Idee
In den letzten Jahren nutzte ich auch die Winterzeit, speziell die Monate Februar und März, für längere Wandertouren. Das geht natürlich wegen des Wetters nicht ohne Probleme in Deutschland. Dafür musste ich in den Süden Europas ausweichen. Spanien und auch Portugal sind mit ihren Jakobswegen ideale Wanderregionen für diese Jahreszeit. Nicht umsonst gibt es ein Wanderprojekt Jakobswege in Spanien und Portugal in meinen Wanderprojekten, das solche Wandertouren enthält.
Nachdem feststand, dass ich den Jakobsweg Caminho Portugues von Lissabon nach Santiago de Compostela (SdC) gehen wollte, fragte mich meine Enkeltochter Lilly, ob sie mich ein Stück auf dem Jakobsweg begleiten kann. Sie hatte sich vorgestellt mich ab Porto zu begleiten. Das sind ca. 250 km bis nach SdC. Für eine erste Wandertour über mehrere Tage ist das ein sehr sportliches Unterfangen.
In den letzten Jahren nutzte ich auch die Winterzeit, speziell die Monate Februar und März, für längere Wandertouren. Das geht natürlich wegen des Wetters nicht ohne Probleme in Deutschland. Dafür musste ich in den Süden Europas ausweichen. Spanien und auch Portugal sind mit ihren Jakobswegen ideale Wanderregionen für diese Jahreszeit. Nicht umsonst gibt es ein Wanderprojekt Jakobswege in Spanien und Portugal in meinen Wanderprojekten, das solche Wandertouren enthält.
Nachdem feststand, dass ich den Jakobsweg Caminho Portugues von Lissabon nach Santiago de Compostela (SdC) gehen wollte, fragte mich meine Enkeltochter Lilly, ob sie mich ein Stück auf dem Jakobsweg begleiten kann. Sie hatte sich vorgestellt mich ab Porto zu begleiten. Das sind ca. 250 km bis nach SdC. Für eine erste Wandertour über mehrere Tage ist das ein sehr sportliches Unterfangen.
Planung
Nach mehreren Diskussionsrunden im Familienkreis stand der grobe Zeitplan fest und ich begann mit der Feinplanung der Wandertour.
Dreh- und Angelpunkt der kompletten Zeitplanung war der Anreisetag meiner Enkeltochter mit dem Flugzeug nach Porto. Dafür hatten wir den
5.März
auserkoren. Alle andere Termine, auch mein Anreisetag, mussten sich nach diesem Datum ausrichten. Für mich war das überhaupt kein Problem. Im Winter hatte ich wenige feste Termine, was die Planung enorm erleichterte.
Zuerst besorgte ich mir Tracks für den Jakobsweg aus dem Internet. Wie vermutet, waren die Tracks von schlechter Qualität. Aber damit hatte ich gerechnet. Die Tracks aus dem Internet dienten mir aber als Vorlage für die Erstellung meiner eigenen Tracks. Zusätzlich glich ich die so erstellten Tracks mit der App mapy.cz ab. Die App enthält bereits vorinstalliert den Jakobsweg Caminho Portugues.
Nach der Planung der Tracks hatte ich die genauen Längen der einzelnen Teilstücke. Von Lissabon bis Porto waren es genau 376 km. Von Porto bis nach SdC, je nach Variante, 244 km bis 255 km. Die einzelnen Varianten von Porto nach SdC, ob Land- oder Küstenweg, unterschieden sich also nur um wenige Kilometer.
Jetzt ging es um die Unterkünfte. Ich persönlich wäre flexibel gewesen, aber meine Enkeltochter wollte unbedingt in Herbergen übernachten und nur im äußersten Notfall im Zelt.
Für die Unterkünfte stützte ich mich hauptsächlich auf die Informationen der Internetseite gronze.com.
Bei der Planung des letzten Jakobsweges Camino de Levante bezog ich die Unterkünfte direkt in die Tracks mit ein. Ich wanderte also von Unterkunft zu Unterkunft. Das veränderte ich diesmal etwas. Tracks richtete ich nicht mehr nach den Unterkünften aus, sondern plante sie, wie es die Tracks aus dem Internet vorgaben. Unterkünfte plante ich als spezielle Wegpunkte, die rechts und links des Tracks lagen.
Nach mehreren Diskussionsrunden im Familienkreis stand der grobe Zeitplan fest und ich begann mit der Feinplanung der Wandertour.
Dreh- und Angelpunkt der kompletten Zeitplanung war der Anreisetag meiner Enkeltochter mit dem Flugzeug nach Porto. Dafür hatten wir den
5.März
auserkoren. Alle andere Termine, auch mein Anreisetag, mussten sich nach diesem Datum ausrichten. Für mich war das überhaupt kein Problem. Im Winter hatte ich wenige feste Termine, was die Planung enorm erleichterte.
Zuerst besorgte ich mir Tracks für den Jakobsweg aus dem Internet. Wie vermutet, waren die Tracks von schlechter Qualität. Aber damit hatte ich gerechnet. Die Tracks aus dem Internet dienten mir aber als Vorlage für die Erstellung meiner eigenen Tracks. Zusätzlich glich ich die so erstellten Tracks mit der App mapy.cz ab. Die App enthält bereits vorinstalliert den Jakobsweg Caminho Portugues.
Nach der Planung der Tracks hatte ich die genauen Längen der einzelnen Teilstücke. Von Lissabon bis Porto waren es genau 376 km. Von Porto bis nach SdC, je nach Variante, 244 km bis 255 km. Die einzelnen Varianten von Porto nach SdC, ob Land- oder Küstenweg, unterschieden sich also nur um wenige Kilometer.
Jetzt ging es um die Unterkünfte. Ich persönlich wäre flexibel gewesen, aber meine Enkeltochter wollte unbedingt in Herbergen übernachten und nur im äußersten Notfall im Zelt.
Für die Unterkünfte stützte ich mich hauptsächlich auf die Informationen der Internetseite gronze.com.
Bei der Planung des letzten Jakobsweges Camino de Levante bezog ich die Unterkünfte direkt in die Tracks mit ein. Ich wanderte also von Unterkunft zu Unterkunft. Das veränderte ich diesmal etwas. Tracks richtete ich nicht mehr nach den Unterkünften aus, sondern plante sie, wie es die Tracks aus dem Internet vorgaben. Unterkünfte plante ich als spezielle Wegpunkte, die rechts und links des Tracks lagen.
Die Art (Symbol, Farbe) des Wegpunktes gibt Auskunft über die Bedeutung des Wegpunktes:
-grünes Dreieck öffentliche Pilgerherberge
-rotes Dreieck sonstige Herbergen, Hostals usw. mit einem Preis/Nacht < 20 €
-roter Punkt spezielle Geschäfte (Aldi, Lidl, Decathlon usw)
-blauer Punkt Tagesetappen des ursprünglichen Tracks aus dem Internet
Alle anderen Wegpunkte, wie Kathedralen, Campingplätze usw, sind selbsterklärend.
Die Positionen aller Unterkünfte, egal ob Pilgerherberge oder normale Herberge, glich ich zusätzlich noch mit Google Maps ab.
Für den Jakobsweg Caminho Portugues gibt es auch einen Reiseführer des OUTDOOR-Verlags (Nr. 185). Die Unterkünfte der größeren Ortschaften überprüfte ich abschließend noch mit dem Reiseführer.
So ergab sich ein ziemlich dichtes Netz von preiswerten Unterkünften, wo für jede Tagesetappe etwas zu finden wäre.
Vorbereitung
Die Vorbereitung auf längere Wandertouren läuft seit einiger Zeit immer ziemlich identisch ab. Weil diese Wandertouren meist langfristig geplant werden, kann ich die Vorbereitung zeitlich gut einordnen. Der Periodische Trainingsplan, den ich im Thema-E7 genau beschrieb, ist mir da eine wertvolle Hilfe gewesen. Mit diesem Plan bereitete ich mich auf die Wandertour vor.
Meine Enkeltochter versprach mir am Telefon möglichst oft zu trainieren.
Anreise
Wegen der Anreise zum Startpunkt nach Lissabon habe ich lange überlegt, wie ich das realisieren könnte. Schließlich entschied ich mich für eine Anreise mit dem Flixbus. Das wollte ich schon immer einmal ausprobieren. Jetzt hatte ich die Gelegenheit dazu.
Meine Anreise musste ich so planen, dass ich auf keinen Fall zu spät in Porto eintreffen würde. Das wäre der Supergau. Bei einem Durchschnittstempo von 25 km pro Tag bräuchte ich für die 376 km von Lissabon nach Porto ca. 16 Tage. Wenn ich mir die größeren Städte Coimbra und Porto genauer anschauen will, muss ich mindestens 4 weitere Tage aufschlagen. Auch Verletzungspausen (Ruhetage) durfte ich nicht aus den Augen verlieren. Insgesamt kalkulierte ich mit ca. 20 Tagen für die Strecke von Lissabon nach Porto. Das ist ziemlich großzügig geplant, aber man weiß ja nie.
Ein Blick auf den Fahrplan von Flixbus verriet mir, dass ich am
11.Februar
in Leipzig mit dem Flixbus starten musste, wenn ich meinen Zeitplan einhalten wollte.
So war der Fahrplan:
(1) 11.02.2024, 23:35 Uhr: Start in Leipzig am Fernbusbahnhof (Sachsenseite 3)
neben dem Hauptbahnhof
(2) 12.02.2024, 13:35 Uhr: Ankunft in Paris-Bercy auf dem Fernbusbahnhof
(3) 12.02.2024, 15:00 Uhr: Start in Paris-Bercy am Fernbusbahnhof
(4) 13.02.2024, 18:10 Uhr: Ankunft auf dem Busbahnhof in Lissabon
Insgesamt waren das ca. 43 Stunden Fahrzeit.
Wollte ich das wirklich?
Mehrere Tage überlegte ich, welche anderen Möglichkeiten es geben würde. Nach reiflicher Überlegung buchte ich die Busfahrt für ca. 85€. Ein Flug hätte ähnliche Kosten verursacht.
Die Busfahrt von Leipzig nach Paris-Bercy verlief relativ entspannt. Die polnischen Busfahrer machten nur die notwendigen Pausen und zogen ihr Programm durch. Fast pünktlich erreichten wir den Busbahnhof in Paris-Bercy.
Auf dem riesigen Busbahnhof in Paris-Bercy hatte ich erstmal Orientierungsschwierigkeiten.
Vor den 2 Info-Bildschirmen, die nicht größer als ein normales Fernsehgerät waren, versammelten sich riesige Trauben von Fahrgästen. Alle warteten auf die Anzeige „ihres“ Busses. 15 Minuten vor der regulären Abfahrt meines Busses nach Lissabon wurde ich etwas unruhig. Auf dem Busbahnhof gab es ca. 70 Haltestellen. Irgendwann musste auch mein Bus auf einem Info-Bildschirm erscheinen. Dann war es endlich soweit und die Nummer meiner Busfahrt erschien auf dem Info-Bildschirm. Zum Glück stand ich gerade in der Nähe meiner Abfahrtsstelle.
