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Allgemeine Fragen und Themen (Wandern)

Zu vielen Fragen/Themen gibt es zeitlich terminierte Nachträge, die die behandelten Fragen/Themen präzisieren oder evtl. sogar korrigieren. Im Inhaltsverzeichnis werden Beiträge, zu denen es Nachträge gibt, hinter dem Datum zusätzlich mit einem (N) gekennzeichnet. Die Zahl hinter dem Buchstaben gibt die Anzahl der Nachträge an.
 
Hinweis: Offene Fragen/Themen, wo meine Antworten noch ausstehen bzw. die gerade "in Arbeit" sind, werden im nachfolgenden Inhaltsverzeichnis in dunkelroter Schrift dargestellt.

A) Allgemeine Fragen/Themen (Wandern)
 
1)   August 2021: Ultraleicht-Trekking - Welche Bedeutung steckt hinter diesem Konzept?
2)   Oktober 2023: Einer für Alles
3)   November 2023: Packlisten - Was sind das für Listen und wie sinnvoll sind diese Listen?
4)   Januar 2025: UL-Konzept - Lassen sich Familie, Freunde und Bekannte davon inspirieren?
5)   Januar 2026: Ultraleicht -Trekking - Wie fange ich mit dem UL-Trekking an? 
 
A1) August 2021: Ultraleicht-Trekking -  Welche Bedeutung steckt hinter diesem Konzept?

Als ich im April 2018 mit meinem Blog Online ging, war ich bereits vom Ultraleicht-Trekking-Virus infiziert. Im Blog sind die Begriffe, wie Ultraleicht-Trekking, Basisgewicht, Packliste und andere Begriffe überall zu finden. Es fehlt allerdings noch eine ausführliche Erklärung, was hinter dem Konzept des Ultraleicht-Trekkings steckt. Wer meinen Blog liest, erkennt sehr schnell, was dieses Konzept beinhaltet. 
 
Trotzdem will ich am Anfang des Menüpunktes "Fragen/Themen" noch etwas näher auf diese Frage eingehen, weil es die  
 
     Mutter aller Fragen 
 
ist. 
 
Ich tue das erst jetzt, nachdem ich mich bereits seit einigen Jahren intensiv mit diesem Thema beschäftige. Aber in den letzten Jahren konnte ich auf meinen Wandertouren eine ganze Menge von Erfahrungen sammeln, die es mir erlauben eine einigermaßen fundierte Antwort auf diese Frage zu geben.
 
Auf meiner Wandertour Das grüne Band (ca. 1200 km) im Mai/Juni 2021 in Deutschland, die ich leider verletzungsbedingt nach ca. 800 km beenden musste, traf ich unterwegs einige Wanderer und Radfahrer, wo an der Größe des Gepäcks zu erkennen war, dass sie ebenfalls auf längeren Touren unterwegs waren. 
 
Nach der "Standardbegrüßung" unter Wanderern/Radfahrern, dem gegenseitigen Hallo und dem Wohin, folgte in den weiteren Gesprächen oft eine Bemerkung über meinen "kleinen" Rucksack. Die Betonung liegt hier auf "klein", nicht auf "leicht". Das Gewicht konnten meine Gesprächspartner nicht einschätzen, aber die Größe war fast jedem eine Bemerkung wert. Bei den ersten Wanderern/Radfahrern waren mir diese Bemerkungen über meinen "kleinen" Rucksack noch nicht aufgefallen. Aber je öfter ich mit Leuten redete, desto deutlicher wurde mir dieser Umstand.
 
Als ich dann in den weiteren Gesprächen erklärte, dass ich nicht auf einer "Hotel-/Pensionstour" unterwegs war, sondern Wildcampen wollte, konnte ich an den großen Augen die Verwunderung erkennen.
 
Ich persönlich finde meinen Rucksack "riesengroß", auch weil ich mit einem Basisgewicht (Erklärung des Begriffs erfolgt etwas später) von ca. 5,2 kg unterwegs war. Das ist nicht gerade ultraleicht. Aber mein Rucksack war so klein, dass es vielen Wanderern/Radfahrern trotzdem aufgefallen ist. 
 
Die Erkenntnis aus diesen Gesprächen ist, das offenbar viele Leute instinktiv
 
     lange Wandertouren mit großen Rucksäcken
 
in Verbindung bringen.
 
Anders kann ich mir diese weit verbreitete Meinung über die Ausrüstung für Langstreckenwanderungen nicht erklären.
 
     Wie erhalte ich also einen "kleinen" Rucksack?
 
Hier kommt jetzt der Begriff "Ultraleicht-Trekking" ins Spiel. 
 
Es waren amerikanische Langstreckenwanderer, die sich zuerst Gedanken über ihre Ausrüstung machten. Auf den drei bekanntesten amerikanischen Trails (Appalachian Trail (ca. 3500 km), Continental Divide Trail (ca. 5000 km), Pacific Crest Trail (ca. 4500 km)) ist es einmal die unglaubliche Länge der Trails, der die Bewältigung zu einer Herausfordung machte. Zum anderen spielte das Gewicht der Rucksäcke eine entscheidende Rolle. 
 
     Wandern mit möglichst leichtem Gepäck
 
wurde zur Devise vieler amerikanischer Langstreckenwanderer. Die Länge der Trails war nicht veränderbar, aber die Ausrüstung war es. So entstand der Begriff des
 
     Ultralight-Trekking (dt. Ultraleicht-Wandern oder dt-engl. Ultraleicht-Trekking)  
 
Irgendwann schwappte diese "Welle" des Ultraleicht-Trekkings, wie so viele Wellen, auch nach Europa über. In Europa bildete sich ebenfalls eine Ultraleicht-Trekking-Szene, die in Deutschland ua. im Forum
 
 
anzutreffen ist.
 
Im Menüpunkt Ausrüstung ist meine Gewichtsentwicklung seit Mai 2015 zu sehen. Im Sommer 2016, nach einer Wandertour an der Ostsee mit meiner Frau, wog ich erstmals meine Ausrüstung mit einer Küchenwaage und erhielt das Ergebnis von 17,332 kg. Die Ergebnisse der Messung stehen alle in einer Excel-Tabelle, die seit dieser Zeit die Basis für die Planung meiner Wandertouren ist.
 
Durch Stöbern im Internet bin ich im Frühjahr 2017 durch Zufall auf die Ultraleicht-Trekking-Szene in Deutschland gestoßen. Da war ich schon einige Jahre mit schwerem Gepäck auf kleineren Wandertouren unterwegs. Interessiert schaute ich mich in der neuen Ultraleicht-Welt um und wurde mitlesender Dauergast in den einschlägigen Foren.
 
Ich war "angefixt", wie man so schön auf "neudeutsch" sagt.
 
Mir wurde sofort klar, dass ich da etwas wegen dem Gewicht meiner Ausrüstung tun musste.
 
Die wenigsten Wanderer gehen sofort ultraleicht los. Vielmehr ist das bei den meisten Wanderern ein langwieriger Prozess. Lesen und theoretisieren hilft da nicht viel, vielmehr muss ausprobiert werden, was machbar ist. Dabei spielt die Balance zwischen den vier Komponenten
  • Gewicht
  • Komfort
  • Sicherheit
  • Preis
eine entscheidende Rolle. 
 
Auf meinem Weg zu einem Ultraleicht-Wanderer kristalisierten sich vier Punkte heraus, die es zu beachten gab: 

     P1) Überflüssige Ausrüstung muss weg
     P2) Leichtere Ausrüstung muss her
     P3) Die Mehrfachnutzung von Ausrüstung muss geprüft werden
     P4) Der Selbstbau (DIY, MYOG) muss ebenfalls geprüft werden

Durch die Beachtung der vier Punkte konnte ich in den letzten Jahren mein Basisgewicht von ca. 17,3 kg auf ca. 4,3 kg senken.

     Was ist das Basisgewicht?

Zum Basisgewicht zählen alle Ausrüstungsgegenstände, die im Rucksack mitgeführt werden, abzüglich der Nahrung (Essen und Wasser) und der Kleidung, die am Körper getragen wird.
 
Man unterscheidet 3 Basisgewicht-Kategorien (stammen aus den USA):

     (1) Lightweight      (LW,   Leicht):                  Basisgewicht < 20 lbs (< 9,07185 kg)
     (2) Ultralight          (UL,   Ultraleicht):            Basisgewicht < 10 lbs (< 4,53592 kg)
     (3) Superultralight (SUL, Super-Ultraleicht): Basisgewicht <   5 lbs (< 2,26796 kg)
 
Im Internet gibt es einige Plattformen, wo (2) Ultraleicht-Wanderer ihre Packlisten hinterlegen und vergleichen können. Die Packliste ist die Auflistung aller Ausrüstungsgegenstände, die für eine Wandertour benötigt werden.
 
