Versuch 1 (70 km, Juni 2022)
Die Überschrift verheißt nichts Gutes. Aber der Reihe nach.
Schon bei der Planung am Anfang des Jahres 2022 beschlich mich ein gewisses Unbehagen. Genau kann ich es nicht beschreiben, was die Gründe waren.
Die Wandertour war schnell geplant. Im Internet gab es den Track, den ich mir in meiner Routenplanungssoftware BaseCamp ansah. Nach einer kurzen Prüfung musste ich feststellen, dass dieser Track nicht meinen hohen Ansprüchen genügte. Also erstellte ich meinen eigenen Track auf Basis des aus dem Internet geladenen Tracks.
Zusätzlich zum Track aus dem Internet besorgte ich mir den Wanderführer
Menorca: Cami de Cavalls (Nr. 336, 1.Auflage von 2013)
aus dem OUTDOOR-Verlag. Die Auflage war zwar nicht gerade
aktuell, aber für einen Grobüberblick würde das allemal reichen.
Irgendwann
im März des Jahres buchte ich die Flüge nach Menorca. Jetzt gab es kein
zurück mehr.
Für meine Enkeltochter hatte ich eine
Packliste erstellt. Abgeleitet wurde diese Packliste von meiner
eigenen Packliste. Auf ihrer Packliste hatte ich auch markiert, welche
Ausrüstungsgegenstände sie selbst noch besorgen musste. Da blieb nicht viel
übrig. Das war vor allem die Wanderkleidung, Regenkleidung, Hygiene-Artikel
und Dokumente (Personalausweis, Krankenkarte usw). Für die Wanderkleidung
hatte ich ihr einige Tipps gegeben, worauf sie achten sollte. Alle weiteren
Ausrüstungsgegenstände würde sie von mir bekommen. So hatten wir es
vereinbart.
Ferner gab es eine ganze Reihe von
Ausrüstungsgegenständen, die wir nicht doppelt mitnehmen mussten. Dazu
gehörten zB. Wasserfilter, Koch-Ausrüstung, ein medizinisches Notfall-Set
usw. Diese Dinge würde ich tragen.
Insgesamt bin ich bei meiner
Enkeltochter, einschließlich des Osprey-Rucksacks (ca. 1 kg) meiner Frau,
auf eine Basisgewicht von knapp über 4 kg gekommen. Das ist schon nicht
schlecht.
Meine Enkeltochter hat keinerlei Outdoor-Erfahrung. Aus
diesem Grund hätte ich gern noch eine Trainingstour über ein beliebiges
Wochenende (mit 2 Übernachtungen) durchgeführt. Geplant war eine solche Tour
auch. Aber aus zeitlichen Gründen kam eine solche Trainingstour nie
zustande. Die Ursachen dafür waren Corona und der daraus resultierende
Schulstress im Frühjahr. Wir fanden einfach keinen passenden Termin.
Dabei
zweifelte ich nie an der Fitness meiner Enkeltochter. Sportlich ist meine
Enkeltochter sehr aktiv. Gerade in diesem Bereich habe eher ich Probleme.
So
kam, was kommen musste. Wir traten die Reise ohne jegliche Vorbereitung
an.
Da der Flug von Berlin nach Mao (Mahon)
auf Menorca am 4.6.2022, gegen 8 Uhr, erfolgte, mussten wir
mindestens schon um 6 Uhr auf dem Flughafen sein. Die
Anreise
von Schochwitz über Halle zum Flughafen
Berlin-Schönefeld war um diesen frühen Zeitpunkt nicht möglich. Also
mussten wir einen Tag früher nach Berlin reisen und in der Nähe des
Flughafens übernachten.
Am 3.6.2022, so gegen 14 Uhr, kam
dann meine Enkeltochter mit ihrer Mutter mit dem Auto zu mir. Gegen 16 Uhr
fuhr der Zug in Halle ab. Wir hatten also knapp 2 Stunden Zeit ihren
Rucksack zu packen und mit dem Auto zum Bahnhof nach Halle (ca. 17 km von
Schochwitz entfernt) zu fahren. Ich hätte mir wesentlich mehr Zeit
gewünscht. Denn dann hätte ich sicherlich festgestellt, dass meine
Enkeltochter 6 Schlüpfer, einige dicke Kleidungsstücke und ein
fettes Schlüsselbund!!! in den Rucksack packte. Von
„überdimensionierten“ Hygiene-Artikeln will ich gar nicht erst reden. In der
Hektik des Packens und des Aufbruchs übersah ich das alles.
Die
Anreise nach Berlin verlief dann problemlos und war relativ pünktlich.