Bild 4: Mein Bus für die Fahrt nach Lissabon |
Wenn ich ehrlich bin, war ich etwas erschrocken über den Bus für das zweite Teilstück von Paris-Bercy nach Lissabon. Sein Alter hat man dem Bus schon angesehen. Gegenüber dem Bus für das erste Teilstück von Leipzig nach Paris-Bercy war das ein gewaltiger Unterschied. Als den Fahrgästen dann noch mitgeteilt wurde, dass die Toilette nicht genutzt werden kann, ahnte ich nichts Gutes.
Aber die beiden spanische Busfahrer waren vollkommen tiefenentspannt. Schon beim Verstauen des Gepäcks gingen sie auf meine speziellen Wünsche ein. Ich bat sie meinen Rucksack zwischen zwei Koffer zu stellen, so dass der Rucksack stehen konnte.
Zu meiner großen Überraschung verlief dieser Teil der Busfahrt unglaublich entspannt. Die Busfahrer machten viele kurze und auch längere Pausen. So konnten sich die Fahrgäste die Füße vertreten, eine Toilette aufsuchen oder etwas essen und trinken.
Zu meiner größten Überraschung erreichten wir den Busbahnhof in Lissabon fast auf die Minute pünktlich.
Am Busbahnhof in Lissabon gönnte ich mir ein Taxi für die Fahrt zu meiner Airbnb-Unterkunft, die ich gegen 19 Uhr erreichte.
Insgesamt war die Busfahrt, speziell wegen der zeitlichen Dauer, kein Problem für mich.
Es gibt aber einen Kritik-Punkt, den ich nicht verschweigen will.
Das ist die Gepäcksituation.
Für das Gepäck besitzen die Reisebusse große Klappen an beiden Seiten des Busses. Die Busfahrer verstauen höchstpersönlich das Gepäck. Das ist nicht das Problem. Das Problem sehe ich bei der Gepäckentnahme, wenn Fahrgäste mitten in der Nacht aussteigen. Oft wühlen die Fahrgäste dann höchstpersönlich in den Gepäck-Laderäumen herum und suchen ihre Gepäckstücke. Meistens geschieht das unter Aufsicht der Busfahrer. Ich beobachtete aber schon, dass nicht beide Seiten gleichzeitig durch die Busfahrer kontrolliert werden. Das bietet natürlich die Möglichkeit für den Diebstahl von Gepäckstücken. Außerdem könnten Fremde in der Dunkelheit an einen stehenden Bus herantreten und einfach Gepäckstücke entnehmen. Niemand würde das bemerken.
Die spanischen Busfahrer haben beim Packen der Gepäckstücke Nummern vergeben. Beim Aussteigen und dem Entnehmen der Gepäckstücke hat das aber aus Zeitgründen niemand kontrolliert.
Für mich ist diese Gepäcksituation bei Busfahrten unbefriedigend gelöst. Wenn ich an den Wert meiner Ausrüstung denke, die da im Rucksack steckt, wird mir etwas „mulmig“ zumute.
Nicht auszudenken, wenn mein Rucksack gestohlen worden wäre…
Strecke/Wanderung
Nach einer „längeren“ Pause von fast fünf Jahren war das mein 4.Jakobsweg.
Es gibt aber einen Kritik-Punkt, den ich nicht verschweigen will.
Das ist die Gepäcksituation.
Für das Gepäck besitzen die Reisebusse große Klappen an beiden Seiten des Busses. Die Busfahrer verstauen höchstpersönlich das Gepäck. Das ist nicht das Problem. Das Problem sehe ich bei der Gepäckentnahme, wenn Fahrgäste mitten in der Nacht aussteigen. Oft wühlen die Fahrgäste dann höchstpersönlich in den Gepäck-Laderäumen herum und suchen ihre Gepäckstücke. Meistens geschieht das unter Aufsicht der Busfahrer. Ich beobachtete aber schon, dass nicht beide Seiten gleichzeitig durch die Busfahrer kontrolliert werden. Das bietet natürlich die Möglichkeit für den Diebstahl von Gepäckstücken. Außerdem könnten Fremde in der Dunkelheit an einen stehenden Bus herantreten und einfach Gepäckstücke entnehmen. Niemand würde das bemerken.
Die spanischen Busfahrer haben beim Packen der Gepäckstücke Nummern vergeben. Beim Aussteigen und dem Entnehmen der Gepäckstücke hat das aber aus Zeitgründen niemand kontrolliert.
Für mich ist diese Gepäcksituation bei Busfahrten unbefriedigend gelöst. Wenn ich an den Wert meiner Ausrüstung denke, die da im Rucksack steckt, wird mir etwas „mulmig“ zumute.
Nicht auszudenken, wenn mein Rucksack gestohlen worden wäre…
Strecke/Wanderung
Nach einer „längeren“ Pause von fast fünf Jahren war das mein 4.Jakobsweg.
Besonders würde dieser Jakobsweg werden, weil mich ab Porto meine Enkeltochter Lilly begleiten wollte.
In meinem Airbnb-Zimmer in Lissabon traf ich auf fünf Jugendliche (zwei deutsche Mädchen, ein Pole, ein Australier und ein Israeli). Die Jugendlichen verließen gegen Abend das Zimmer und stürzten sich in das Nachtleben von Lissabon. Ihre Ziele waren die Faschingsveranstaltungen der Stadt. Die lange Busfahrt, bei der ich kaum schlief, forderte nun ihren Tribut. Ich konnte ausgezeichnet schlafen. Wann die Jugendlichen zurückkamen, kann ich nicht sagen.
Am Morgen war ich natürlich, wie fast immer, der erste Wanderer, der aufstand. Der „frühe Vogel fängt den Wurm“, so heißt es wohl in einer Redewendung. Die Jugendlichen schliefen noch fest. Am Vorabend hatte ich bereits meinen Rucksack „provisorisch“ gepackt. Mit wenigen Handgriffen sammelte ich im Schein der Stirnlampe meine Schlafutensilien ein und verließ leise das Zimmer. Niemand wurde wach.
Dann packte ich meinen Rucksack für die Wandertour und freute mich auf das Frühstück. Aber dann kam die etwas „unangenehme“ Überraschung. Ich war eine Stunde zu zeitig aufgestanden. Mein iPhone hatte irgendwie die Zeitverschiebung von Lissabon gegenüber Berlin „verpasst“. Frühstück gab es ab 7 Uhr, ich war aber bereits gegen 6 Uhr aufgestanden. So musste ich noch ca. eine Stunde warten. Nach dem Frühstück war ich gegen 8 Uhr bereit für meinen ersten Wandertag.
Start- und Endpunkte von Jakobswegen sind eigentlich immer Kathedralen. Das ist auch beim Caminho Portugues so. Der Startpunkt in Lissabon ist die dortige Kathedrale.
In meinem Airbnb-Zimmer in Lissabon traf ich auf fünf Jugendliche (zwei deutsche Mädchen, ein Pole, ein Australier und ein Israeli). Die Jugendlichen verließen gegen Abend das Zimmer und stürzten sich in das Nachtleben von Lissabon. Ihre Ziele waren die Faschingsveranstaltungen der Stadt. Die lange Busfahrt, bei der ich kaum schlief, forderte nun ihren Tribut. Ich konnte ausgezeichnet schlafen. Wann die Jugendlichen zurückkamen, kann ich nicht sagen.
Am Morgen war ich natürlich, wie fast immer, der erste Wanderer, der aufstand. Der „frühe Vogel fängt den Wurm“, so heißt es wohl in einer Redewendung. Die Jugendlichen schliefen noch fest. Am Vorabend hatte ich bereits meinen Rucksack „provisorisch“ gepackt. Mit wenigen Handgriffen sammelte ich im Schein der Stirnlampe meine Schlafutensilien ein und verließ leise das Zimmer. Niemand wurde wach.
Dann packte ich meinen Rucksack für die Wandertour und freute mich auf das Frühstück. Aber dann kam die etwas „unangenehme“ Überraschung. Ich war eine Stunde zu zeitig aufgestanden. Mein iPhone hatte irgendwie die Zeitverschiebung von Lissabon gegenüber Berlin „verpasst“. Frühstück gab es ab 7 Uhr, ich war aber bereits gegen 6 Uhr aufgestanden. So musste ich noch ca. eine Stunde warten. Nach dem Frühstück war ich gegen 8 Uhr bereit für meinen ersten Wandertag.
Start- und Endpunkte von Jakobswegen sind eigentlich immer Kathedralen. Das ist auch beim Caminho Portugues so. Der Startpunkt in Lissabon ist die dortige Kathedrale.
Bild 6: Kathedrale von Lissabon |
Meine Gedanken kreisten um den sogenannten „Startstempel“ und das „Startfoto“ vor der Kathedrale. Aber meine Vorahnung sagte mir, dass das nicht so einfach werden würde. Für portugiesische Verhältnisse war ich zeitig unterwegs. Ich umkreiste die Kathedrale, fand aber keine Eingangstür, die geöffnet war. Hilfesuchend schaute ich mich minutenlang in der Gegend um. Dabei konnte ich nicht erkennen, was irgendwie nach einer „Stempelstelle“ aussah. Auch Menschen traf ich in der Nähe der Kathedrale nicht. So musste auch das „Startfoto“ ausfallen. Schließlich entschloss ich mich loszugehen.
Die „Stempelsuche“ kostete mich mindestens eine halbe Stunde.
Auf den ersten Kilometern fand ich keine Jakobsweg-Markierungen. Ich navigiere zwar mit meinen eigenen Tracks, aber trotzdem freut man sich über den berühmten „Gelben Pfeil“.
Bild 7: Der Gelbe Pfeil für den Jakobsweg |
Schließlich sichtete ich den ersten gelben Pfeil. Trotzdem wunderte ich mich, dass der Jakobsweg im Stadtbereich von Lissabon nicht besser markiert ist.
Durch einen großzügig angelegten und modernen Stadtteil von Lissabon
am Fluss Tejo. An der Uferpromenade gab es wunderbare schattige Plätze und viele unterschiedliche Gaststätten, die zum Verweilen einluden.
Mein geplantes Tagesziel am ersten Wandertag war nach ca. 23 km eine öffentliche Pilgerherberge in der Ortschaft Alpriate. Auf keinen Fall sollten es mehr als 30 km werden. Im Vorfeld der Wandertour „stöberte“ ich in einem Jakobsweg-Forum herum. Speziell interessierte ich mich vor allem für Berichte über geänderte Wegführungen. Diese geänderten Wegführungen erfolgen oft sehr kurzfristig. Tatsächlich fand ich Berichte, dass die von mir geplante öffentliche Pilgerherberge nicht mehr betrieben wird. Der Grund für die Schließung war eine geänderte Wegführung. Solche kurzfristigen Änderungen sind in der Regel kein Problem und sind meistens sehr gut ausgeschildert. Trotzdem war das für mich von Interesse, weil von der geänderten Wegführung meine Übernachtungsmöglichkeit abhing. Plötzlich musste ich nicht nur 23 km laufen, sondern vielleicht sogar mindestens 30 km.