Eine dieser Plattformen ist 
 

Eine meiner "früheren" Packlisten ist dort über den Link


zu finden. Es ist nicht mehr die aktuelle Packliste, zeigt aber, wie weit mein "Abspeckvorgang" einmal fortgeschritten war. Mittlerweile hat bei mir seit dem Jahr 2021 ein Umdenkprozess bezüglich der "Grammjagd" stattgefunden (siehe Fragen/Themen-A2 (Einer für Alles)).
 
Die leichteste Ausrüstung ist die, die man nicht mitnehmen muss. Deshalb ist es wichtig nach jeder Wandertour Bilanz zu ziehen und die Ausrüstung in drei Kategorien einzuteilen. Diese Bilanzierung führe ich mit Hilfe der oben erwähnten Excel-Tabelle durch.

     (1) Ausrüstungsgegenstand wurde benutzt
     (2) Ausrüstungsgegenstand wurde nicht benutzt, ist aber essentiell (zB Not-Medizin)
     (3) Ausrüstungsgegenstand wurde nicht benutzt, ist nicht essentiell

Die Ausrüstungsgegenstände der 3.Kategorie bräuchte man bei der nächsten Wandertour also nicht mehr mitzunehmen (siehe Punkt P1)
 
Dass die 3.Kategorie so einige Fallstricke beinhaltet, konnte ich auf meinen Wandertouren schon mehrmals erfahren. Jedesmal, wenn ich für eine Wandertour meinen Rucksack packe, halte ich zB ein kleines Bündel von fünf Kabelbindern in meinen Händen. Ich brauchte es in den letzten Jahren noch nie. Dann überlege ich, ob ich es in den Rucksack packe. Es sind nur wenige Gramm. Ich könnte sie (siehe 3.Kategorie) weglassen. Aber trotzdem packe ich sie immer wieder in den Rucksack. Auf meiner letzten Wandertour Das Grüne Band durch Deutschland brauchte ich erstmalig einen Kabelbinder für die Reparatur eines Tragegurtes an meinem Rucksack.

Auf der Suche nach Einsparpotential greifen Ultraleicht-Wanderer sehr oft zu leichterer Ausrüstung (siehe Punkt P2). Das birgt die Gefahr, das sich Komfort und Sicherheit in Grenzbereiche verschieben, was so sicherlich nicht gewollt ist.
 
Einige Beispiele mögen verdeutlichen, welch enormes Einsparpotential in superleichter Ausrüstung steckt:
 
     - Rucksack (von Osprey (ca. 1,9 kg) auf zpacks Nero 38L (275 g))
     - Zelt/Tarp (von Tarptent Double Rainbow (ca. 1,2 kg) auf zpacks Hexamid Pocket Tarp (148 g))
     - Wanderschuhe (von Hanwag Alaska GTX (ca. 1 kg/Schuh) auf ALTRA Lone Peak (299 g/Schuh)
 
Superleichte Ausrüstung hat oft einen höheren Preis, als Ausrüstung, die in jedem normalen Outdoor-Laden käuflich erworben werden kann.
 
Deshalb haben sich in den letzten Jahren kleine Firmen gebildet, die sich auf die Anfertigung von superleichter Ausrüstung spezialisierten. Auch hier sind die USA der Vorreiter. Dort gibt es einige Outdoor-Firmen, die von Wanderern (zB zpacks) gegründet wurden, die Erfahrungen auf den amerikanischen Trails sammeln konnten. Diese Erfahrungen ließen sie dann in die Produkte ihrer Firmen einfließen. Diese speziellen Produkte (Zelte, Tarps, Rucksäcke usw) sind in normalen Outdoor-Läden nicht erhältlich. Sie müssen im Ausland bestellt werden, was mit enormen Kosten (Preis, Zoll) verbunden ist.

Darum gehen viele Ultraleicht-Wanderer einen anderen Weg. Sie fertigen bestimmte Ausrüstungsgegenstände selbst an (DIY (Do It Yourself), MYOG (Make Your Own Gear), siehe Punkt P4). Das Spezialmaterial für ihre MYOG-Projekte beziehen sie dabei von Lieferanten (zB extremtextil), die sich auf die Lieferung von Hochleistungsmaterialien (Tyvek, Dyneema Cuben Fabric (DCF), SilNylon usw) spezialisiert haben. Dabei stammen viele dieser Hochleistungsmaterialien aus anderen Extrem-Sportarten, wie zB dem Segelsport und dem Fallschirmsport.

Auch ich fertige mittlerweile viele Ausrüstungsgegenstände (siehe Menüpunkt MYOG) selbst an, weil die Ausrüstungsgegenstände aus den einschlägigen Outdoor-Läden nicht mehr meinen speziellen, auf das Ultraleicht-Trekking zugeschnittenen, Gewichts- und Qualitätsansprüchen genügen.
 
Mein Basisgewicht hat sich jetzt in einem Bereich von 4-6 kg eingependelt. Abhängig ist das von der Wandertour und der Jahreszeit. Dabei gibt es auch Wanderer, die mit ihrem Basisgewicht sogar weit unter 3 kg liegen.
 
Wer einmal in der Spirale der Gewichtsreduzierung drin ist, muss andererseits aufpassen, dass wichtige Ausrüstungsgegenstände, mögen sie noch so leicht sein, nicht einfach weggelassen werden.

So packte ich einmal auf einer Wandertour im Sommer durch den Harz ein Moskito-Kopfnetz (21 g) nicht in den Rucksack, weil ich dachte, dass ich es nicht benötigen würde. Bei der Durchquerung eines Waldstückes (ca. 5 km lang) attackierten mich dann im Kopfbereich hunderte kleine schwarze Fliegen. Nie werde ich diese Wegstrecke vergessen. Solche "unüberlegten Gewichtsreduzierungen" werden in der Ultraleicht-Szene als "stupid light" bezeichnet.

Wenn ich jetzt aber zB eine Radtour über mehrere Tage planen müsste, würde ich sofort ultraleicht losfahren. Meine Wandererfahrungen würde ich, wenn möglich, in andere sportliche Betätigungen übernehmen.

Auch im privaten Bereich (Arbeit bis Februar 2019, Tagesausflüge, Urlaub usw) spielt der Ultraleicht-Gedanke eine immer größere Rolle. Ich bin nur noch im Rucksack unterwegs. Überflüssige Sachen (zB Kleidung) gibt es nicht mehr. Auch bei einem 14-tägigen Urlaub im Ausland geht mein Rucksack (Größe von 22 Liter, Gewicht) im Flieger locker als Handgepäck durch. Wenn ich auf dem Bahnhof oder dem Flughafen die Menschen mit ihren übergroßen Rollis durch die Gegend hetzen sehe, kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Mit meinem Rucksack kann ich auch mal einen Sprint zum nächsten Flieger, Zug oder Bus einlegen, was ich schon öfters machen musste.

Das Ultraleicht-Trekking ist für mich nicht nur ein spezielles Wander-Konzept, sondern mittlerweile eine Lebensphilosophie geworden.

A2) Oktober 2023: Einer für Alles 
 
Ich ordne das Thema mal in diesen Bereich des Menüpunktes Fragen/Themen ein, weil es zwar allgemein um Ausrüstungsgegenstände geht, aber speziell betrachtet unter dem Gesichtspunkt des Ultraleicht-Trekkings.

Die ausführliche Erklärung für die etwas kurz geratene Themenüberschrift ist der nachfolgende Satz.

Einen Ausrüstungsgegenstand möchte ich für alle möglichen Gelegenheiten, also jede Jahreszeit und jedes Wetter nutzen.

Was ich damit meine, lässt sich am besten mit einem Beispiel erklären.

Dafür wähle ich den Rucksack aus und betrachte nur Mehrtages- und Langstreckenwandertouren.

Mein erster Rucksack war im Jahr 2015 ein Osprey Atmos AG 50. An dem Rucksack hat mich, wie an allen Rucksäcken von Osprey, das Tragegestell begeistert. Der Rucksack hatte aber ein "gewaltiges" Eigengewicht von ca. 1,9 kg. Mit dem Rucksack absolvierte ich einige Mehrtageswanderungen. Im Jahr 2016 gönnte ich mir dann einen "leichteren" Rucksack von Osprey, den Kestrel 38, der ca. 1,4 kg auf die Waage brachte. Auch diesen Rucksack benutzte ich auf mehreren Wandertouren.