Irgendwann merkte ich dann, dass unser Hotel für die eine
Übernachtung nicht direkt neben dem Flughafen lag. Ich war davon
ausgegangen, dass der „alte“ Flughafen noch aktiv war. Vom gebuchten Hotel
bis zum „alten“ Flughafen waren es 10 Minuten Fußweg. Aber der Flug erfolgte
vom „neuen“ Flughafen und der war wesentlich weiter von unserem Hotel
entfernt. Aber mit dem telefonisch bestellten Taxi am Morgen war das auch
kein Problem.
Jetzt mussten wir am Flugtag nur noch so durch die
Gepäckkontrolle kommen, dass unsere Rucksäcke als Handgepäck durchgehen
würden.
Auf meinen bisherigen Flügen war mir das immer gelungen.
Verschwundenes Gepäck konnten wir überhaupt nicht gebrauchen. Deshalb wurden
alle Ausrüstungsgegenstände, die sonst außen am Rucksack hängen, in den
Rucksack gepackt. So passierten wir problemlos die Gepäckkontrolle.
Der
Flug hatte eine halbe Stunde Verspätung und verlief sonst ohne weitere
Probleme.
Am Flughafen mieteten wir uns ein Taxi und ließen uns
die 6 km vom Flughafen nach Mao (Mahon) fahren. Wir
baten den Taxifahrer uns an einem Supermarkt in der Nähe des Zentrums
abzusetzen. Dort wollten wir uns mit Nahrungsmitteln und Wasser versorgen.
Nach dem Einkauf „rüsteten“ wir unsere für den Flug präparierten Rucksäcke
auf den „Wandermodus“ um. Zusätzlich mussten noch die Nahrungsmittel
verstaut werden, also brauchten wir in den Rucksäcken noch etwas Platz.
Dann
machten wir uns auf den Weg ins Zentrum, wo der Startpunkt der Wandertour
lag. Nach einem Mittagessen in einer schönen Gaststätte am Hafen von Mao
starteten wir die Wandertour so gegen 13.30 Uhr.
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Bild 1: Start der Wandertour |
Nach zwei Tagen brachen wir nach kurzer Verständigung die Wandertour ab.
Auf
die zwei Wandertage will ich nicht näher eingehen. Vielmehr will ich die
Fehlerursachen beleuchten, die zum Abbruch der Wandertour führten.
Irgendwann
werde ich diese Wandertour wiederholen. Dann wird es auch einen
ausführlichen Bericht, eine POI-Liste und mehr
Bilder geben.
In der folgenden Aufzählung führe ich
einfach mal die Gründe auf, die meiner Meinung nach maßgebend für den
Abbruch der Wandertour waren. Dabei gibt es nicht einen bestimmten Punkt,
der maßgeblich für den Abbruch verantwortlich war. Vielmehr war es die
Gesamtheit der Gründe, die uns zum Abbruch veranlassten.
(1) Zeitpunkt
(2)
Zeitdruck
(3) Fehlende Vorbereitung
(4) unzureichende Gepäckkontrolle
(5)
Fitnesszustand
(6) Laufrichtung
(7) Wetterbedingungen
(8) Koch-Ausrüstung
(9) Essen für meine Enkeltochter
Zu den aufgezählten Punkten werde ich jeweils eine kurze
Erklärung abgeben.
(1) Zeitpunkt
Eine
Wandertour mit einer schulpflichtigen Enkeltochter (Abiturientin) setzte
zeitlich ganz enge Grenzen. Nach reiflicher Überlegung blieb nur die erste
Pfingstferien-Woche Anfang Juni übrig. Ein zeitlicher Spielraum nach dieser
Woche war wegen einer bereits gebuchten anderen Aktivität absolut nicht
möglich.
(2) Zeitdruck
Der Start der Wandertour
konnte frühestens um die Mittagszeit des Anreisetages, einem Samstag,
erfolgen. Die Abreise war am folgenden Samstag am zeitigen Vormittag
gebucht.
Für 186 km blieben also 6,5 Wandertage übrig.
30 km pro Tag sind ein sehr sportliches Ziel. Ich bewältigte das
schon mehrmals, aber so aus dem Stand ist das nicht einfach. Das war mir
sofort klar, als die zeitlichen Rahmendaten immer deutlicher erkennbar
waren.
(3) fehlende Vorbereitung
Die fehlende
Vorbereitung auf Trainingstouren hat mich im Ungewissen gelassen, wie meine
Enkeltochter das Leben in der Wildnis, speziell das Wildcampen in einem
fremden Land, verkraften würde.
Kann sie erholsam schlafen, wenn
sie das noch nie gemacht hat?
Wie kommt sie damit klar, wenn man sich
nicht jeden Tag ordentlich waschen kann?
Das waren die Fragen,
die mich in diesem Bereich umtrieben.
Die erste Übernachtung hat
dann gezeigt, dass sie überhaupt nicht schlafen konnte. Ein erholsamer
Schlaf ist für eine so „sportliche“ Wandertour aber unabdingbar.