Aber solche Wegänderungen kannte ich von anderen Jakobswegen. Deshalb war ich überhaupt nicht beunruhigt.
Nach ca. 12 km kam ich an die Stelle, wo eine Änderung des Wegeverlaufs erfolgte.
Im Internet wurde darüber diskutiert, ob der Holzsteg entlang des Flussufers bereits begehbar ist. Ich konnte mich höchstpersönlich überzeugen, dass der Holzsteg begehbar war. Das ist ein wunderschöner Weg über Holzplanken, der sich über fast 7 km entlang des Flussufers des Tejo erstreckt. In regelmäßigen Abständen gab es schattige Pausenplätze. Von Läufern und Radfahrern wurde der Holzsteg intensiv genutzt. Jedenfalls musste ich höllisch aufpassen, dass mich Radfahrer nicht über den Haufen fahren.
In der Ortschaft Alverca fand ich dann eine ansprechende Herberge.
Dabei passierte ich unglaublich viele Industriegebiete, die alle in der Nähe des Flusses Tejo lagen.
Das war nicht besonders abwechslungsreich.
Einige Wochen vor dem Beginn meiner Wandertour hatte ich im Fernsehen von einem großen Unwetter in Spanien und Portugal gesehen und gehört.
Die Schäden waren noch einige Wochen später überall zu sehen. Felder standen unter Wasser und Wiesen waren überflutet.
Etwas enttäuscht war ich von der Stadt Santarem, die das Tagesziel der 3.Tagesetappe war. Das ist eine schöne Stadt, die auf einem Berg liegt, aber die öffentliche Pilgerherberge der Stadt war nicht mehr in Betrieb. Von einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung erhielt ich auf eine Nachfrage nur ein Achselzucken. So müssen die Wanderer auf Hostals und private Unterkünfte ausweichen. Diese sind in der Regel teurer als die öffentlichen Pilgerherbergen. Trotzdem fand ich an diesem Tag eine schöne und relativ preiswerte Unterkunft.
Bis zur Stadt Tomar, die ich gegen Mittag des 6.Tages nach ca. 150 km erreichte, war ich viel auf Straßen und Radwegen unterwegs.
Tomar hat mir sehr gut gefallen.
Tomar hat mir sehr gut gefallen.
Obwohl die Stadt ebenfalls keine öffentliche Pilgerherberge besitzt (Warum eigentlich nicht?), besitzt sie doch einige kleine aber feine Hostals.
Bild 14: Hostal 2300 in Tomar |
In dem sehr preiswerten und gut eingerichteten Hostal 2300 in Tomar hinterließen die Wanderer auf den weißen Wänden ihre Namen, Wohnorte, teilweise sogar Telefonnummern und nette Sprüche. Da gab es viel zu lesen und zu staunen, wer da alles schon in dem Hostal übernachtete.
Am Ende des 9.Tages erreichte ich nach ca. 250 km die Stadt Coimbra.
Eine kurze Berechnung des Tagesdurchschnitts von 28 km pro Tag ergab, dass ich viel zu schnell unterwegs war. Wenn ich so weiterlaufen würde, wäre ich einige Tage zu zeitig in Porto. Wandere ich alleine, liegt meine Tagesdurchschnitt oft weit über 30 km. Der Grund für dieses „vermeintlich“ hohe Wandertempo war der Umstand, dass „mein Herbergsnetz“ nicht so dicht war, wie ich es von den spanischen Jakobswegen kannte. Bei der Planung der Wandertour hatte ich mir alle öffentlichen Pilgerherbergen und alle privaten Hostals mit einem Übernachtungspreis unter 20 Euro als Wegpunkte neben und auf den Tracks gemerkt. Weil ich keine überteuerten Preise von manchmal 80 Euro und mehr für eine Übernachtung zahlen wollte, war ich gezwungen größere Strecken zwischen den ausgewählten Herbergen zurückzulegen.
Als Notbehelf hatte ich ja immer noch mein Tarp im Rucksack.
Das hätte ich an diesem 9.Wandertag auf dem Weg nach Coimbra auch erstmalig auf dieser Wandertour genutzt. Aber an diesem Tag, am ersten Regentag nach acht Sonnentagen, regnete es bis in den Abend hinein. So hatte ich keine Lust mein Tarp im Regen aufzubauen, im Tarp unter feuchten Bedingungen zu schlafen und am Morgen in noch feuchte Schuhe und Kleidung zu steigen.
Also bin ich an diesem Tag insgesamt 37 km auf wunderschönen Wanderwegen
bis nach Coimbra gelaufen. Das war eindeutig zu viel und den zuvor geschilderten Umständen geschuldet.
Das musste ich jetzt durch zwei zusätzliche Ruhetage in Coimbra kompensieren.
Gab es auf diesem Teilstück von Lissabon nach Coimbra irgendwelche Schwierigkeiten?
Nein, der Weg war bis auf einige Wegstrecken in Lissabon gut ausgeschildert. Nur einmal stand ich vor einem Problem. Meinen geplanten Weg
Das musste ich jetzt durch zwei zusätzliche Ruhetage in Coimbra kompensieren.
Gab es auf diesem Teilstück von Lissabon nach Coimbra irgendwelche Schwierigkeiten?
Nein, der Weg war bis auf einige Wegstrecken in Lissabon gut ausgeschildert. Nur einmal stand ich vor einem Problem. Meinen geplanten Weg
konnte ich nicht gehen, weil es das im Bild mit dem blauen Pfeil markierte Wegstück überhaupt nicht mehr gab. Zum Glück konnte ich dafür eine sehr akzeptable Umgehung finden.
Auch mit den Herbergen hatte ich keinerlei Schwierigkeiten. Weil ich immer sehr zeitig mein anvisiertes Tagesziel erreichte, fand ich ohne Probleme eine Unterkunft.
Es war zu merken, dass auf diesem Teilstück wesentlich weniger Wanderer unterwegs sind.
Die beiden Ruhetage nutzte ich zur ausführlichen Besichtigung von Coimbra.
Auch mit den Herbergen hatte ich keinerlei Schwierigkeiten. Weil ich immer sehr zeitig mein anvisiertes Tagesziel erreichte, fand ich ohne Probleme eine Unterkunft.
Es war zu merken, dass auf diesem Teilstück wesentlich weniger Wanderer unterwegs sind.
Die beiden Ruhetage nutzte ich zur ausführlichen Besichtigung von Coimbra.
Bild 17: Coimbra im Regen |
Bild 18: Kirchen in Coimbra |
An beiden Ruhetagen hat es fast den ganzen Tag geregnet. Deshalb stattete ich der einen oder anderen Kirche einen Besuch ab. Auch Cafés kamen nicht zu kurz.
Insgesamt waren das zwei erholsame Ruhetage in Coimbra.
Nach den zwei Ruhetagen ging es mit einem Regentag weiter. Wenn ich einmal auf Waldwegen wanderte, waren sie durch den Regen nur schwer zu begehen.
Wenn der Wald nicht zu dicht war, musste ich nach kleinen Umwegen am Rand des Weges suchen, die ich auch meistens fand.
Portugal ist eine überaus waldreiches Land. Das hätte ich so nicht erwartet. Das kann ich mir aber durch die Nähe zum Meer sehr gut erklären.
Bild 20: Eukalyptusbäume |
Wenn ich auf den sehr seltenen Waldwegen wanderte, ist mir immer ein besonderer Baum aufgefallen, der Eukalyptusbaum. Zum Zeitpunkt der Wandertour wusste ich nicht genau, was das für ein Baum ist. Erst zuhause und nach einer Recherche im Internet wurde mir klar, welcher Segen und Fluch in dem Baum steckt. Einmal ist es eine schnellwachsende Baumart, die für die Holz- und Papierwirtschaft in Portugal in den letzten Jahrzehnten eine sehr große Bedeutung erlangt hat. Auf der anderen Seite ist dieser spezielle Baum wegen seiner ätherischen Öle ein äußerst leicht entflammbarer Baum, der schon zu katastrophalen und großflächigen Waldbränden geführt hat.
Im Großraum der Stadt Porto ist man nur noch auf Straßen unterwegs.
Eine Ortschaft reihte sich an die andere Ortschaft. Die Pilgerherbergen waren größer und moderner und enthielten oft wesentlich mehr Betten.
Bild 21: Porto |
Am Freitag, 01.03.2024, erreichte ich um die Mittagszeit Porto. Obwohl ich sehr langsam gegangen bin, war ich natürlich viel zu zeitig in Porto. Am Montagabend würde Lilly mit dem Flieger eintreffen. Ich hatte jetzt also 3,5 Tage Zeit mir die Stadt anzuschauen.
Für die nächsten drei Nächte war ich in einer „Absteige“ untergekommen, so will ich mal das Hostal bezeichnen. Es war sehr preiswert und lag ziemlich zentral. Das waren die ausschlaggebenden Punkte für das Hostal. Mehr als schlafen wollte ich dort nicht.
Am Samstagvormittag war erstmal das Waschen der kompletten Wandersachen angesagt. Dafür musste ich mir einen Waschsalon suchen, den ich auch schnell fand.
Das war übrigens mein erster Besuch in einem Waschsalon. Nach dem Studium der Bedienungsanleitung, was mindestens fünf Minuten dauerte, startete ich mit etwas Skepsis den Waschvorgang.
Wer aufgepasst hat, müsste sich jetzt eine Frage stellen.
Welche Kleidung hatte ich an, wenn meine komplette Wanderkleidung in der Waschmaschine war?
Na klar, mit meiner Regenkleidung (Jacke und lange Hose und nichts drunter) saß ich im Waschsalon und harrte der Dinge, die da kommen würden. Regenkleidung wird, wenn überhaupt, nie unterwegs gewaschen. Selbst zuhause wasche ich meine Regenkleidung nur äußerst selten.
Endlich hatte ich wieder saubere Wanderkleidung und sie duftete herrlich nach Frühling.
Dann war eine erste Besichtigungstour in der Stadt angesagt. Porto hat mir vom ersten Augenblick sehr gut gefallen. Ziellos „tigerte“ ich durch die Innenstadt. Dabei schaute ich mir Kirchen und historische Gebäude an. Wenn es möglich war, ging ich auch in die Gebäude rein.
Porto ist mir auch im Sport, speziell im Fußball, ein Begriff. Schließlich sind dort zwei Fußballvereine der höchsten portugiesischen Liga beheimatet, der FC Porto und Boavista Porto. Der FC Porto ist der weitaus erfolgreichere Verein von den beiden Fußballklubs.