Im Jahr 2017 bin ich dann durch Zufall erstmalig im Internet auf die UL-Szene in Deutschland gestoßen. Mit großen und ungläubigen Augen studierte ich die ersten Packlisten im Internet. Erst konnte ich nicht begreifen, was ich dort sah. Da waren Wanderer mit Rucksäcken unterwegs, die nicht mal 500 g wogen. Ich war angefixt und mir war klar, dass ich da etwas tun musste. Ein neuer Rucksack sollte her. Es wurde nach intensiver Recherche im Internet der zpacks Arc Haul mit 660 g Eigengewicht. Das ist mein Lastenrucksack, den ich noch heute benutze.

Aber meine Gewichtsspirale drehte sich immer noch abwärts. Im Jahr 2019 gönnte ich mir einen weiteren Rucksack von zpacks, den Nero 38. Der wog nach der Entfernung des Rückenpolsters und einigen Schnüren nur noch 275 g. Auch diesen Rucksack benutze ich heute noch.

Mit anderen Ausrüstungsgegenständen, wie Zelten/Tarps, Schlafsäcken/Quilts, Isomatten und Wanderschuhen war es ähnlich. Von den genannten Ausrüstungsgegenständen hatte ich plötzlich mehrere in meinen Schränken.

Die intensive Beschäftigung mit dem UL-Gedanken machte mich immer nachdenklicher.

Brauche ich eigentlich so viele Modelle von einem Ausrüstungsgegenstand?

Ich hatte 4 Rucksäcke, von denen ich aktuell nur 2 intensiv gebrauche. Die anderen zwei lungerten in meinen Schränken herum.

Ungefähr ab dem Jahr 2021 fand bei mir ein langsamer Umdenkprozess statt. Ich überlegte mir, dass ich doch für viele Gelegenheiten mit weitaus weniger gleichen Ausrüstungsgegenständen auskommen müsste. Das war nicht nur eine Geldfrage, sondern auch ein Logistik-Problem. Überall lag Wanderausrüstung herum, die ich anzahlmäßig deutlich verringern könnte.

Zwei Rucksäcke reichen doch. Damit kann ich meine unterschiedlichen Wandertouren ohne Probleme abdecken. Also verkaufte ich den Osprey Atmos AG 50. Auch den Osprey Kestrel 38 hätte ich verkauft, wenn er nicht beschädigt wäre. Den Osprey Kestrel 38 nutze ich nur noch, wenn ich mit meinen Enkelkindern auf Wandertouren bin. Die Enkelkinder bekommen dann den Osprey-Rucksack "aufgedrückt".

Dieser Gedanke "Einer für Alles" ist jetzt mein Leitmotiv geworden. Dabei lasse ich auch die UL-Gewichtsproblematik nicht ganz aus den Augen.

Im Moment verwende ich meinen AsTucas-Sommerquilt (APEX 133) mit einer Komforttemperatur von 10°C auch für leichte Minusgrade. Auch die selbstaufblasende Schaumstoff-Isomatte TaR ProLite in Small nutze ich von März bis November. Das funktioniert nur, wenn ich bestimmte Ausrüstungsgegenstände optimal kombiniere.

Durch diese Vorgehensweise "Einer für Alles" wird es allerding schwer mit meiner Packliste als UL-Wanderer zu gelten. Wenn ich bei Minusgraden mit dem Sommer-Quilt und der Isomatte erholsam übernachten will, muss ich spezielle Vorkehrungen (Biwaksack, VBL-Kleidung, KuFa-Pullover und -Hose, dicke Socken) treffen, die mein Basisgewicht gehörig nach oben treiben.

Mehrfach vorhandene Ausrüstungsgegenstände werden jetzt nicht überstürzt verkauft. Sie werden immer noch bei bestimmten Gelegenheiten, zB mit den Enkelkindern, genutzt. Irgendwann sind sie so abgenutzt und beschädigt, dass sie entsorgt werden müssen.

Die Entscheidung

     (1) ein niedriges Basisgewicht oder
     (2) weniger gleiche Ausrüstungsgegenstände

fällt mir aktuell sehr leicht.

Ich tendiere eindeutig zu Punkt (2), also "Einer für Alles".

Über meine Erfahrungen, speziell in dieser Frage, werde ich hier an dieser Stelle berichten...
 
A3) November 2023: Packlisten - Was sind das für Listen und wie sinnvoll sind diese Listen?
 
In verschiedenen Fragestellungen im Menüpunkt Fragen/Themen, in den Menüpunkten zur Ausrüstung und auch im Menüpunkt Verschiedenes bin ich schon auf den Begriff "Packlisten" eingegangen. Meistens habe ich das in den genannten Menüpunkten mehr oder weniger nur kurz erwähnt. Jetzt will ich das etwas genauer und ausführlicher tun.

Einen bestimmten Augenblick werde ich nie vergessen.

Im Jahr 2017 beschäftigte ich mich erstmalig mit dem Ultraleicht-Trekking (UL-Trekking). Bei Recherchen zu Ausrüstungsgegenständen, wie Zelten, Rucksäcken, Schlafsäcken und Wanderschuhen, bin ich durch Zufall auf diese Szene in Deutschland gestoßen. Äußerst interessiert tauchte ich in diese Welt ein. Fast jeden Tag war ich stundenlang in Foren, auf Internetseiten und in Wanderberichten unterwegs.

Zu dieser Zeit betrug mein Rucksackgewicht mit Inhalt geschätzt ca. 20 kg. Ganz genau kann ich es nicht mehr beziffern.

Eines Tages bin ich auf den Blog einer deutschen Langstreckenwanderin (Christine Thürmer) gestoßen. Der Blog war in englischer Sprache gehalten. Neugierig stöberte ich in dem Blog herum und klickte auf jeden Menüpunkt. Im Menüpunkt Gear list fand ich ihre 3-season-Packliste (3-Jahreszeiten-Packliste). Beim Nach-Unten-Scrollen in der Tabelle sah ich dann diese ominöse Zahl, das Base weight von ca. 5,5 kg, die mich maßlos in Erstaunen versetzte. Erstmal war ich sprachlos. Mein erster Gedanke war, dass das ein Schreibfehler sein musste. Da fehlte bestimmt eine 1 vor der ersten 5, also musste das 15,5 kg heißen. Mehrmals scrollte ich hoch und runter und verglich einige wichtige Ausrüstungsgegenstände aus der Liste mit meinen eigenen Ausrüstungsgegenständen von denen ich zu diesem Zeitpunkt das ungefähre Gewicht kannte. Das waren Zelt, Rucksack, Schlafsack und Wanderschuhe. Langsam gewann ich die Erkenntnis, dass die Zahl in der Packliste stimmen musste. Mein Rucksack war ca. 15 kg schwerer als der Rucksack in der Packliste des Blogs. Mir war sofort klar, dass ich da etwas mit meiner Packliste tun musste.

Packlisten enthalten alle Ausrüstungsgegenstände, eingeteilt nach bestimmten Kategorien. Auf dem Computer liegt meine Packliste als Excel-Datei vor. Diese Kategorien wählte ich so aus, wie ich es persönlich als sinnvoll erachtete.

Ich zähle einfach mal meine Kategorien in alphabetischer Reihenfolge auf:

     (1)   Ernährung
     (2)   Finanzen
     (3)   Hygiene
     (4)   Kleidung
     (5)   Kochen
     (6)   Medizin
     (7)   Reise
     (8)   Rucksack
     (9)   Schreibzeug
     (10) Schuhe
     (11) Sicherheit
     (12) Technik
     (13) Übernachtung
     (14) Verpackung
     (15) Wanderausrüstung
     (16) Waschen
     (17) tourabhängige Ausrüstung

Im Internet existieren Plattformen, wie

     www.lighterpack.com,

wo jeder seine eigenen Packlisten hinterlegen kann.

Eine meiner "früheren" Packlisten ist dort unter dem Link

     Packliste_Stand_2019_12

zu finden. Zu dieser Zeit war ich noch auf der Jagd nach jedem Gramm.

Viele UL-Wanderer machen ihre Packlisten öffentlich zugänglich. Andere UL-Wanderer können sich dann diese Packlisten ansehen. Manche UL-Wanderer fordern dann andere UL-Wanderer zur Beurteilung der eigenen Packliste auf. Dadurch erhoffen sie sich Hinweise, wie die eigene Packliste weiter optimiert werden könnte.

Meine Packliste stammt aus dem Jahr 2019, steht also schon seit einigen Jahren unverändert so im Internet.

Was bedeutet das?
Bin ich nicht mehr auf der Jagd nach jedem einzelnen Gramm?

Doch, das bin ich immer noch.