Dabei hatte ich für die erste Übernachtung einen perfekten
Schlafplatz ausgesucht. Total sichtgeschützt in einem Wald und „butterweich“
durch die heruntergefallenen Nadeln der Nadelbäume in dem Wald.
(4) unzureichende Gepäckkontrolle
Durch die äußerst knappe Anreise vor der Anreise hatte ich kaum
Möglichkeiten das Gepäck meiner Enkeltochter zu kontrollieren. Dadurch sind
einige Ausrüstungsgegenstände in den Rucksack gewandert, die man „locker“
hätte zuhause lassen können. Das Extrembeispiel war ein „fettes“
Schlüsselbund. Natürlich kann man das unterwegs dann nicht so einfach
entsorgen. Weitere zusätzliche Gewichtsbringer waren überzählige Schlüpfer,
das eine oder andere Kleidungsstück, sowie „übergroße“ Hygiene-Artikel.
(5) Fitnesszustand
Diesen Punkt muss ich mir ganz eindeutig auf die „Fahne“
schreiben.
Auf längeren Wandertouren brauche ich mindestens ein
Woche bis ich ins „Wandern“ komme. Ohne Zeitdruck ist das natürlich kein
Problem, da man sich die Tagesetappen einteilen kann, wie man es für
angebracht hält. Bei dem engen Zeitrahmen war das nicht möglich. Da musste
sofort „Strecke“ gemacht werden.
Meine Enkeltochter hatte da
weniger Probleme.
(6) Laufrichtung
Ich habe in
der Planungsphase entschieden, von Mao (Mahon) beginnend, die
Wandertour entgegen der Uhrzeigerrichtung zu laufen.
Hätte ich
mir das Höhenprofil genauer angesehen, wäre mir aufgefallen, dass die ersten
Tagesetappen in dieser Richtung wesentlich anspruchsvoller waren, als in der
anderen Richtung. Ständig ging es auf kurzen und knackigen Anstiegen hoch
und runter. Für ein „Einlaufen“ unter Zeitdruck war diese Laufrichtung nicht
geeignet.
(7) Wetterbedingungen
Wandern in
Spanien auf Menorca im Frühsommer bei Temperaturen lt. Internet von
lediglich 25°C, geht das?
Das dachte ich jedenfalls in meiner
Einfalt. Aber 25°C auf Menorca sind eben nicht mit 25°C in Deutschland zu
vergleichen. Ich hatte jedenfalls enorme Probleme mit den Temperaturen.
Zusätzlich hat mir die steiler stehende Sonne enorm
zugesetzt.
(8) Koch-Ausrüstung
Schon seit
Jahren koche ich aus Gewichtsgründen nicht auf meinen Wandertouren.
Die
Mutter meiner Enkeltochter sagte mir, dass Essen ein Problem wäre. Das
richtige Essen für die Enkeltochter zu finden, wäre nicht leicht. Das Kochen
eines „Süppchens mit Nudeln“ am Abend würde gehen, so die Ansage der Mutter
meiner Enkeltochter.
Obwohl ich nicht koche, besitze ich sehr
wohl eine gute Koch-Ausrüstung. Also packte ich die Koch-Ausrüstung in den
Rucksack.
Auf Menorca gab es dann allerdings ein Problem, das
ich so nicht auf dem Schirm hatte. Mein Kocher war auf Schraub-Kartuschen
ausgelegt. Die konnte ich aber auf Menorca nirgendwo käuflich erwerben. Dort
gab es nur Stech-Kartuschen, egal wo ich suchte.
Ich konnte also
nicht kochen.
(9) Essen für meine Enkeltochter
Die Ernährung meiner Enkeltochter war mir schon immer ein
Rätsel.
Wie sie diese „sportliche“ Wandertour mit diesem
„Ernährungsgebahren“ durchhalten wollte, war die Frage, die ich mir schon
lange vor der Wandertour stellte.
Das wird schon „irgendwie“
gehen, waren die Aussagen von Mutter und Enkeltochter.
All diese
„kleinen und großen“ Probleme ließen mich nach zwei Tagen die Frage
stellen:
„Wollen wir die Wandertour abbrechen?“
Ohne lange Diskussion waren wir uns sofort einig, dass es
besser wäre die Wandertour rechtzeitig abzubrechen.
Mit dem
Linienbus fuhren wir dann nach Mao. Während der Fahrt nach Mao
buchten wir in Punta Prima, an der Südküste der Insel gelegen, ein
Doppelzimmer für den Rest der Woche. In diesen restlichen Tagen waren wir
aber keinesfalls untätig.
Insgesamt wanderten wir
70 km von 186 km der Gesamtstrecke. Dabei stellten wir fest,
dass die Wanderstrecke an der Südküste der Insel wesentlich einfach war, als
die Wanderstrecke auf der Nordseite der Insel.
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