Dann durchzuckte mich eine Gedanke. Vielleicht hat einer der beiden Vereine am Wochenende ein Heimspiel in der portugiesischen Liga, das ich mir anschauen könnte. Zeit hatte ich ja genug. Eine Recherche im Internet ergab sehr schnell, dass es nicht nur „ein“ Heimspiel gab. Es war sogar das Topspiel der portugiesischen Liga, FC Porto gegen Benfica Lissabon. Das ist so als würde in Deutschland Bayern München gegen Borussia Dortmund spielen. Da musste ich mir unbedingt Karten besorgen.
Bild 24: Fan-Shop FC Porto |
Schnell fand ich den Fan-Shop des FC Porto. Dort sagte man mir, dass das Fußballspiel schon seit Tagen ausverkauft ist. Enttäuscht musste ich den Fan-Shop wieder verlassen.
Also setzte ich meine Besichtigungstour fort. Der Zufall führte mich in eine kleine Nebenstraße, die voller kleiner Geschäfte war. Ein Geschäft war der Fan-Shop der portugiesischen Fußball-Nationalmannschaft. Beiläufig fragte ich einen Verkäufer, ob es noch Karten für das Topspiel gibt. Er verneinte das mit dem Hinweis, dass evtl. noch auf einschlägigen Internet-Plattformen Karten verkauft werden. Er nannte mir den Namen viagogo. Bei einem Kaffee konnte ich tatsächlich noch eine Sitzplatzkarte für das Topspiel ergattern. Auf dieser Plattform werden Karten verkauft, die Leute aus den verschiedensten Gründen zurückgeben. Jedenfalls war ich sehr skeptisch und rechnete damit, dass ich evtl. einem Betrug aufgesessen sein könnte.
Bild 25: Unten am Fluss in Porto |
Bis Sonntagnachmittag hatte ich so ziemlich jede Ecke der Innenstadt von Porto erkundet. Langsam wurde ich unruhig, weil der Beginn des Fußballspiels näher rückte.
War meine im Internet erworbene Eintrittskarte ein Fake?
Zu Fuß lief ich von der Innenstadt zum Stadion. Dort schaute ich mich interessiert um. Dann war Einlass. Meine Eintrittskarte wurde anstandslos akzeptiert. Das war die erste Hürde. Langsam füllte sich das Stadion, auch die Plätze neben mir.
Wann würde der erste Fußballfan auftauchen und meinen Platz beanspruchen?
Aber niemand kam und machte mir meinen Platz streitig. Dann begann das Spiel und es wurde zur Gewissheit, dass ich auf der Internet-Plattform keinem Schwindel aufgesessen war. Alles lief rechtmäßig und legal ab.
Bild 26: Fußballspiel FC Porto gegen Benfica Lissabon |
Das Spiel war hochklassig. Der FC Porto gewann mit 5:0 gegen Benfica Lissabon. Die Stimmung im Stadion war bombastisch. So etwas hatte ich vorher noch nie erlebt.
Meine gute Stimmung an diesem Abend konnte auch nicht die Tatsache trüben, dass ich zu Fuß im Regen über eine Stunde vom Stadion bis zur Unterkunft laufen musste.
Am Montag hatte ich für meine Enkeltochter Lilly und mich ein Zimmer in einer Jugendherberge in Porto gebucht. Meine „Absteige“ in der Innenstadt von Porto wollte ich ihr nicht zumuten. Die Jugendherberge befand sich ca. 5 km außerhalb der Stadt am Ufer des Flusses Douro, der bei Porto in den Atlantik fließt.
Gegen Abend machte ich mich auf dem Weg zum Flughafen. Dafür nutzte ich die U-Bahn. Nach der Landung des Flugzeugs fuhren wir wieder mit der U-Bahn in die Innenstadt von Porto. Dort buchten wir einfach ein Taxi für die Fahrt zur Jugendherberge.
Am Dienstag, 05.03.2024, konnte endlich unser gemeinsames Abenteuer beginnen.
Zuvor musste aber noch geklärt werden, welche Wegevariante wir ab Porto gehen.
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Bild 27: „Kurzer“ Küstenweg bis Vila do Conde (grün) |
Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns erstmal für die „kurze“ Küstenvariante (grüner Weg). Von Porto bis Vila do Conde laufen wir an der Küste entlang und biegen dann evtl. ins Landesinnere ab. Bei Rates treffen wir dann wieder auf den ursprünglichen Landweg.
In Vila do Conde können wir dann immer noch entscheiden, ob wir doch die „lange“ Küstenvariante (roter Weg) gehen.
Erst in Caminha biegen wir dann an der spanischen Grenze ins Landesinnere in Richtung Tui ab.
Das war der grobe Plan für die nächsten Tage.
Diesmal wollte ich nicht auf das "Startfoto" vor der Kathedrale in Porto und den "Startstempel" verzichten.
Deshalb fuhren wir mit dem Taxi zur Kathedrale von Porto. Während der Fahrt mit dem Taxi sah ich sie. Sie, das waren andere Wanderer, die ebenfalls den Caminho Portugues in Porto starteten. Das war unschwer an den großen Rucksäcken zu erkennen. Ich zählte während dieser 5 km-Fahrt zur Kathedrale ca. 40 Wanderer. Sofort schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass die alle irgendwo nach 20 km schlafen wollen.
Waren die Herbergen auf diesen Ansturm vorbereitet?
Jedenfalls machten wir unser Startfoto vor der Kathedrale in Porto
und ein Foto des ersten Wegweisers mit dem Gelben Pfeil.
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Bild 30: Erster Wegweiser mit dem „Gelben Pfeil“ |
Anschließend organisierten wir uns noch den ersten Stempel für Lillys Pilgerausweis im nahen Info-Center. Nach der Erledigung der „Startformalitäten“ konnte es endlich losgehen.
Weil mir die vielen Wanderer auf dem Weg zur Kathedrale im Stadtinneren von Porto nicht aus dem Kopf gingen, dachte ich über einen „guten und schnellen“ Start der Wandertour nach.
Da fiel mir eine „alte“ Straßenbahn ein, die ich bei der Stadtbesichtigung in den letzten Tagen mehrmals sah. Die Straßenbahn war ein beliebtes Fotomotiv für die Touristen. Zufälligerweise fuhr die Straßenbahn genau auf unserer Wanderroute entlang, die uns aus Porto herausführte. Kurzentschlossen stiegen wir in die Straßenbahn ein. Andere Wanderer hatten den gleichen Gedanken. Wir fuhren mit der Straßenbahn bis zur Endhaltestelle, die in der Nähe der Jugendherberge lag, wo wir zuvor übernachteten.
Jetzt erfolgte der „echte“ Start.
Durch die Straßenbahnfahrt überholten wir eine große Anzahl von Wanderern, was mich wegen der Übernachtungssituation etwas beruhigte.
Bei herrlichem Wetter (Sonne und leichter Wind) wanderten wir an der Küste entlang. Zwar meistens auf Straßen und Radwegen, aber die grandiose Aussicht auf die Küste und das Meer machte diesen vermeintlichen Makel wieder wett.
Auf den ersten Tagesetappen wäre ich gern unter 20 km gelaufen. Aber vor allem die Übernachtungskosten (höchstens 20 Euro pro Person und Nacht) stellten mich bei der Planung vor große Probleme. Für die erste Tagesetappe blieb daher nur eine öffentliche Pilgerherberge nach 23 km in der Ortschaft Labruge übrig. Für eine erste Tagesetappe ist das eigentlich zu lang. Aber die Umstände zwangen uns dazu.
Unterwegs erhielten wir von anderen Wanderern die Information, dass die von uns anvisierte Pilgerherberge erst Mitte März ihren Betrieb aufnimmt. Plötzlich wurde aus einer geplanten Tagesetappe von 23 km eine Tagesetappe von 27 km. Denn dort wäre die nächste öffentliche Pilgerherberge gewesen.
Aber das Schöne an den Jakobswegen ist die Community. Ab Porto waren wesentlich mehr Wanderer unterwegs. Gesprächspartner fanden wir also oft. Drei Holländer, die wir unterwegs trafen, erzählten uns, dass in dem Ort der noch geschlossenen Pilgerherberge ein Campingplatz ist, der Bungalows vermietet. Diesen Campingplatz steuerten wir also an und konnten tatsächlich für die erste Übernachtung einen Bungalow unter 20 Euro pro Person buchen.
Zusätzlich besaß der Campingplatz noch einen kleinen Supermarkt und eine Gaststätte. Der erste Wandertag fand also einen sehr versöhnlichen Abschluss.
Meine Enkeltochter Lilly hatte nach dem ersten Tag mit muskulären Problemen zu kämpfen. Aber ich war zuversichtlich, dass sich das bis zum nächsten Morgen geben würde. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Am Abend der ersten Wandertage geht kaum noch etwas, am nächsten Morgen muss es dann wieder gehen. Erstaunlicherweise gehts es dann auch wieder…
Der nächste Wandertag hielt wunderbare Holzstege für uns bereit. Auf diesen Holzstegen gingen wir fast den ganzen Tag. Dadurch befanden wir uns immer in der Nähe der Küste und konnten das sonnige Wetter und die schönen Aussichten genießen.
An diesem Tag fielen mir auch viele Wanderer auf, die bereits über diverse Verletzungen klagten und das schon am zweiten Wandertag. Bei Gesprächen kristallisierten sich die üblichen Wanderverletzungen heraus. Blasen an den Füßen und auch Verletzungen an den Sehnen am Fuß. Diese Verletzungen entstehen nach meiner Erfahrung durch eine Überlastung. Viele Wanderer gehen in den Anfangstagen von Langstreckenwandertouren zu schnell oder legen zu lange Strecken zurück. Diese Lektion musste ich in der Vergangenheit auch erst auf schmerzliche Weise lernen.
Bild 35: Wo geht es entlang? |
In der Ortschaft Vila do Conde stand die nächste Entscheidung an.
Die Frage, ob wir hier in Richtung der Ortschaft Rates ins Landesinnere abbiegen oder ob wir bis zur Ortschaft Caminha weiter an der Küste entlang laufen, war schnell geklärt.
Meine Enkeltochter Lilly wollte weiter an der Küste laufen.
Gewünscht und getan…
Am Abend des zweiten Wandertages behandelte ich auch bei meiner Enkeltochter Lilly einige kleine Blasen und auch die immer noch vorhandenen leichten muskulären Probleme. Aber das waren alles keine gravierenden Dinge…
Die nächsten drei Tage waren reine Regentage. Teilweise hatten wir Hagel. Wir liefen manchmal in Strandnähe, aber auch viel auf Straßen. Bei Regenwetter läuft es sich auf Straßen wesentlich leichter.
Die meisten Wanderer, die wir trafen, waren natürlich deutsche Wanderer.
Ein Wanderer mit einem Riesen-Rucksack.
Vor der Ortschaft Caminha entschlossen wir uns nochmal in der Nähe des Strandes zu wandern. Wegen des Regenwetters war das nicht so einfach.
Für die Wetterunbilden und die sehr schwer passierbaren Wanderwege wurden wir mit „herrligsten“ Naturansichten belohnt.