Aber in den letzten Jahren hat sich in meiner Denkweise, was die Jagd nach jedem einzelnen Gramm angeht, etwas geändert. In Fragen/Themen-A2 (Einer für Alles) bin ich näher auf diese geänderte "Denkweise" eingegangen. Ich achte immer noch auf jedes Gramm, aber es ist nicht mehr die "absolute" Jagd nach jedem einzelnen Gramm, die im Vordergrund steht.

Das "Gesamtkonzept" aus

     -Leichtigkeit (Gewicht),
     -Komfort,
     -Sicherheit,
     -Preis und
     -Nachhaltigkeit

muss stimmen.

Das hat dazu geführt, dass sich meine aktuelle Packliste, je nach Jahreszeit und Wetterbedingungen zwischen 4 bis 6 kg bewegt. Das ist oft nicht mehr UL (= (U)ltra(L)eicht), wo die Grenze bei 4,53592 kg (< 10 lbs, amerikanische Pfund) liegt.

Trotzdem werfe ich immer noch, wenn sich die Möglichkeit bietet, einen Blick in die Packlisten anderer UL-Wanderer. Das ist hochinteressant und inspiriert mich zu vielen neuen Ausrüstungsgedanken.

Meine Packliste (=Excel-Datei) auf dem Computer ist daher ständigen Änderungen unterworfen. Es vergeht kaum ein Tag, wo ich nicht einen Blick in die Packliste werfe und über Änderungen nachdenke, die ich irgendwo! im Internet gesehen habe.

Meine Packliste enthält alle meine Ausrüstungsgegenstände mit ihrem Gewicht. Vor jeder Wandertour gehe ich durch die Packliste und markiere, abhängig von der Wandertour (Land, Dauer usw) und den zu erwartenden Groß-Wetterbedingungen, die Ausrüstungsgegenstände, die ich in den Rucksack packen will. Damit weiß ich sofort, welches Gewicht mein Rucksack auf der Wandertour tragen muss. Aus dem Gesamtgewicht resultiert dann die Auswahl eines Rucksacks. Im Sommer bin ich meistens mit einem 38-Liter-Rucksack von zpacks, dem Nero 38L, auf Wandertour. Sonst mit dem zpacks Arc Haul mit einem Fassungsvermögen von 50 Litern.

In meiner Packliste gibt es viele Ausrüstungsgegenstände, die mehrfach vorhanden sind. Manche 3-fach oder sogar 4-fach. Die mehrfach vorhandenen Ausrüstungsgegenstände versuche ich zu verkaufen. Wenn das nicht mehr geht, werden sie solange genutzt, bis sie auseinanderfallen. Neue werden dann erstmal nicht mehr gekauft. Dadurch will ich den Bestand meiner Ausrüstungsgegenstände stark reduzieren. Manche Ausrüstungsgegenstände verschenke ich auch an meine Enkelkinder.

Durch eine Packliste kann ich also sehr genau den Überblick über meine Ausrüstungsgegenstände bewahren.

Für mich behalten Packlisten deshalb ihren Sinn.

Im Internet fand ich erst kürzlich einige neue interessante Plattformen für die Erstellung und Pflege von Packlisten:

     (1) www.packwizard.com
     (2) www.packstack.io

Ausprobiert habe ich diese Plattformen noch nicht. 
 
Mir reicht eigentlich meine Excel-Datei.
 
A4) Januar 2025: UL-Konzept - Lassen sich Familie, Freunde und Bekannte davon inspirieren?
 
Seit Frühjahr 2017, also seit fast 8 Jahren, beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem UL-Konzept. In dieser Zeit ist das UL-Konzept für mich nicht nur ein spezielles Konzept für das "ultraleichte Wandern" geworden, sondern auch eine Lebens-Philosophie. In viele Bereiche meines Lebens hat das UL-Konzept Einzug gehalten.

Reisen (Urlaub, Besuche usw) trete ich nur mit einem kleinen 22-Liter-Rucksack (Talon 22) von Osprey an. Kein Wäschestück ist doppelt vorhanden, außer Unterhose und Socken. Am Anfang hat das in meiner Familie, unter Freunden und Bekannten große Verwunderung und sogar Skepsis ausgelöst. Vielleicht hat mich der eine oder andere hinter vorgehaltener Hand sogar belächelt. Mittlerweile hat sich die Situation aber geändert. Auch weil viele meinen Blog kennen und wissen, was ich so in meiner Freizeit treibe.
 
Bild 1: Reisegepäck eines UL-Wanderers und dem "Rest der Welt"

Das Bild 1 zeigt den Unterschied zwischen den Welten eines UL-Wanderers und einem Normalbürger für eine 1-wöchige Urlaubsreise in den Norden von Deutschland.

Aber es zeichnen sich so langsam Änderungen ab.

Weil ich eher ein zurückhaltender Mensch bin und nicht alle 5 Minuten meine Familie, Freunde und Bekannte mit meinem UL-Konzept nerve, braucht die ganze Angelegenheit etwas Zeit.

Wenn ich gefragt werde, gebe ich eine Antwort, ansonsten halte ich mich zurück. An kleinen Änderungen, die anderen vielleicht nicht gleich auffallen, erkenne ich aber, dass sich meine Mitmenschen Gedanken über ihr Gepäck machen. Wenn anfangs ein Hartkoffer, wie im Bild 1, ein absolutes Muss war, fragen mich jetzt doch einige, wenn sie mit mir im Auto verreisen, ob sie einen Koffer oder eine leichte Reisetasche nehmen sollen. Weil sie meine Antwort kennen, antworten sie lachend von selbst, dass sie die Reisetasche nehmen. Reisetaschen lassen sich einfach besser im Auto verstauen.

Dachboxen gehören so schon seit einigen Jahren der Vergangenheit an. Mit meinen Packkünsten kann ich das Gepäck von 4 Leuten so im Kofferraum meines Autos verstauen, dass ich noch im Innenspiegel des Autos, meinem wichtigsten Spiegel, ohne Probleme durch die Hinterscheibe den nachfolgenden Straßenverkehr beobachten kann.

In den letzten Jahren unternahm ich auch vermehrt Wandertouren mit einzelnen Familienmitgliedern (Ehefrau, Kinder und Enkelkinder). Auch da habe ich nicht den "Anfangsimpuls" gegeben. Vielmehr waren es einzelne Familienmitglieder, die gerne eine Wandertour mit mir machen wollten. Den "Wandervirus" konnte ich so jedenfalls erfolgreich weitergeben.

Meine Familie hat das Wandern entdeckt, was mich riesig freut. Dabei geht jeder seine eigenen Wege. Meine Ehefrau mit ihrer Wanderfreundin, meine Tochter mit ihren vielen Freundinnen und meine Enkelkinder mit ihren Freunden oder auch Familienmitgliedern, getreu dem Motto "HYOH" (Englisch: Hike Your Own Hike, Deutsch: Geh Deinen eigenen Weg).

Nur wegen der "richtigen" Ausrüstung, der UL-Ausrüstung, müssen wir noch etwas "Überzeugungsarbeit" leisten. Vor Wandertouren wird genau festgelegt, welche Ausrüstung meine Familie von mir bekommen kann. Das ist in der Regel die Übernachtungsausrüstung (Zelt, Isomatte und Schlafsack). Diese Ausrüstungsgegenstände sind bei mir mindestens doppelt oder sogar dreifach vorhanden. Das ist auch ein Grund, warum ich überzählige Ausrüstung nicht verkaufen muss. Sie wird einfach von meinen Familienmitgliedern verwendet. Da kommt es nicht auf jedes Gramm an.

Passende Wander-Rucksäcke besitzen mittlerweile alle Familienmitglieder, die mit mir auf einer mehrtägigen Wandertour unterwegs sind. Auch bei der Auswahl der passenden Wanderschuhe stand ich beratend zur Seite. Sie wagen sich auch an neue Dinge heran, wie die Übernachtung im Zelt, und wundern sich anschließend, wie problemlos das funktioniert.

Dass bei der Ausrüstung noch der eine oder andere "leichte"😆 Fehler (Gear Failures) unterläuft, wird bei Familienfeiern gerne zum Besten gegeben.

Mit meiner Enkeltochter wollten wir im Juni 2022 die Insel Menorca umrunden. Das sind ca. 180 km. 1 Tag für An- und Abreise und 7 Wandertage. Das ist ein ziemlich sportliches Ziel für eine erste Mehrtageswanderung mit Übernachtung im Zelt. Leider mussten wir die Wandertour abbrechen. Jedenfalls hatte sich in den Rucksack meiner Enkeltochter ein dickes Schlüsselbund eingeschlichen. Einfach wegwerfen oder zurückschicken war auf Menorca nicht mehr möglich, also musste es durch die Gegend getragen werden. Weil wir bei der Anreise unter enormen Zeitdruck standen, konnte ich die Ausrüstung auch nicht mehr richtig kontrollieren. So sind mir für die 8 Tage auch die 7 Schlüpfer und 7 Unterhemden sprichwörtlich "durch die Lappen"😀gegangen.

