blogs nachgelesen werden. Bei mir war das aber
ein langwieriger und teilweise von Misserfolgen geprägter
Erkenntnisprozess über mehrere Jahre hinweg. Die wenigsten
Langstreckenwanderer gehen sofort ultraleicht los. Vielmehr wird das bei
den meisten ein ähnlicher Erkenntnisprozess gewesen sein. Das erkenne ich
aus vielen Forums- und Blog-Beiträgen.
Wenn ich jetzt aber eine Langstrecken-Radtour planen müsste,
würde ich natürlich meine Wandererfahrungen in die Planung einfließen
lassen. Als Radfahrer würde ich also sofort ultraleicht losfahren.
Und auch im Privat- und Berufsleben spielt der Ultraleicht-Gedanke eine
immer größere Rolle. Urlaube, egal wie lang, werden nur noch mit
Rucksack bestritten, der nur die unbedingt notwendigen Dinge enthält.
Reisetaschen und Koffer haben ausgedient. Unbenutzte Kleidung gibt es
nicht mehr. Mein „Urlaubs-Rucksack“ geht im Flieger locker als
Handgepäck durch. Ähnlich verhält es sich im Berufsleben. Dort bin ich
schon seit vielen Jahren nur noch mit einem Rucksack unterwegs.
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