In der Stadt Caminha erreichten wir am Fluss Minho/Mino die spanische Grenze. Unser weiterer Weg führte uns nun zwei Tage am Grenzfluss entlang bis zur portugiesischen Grenzstadt Valenca. Gegenüber liegt die spanische Grenzstadt Tui.
In Valenca stößt der „lange“ Küstenweg wieder auf den ursprünglichen Landweg. Der Landweg ist der eigentliche Jakobsweg. Aber viele Wanderer gehen an der Küste entlang. So ist der „kurze“ oder „lange“ Küstenweg eine echte Alternative geworden. Selbst im OUTDOOR-Reiseführer wird der Küstenweg als „Hauptweg“ empfohlen. Anfangs hatte ich wegen dem Küstenweg bedenken. Küsten sind beliebte Wohnorte und dementsprechend zugebaut. Hinzukommen Hotelanlagen, die den Zugang zu den Küsten enorm erschweren können. Deshalb war ich angenehm überrascht, dass die Küste gut zugänglich war. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass die Küste von Porto bis Caminho sehr felsig ist. Es gibt nur in den größeren Ortschaften (zB in Caminha) Sandstrände, die zum Baden einladen.
Auf dem spanischen Teil des Caminho Portugues gab es riesige Herbergen. Teilweise konnten da über hundert Wanderer übernachten, wenn das erforderlich gewesen wäre.
Auch in Spanien ist man hauptsächlich auf Straßen unterwegs. Trotzdem gab es auch schöne Abschnitte durch den Wald.
Je näher man Santiago de Compostela kommt, desto mehr Wanderer sind zu sehen.
Wo kommen die plötzlich alle her?
Weil wir manche Tage nicht genug Kilometer gelaufen sind, besuchten wir mit anderen Wanderern bei strömenden Regen einen bekannten Wasserfall in der Nähe der Ortschaft Caldas de Reis.
Dann zeichnete sich das erfolgreiche Ende unserer Wandertour ab. Für den letzten Tag blieben noch 17 km übrig. Kurz nach Mittag waren wir vor der Kathedrale von Santiago de Compostela angekommen.
Geschafft!
Auf dem Platz vor der Kathedrale waren noch viele andere Wanderer zu sehen. Man konnte ihnen die Freude über das Erreichte sehr gut ansehen. Schöne „Siegerfotos“ waren daher nicht so einfach zu realisieren. Irgendwer lief immer durchs Bild.
Bild 47: Sie trugen uns zum Ziel |
Nach den obligatorischen Siegerfotos und den Augenblicken der Besinnung und großen Freude, suchten wir das Info-Center in der Nähe der Kathedrale auf. Von meinen vorherigen Jakobswegen wusste ich, wo das Info-Center zu finden ist. Dort holten wir uns die Urkunden für den zurückgelegten Wanderweg ab.
Dann war erstmal Mittagessen angesagt. Die Gaststätten im Zentrum von Santiago de Compostela haben die Wanderer förmlich von der Straße „heruntergezogen“. Aber das war uns in diesem Augenblick vollkommen egal. Mit anderen Wanderer genossen wir das Essen, ließen die Wandertour Revue passieren und freuten uns auf zuhause.
Dann suchten wir unsere Herberge für die nächsten zwei Nächte auf. Wir waren einen Tag zu zeitig in Santiago de Compostela angekommen. Den freien Tag nutzten wir für eine ausgiebige Besichtigung der Stadt. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nach meinen bisherigen Jakobswegen immer sehr schnell die Heimreise aus Santiago de Compostela angetreten. Deshalb war mir dieser Besichtigungstag sehr willkommen.
Wetter
Wettermäßig war ich auf diese Jahreszeit mit meiner Ausrüstung vorbereitet. Um diese Jahreszeit herrscht in Spanien und Portugal Regenzeit. Ich hatte also den einen oder anderen Regentag auf meiner Wandertour.
Ganz schlimm war es eigentlich nie. Das ist uns erspart geblieben.
Beim Start in Lissabon hatte ich 8 Sonnentage hintereinander.
Die Regentage waren eher durch kurzzeitige Regengüsse oder längeren Landregen gekennzeichnet. Alles kein Problem.
Auch meine Enkeltochter Lilly ist gut mit den Regentagen klargekommen.
Ausrüstung
Meine Ausrüstung hat diese Wandertour ohne große Probleme überstanden.
Der Rucksack von zpacks (Nero 38L) war von der Größe vollkommen ausreichend.
Bild 48: Rucksack zpacks Nero 38L |
Ich hatte ja Bedenken, dass die reparierten Nähte an den Befestigungspunkten der Schulter- und Hüftgurte den enormen Belastungen nicht standhalten. Aber meine Bedenken waren unbegründet.
Die Befestigung der Hüftgurttaschen mit Kam-Snaps hat sich als untauglich erwiesen. Die werde ich einfach am Hüftgurt annähen.
Die Bauchtasche von zpacks (Front Utility Pack Accessory) hat sich als äußerst praktisch erwiesen. In der Tasche bewahrte ich ständig meine Geldbörse und den Pilgerausweis auf. Am Abend, beim Gang in die nächste Bar, passte auch noch mein Tagebuch und der Reiseführer in die Tasche. Vielleicht kann ich den zusätzlich erforderlichen Hüftgurt für die Tasche durch eine „leichtere“ Variante ersetzen.
Schon zweimal konnte ich auf Jakobswegen keine passende Unterkunft finden. Deshalb hatte ich als Absicherung ein Tarp und eine Isomatte in meinem Rucksack. Insgesamt sind das knapp 900 g Zusatzgewicht. Das Tarp benutzte ich nie, die Isomatte einmal.
Ich muss mir für die Zukunft eine wesentlich leichtere Notunterkunft überlegen. Ein Biwaksack von Alpkit (Kloke, 306 g) und eine einfache 3-mm EVA-Schaumstoffmatte, zugeschnitten auf die Größe von 120 x 50 cm, werde ich auf meinen nächsten Wandertouren einem Test unterziehen. Das wiegt insgesamt nur knapp 400 g und sollte als Notunterkunft vollkommen ausreichen.
Ein Quilt von AsTucas (Sestrals Blanket, L, APEX 133) und ein Liner (=Biwacksack) von AsTucas (Millaris, L, Wide, Jet Black, Mesh window, Right handed use) erwiesen sich als Glücksgriff. Durch diese beiden Ausrüstungsgegenstände konnte ich jeglichen Kontakt mit Matratzen und Decken in den Unterkünften vermeiden. Das war einer der Gründe, warum ich keine Probleme mit Bettwanzen hatte.
Meine Trekkingstöcke benutzte ich nur sehr selten. Für den Aufbau des Tarps benötige ich einen Trekkingstock. Trotzdem nehme ich sie immer wieder mit.
Meine Solarzelle von Lixada verwendete ich auch nur an den ersten Wandertagen. Dann verschwand die Solarzelle im Rucksack. Mein Smartphone und meine Uhr konnte ich jederzeit in den Unterkünften aufladen. Ich muss mir überlegen, ob ich die Solarzelle trotzdem immer mitnehme. Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.
Die Kleidung ist allen Anforderungen gerecht geworden. Meine Enkeltochter Lilly hat mir nach wenigen Tagen meinen Kunstfaserpullover ausgespannt und bis zum Ende der Wandertour nicht mehr hergegeben. Dadurch hatte ich keine Reserven mehr, wenn es noch kühler geworden wäre. Aber ein Pullover, egal aus welchem Material, ist schnell gekauft, wenn Bedarf bestanden hätte.
Wie immer bei längeren Wandertouren, bin ich auch diesmal mit neuen ALTRA-Trailrunnern (Lone Peak v6) an den Start gegangen. Schon nach ca. 200 km hat sich am Innenfutter der Hacken ein Loch gebildet. Wie das entstehen konnte, kann ich mir nicht so richtig erklären. Vielleicht haben die Darn Tough-Socken an dieser Stelle eine besondere Reibung erzeugt, weil sich genau da auch eine kleine Blase bildete. Das Mesh-Obermaterial war nach der Wandertour aber noch vollkommen intakt.
Von der Qualität der ALTRAs bin ich erstmal maßlos enttäuscht. Vielleicht muss ich vor Antritt einer Wandertour das Innenfutter an den Hacken der ALTRA-Trailrunner prophylaktisch mit einem Lederflicken versehen. Wie das gemacht wird, beschrieb ich im MYOG-Projekt C28 (Schuhreparatur - Schuh-Innenfutter mit Lederflicken reparieren).
Auch meine Regensachen muss ich für diese Jahreszeiten unbedingt überdenken. Die Regenjacke von zpacks (Vertice Rain Jacket) hat mich nicht so richtig zufriedengestellt. Bei der nächsten Wandertour mit diesen Wetterbedingungen bekommt die Regenjacke von Columbia (OutDry Ex Reign Jacket, XL, weinrot) eine neue Chance. Sie ist zwar fast dreimal so schwer wie die zpacks-Regenjacke, aber absolut wasserdicht. Ein weiterer Versuch ist es wert.
Auf längeren Wandertouren benutze ich als Hygieneartikel (Duschgel, Körperlotion und Zahnpasta) gerne die Probierpackungen aus den bekannten Drogeriemärkten in Deutschland. Bei Übernachtungen in Unterkünften bestehen fast immer Duschmöglichkeiten. Die Probierpackungen waren daher sehr schnell verbraucht. Ein Nachkauf war in Portugal und Spanien nicht möglich. Deshalb musste ich notgedrungen auf die Standardgrößen in den Supermärkten zurückgreifen. Das hat mir ordentlich Zusatzgewicht verschafft, was ich murrend in Kauf nehmen musste. Bei Wandertouren, wo abzusehen ist, dass ich meistens in Unterkünften übernachte, muss ich mir eine andere Lösung überlegen. Probierpackungen reichen nicht lange, Standardgrößen sind zu groß und schwer. Vielleicht muss ich als ein Kompromiss auf Zwischengrößen ausweichen, die ich mir vor der Wandertour speziell abfüllen kann. Da wird sich sicherlich etwas passendes finden lassen…
Als sich immer mehr herauskristallisierte, dass ich bestimmte Ausrüstungsgegenstände überhaupt nicht benutzte (zB Tarp, Isomatte, Solarpanel), schickte ich diese am 8.3.2024 mit der Post nachhause. Insgesamt konnte ich so mindestens 1 kg Gewicht einsparen.
Zuhause angekommen, wartete ich sehnsüchtig auf mein Paket. In der Paketverfolgung konnte ich sehen, dass das Paket am 14.3. in Deutschland angekommen war. Ende März war es immer noch nicht bei mir. Mehrere Tage telefonierte ich mich durch die Service-Wüste DHL auf der Suche nach meinem Paket. Keiner gab mir eine vernünftige Antwort. Man empfahl mir allen ernstes einen Nachverfolgungsauftrag in der Poststelle in Portugal zu stellen, wo ich das Paket aufgegeben hatte.