Auf unserer Wandertour im März 2024 über den Caminho Portugues, die wir erfolgreich in Santiago de Compostela beenden konnten, war das schon wesentlich besser. Da hatte sich nur ein "dickes" Buch😁 in die Ausrüstung geschlichen.  

Meine Tochter war mit mir im Mai 2024 einige Tage in der Mecklenburger Seenplatte unterwegs. Die Übernachtung im Zelt wollte sie unbedingt einmal ausprobieren. Alles verlief problemlos. Auch da denke ich, dass das die Initialzündung für weitere "Übernachtungsexperimente" war.

Meine Ehefrau unternimmt mit ihrer Wanderfreundin viele Tageswanderungen, die sie teilweise bis nach Sachsen oder Thüringen führen. Manchmal dürfen auch die Ehemänner mit. Bei der Planung, der Vorbereitung und der Durchführung halte ich mich vollkommen zurück. Zu keiner Zeit mische ich mich da ein, obwohl ich manches (Weg, Navigation usw) anders gemacht hätte. Selbst in schwierigen Situationen (Navigation) bleibe ich dezent im Hintergrund. Bisher konnten sie alle Probleme ohne mein Zutun lösen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der genannte Personenkreis mit der Zeit immer routinierter wird.

Mit Freunden oder Bekannten ist das mit dem UL-Konzept nicht so einfach zu realisieren. Eine Ursache sehe ich in dem nicht so häufigen Kontakt. Manchmal sehe ich aber einen neuen Ausrüstungsgegenstand bei meinen Freunden oder Bekannten, den ich vorher dort nicht sah. Offensichtlich schauen sie sich doch etwas von mir ab. Das lässt für die Zukunft hoffen.
 
A5) Januar 2026: Ultraleicht-Trekking - Wie fange ich mit dem UL-Trekking an? 
 
Diese Frage treibt mich schon viele Jahre um. 

Seit dem Jahr 2017 beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Ultraleicht-Trekking (UL-Trekking). Bei der Planung und Durchführung der unterschiedlichsten Wandertouren (Tages-, Mehrtages- und Langstreckenwanderungen) konnte ich viele Erfahrungen sammeln, die mir jetzt eine einigermaßen fundierte Antwort erlauben.

In Fragen/Themen A1 und A3 habe ich zentrale Begriffe (Konzept des UL-Trekkings, Packlisten) erklärt, bin in Fragen/Themen A2 auf mehrfach vorhandene Ausrüstungsgegenstände eingegangen und habe in Fragen/Themen A4 das UL-Trekking im Familien-, Bekannten- und Freundeskreis beleuchtet.

Was würde ich einem Wanderfreund, so will ich die Person mal bezeichnen, raten, wenn er sich an mehrtägige Wandertouren heranwagen will?
Wie würde ICH!!! mit dem Wissen von heute mit den mehrtägigen Wandertouren anfangen?

Es gibt mehrere "große" Themen, die betrachtet werden müssen:

     (1)   Spaß am Wandern
     (2)   Wanderschuhe
     (3)   Zwischenstand
     (4)   Rucksack
     (5)   Übernachtungs-Setup
     (6)   Restliche Ausrüstung
     (7)   Preis
     (8)   Gebrauchte Ausrüstung
     (9)   MYOG
     (10) Fazit
     (11) Ausblick


(1) Spaß am Wandern

Dem Wanderfreund schießen sicherlich sofort tausende Gedanken durch den Kopf. Große Pläne werden geschmiedet. Im Internet werden Berichte zu den unterschiedlichsten Touren gelesen und Ausrüstungslisten studiert. Die Informationsflut, die auf den Wanderfreund einstürmt und verarbeitet werden muss, ist gewaltig. Da gilt es kühlen Kopf zu bewahren und nicht in Aktionismus zu verfallen.

In einem ersten Schritt würde ich im häuslichen Umfeld testen, ob das nicht nur eine Laune ist, die zB aus einer Tageswanderung in einer schönen Urlaubsgegend geboren wurde. Dazu würde ich mir eine Rundstrecke in meiner Wohngegend suchen, die an meinem Zuhause beginnt und auch dort endet. Solche Wege gibt es überall. Einen kleinen Rucksack und Wanderschuhe hat bestimmt jeder. Und schon kann es losgehen. Für den Anfang reicht eine Tagesstrecke von 20 - 25 km aus. 

Danach wird geprüft, wie der erste Test verlaufen ist. 

Macht das Wandern immer noch Spaß?
Hat der Körper, vor allem die Füße, die ungewöhnliche Belastung ohne Probleme (Blasen, Sehnenprobleme usw) überstanden?
Ist mental alles ok? (zB: Kommt die Frage hoch, warum mache ich das eigentlich alles?)

In einem zweiten Schritt wird der Test auf mehrere Tage ausgedehnt. Entweder 2 oder besser sogar 3 Tage hintereinander an einem Wochenende, evtl. sogar bei schlechtem Wetter, wandern. Immer von zuhause aus. Die Streckenlänge kann von 20 bis 30 km variieren. 

Laufen, Essen, Schlafen. Bei jedem Wetter. Das ist der Rhythmus, den es über mehrere Tage hintereinander zu bewältigen gilt. Vielleicht muss diese Prozedur sogar mehrmals durchlaufen werden.

Danach muss man sich dieselben Fragen stellen.

Spaß ok?
Körper, speziell die Füße, ok?
Mental alles ok?

Die 3 harten Wandertage (zB 70 km = 20 km, 30 km, 20 km) spürt der Körper. Man isst und schläft überraschend gut. Auch die Waage zeigt plötzlich nicht jeden Tag eine leichte Tendenz nach oben. Das allgemeine Wohlbefinden ist gut, schließlich hat man was für die Gesundheit getan.

Der leichte Muskelkater am Morgen ist zu verkraften. 

Gibt es aufkommende Sehnenprobleme, resultierend aus der ungewohnten Dauerbelastung? 
Haben sich erste Blasen gebildet?

Muss eine der beiden Fragen mit ja beantwortet werden, dann wird es interessant und der für meine Begriffe wichtigste Ausrüstungsgegenstand rückt in den Blickpunkt, die (2) Wanderschuhe. Spaß und Freude beim Wandern steht und fällt mit den richtigen Wanderschuhen.

(2) Wanderschuhe

Was sind die richtigen Wanderschuhe für mich?

Das ist ein äußerst komplexes und sehr individuelles Thema und ist nicht leicht zu beantworten. Wanderforen sind voll von Diskussionen über die richtigen Wanderschuhe.

Ich muss mir einige Fragen stellen.

Habe ich schmale, normale oder breite Vorderfüße?
Bin ich Fersen- oder Ballengänger (Ich kenne keinen einzigen Ballengänger, das nur zur Information)?
In welchem Gelände will ich hauptsächlich wandern?
Möchte ich Wanderschuhe oder Trailrunner benutzen?
Könnte ich mir vorstellen in Barfußschuhen zu wandern?

Hier könnte ich noch viel mehr Fragen stellen.

Jeder kann mal einen Versuch machen und in ein Outdoor-Geschäft gehen und sich über Wanderschuhe beraten lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Verkäufer den Kunden zu hohen Wanderschuhen überreden will. Diese Schuhe sind am teuersten. Macht euch den Spaß, aber kauft bitte!!! erstmal nicht.

Ich selbst war jahrelang in hohen Wanderschuhen unterwegs. Meine Offenbarung war der Umstieg von hohen Wanderschuhen auf Trailrunner (ALTRA Lone Peak). Von der ersten Minute an konnte ich in diesen Trailrunnern wunderbar gehen. Ich hatte nie wieder Probleme. Sehnenentzündungen und Blasen gehörten der Vergangenheit an.

Also hier ist mein Vorschlag für das wichtige Thema Wanderschuhe:

a) Informationen über Wanderschuhe im Internet in den einschlägigen Wanderforen sammeln
b) Feststellen in welche Richtung man persönlich tendiert (Fußform, Passform, Wanderschuharten, Gelände, Verfügbarkeit, Preis usw)
c) Wanderschuhe kaufen und testen

Wenn ich Wanderschuhe teste, schaue ich immer nach älteren Versionen, die es manchmal im Abverkauf gibt. Testen bedeutet auch immer kaufen. Beim Test merke ich schon nach wenigen Kilometern, ob der Wanderschuh "funktioniert" oder nicht.

Was mache ich mit Wanderschuhen, die nicht "funtionieren", obwohl die Informationen im Internet etwas anderes suggeriert haben?

Ich verkaufe sie im Internet. Deshalb ist es wichtig die Tests nicht über zu lange Strecken und einen zu langen Zeitraum durchzuführen. Ich merke ziemlich schnell, ob ein Wanderschuh das Zeug für längere Wandertouren hat. Wenn die Wanderschuhe zu stark abgenutzt sind, senkt das den Wiederverkaufspreis.

Trotzdem bleiben Fehlkäufe nicht aus und es stehen einige nicht benutzte Wanderschuhe im Schuhschrank herum.

Hat man einen erfolgversprechenden Wanderschuh gefunden, wiederhole ich die 3-Tage-Wanderprozedur und beobachte den Wanderschuh sehr genau.

Ist alles gut, wars das mit den Wanderschuhen. Wenn nicht beginnt die ganze Prozedur von vorn und es muss weiter gesucht und auch getestet werden.

Ich habe meine Wanderschuhe mit den ALTRA Lone Peak gefunden. 
 
Mein Problem ist, dass es diese Wanderschuhe nur im Internet zu kaufen gibt. Deutsche Händler führen diese amerikanische Marke so gut wie nicht. Ich würde mich gern bei der Auswahl meiner Wanderschuhe wesentlich breiter (andere Marken) aufstellen. Das erleichtert auf Langstreckenwanderungen den Nachkauf von verbrauchten Wanderschuhen. Bis jetzt ist mir das nicht richtig gelungen.

Bei den Wanderschuhen betrachte ich nicht nur die Wanderschuhe selbst, sondern nähere mich der Wanderschuh-Problematik auch von einer anderen Seite, meinen Füßen.

Was kann ich tun, damit meine Füße wiederstandsfähiger werden?

Da fällt mir zuerst das Barfußgehen ein. Schon seit Jahren laufe ich im Frühjahr bis Herbst im häußlichen Umfeld, vor allem in der Wohnung, draußen auf meinem Grundstück und auf Wegen und Straßen in meiner Nachbarschaft, barfuß herum. Die Nachbarn haben zuerst komisch geschaut, aber mittlerweile wissen alle, warum ich das mache.

Zusätzlich bin ich in dem genannten Zeitraum außschließlich in Barfuß-Sandalen von XERO (zB Z-Trail, Z-Trek usw) unterwegs. Diese Sandalen sind meine Zweitschuhe für Wandertouren, zusätzliches Gewicht hin oder her. Ohne Zweitschuhe gehe ich nie aus dem Haus. Sollten meine Wanderschuhe auf einer Wandertour den Geist aufgeben, was noch nie passiert ist, kann ich problemlos auf die Sandalen umsteigen. Gelegentlich bestreite ich manchmal eine Tagesetappe sogar nur mit den Sandalen. XERO gibt zB eine Sohlengarantie von 5000 Meilen, was aber nie im Leben stimmt. 

Mein Ziel ist längere Wandertouren nur in Sandalen zu bestreiten. So konnte ich das vor einigen Jahren auf einem Jakobsweg in Spanien an einem jungen Portugiesen beobachten. Die staubigen Schotterpisten der spanischen Jakobswege machten ihm mit seinen "Jesuslatschen" keine Probleme. Das hat mich damals unheimlich beeindruckt.

Im Menüpunkt Ausrüstung (die 3 wichtigen Ausrüstungsgegenstände) und in einigen Beiträgen in Fragen/Themen und im MYOG-Bereich thematisiere ich die Wanderschuh-Problematik noch etwas genauer.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Wanderschuh-Problematik für jeden Wanderfreund mehr oder weniger ein Dauerthema bleibt, auch wenn der richtige Wanderschuh, wie bei mir, bereits gefunden wurde.

(3) Zwischenstand

Wenn die Punkte

     (1) Spaß am Wandern und 
     (2) Wanderschuhe
 

mit einem eindeutigen "Ja" beantwortet werden, könnte man sich ja eigentlich den weiteren oben genannten Themen zuwenden. Vorher würde ich das persönlich nicht tun. Die ersten beiden Punkte müssen unbedingt geklärt sein.

Werden mehrere Punkte parallel angegangen, kann es passieren, dass dann teure Ausrüstung beschafft wird, die wegen falscher Wanderschuhe nicht genutzt werden kann. Das gilt es unbedingt zu vermeiden. Man muss sich da etwas Zeit lassen. 

(4) Rucksack

Die in (2) Wanderschuhe beschriebenen Tageswanderungen können mit jedem beliebigen Tagesrucksack bestritten werden. Einen solchen Rucksack hat bestimmt jeder zuhause rumliegen. Mit einem Tagesrucksack können auch mehrtägige Testtouren absolviert werden, wenn der Start- und der Zielort das eigene Zuhause ist. Ausrüstung für die Übernachtung wird ja dafür erstmal nicht benötigt.

Ich würde für einen Überblick auch dem lokalen Outdoor-Händler einen Besuch abstatten. Dort kann ich mir die Rucksäcke der verschiedenen Hersteller anschauen und mir einen Überblick verschaffen, was es alles so gibt.

Meine ersten beiden Rucksäcke waren von Osprey. Einer wog knapp 2 kg, der andere ca. 1,2 kg. Diese Rucksäcke haben ein gewaltiges Eigenwicht. Das ist auf keinen Fall ultraleicht. Aber das waren die Anfänge. An diesen Rucksäcken hat mich schon immer das sehr gute Tragesystem begeistert. Immer, wenn ich die Gelegenheit zum Besuch eines Outdoor-Ladens in einer größeren Stadt habe, schaue ich mir die Rucksäcke dieses Herstellers an. Dann schaue ich mir vor allem die Kleinigkeiten an, die viele einfach übersehen. Dazu später noch etwas mehr.

Im Prinzip gibt es zwei Rucksack-Typen:

     (a) Tragegestell-Rucksäcke
     (b) Beutel-Rucksäcke


Meine ersten beiden Osprey-Rucksäcke waren (a) Tragegestell-Rucksäcke. Das Tragegestell der Rucksäcke trägt ordentlich zum Gesamtgewicht der Rucksäcke bei und besteht entweder aus dünnen Metallstäben oder einem verstärkten Rückenteil.

Mein dritter Rucksack war ein Arc Haul von zpacks (ca. 50 Liter, Baujahr 2017). Dieser Rucksack besitzt ein "Pseudo-Tragegestell" aus ganz dünnen Metallstäben. Der Rucksack wiegt ca. 600 g. 

Mein vierter Rucksack ist der Nero 38 L von zpacks (38 Liter, Baujahr 2018). Das ist ein (b) Beutel-Rucksack. Dieser Rucksack fällt einfach in sich zusammen, wenn er leer ist, deshalb der Begriff Beutel-Rucksack. Nach der Entfernung "überflüssiger" Bestandteile (Rückenpolster, Schnüre) wiegt der Rucksack nur noch ca. 300 g. Das passt schon eher in die UL-Kategorie. 

Beide Rucksäcke benutze ich noch heute für meine Wandertouren, obwohl ich sie schon mehrfach reparieren musste.

Die Osprey-Rucksäcke habe ich beide über eBay verkauft.

Ich hatte weiter oben erwähnt, dass ich mir Rucksäcke anderer Hersteller immer genau anschaue. So habe ich die beiden Rucksäcke von zpacks mit einer Trekkingstock-Halterung und einem Reißverschlussfach nachgerüstet. 

Mit der Trekkingstock-Halterung kann ich meine Trekkingstöcke ungefaltet einfach unter den Armen befestigen, so dass die Hände für andere Tätigkeiten freiwerden.

Mit dem Reißverschlussfach kann ich meinen Quilt von außen in den Rucksack stecken, ohne den Rucksack öffnen zu müssen. Dafür musste ich schweren Herzens die Böden beider Rucksäcke aufschneiden und einen Reißverschluss einnähen.

Beide Rucksack-Details habe ich von den Osprey-Rucksäcken übernommen und in MYOG-Projekten (C17 und C25) "nachgebaut".

Entscheidend für die Auswahl eines geeigneten Rucksack ist neben dem Gewicht, dem Fassungsvermögen und dem Tragegestell auch das Rucksack-Material.

Ist es wasserdicht oder nicht?
Wie kann es im Notfall, auch unterwegs, repariert werden? 

Obwohl der zpacks Nero 38 L aus wasserdichtem Material angefertigt wurde, benutze ich immer einen großen stabilen! Plastiksack aus dem Baumarkt für innen. Sicher ist sicher. 