Am 9.4., 4 Wochen nach der Aufgabe in einer Poststelle in Portugal, klingelte es plötzlich an meiner Haustür und ein Postbote überreichte mir das vermisste Paket. Ich hatte das Paket schon aufgegeben. Erleichterung machte sich bei mir breit, wenn ich über den Wert der Ausrüstung nachdenke, die in dem Paket steckte.
Welche Lehren ziehe ich aus dem glücklichen Ausgang der Postversendung?
Ich muss mir bei meiner nächsten Wandertour auf einem Jakobsweg in Spanien oder Portugal sehr genau überlegen, welche Ausrüstungsgegenstände ich mitnehme und tatsächlich benutze. Ein Paket mit überflüssiger Ausrüstung verschicke ich jedenfalls nicht mehr aus diesen Ländern.
Meine Enkeltochter Lilly ist von mir im Vorfeld der Wandertour mit den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen (zB Quilt und Liner) versorgt worden. Zusätzlich habe ich ihr geraten unbedingt auf das Gesamtgewicht des Rucksacks zu achten. Das hat gut geklappt, bis auf eine Ausnahme. Ein dickes Buch hatte sich in ihren Rucksack „geschlichen“.
Aber das wird noch…
Nach jeder längeren Wandertour gibt es auch eine Wunschliste von „zukünftigen“ Ausrüstungsgegenständen.
Da ist an erster Stelle ein kleiner leichter Mini-Rucksack (ca. 20-22 Liter aus dem Material DCF) zu nennen. Auf meinen Ausflügen, speziell an den Ruhetagen, hätte ich gern etwas dabei gehabt, wo ich Regensachen oder gekaufte Artikel unterbringen könnte. Meine Bauchtasche war für solche Dinge viel zu klein. Den Mini-Rucksack könnte ich sonst zur Aufbewahrung von Ersatzkleidung und als Schlafkissen benutzen. Im heimischen Umfeld wäre ein Einsatz auf Tageswanderungen denkbar.
Da zeichnet sich am Horizont ein neues MYOG-Projekt ab …
Übernachtungen
Bei meinen bisherigen Wandertouren auf Jakobswegen in Spanien schlief ich ausschließlich in Unterkünften. Bevorzugt nutzte ich die öffentlichen Pilgerherbergen, wenn sie an meinem anvisierten Tagesziel vorhanden waren.
Diesmal plante ich die Unterkünfte nicht in meine Tracks ein. Unterkünfte speicherte ich nur als einfache Wegpunkte (siehe Kategorie Planung). So konnte ich mir immer sehr leicht einen Überblick verschaffen, wo auf meinen aktuellen Standort bezogen die nächsten Unterkünfte sind. Das hat die Suche nach Unterkünften am Tagesziel enorm erleichtert.
Zur Sicherheit hatte ich aber mein Tarp und eine Isomatte in meinem Rucksack.
Auf der weniger begangenen Strecke zwischen Lissabon und Porto gab es oft sehr kleine Unterkünfte mit wenigen Betten. Trotzdem fand ich immer einen Schlafplatz. Ein Grund mag gewesen sein, dass meine Tagesetappen wegen des großzügig geplanten Terminplans nie übermäßig lang waren. Oft war ich schon kurz nach dem Mittag an meiner geplanten Unterkunft angekommen. Das hat mir für den Rest des Tages große Freiheiten gelassen. Ich konnte mir etwas ansehen oder einfach nur chillen.
Ab Porto hat sich diese Situation grundlegend geändert. Es waren wesentlich mehr Wanderer unterwegs. Die Unterkünfte waren aber auch größer und moderner. Trotzdem war ich bestrebt möglichst am zeitigen Nachmittag an der geplanten Unterkunft anzukommen. Das hat manchmal zu kleinen Konflikten mit meiner Enkeltochter Lilly geführt, die nicht so richtig nachvollziehen konnte, warum ich einen so strengen Tageszeitplan einhalten wollte. Oft waren wir die ersten Wanderer in den Unterkünften. Dadurch konnten wir uns die besten Schlafplätze aussuchen. Für mich war das ein wichtiger Punkt, wenn ich nicht in einem Doppelstockbett oben schlafen musste.
Ich hätte nicht gedacht, dass Bettwanzen auf diesem Jakobsweg ein Problem sein würden. Im Internet las ich im Vorfeld davon, aber dass das so akut sein würde, war eine große Überraschung für mich.
Wir trafen Wanderer, die vollkommen zerbissen/zerstochen waren. Aus Gesprächen erfuhren wir, dass sie auch in denselben Unterkünften übernachtet hatten. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum wir nicht von Bettwanzen befallen wurden. Vielleicht hatten wir nur etwas mehr Glück. Eine Rolle mögen auch die Sicherheitsmaßnahmen gespielt haben, die wir konsequent einhielten.
Ich schlief ausschließlich in einem dünnen geschlossenen Liner, einem Biwaksack, der in kühlen Nächten nach Bedarf durch einen Sommer-Quilt erweitert wurde. Vorhandene Decken nutzte ich persönlich nie. Durch diese Vorgehensweise konnte ich jeglichen Kontakt mit Matratzen und Decken vermeiden.
In einigen Unterkünften war es sogar nicht gestattet den Rucksack mit in die Schlafräume zu nehmen. Offenbar ist der Rucksack und die darin befindliche Ausrüstung ein bekanntes Einfallstor für Bettwanzen in Schlafräume.
Versorgung
Die Versorgung stellt in Spanien und Portugal überhaupt kein Problem dar. Die Jakobswege verlaufen immer durch Ortschaften und zwangsläufig auch öfters an Supermärkten vorbei.
An den ersten Wandertagen hatte ich Nahrung für mehrere Tage in meinem Rucksack. Diese „Überbestände“ baute ich sehr schnell ab.
Die berühmten kleinen „Bars“ in den Ortschaften sind zu jeder Tageszeit geöffnet, selbst an Sonn- und Feiertagen. Dort gibt es das bekannte „Menü“ (3 Gänge) immer noch zu einem Preis von ca. 10 Euro.
Meine Tochter bat mich darauf zu achten, dass meine Enkeltochter Lilly immer etwas frühstückt. Fast jeden Tag gab es die Gelegenheit für ein Frühstück in den Bars der Ortschaften, die wir durchwanderten.
Insgesamt sind die Preise wesentlich niedriger als in Deutschland. Meine Enkeltochter Lilly ist wegen des niedrigen Preisniveaus aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen.
Verletzungen
Die eine oder andere Verletzung hat mich in den letzten Jahren schon zum Abbruch von Langstreckenwanderungen gezwungen.
Deshalb war die Vorbereitung auf diese Wandertour sehr wichtig. Schon seit einiger Zeit nutze ich dafür den Periodischen Trainingsplan, den ich im Menüpunkt Themen/Fragen-E7 ausführlich beschrieb.
Wegen des großzügigen Zeitplans konnte ich den ersten Teil der Wandertour von Lissabon nach Porto sehr gemächlich angehen.
Von Verletzungen blieb ich daher verschont. Allerdings hat sich an einer Ferse nach wenigen Tagen eine kleine Blase gebildet, die ich sofort mit Tapeband ruhigstellen konnte. Für die Entstehung fand ich keine richtige Erklärung. Im ALTRA-Wanderschuh hatte sich an dieser Stelle am Innenfutter der Ferse ein kleines Loch gebildet. Vielleicht war dieses Loch die Ursache für die kleine Blase.
Meine Enkeltochter Lilly hatte da mehr Probleme.
Nach dem ersten Wandertag hatte sie große Muskelprobleme. Am ersten Abend konnte sie sich kaum bewegen. Alles fiel ihr schwer. Aber am nächsten Morgen waren die Muskelprobleme kaum noch ein Thema.
Vielmehr bildeten sich in den nächsten Tagen einige kleine Blasen an den unterschiedlichsten Stellen. Mit Tapeband konnte ich das eindämmen. Dabei tat sich ein weiteres Problem auf. Der Kleber des Tapebandes von Leukotape löste offenbar eine allergische Hautreaktion aus. Trotzdem musste das Tapeband erstmal drauf bleiben. Nachdem sich die Situation mit den Blasen stabilisiert hatte, konnte wir das Tapeband weglassen. Die Blasen heilten langsam ab, weitere Blasen kamen nicht hinzu.
Gegen Ende der Wandertour kam ein weiteres Problem bei Lilly hoch, das ich den total „durchgelatschten“ Trailrunnern zuschrieb, die sie benutzte. Bei den Trailrunnern war die Dämpfung vollkommen hinüber. Das äußerte sich derart, dass sie gegen Ende der Tagesetappen über Schmerzen unter den Ballen und Fersen klagte. Das Problem konnten wir durch viele kleine Pausen auf den Tagesetappen zur Regeneration der Füße einigermaßen in den Griff bekommen. Ganz konnte wir das nicht abstellen. Dafür waren die Trailrunner einfach zu schlecht. In größeren Ortschaften hielten wir deshalb Ausschau nach Sportgeschäften, die geeignete Trailrunner im Angebot hatten. Aber da fanden wir nichts. Das ist ein Problem, dass sie zuhause klären muss. Tipps für mögliche Trailrunner-Marken gab ich ihr mit dem Verweis auf eine umfassende Bewertung im Internet von Trailrunnern durch den weltbekannten Langstreckenwanderer Cam „Swami“ Honan.
Sprache
Ich hatte schlimme Befürchtungen, was die Verständigung mit der einheimischen Bevölkerung angeht. In Spanien erlebte ich diesbezüglich böse Überraschungen.
Umso erfreuter war ich über die Sprachsituation in Portugal. Das hätte ich so nicht erwartet. Fast alle Menschen, die ich aus den unterschiedlichsten Gründen ansprechen musste, konnten wenigstens einige Brocken Englisch.
Selbst mit älteren Menschen in den Dörfern war so eine einfache Verständigung möglich.
Warum das in den beiden Ländern so unterschiedlich ist, konnte ich nicht genau ergründen.
In Herbergen, Hostals usw ist die Standardsprache Englisch.
Menschen
Das Interessante an den Jakobswegen ist die Community. Das ist auf dem Caminho Portugues nicht anders.
Wanderer aus vielen Ländern sind da unterwegs. In den Unterkünften treffen sie dann aufeinander.
Der erste Teil des Jakobsweges Caminho Portugues ist bei Weitem nicht so frequentiert. In vielen Herbergen war ich abends allein. Obwohl ich verhältnismäßig langsam unterwegs war, wurde ich von keinem einzigen Wanderer überholt.
Mehrmals traf ich eine Holländerin (Caroline) in den Herbergen. An manchen Tagen begegneten wir uns auch auf den Wanderwegen. Gelegentlich liefen wir einige Kilometer gemeinsam. Einmal gab sie mir zu verstehen, dass sie gerne alleine laufen würde. Für mich ist das kein Problem. Umso überraschter war ich, als sie mich bei einer zufälligen Begegnung fragte, ob wir gemeinsam bis zur nächsten Unterkunft laufen könnten. Sie war etwas verängstigt, weil sie von einem Mordfall auf dem Jakobsweg gehört hatte. Meine Recherchen abends in der Unterkunft ergaben aber, dass es keinen aktuellen Mordfall gab. Vielmehr lag der letzte Mordfall einige Jahre zurück. Angst müssen allein wandernde Frauen auf dem Caminho Portugues nicht haben. Es gibt keine stundenlangen einsame Passagen durch Wälder. Vielmehr läuft man alle naselang durch Ortschaften.