Auf meinen Wandertouren trage ich Ausrüstung (Tarp/Zelt, Regensachen, dünner oder etwas dickerer Pullover je nach Jahreszeit, Nahrung für den Tag, Wasserfilter, Toilettenpaper, kleines Werkzeug, wichtige Medizin (Pflaster und Leukotape)), auf die ich unterwegs schnell zugreifen möchte, immer außen am Rucksack.

Deshalb brauche ich auch immer eine Regenhülle, obwohl das Rucksack-Material wasserdicht ist.

Ein guter "Rucksack-Tag" ist für mich ein Tag, wenn ich den Rucksack nur zweimal am Tag öffnen muss. Einmal am Morgen beim Packen, dann am Abend beim Aufbau des Nachtlagers.

Wer mich auf Wandertouren sieht, könnte denken, dass da ein fahrender Zigeuner mit seinem Krempel unterwegs ist. Aber diese Vorgehensweise hat sich auf vielen Wandertouren für mich als vorteilhaft erwiesen. Die lästige Suche im Rucksack nach einem bestimmten Ausrüstungsgegenstand findet nur sehr selten statt. Hinzukommt, dass ich meine Ausrüstung im Rucksack nach Kategorien (Ernährung, Hygiene, Medizin, Kochen, Kleidung usw) in separaten MYOG-Beuteln (meistens aus DCF-Resten angefertigt) verstaut habe. Wenn notwendig, kann ich durch die "Beuteltechnik" meinen Rucksack in wenigen Sekunden komplett ausräumen.

Auch der Aufbau meines Übernachtungsplatzes bei strömemden Regen ist kein Problem. Mein Trap/Zelt hängt außen und unten in einem Beutel am Rucksack. Das Tarp/Zelt wird aus dem Beutel genommen und auf der Erde ausgebreitet. Dann kann ich sofort den Rucksack unter das Tarp/Zelt legen, so dass er kaum nass wird. Dann vollende ich den Aufbau des Tarps/Zeltes. Dann krauche ich ins Tarp/Zelt, öffne den Rucksack und vollende den Aufbau des Schlafplatzes. 

Das ist ein Vorgang, der sich schon vielemale bewährt hat.

Jetzt habe ich einige Details über meine Rucksäcke genannt.

Müsste ich heute einen Rucksack kaufen oder herstellen, was ich irgendwann sicherlich tun muss, würde ich vom Fassngsvermögen einen 40-Liter Rucksack auswählen. Das Material wäre mir nicht so wichtig, weil ich innen immer! einen Plastiksack und außen immer! eine Regenhülle verwende. Schön wäre es, wenn man es (zB unterwegs) bei der Reparatur kleben könnte, wie beim zpacks Nero 38 L, meinem Lieblingsrucksack.

Vom Tragegestell wäre es ein Beutel-Rucksack mit normalen (evtl. leicht gepolsterten) Schultergurten.

Ganz wichtig wäre auch ein Rolltop-Verschluss. Dieser Verschluss ist wesentlich variabler als alle anderen Verschlüsse.

Weitere notwendige Ausstattungsmerkmale wären zwei Seitentaschen zB für die Aufbewahrung von Trinkflaschen. 

Nicht zu vergessen ein Rückennetz für die Aufbewahrung der weiter oben erwähnten Ausrüstungsgegenstände, die man tagsüber öffters benötigt, wie zB das Toilettenpapier und die Regensachen.

Wünschenswert wären über den beiden Seitentaschen noch zwei kleine Netztaschen. Diese Netztaschen habe ich mir bei beiden zpacks-Rucksäcken nachgerüstet. Verwendet werden sie vor allem für Unterwegs-Nahrung, wie Obst, Riegel usw. 

In den einschlägigen Wander-Foren gibt es heiße Diskussionen über die Verwendung eines Hüftgurtes. Für mich ist der Hüftgurt ein absolutes Muss. Am Rucksack zpacks Arc Haul ist der Hüftgurt noch geplstert, beim zpacks Nero 38 L besteht der Hüftgurt aus 25 mm breitem Gurtband. Am Hüftgurt habe ich rechts und links zwei verschiebbare! Hüftgurttaschen hängen, die oft benutztes "Kleinzeug" (kleines Messer, Pinzette für Zecken usw) enthalten. In der Mitte des Hüftgurtes hängt bei mir sogar eine dritte Tasche, eine kleine Bauchtasche, für die Aufbewahrung der Geldbörse und von wichtigen Papieren. Diese Bauchtasche kann ich mit einem kleinen zusätzlichen Hüftgurt sogar für einen Stadtbummel um die Hüfte binden.

Zum Schluss wäre noch ein kleines Ausstattungsdetail wichtig. Zwei Schnüre, die hinten ziemlich weit unten angebracht sind, die zur Befestigung des Beutels mit dem Tarp/Zelt dienen. Diese beiden Schnüre hatte mein zpacks Nero 38 L leider nicht, so dass ich die ebenfalls an dem Rucksack nachrüsten musste. 

Jetzt habe ich eine ganze Menge von wünschenswerten Ausstattungsmerkmalen genannt, die für mich wichtig sind. Die "eierlegende Wollmilchsau" wird selten ein Hersteller anbieten. Einige Details musste ich bei meinen Rucksäcken deshalb durch MYOG-Projekte nachrüsten.

Aber es gibt Hersteller, wo Rucksäcke nach den eigenen Bedürfnissen "gecustmized" (fürchterliches denglisch) werden können. Wer sich traut in Kontakt mit einem Hersteller zu treten, die meistens im englischsprachigen Raum (USA usw) sitzen, genaue Vorstellungen von seinem neuen Rucksack hat und das nötige "Kleingeld" besitzt, erhält den Rucksack seiner Träume.

(5) Übernachtungs-Setup

Auch beim Übernachtungs-Setup gibt es eine unglaubliche Vielfalt. 

Was muss man beachten?

     (a) Zelt/Tarp/Biwaksack
     (b) Isomatte
     (c) Schlafsack/Quilt
     (d) Schlafkleidung

Nach Wandertouren über fast 10000 km hat sich bei mir folgendes Übernachtungs-Setup herauskristallisiert:

     zu (a) Tarp oder Biwaksack
     zu (b) selbstaufblasende Schaumstoffmatte
     zu (c) Quilt
     zu (d) Wanderkleidung

zu (a) Tarp oder Biwaksack

Angefangen habe ich mit einem 2-Mann-Zelt von Tarptent, dem Double Rainbow. Da war ich manchmal noch mit meiner Frau unterwegs. Dann wechselte ich aus Gewichtsgründen zu einem 1-Mann-Zelt von Tarptent, dem ProTrail in Silnylon, später in der DCF-Version. Für mich ist das Tarptent ProTrail Li (=DCF) eines der schönsten 1-Mann-Zelte. Es bietet einen Rundumschutz gegen Plagegeister und hat auch reichlich Platz für große Menschen.

Wieder aus Gewichtsgründen bin ich dann zum zpacks Hexamid Pocket Tarp with Doors (Baujahr 2019) gewechselt. Dort hat mich die Einfachheit überzeugt. Allerdings bietet das Tarp keinen Schutz gegen Plagegeister. Dieses Tarp begleitete mich auf vielen Wandertouren. Als die ersten Reparaturen anfingen, dachte ich über eine Neuanschaffung nach. Dann rückten die MYOG-Projekte in meinem Blickpunkt und ich bastelte mein erstes Tarp aus Camo (siehe MYOG-Projekt C34) nach einem Entwurf des Users @Capere aus dem ULT-Forum, das ich immer noch benutze. 

DCF-Zelte und -Tarps lassen sich übrigens auch unterwegs sehr leicht reparieren. Mit Reparaturflicken werden die beschädigten Stellen (Löcher, Risse usw) einfach überklebt. Viele lehnen DCF als Material für Zelte/Tarps ab, weil es unglaublich teuer ist, aber ich liebe dieses Material. Es lässt sich durch kleben ungemein einfach verarbeiten. An meinen MYOG-Tarps gibt es keine einzige Naht. 

Gelegentlich schlafe ich, wenn es das Wetter erlaubt, im Cowboy-Camping-Stil im Biwaksack, dem Kloke von Alpkit.