In unangenehmer Erinnerung ist mir ein Holländer geblieben. Er hat sich als Ocke vorgestellt und war mit einem riesigen Rucksack unterwegs. Unangenehm deswegen, weil er in der Frühe sehr zeitig aufgestanden ist, überall in den Schlafräumen Licht anmachte und ständig durch die Schlafräume lief. Das ist ein absolutes NoGo. Wer viel zeitiger als die anderen Wanderer aufstehen will, muss seinen Rucksack schon am Vorabend „vorpacken“, sollte möglichst den Schlaf der anderen Wanderer nicht stören, was eh schwierig sein dürfte und sollte so wenig wie möglich durch die Schlafräume laufen.
Pedro, ein Portugiese, war eigentlich ein sehr freundlicher Wanderer mit dem man sich gut unterhalten konnte. In einer sehr kleinen Herberge mit einem einzigen kleinen Schlafraum mit 4 Betten traf ich Pedro. In der Nacht musste ich aus dem Schlafraum ausziehen, weil Pedro unglaublich laut schnarchte. Meine speziellen angepassten Ohrenstöpsel konnten das laute Schnarchen nicht vollständig ausblenden. In einem Nebenraum legte ich mich mit meinem Quilt auf eine Isomatte und konnte den Rest der Nacht gut schlafen.
Einige Tage vor Santiago de Compostela trafen wir zwei deutsche Frauen, eine Mutter mit ihrer Tochter. Wir konnten uns sehr gut unterhalten. Es hat sich ergeben, dass wir bis SdC gemeinsam unterwegs waren. Speziell für meine Enkeltochter Lilly war das eine willkommene Abwechslung. Die Tage vergingen wie im Flug und die kleinen Wehwehchen mit denen sich Lilly in den letzten Tagen rumschlagen musste, rückten mehr und mehr in den Hintergrund.
Tiere
Auch Portugal ist, wie Spanien, Hundeland. Freilaufende Hunde gibt es überall.
An einem regnerischen Tag lief einmal ein Hund im Abstand von ca. 20 Metern eine Stunde hinter mir her.
Das war ein harmloser mittelgroßer Hund mit einem Halsband. Einen verwahrlosten und hungrigen Eindruck machte der Hund aber nicht. Wenn ich stehen blieb und ihn verscheuchen wollte, blieb er ebenfalls stehen und schaute mich an. Ich konnte dieses Verhalten nicht richtig deuten. So liefen wir ca. eine Stunde durch die Gegend. Seltsam die ganze Angelegenheit.
Auch schöne Momente erlebte ich mit Hunden. Am selben Tag, als mich ein Hund eine Stunde lang verfolgte, traf ich auf einem Trampelpfad an einem Bach entlang eine Hundemutter mit vier Jungen. Die Hundemutter blieb kurz stehen und entschied dann einen kleinen Bogen im Abstand von 10 Metern um mich zu machen. Das war ein wunderschönes Bild, wie die Jungen hinter ihrer Mutter herliefen. Leider ist es mir bei regnerischem Wetter nicht gelungen die Kamera an meinem Smartphone für einen Schnappschuss zu aktivieren, was mich maßlos ärgerte.
Auch einen neuen Rekord gab es zu verzeichnen, was die Begegnungen mit Hunden angeht. In Spanien stand ich einmal 5 Hunden gegenüber. An einem Dorfrand begrüßten mich diesmal 6 Hunde. Die waren relativ klein und ungefährlich. Mit einer Handbewegung konnte ich die kläffenden Hunde verscheuchen.
Ich hätte nicht gedacht, dass Bettwanzen einmal ein Thema in einem Bericht sein würden. In der Kategorie Übernachtungen gehe ich näher auf diese „niedlichen“ blutsaugenden Plagegeister ein.
Pilgerausweis
Auch diesmal habe ich mir den Pilgerausweis lange vor Antritt der Wandertour bestellt.
Damit ich genügend Stempel sammeln konnte, klebte ich noch eine Zusatzeinlage in den Pilgerausweis.
Speziell auf den letzten Etappen ließ ich mir in einigen Kirchen und Bars zusätzliche Stempel geben. Manche Stempel sind wahre Kunstwerke.
In den Kirchen und Bars setzte ich die Stempel meistens selber in den Pilgerausweis. Dadurch konnte ich die verschwenderische Nutzung des Platzes durch die Stempelbesitzer etwas eindämmen.
Auf den letzten Jakobswegen ist mein Pilgerausweis regelmäßig nass geworden. Diesmal ist mir das wieder passiert, weil ich meinen Rucksack unbedacht in einer trockenen Regenrinne abstellte. Urplötzlich einsetzender Regen hat meine Hüftgurttasche, wo ich meine Geldbörse und den Pilgerausweis aufbewahrte, vollkommen durchnässt. Neben dem Pilgerausweis wurden auch meine Geldscheine nass. In der Herberge konnte ich den Pilgerausweis und meine Geldscheine dann einigermaßen trocknen. Die Wasserspuren werden im Pilgerausweis aber immer sichtbar bleiben. Ab diesem Missgeschick packte ich meinen Pilgerausweis in eine Plastiktüte ein, die ich eigentlich für Lebensmittel verwenden wollte.
Abreise
Die Abreise aus Santiago de Compostela ist seit einigen Jahren nicht mehr per Direktflug nach Deutschland möglich.
Auch diesmal mussten wir über mehrere Zwischenstationen in die Heimat reisen:
-von Santiago de Compostela nach Porto zum Flughafen (mit dem Bus)
-von Porto nach Frankfurt/Hahn (mit dem Flugzeug)
-von Frankfurt/Hahn nach Hof und Schochwitz (mit dem Mietauto)
Der Start erfolgte 9:30 Uhr in Santiago de Compostela. Meine Enkeltochter war gegen 2:00 Uhr am Morgen des nächsten Tages in Hof angelangt, ich gegen 4:00 Uhr in Schochwitz.
Alles verlief reibungslos. Trotzdem war es ein sehr harter Tag.
Statistik
Kurz vor dem Abschluss gibt es noch etwas Statistik.
Streckenlänge gesamt 631 km
…davon Lissabon bis Coimbra 247 km
…davon Coimbra bis Porto 129 km
…davon Porto bis Tui (Küste) 136 km (Küste entlang von Porto bis Caminha)
…davon Tui bis SdC 119 km
Tagesetappen gesamt 33
…davon Lissabon bis Coimbra 9
…davon Coimbra bis Porto 6
…davon Porto bis Tui (Küste) 6 (Küste entlang von Porto bis Caminha)
…davon Tui bis SdC 6
…davon Wandertage 27
…davon Ruhetage 6
…davon Sonnentage 17
…davon Regentage 14
…davon Schneetage 0
…davon bedeckte Tage 2
…davon < 15 km (Nero) 1
…davon 15 - 19 km 5
…davon 20 - 29 km 16
…davon 30 - 39 km 5
…davon >= 40 km 0
Längste Tagesetappe 37 km
Kürzeste Tagesetappe 11 km
Tagesdurchschnitt …
…mit Ruhetagen 19,1 km/Tag
…ohne Ruhetage 23,4 km/Tag
Übernachtungen gesamt 33
…davon in Jugendherbergen 0
…davon in öffentl.Pilgerherbergen 19
…davon in privaten Herbergen 12
…davon in Hotels 1
…davon in Bungalows 1 (auf Campingplatz)
Tracks, Wegpunkte und Bilder
Wie immer gibt es am Ende des Berichts noch einen Hinweis auf wichtige Daten meiner Wandertour. Das sind vor allem meine eigenen Tracks und Wegpunkte, die ich zur Navigation verwendet habe. Die Daten können heruntergeladen werden.
Auf der rechten Seite meines Blogs befindet sich das Tourenverzeichnis. Hinter der Zeichenkette "GPX" versteckt sich in den meisten Fällen ein Link, der in ein GoogleDrive-Verzeichnis verzweigt. In diesem Verzeichnis ist eine Datei zu finden. Diese Datei enthält die Tracks und die Wegpunkte der Wandertour.
WT007_PT_Jakobsweg_Caminho_Portugues_Tracks.gpx
Zum Schluss habe ich noch einige Bilder, die die schönsten Momente dieser Wanderung festhalten. Der Link verzweigt in ein GoogleDrive-Verzeichnis
WT007_PT_Jakobsweg_Caminho_Portugues
Zusätzlich befindet sich auf der rechten Seite meines Blogs im Tourenverzeichnis die Zeichenkette "Bilder", hinter der sich ebenfalls ein Link zu den Bildern dieser Wandertour befindet.
Fazit
Ich
Von den spanischen Jakobswegen, die im Süden des Landes starten (Via de la Plata (Teil 1) in der Stadt Sevilla, Camino de Levante in der Stadt Valencia), kannte ich die Landschaften. Bis auf wenige Ausnahmen sind das relativ karge Landschaften, die durch Plantagen (Wein, Oliven, Orangen usw) jeglicher Art geprägt sind.
Umsomehr war ich von der Landschaft in Portugal überrascht. Das hatte ich so nicht erwartet. Portugal ist wesentlich "grüner" als Spanien. Das liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Nähe zum Meer.
Trotzdem muss man sich im klaren sein, dass auch dieser Jakobsweg hauptsächlich über Straßen und durch Ortschaften verläuft.
Der Küstenweg lässt sich auch bei hohen Temperaturen relativ angenehm gehen. Es weht immer ein leichter kühlender Wind. Die Küste von der Stadt Porto bis zur Stadt Caminha ist felsig. Es gibt nicht viele Stellen, die einen Sandstrand besitzen. Trotzdem kann man sich relativ häufig in der Nähe der Küste bewegen.
Das Herbergsnetz ist gut ausgebaut. Ab Porto sind die Herbergen größer, teilweise modern eingerichtet.
Natürlich gibt es auch in Portugal die berühmten „Bars“. Um die tägliche Versorgung muss man sich also keine Gedanken machen. Wer sicher gehen will, kann auch den einen oder anderen Snack für die jeweiligen Tagesetappen in den Rucksack packen.
Die Versorgung mit Wasser könnte ein Problem darstellen. Ich verwendete Trinkwasser aus der Wasserleitung und konnte keine gesundheitlichen Schwierigkeiten bemerken. Aber das muss jeder selbst entscheiden. Wenn es jedoch die Möglichkeit gab, versorgte ich mich mit Trinkwasser aus Flaschen aus dem Supermarkt.
Auf den letzten Jakobswegen ist mein Pilgerausweis regelmäßig nass geworden. Diesmal ist mir das wieder passiert, weil ich meinen Rucksack unbedacht in einer trockenen Regenrinne abstellte. Urplötzlich einsetzender Regen hat meine Hüftgurttasche, wo ich meine Geldbörse und den Pilgerausweis aufbewahrte, vollkommen durchnässt. Neben dem Pilgerausweis wurden auch meine Geldscheine nass. In der Herberge konnte ich den Pilgerausweis und meine Geldscheine dann einigermaßen trocknen. Die Wasserspuren werden im Pilgerausweis aber immer sichtbar bleiben. Ab diesem Missgeschick packte ich meinen Pilgerausweis in eine Plastiktüte ein, die ich eigentlich für Lebensmittel verwenden wollte.
Abreise
Die Abreise aus Santiago de Compostela ist seit einigen Jahren nicht mehr per Direktflug nach Deutschland möglich.
Auch diesmal mussten wir über mehrere Zwischenstationen in die Heimat reisen:
-von Santiago de Compostela nach Porto zum Flughafen (mit dem Bus)
-von Porto nach Frankfurt/Hahn (mit dem Flugzeug)
-von Frankfurt/Hahn nach Hof und Schochwitz (mit dem Mietauto)
Der Start erfolgte 9:30 Uhr in Santiago de Compostela. Meine Enkeltochter war gegen 2:00 Uhr am Morgen des nächsten Tages in Hof angelangt, ich gegen 4:00 Uhr in Schochwitz.
Alles verlief reibungslos. Trotzdem war es ein sehr harter Tag.
Statistik
Kurz vor dem Abschluss gibt es noch etwas Statistik.
Streckenlänge gesamt 631 km
…davon Lissabon bis Coimbra 247 km
…davon Coimbra bis Porto 129 km
…davon Porto bis Tui (Küste) 136 km (Küste entlang von Porto bis Caminha)
…davon Tui bis SdC 119 km
Tagesetappen gesamt 33
…davon Lissabon bis Coimbra 9
…davon Coimbra bis Porto 6
…davon Porto bis Tui (Küste) 6 (Küste entlang von Porto bis Caminha)
…davon Tui bis SdC 6
…davon Wandertage 27
…davon Ruhetage 6
…davon Sonnentage 17
…davon Regentage 14
…davon Schneetage 0
…davon bedeckte Tage 2
…davon < 15 km (Nero) 1
…davon 15 - 19 km 5
…davon 20 - 29 km 16
…davon 30 - 39 km 5
…davon >= 40 km 0
Längste Tagesetappe 37 km
Kürzeste Tagesetappe 11 km
Tagesdurchschnitt …
…mit Ruhetagen 19,1 km/Tag
…ohne Ruhetage 23,4 km/Tag
Übernachtungen gesamt 33
…davon in Jugendherbergen 0
…davon in öffentl.Pilgerherbergen 19
…davon in privaten Herbergen 12
…davon in Hotels 1
…davon in Bungalows 1 (auf Campingplatz)
Tracks, Wegpunkte und Bilder
Wie immer gibt es am Ende des Berichts noch einen Hinweis auf wichtige Daten meiner Wandertour. Das sind vor allem meine eigenen Tracks und Wegpunkte, die ich zur Navigation verwendet habe. Die Daten können heruntergeladen werden.
Auf der rechten Seite meines Blogs befindet sich das Tourenverzeichnis. Hinter der Zeichenkette "GPX" versteckt sich in den meisten Fällen ein Link, der in ein GoogleDrive-Verzeichnis verzweigt. In diesem Verzeichnis ist eine Datei zu finden. Diese Datei enthält die Tracks und die Wegpunkte der Wandertour.
WT007_PT_Jakobsweg_Caminho_Portugues_Tracks.gpx
Zum Schluss habe ich noch einige Bilder, die die schönsten Momente dieser Wanderung festhalten. Der Link verzweigt in ein GoogleDrive-Verzeichnis
WT007_PT_Jakobsweg_Caminho_Portugues
Zusätzlich befindet sich auf der rechten Seite meines Blogs im Tourenverzeichnis die Zeichenkette "Bilder", hinter der sich ebenfalls ein Link zu den Bildern dieser Wandertour befindet.
Fazit
Ich
Von den spanischen Jakobswegen, die im Süden des Landes starten (Via de la Plata (Teil 1) in der Stadt Sevilla, Camino de Levante in der Stadt Valencia), kannte ich die Landschaften. Bis auf wenige Ausnahmen sind das relativ karge Landschaften, die durch Plantagen (Wein, Oliven, Orangen usw) jeglicher Art geprägt sind.
Umsomehr war ich von der Landschaft in Portugal überrascht. Das hatte ich so nicht erwartet. Portugal ist wesentlich "grüner" als Spanien. Das liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Nähe zum Meer.
Trotzdem muss man sich im klaren sein, dass auch dieser Jakobsweg hauptsächlich über Straßen und durch Ortschaften verläuft.
Der Küstenweg lässt sich auch bei hohen Temperaturen relativ angenehm gehen. Es weht immer ein leichter kühlender Wind. Die Küste von der Stadt Porto bis zur Stadt Caminha ist felsig. Es gibt nicht viele Stellen, die einen Sandstrand besitzen. Trotzdem kann man sich relativ häufig in der Nähe der Küste bewegen.
Das Herbergsnetz ist gut ausgebaut. Ab Porto sind die Herbergen größer, teilweise modern eingerichtet.
Natürlich gibt es auch in Portugal die berühmten „Bars“. Um die tägliche Versorgung muss man sich also keine Gedanken machen. Wer sicher gehen will, kann auch den einen oder anderen Snack für die jeweiligen Tagesetappen in den Rucksack packen.
Die Versorgung mit Wasser könnte ein Problem darstellen. Ich verwendete Trinkwasser aus der Wasserleitung und konnte keine gesundheitlichen Schwierigkeiten bemerken. Aber das muss jeder selbst entscheiden. Wenn es jedoch die Möglichkeit gab, versorgte ich mich mit Trinkwasser aus Flaschen aus dem Supermarkt.
Wenn man bedenkt, dass das die erste Langstreckenwanderung für meine Enkeltochter Lilly war, hat sie sich sehr gut geschlagen. Ein bisschen müssen wir noch an ihrer Ultraleicht-Ausrüstung feilen (sie hatte einen dicken Roman in ihrem Rucksack 😂), aber das wird noch.
Für mich ist der Jakobsweg Caminho Portugues, speziell mit der „Küstenvariante“, eine ganz klare Empfehlung.
Lilly
Ich bin im März 2024 den Jakobsweg (Caminho Portugues, 255 km) von Porto bis nach Santiago de Compostela mit meinem Opa gewandert. Ich finde, dass diese 12 Tage, die wir gebraucht haben, ganz gut beschrieben sind, wenn ich sage, dass es viele Höhen und Tiefen gab. Es war ganz anders als ich es erwartet habe, aber nicht im negativen Sinne, sondern im positiven. Wir haben alles an Wetter mitgenommen, was es gibt, Regen, Hagel, aber auch Sonne. Ein Tiefpunkt war zum Beispiel das Anziehen von nassen Klamotten und nassen Schuhen und damit dann den ganzen Tag im Regen laufen, um in einer kalten Herberge anzukommen. Im Nachhinein würde ich sagen die Tiefpunkte haben sich gelohnt und da muss man einfach die Zähne zusammenbeißen und weiter machen. Ich gebe zu ohne den Opa hätte ich das alles nicht geschafft, da er mich immer sehr gut verarztet, mich immer motiviert und bei Laune gehalten hat. Die positiven Erlebnisse überwiegen auch mit Abstand. Man lernt so viele tolle Menschen kennen und ist nie alleine auf dem Weg. Man lernt sehr viel über sich selber und geht an seine Grenzen. All das lohnt sich genau für diesen einen Moment, wenn man nach all dem was man erlebt und gesehen hat, endlich an der Kathedrale steht und sich seine Urkunde holen kann.
Für mich ist der Jakobsweg Caminho Portugues, speziell mit der „Küstenvariante“, eine ganz klare Empfehlung.
Lilly
Ich bin im März 2024 den Jakobsweg (Caminho Portugues, 255 km) von Porto bis nach Santiago de Compostela mit meinem Opa gewandert. Ich finde, dass diese 12 Tage, die wir gebraucht haben, ganz gut beschrieben sind, wenn ich sage, dass es viele Höhen und Tiefen gab. Es war ganz anders als ich es erwartet habe, aber nicht im negativen Sinne, sondern im positiven. Wir haben alles an Wetter mitgenommen, was es gibt, Regen, Hagel, aber auch Sonne. Ein Tiefpunkt war zum Beispiel das Anziehen von nassen Klamotten und nassen Schuhen und damit dann den ganzen Tag im Regen laufen, um in einer kalten Herberge anzukommen. Im Nachhinein würde ich sagen die Tiefpunkte haben sich gelohnt und da muss man einfach die Zähne zusammenbeißen und weiter machen. Ich gebe zu ohne den Opa hätte ich das alles nicht geschafft, da er mich immer sehr gut verarztet, mich immer motiviert und bei Laune gehalten hat. Die positiven Erlebnisse überwiegen auch mit Abstand. Man lernt so viele tolle Menschen kennen und ist nie alleine auf dem Weg. Man lernt sehr viel über sich selber und geht an seine Grenzen. All das lohnt sich genau für diesen einen Moment, wenn man nach all dem was man erlebt und gesehen hat, endlich an der Kathedrale steht und sich seine Urkunde holen kann.
Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich das mit meinem Opa erleben durfte und ich würde es immer wieder tun und kann es nur weiter empfehlen.
Ausblick
Meine nächste Wandertour aus dem Wanderprojekt SJW Jakobswege in Spanien und Portugal wird der Jakobsweg Ruta de la Lana in Spanien sein. Dieser Jakobsweg ist einer der unbekanntesten Jakobswege in Spanien.
Ich freue mich darauf und ich bin gespannt, was mich dort erwarten wird…
Ausblick
Meine nächste Wandertour aus dem Wanderprojekt SJW Jakobswege in Spanien und Portugal wird der Jakobsweg Ruta de la Lana in Spanien sein. Dieser Jakobsweg ist einer der unbekanntesten Jakobswege in Spanien.
Ich freue mich darauf und ich bin gespannt, was mich dort erwarten wird…
Moin Reinhard, schau dir mal die Travel Compact 10 Liter Rucksäcke vom Decathlon an. Habe meinen nun schon auf 3 Caminos dabei gehabt. Perfekt für abends dabeihaben, passt von Einkäufen über Zusatzkleidung alles rein. Könnte mir auch vorstellen den in der Not als Kopfkissen zu verwenden, aber kam noch nie so weit. Mit knapp über 40g vielleicht eine Option gegenüber MYOG. Gruß aus Jena, Stefan
AntwortenLöschenP.S. schöner Bericht!
Hallo Stefan,
Löschenden werde ich mir anschauen.
Danke für die Info.
Grüße von Reinhard