Zwischen diesen beiden Übernachtungsstätten, Tarp oder Biwaksack, wechsle ich ständig hin und her. Am liebsten würde ich nur im Biwaksack schlafen, aber die Konstruktionen der Biwaksäcke haben noch nicht den ausgereiften Entwicklungszustand der Zelte und Tarps erreicht. Da gibt es noch Luft nach oben. Allerdings beobachte ich die Biwaksack-Entwicklung sehr genau.

zu (b) selbstaufblasende Schaumstoffmatte

Das ist der Ausrüstungsgegenstand mit dem ich die meisten Experimente durchführte. Ich habe so ziemlich alle Arten von Isomatten ausprobiert. Zum Schluss bin ich bei der selbstaufblasenden Schaumstoffmatte von TaR, der ProLite (Small, 120 cm), geblieben. Als Seitenschläfer komme ich mit dieser Länge sehr gut klar. Da ich sehr kälteverträglich bin, reicht mir diese Isomatte auch bei leichten Minusgraden.

zu (c) Quilt

Von Anfang an war ich nur mit einem Quilt von AsTucas mit einer Kunstfaser-Füllung unterwegs. Das Thema Kunstfaser oder Daune will ich hier nicht vertiefen. Es ist jedenfalls ein heiß diskutiertes Thema in den einschlägigen Foren.

zu (d) Wanderkleidung

Ich nehme auf meinen Touren aus Gewichtsgründen keine besondere Schlafkleidung mit. D.h. im Umkehrschluss, dass ich in meiner Wanderkleidung schlafe. Nach einem anstrengenden Wandertag ist die im Sommer verschwitzt, das muss man wissen. 

Im Frühjahr und im Herbst bin ich mit 3 Paar Socken unterwegs. 2 Paar benutze ich abwechselnd beim Wandern. Das 3.Paar muss immer trocken für die Nacht sein, wenn ich Socken für einen angenehmen Schlaf benötige. Kalte oder sogar nasse Füsse sind bei mir der Anzeiger für das Frieren.

Hinweis: Mir ist klar, dass ich das (5) Übernachtungs-Setup ziemlich kurz abgehandelt habe. 

Deshalb empfehle ich für dieses spezielle Thema das Studium von Beiträgen im ULT-Forum. Dort werden diese Dinge in aller Ausführlichkeit behandelt und diskutiert.

Von Vorteil ist auch eine Anmeldung im Forum. Das ermöglicht die Teilnahme an sogenannten "Forums-Treffen". Diese Treffen finden zu jeder Jahreszeit, also auch im Winter, statt. Die Teilnehmer am Treffen, manchmal bis zu 30 Wanderer, bauen alle ihre Zelte/Tarps auf. Dort kann dann das Übernachtungs-Setup ausführlich begutachtet, "befingert", besprochen und manchmal auch getestet (zB Probeliegen) werden. 

Eine bessere Möglichkeit für eine Übersicht des verwendeten Übernachtungs-Setups gibt es nicht. Das kann kein Outdoor-Laden bieten.     

(6) Restliche Ausrüstung

Die Auswahl der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände habe ich ausführlich beschrieben. Für die restliche Ausrüstung habe ich kaum spezielle Hinweise. Diese Ausrüstungsgegenstände werden stark durch individuelle Gesichtspunkte bestimmt.

Ich nenne mal einige Kategorien, die betrachtet werden sollten:

     (a)  Ernährung (Trinkflaschen, Wasserfilter usw)
     (b)  Hygiene (Was ist das Minimum, was ich unterwegs brauche?)
     (c)  Kleidung (Wandersachen, Regensachen, Schlafsachen usw)
     (d)  Kochen (Koch-Setup usw)
     (e)  Medizin (Was ist unbedingt erforderlich?)
     (f)  Sicherheit (Notsender usw)
     (g) Technik (Handy, Ersatz-Powerbank, Solarzelle, Lade-Setup usw)
           usw

Da lohnt sich sicherlich ein Blick in diverse Packlisten im Internet. Packlisten sind eine sehr gute Übersicht, was andere Wanderer so in ihren Rucksack packen, was sie anziehen und was sie sonst noch so nutzen.

(7) Preis

Ultraleichte Ausrüstung ist unglaublich teuer. 

Der Grund dafür sind die speziellen Hochleistungsmaterialien (DCF, Tyvek usw), die aus anderen Extremsportarten (Segeln, Fallschirmsport, Bergsteigen usw) kommen und von Herstellern für Wanderausrüstung (Zelte/Tarps, Rucksäcke usw) verwendet werden. 
 
Erschwerend ist der Umstand, dass die meisten Herstellerfirmen für ultraleichte Ausrüstung in den USA ihren Hauptsitz haben. Zu den Gesamtkosten kommen also noch Lieferkosten und Zoll hinzu.

Bestimmte Ausrüstungsgegenstände (Zelte/Tarps, Rucksäcke usw) können auch von europäischen Outdoor-Läden gekauft werden. Aber da empfehle ich unbedingt einen Preisvergleich zwischen einem Verkäufer zB aus den USA (Preis, Lieferung, Zoll) und einem Verkäufer in Europa/Deutschland (Preis, Lieferung).  

(8) Gebrauchte Ausrüstung

Auch der Gebrauchtmarkt im Internet für die zuvor genannten Ausrüstungsgegenstände bietet so manches Schnäppchen. 

Stutzig sollte man werden, wenn teure und gut erhaltene Ausrüstungsgegenstände weit unter dem Marktwert angeboten werden. Mein Ratschlag ist bei solch teuren Angeboten die Barzahlung bei Abholung vor Ort. Damit rechnen viele Fake-Verkäufer nicht und suchen nach Ausflüchten. 

Da ist die Mitgliedschaft in einem Wanderforum von Vorteil. Dort könnte ein Forumsmitglied, das in der Nähe des Verkäufers wohnt, die angebotene Ware gegen Barzahlung abholen. Das ist durchaus eine übliche Praxis in Wanderforen, wenn es um sehr teure Ausrüstungsgegenstände geht.

(9) MYOG

Ich gehe seit einigen Jahren bei einigen Ausrüstungsgegenständen einen anderen Weg. 

Bestimmte Ausrüstungsgegenstände (Rucksäcke, Zelte/Tarps usw) stelle ich selber her, so wie sie meinen Ideal-Vorstellungen entsprechen. Da fallen nur die Materialkosten an, die verwendete Arbeitszeit spielt überhaupt keine Rolle.

Hier im Blog gibt es entsprechende MYOG-Projekte. Im ULTF-Forum sind ebenfalls unzählige Bauanleitungen zu finden. Es ist unglaublich, was für schöne Rucksäcke und Tarps/Zelte manche User herstellen.
 
Ich realisiere meine MYOG-Projekte vor allem in der Winterzeit. In den anderen Jahreszeiten wandere ich, fahre mit dem Rad und dabei sammle ich Ideen für zukünftige MYOG-Projekte.

Mir macht das unheimlich viel Spaß und hält mich im hohen Alter körperlich und geistig fitt. 

(10) Fazit

Irgendwann ist die gewünschte Ausrüstung beisammen, ob selbst hergestellt oder gekauft, spielt keine Rolle. Jetzt können längere Wandertouren in Angriff genommen werden. Dabei wird man sehr schnell feststellen, dass es mit dem einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand doch nicht wie gewünscht funktioniert. Dann hilft nur eine Neuorientierung bezüglich des betroffenen Ausrüstungsgegenstandes.

Den alten verkaufen oder evtl. sogar in der Familie verschenken, wie ich es mache, und einen neuen kaufen. 

Dann beginnt der hier beschriebene Kreislauf von vorn.

(11) Ausblick

Neuerdings befasse ich mich mit dem Bikepacking (seit Herbst 2024) und dem Skitouring (seit Herbst 2025). Ich möchte längere Touren mit dem Trekking-Fahrrad und 
(vorerst!) nur Tagestouren mit Tourenski durchführen. Bei beiden Aktivitäten greife ich auf die UL-Erfahrungen vom Wandern zurück. 

Im Jahr 2025 habe ich ausschließlich an meinem 25 Jahre alten Trekking-Fahrrad "rumgebastelt" (siehe MYOG-Projekt E1). Die Änderungen am Fahrrad testete ich auf vielen Tagestouren. Bisher unternahm ich also keine einzige Bikepacking-Tour mit Übernachtung. Das will ich jetzt ab Frühjahr 2026 nachholen, wenn mein Trekking-Fahrrad ausrüstungsmäßig meinen Vorstellungen entspricht (Taschen usw). Vorher "bewege ich mich nicht vom Hof".

Ähnlich verhält es sich beim Skitouring. Erst muss die Ausrüstung (siehe MYOG-Projekt G1) "einigermaßen" stimmen, dann kommen die Touren.

Beim Wandern habe ich das andersherum gemacht, einfach weil ich es nicht besser wusste. Ich bin sofort zu längeren Touren mit der vorhandenen Ausrüstung aufgebrochen und habe das eine oder andere Debakel erleben müssen.

Langweilig wird es in den nächsten Jahren jedenfalls nicht ...

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